Predigt vom Pfingstsonntag 2021

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Geistlos! Von allen guten Geistern verlassen! Das ist der Eindruck, den das kirchliche Leben in Deutschland manchmal geben kann.

Doch dieser Eindruck ist oberflächlich oder unzureichend. Wenn wir nämlich die Kirche beurteilen wollen, müssen wir weiter blicken als nur auf das aktuelle Tagesgeschehen, das von der Schwäche der Menschen bestimmt ist. Wohl ist die Begrenztheit und Sündhaftigkeit der Glieder der Kirche, seien sie Bischöfe, Priester oder Weltlaien, nicht selten für Geistloses und Unbedachtes verantwortlich. Auf der Ebene des rein Menschlichen wirkt auch in der Geschichte der Kirche das Tun vieler Kirchenglieder tatsächlich hier und da von allen guten Geistern verlassen.

Wenn wir aber auf das Ganze der über zweitausendjährigen Kirchengeschichte blicken, sehen wir gerade an der menschlichen Schwäche und Kurzsichtigkeit, die immer wieder alles durcheinanderbringen kann, dass die Kirche niemals geistlos oder geistverlassen ist. Trotz aller Schwierigkeiten, die menschliche Beschränktheit über die Kirche gebracht haben, ist die Kirche immer wieder erstarkt! Nach der Überwindung mancher Wirrnisse hat sie immer
von neuem mutig Zeugnis für die ganze, überlieferte Wahrheit Gottes gegeben.

Der Geist Gottes verlässt die Kirche nämlich nie! Auch dann, wenn sich einzelne oder Gruppen von der Wahrheit abwenden,  bleibt der Heilige Geist das Prinzip der lebendigen Wahrheit Christi in der Kirche. Dieses göttliche Prinzip zeigt sich immer von neuem auf dreifache Weise.

1. Zunächst ermöglicht der Geist Gottes, dessen Hochfest wir heute begehen, die Offenbarung der verborgenen Wahrheit Gottes an die Kirche: Christus ist diese ‚Menschgewordene Wahrheit‘. Er ist eins mit Gott dem Vater und Gott dem Heiligen Geist. Durch seine geistdurchflutete Menschheit, in ihrem Tun und Reden, erkennen wir die Heilswahrheiten, die zu unserer Rettung notwendig sind.  Durch den Heiligen Geist, der die Einheit zwischen Gottheit und Menschheit bewirkt, ist Christus für uns „der Weg, die Wahrheit und das Leben“! Christus bleibt durch den Geist Gottes immer der Mittelpunkt der Kirche!  Er sendet uns den Geist, damit diese Heilswahrheiten nicht verloren gehen.

2. Die Geistsendung an die Apostel, die mit Maria versammelt waren, bestätigt die Wahrheit, die Christus seiner Kirche hinterlassen hat. Er gibt den Aposteln  die Vollmacht, im Namen des Heiligen Geistes zu reden und zu schreiben. Bestätigt und getragen vom hl. Geist, geht die aktive Offenbarung der Heilswahrheiten bis zum Tod des letzten Apostels weiter. Der Heilige Geist führt diese, so wie Christus gesagt hat, in die „ganze Wahrheit“ ein. Trotz aller persönlichen Schwächen, die selbst bei den Apostelfürsten Petrus und Paulus nicht verschwiegen werden, setzt der Heilige Geist die Wahrheit durch und beschützt sie. Die göttliche Inspiration der Evangelien und Apostelbriefe durch den Geist Gottes garantiert deren völlige Wahrheit und Fehlerlosigkeit. Obwohl jeder der heiligen Schriftsteller auf seine Weise und nach seiner Erfahrung schreibt, gibt es keinen Widerspruch und keine Irrtümer in der schriftlichen und mündlichen Überlieferung der Offenbarung durch die Apostel und Evangelisten. Gott der Heilige Geist bleibt auch in der Überlieferung der Kirche die Garantie und das Prinzip göttlicher Wahrheit und Unfehlbarkeit.

3. Dieses wunderbare Wirken des Gottesgeistes hört aber mit dem Tod des letzten Apostels nicht einfach auf, sondern wandelt sich in einen dauernden Beistand des Geistes für die Kirche hinsichtlich der Überlieferung der geoffenbarten Wahrheit. Zwar hat es in der langen Geschichte der Kirche viele Irrtümer und Häresien gegeben, doch ist die Wahrheit Christi schließlich immer siegreich.

Der Heilige Geist steht zunächst Petrus und seinen Nachfolgern bei, damit sie „die Brüder in der Wahrheit stärken“. Der Gottesgeist hat noch immer zu verhindern gewusst, dass der Irrtum auf Dauer siegt, auch wenn Petrus kleingläubig wurde. Das feierliche Lehramt des Papstes aber, das dieser von der erhabenen Höhe seines Amtes in Glaubens- und Sittenfragen an die gesamte Kirche richtet, ist durch die Assistenz des Heiligen Geistes mit der Gabe dauernder Unfehlbarkeit ausgestattet. Selbst schwache und verwirrte Päpste, von denen es einige wenige gegeben hat, haben niemals gewagt, an diesem Grundbestand göttlicher Wahrheit zu rütteln. Würde dies doch wider Erwarten einmal geschehen, würde der Geist Gottes der ganzen Kirche eindeutig zeigen, dass das hohe Amt des Stellvertreters Christi auf einen anderen übergeht.

Der Geist Gottes aber ist stärker als der Irrtum und lässt niemals zu, dass die Braut des Herrn, deren Seele er ist, des Glanzes der Wahrheit verlustig geht. Neben den Sakramenten, deren Wirkmächtigkeit der Heilige Geist ebenso garantiert, ist nämlich der Glanz der unverfälscht überlieferten Wahrheit der herrlichste Schmuck der Kirche!

So sehen wir deutlich: Der Geist des Herrn hört niemals auf in der Kirche zu wehen! Er schenkt uns in Christus die göttliche Offenbarung, er garantiert ihre Wahrheit in der schriftlichen und mündlichen Überlieferung, er steht dem Lehramt bei, die Offenbarung immer besser zu verstehen und ohne Irrtum bis zum Ende der Welt zu bewahren.

Weil der Geist Gottes – der Geist der Stärke, der Liebe und der Wahrheit -, die Kirche auch in schweren Zeiten belebt, muss die Kirche in ihrer überlieferten Lehre auch heute noch mit der ‚Stimme der Ewigkeit‘ sprechen. Es ist daher nicht der Zeitgeist, der die Sprache der Kirche bestimmen kann. Wie die Worte ihres Herrn, so müssen auch die Worte der Kirche „Worte des Ewigen Lebens“ sein. Wenn daher Vertreter der Kirche nicht mehr mit der Stimme der Überlieferung, also nicht mehr mit der ‚Stimme der Ewigkeit’ sprechen würden, hörten sie auf, wirklich im Namen Christi und seiner Kirche die Wahrheit zu verkünden.

Bitten wir also heute den Geist der Wahrheit, die Kirche neu zu beleben, damit die Stimme der Ewigkeit in der Welt ganz  deutlich und ohne Fehl ertönen kann. Nur so können die Menschen das Wort Petri, des Felsens der Kirche, wieder verstehen, der – vom heiligen Geistes erfüllt –  klar bekennt: „Wohin sollen wir gehen? Du allein, o Herr,
hast Worte des Ewigen Lebens!“ Amen.

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Predigt vom Karfreitag 2021

Kloster Maria Engelport

Predigt von Msgr. Prof. DDr. R. Michael Schmitz

Karfreitag 2021

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Gott sieht alles. Diese Wahrheit können wir bekräftigen, selbst ohne den Glauben. Wer durch die Betrachtung der Schöpfung zu Erkenntnis gekommen ist, dass es einen Schöpfer gibt, der weiß, dass der Schöpfer so groß sein muß, dass er alles, was er geschaffen hat, im Innersten kennt und sieht. Der Glaube bestätigt diese Wahrheit. Wir wissen, dass Gott in die Herzen sieht, dass er weiß, was wir tun, dass er weiß, wer wir sind und dass wir seinem Blick nicht entgehen können.

Das lässt uns jedoch ziemlich kalt. Obwohl wir genau wissen, dass es so ist, sündigen wir weiter. Wir versuchen nicht uns zu bekehren, wir sind oft genug gleichgültig und blasiert. Dass Gott uns sieht, bewegt uns offensichtlich wenig. Wie aber ist es, wenn plötzlich dieser Gott unter uns weilt? Wenn er nicht nur mit dem scheinbar fernen göttlichen Blick, sondern mit einem wirklich menschlichen Blick uns ansieht? Wie ist es, wenn dieser menschliche Blick uns durchschaut, uns erkennt und in unser Herz blickt? So ist es nämlich dem Petrus ergangen. Er hatte den Herrn dreimal verraten. Da heißt es bei Lukas, „der Herr wandte sich um und blickte Petrus an… und [Petrus] ging hinaus und weinte bitterlich“ (Lk 22, 61-62).

Der Herr blickt Petrus an. In der Heiligen Schrift wird im griechischen Text für dieses Anblicken das Wort ἐμβλέπω [emblepo] gewählt, das viel tiefer geht als unser Ausdruck des Anblickens. Manchmal meint ἐμβλέπω [emblepo] sogar „anstarren“. Das bedeutet, dass der Herr den Petrus intensiv angeschaut hat. Der Herr hat ganz konzentriert auf den Petrus geblickt und hat ihm mitten ins Herz geschaut. Dieser Blick, wie der gewählte Ausdruck uns aus dem Zusammenhang begreifen hilft, ist aber ein persönlicher Blick, ein Blick der Liebe, ein Blick der Sorge, ein Blick, der denjenigen, der so angeblickt wird, der damit in das liebende Auge des Gottmenschen blicken darf, im Innersten berühren kann, ihm aber doch die Entscheidungsfreiheit lässt. Auch den reichen Jüngling blickt Jesus so an: „Er blickte ihn an und liebte ihn…“ (Mk 10, 21). Dieser Blick ist kein ferner kalter Blick, sondern ein Blick der Liebe und Barmherzigkeit, der bei Petrus zur Bekehrung geführt hat.

Der Herr blickt auf seinem Leidensweg viele Menschen an, die ihm begegnen. Wir könnten diese Menschen in Gruppen einordnen. Zunächst sind da die „Unverbesserlichen und Verstockten“, die er vom Kreuz herab anblickt und die eine johlende Menge bilden, aufgestachelt durch die Pharisäer. Mit unserem bloß menschlichen Blick würden wir urteilen: „Da ist nichts mehr zu machen“. Der Herr blickt sie an, aber auch dieser Blick ist noch voll Barmherzigkeit. Er wendet sich an den Vater und sagt: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun“ (Lk 23, 24). Auch die verstockten Sünder haben noch immer eine Chance! Auch dann, wenn wir uns in der Sünde verlaufen haben und nicht herausfinden, blickt uns der gütige Menschensohn verzeihend an und betet für uns zum Vater. Sein Blick weist uns den Weg zur Gnade!

Darauf blickt er diejenigen an, die bereit sind, sich zu bekehren. Das ist der Blick, den Petrus trifft, und das ist der Blick, den er dem Schächer schenkt, der ihn bittet, für ihn einzutreten. Dieser Blick führt zu Bekehrung und Rettung! Der Herr kann dem Schächer vorhersagen: „Noch heute wirst du mit mir im Paradiese sein.“ (Lk 23, 43). In diesen Tagen sind wir alle eingeladen zu dieser Umkehr. Der Herr blickt uns voller Liebe und Barmherzigkeit an. Wir sollen uns im Innersten bekehren. Wir sollen zu Ihm hinblicken, damit Er uns anblicken und unser Herz rühren kann, damit wir Tränen der Reue vergießen können wie Petrus und damit Er uns verzeihen kann zu einem neuen Anfang.

Schließlich blickt der Herr auf seinem langen Leidensweg die Gerechten an, er blickt die Frauen von Jerusalem an, die über ihn weinen. Er sagt ihnen, für sich selber zu beten. Der Blick, den der Herr dabei annimmt, ist ein Blick der Nächstenliebe, der uns alle auffordert zu beten, um gerettet werden zu können. Er blickt Veronika an, die ihm in einem einzigartigen Liebesdienst voller Mut das Schweißtuch hinhält. Dieser Blick ist für immer festgehalten als eine Liebesgabe Gottes an die Menschen in diesem Schweißtuch, das die Kirche noch heute verehrt. Der Blick Jesu Christi ist ein Blick der ewigen Liebe und wo dieser Blick einmal hingefallen ist, da bleibt dieser Blick tief im Herzen und in den Dingen verankert.

Endlich blickt er auf dem Weg zum Kreuz und vom Kreuz herab seine Mutter an und den Johannes; den Johannes, der weggelaufen war und zurückgekehrt ist, ein bereits Bekehrter und dadurch gerecht Gewordener. Ihn trifft ein Blick liebender Verzeihung des göttlichen Freundes, der ihm die Sorge für die Mutter anvertraut. Die jungfräuliche Mutter aber bedarf der Hilfe. Wohl ist sie immer gerecht und ohne Makel gewesen, braucht angesichts des schrecklichen Leidens ihres Sohnes auf dem Weg und unter dem Kreuz jedoch Beistand, Kraft und auch menschliche Hilfe, denn sie ist Mensch geblieben. Sie blickt der Herr mit der tiefsten Sohnesliebe an, bestärkt sie in der Kraft der Gnade und schenkt Ihr in Johannes eine menschliche Stütze. Sein Blick endlich gibt ihr die einzigartige Gnade, Miterlöserin zu werden an dem Heil, das Er uns am Kreuz sterbend erwirbt.

Der Blick des Herrn ist ein Blick, der immer in die Tiefe unserer Seelen geht. Wir müssen uns am heutigen Karfreitag entscheiden, zu welcher Gruppe wir gehören wollen. Wollen wir zu denen gehören, die nur noch der Barmherzigkeit des Vaters anheimgestellt werden können, weil sie sich von der Sünde nicht mehr trennen wollen oder können? Wollen wir zu denen gehören, die aufrichtig daran arbeiten, sich zu bekehren und die trotz ihrer Schwachheit umkehren? Oder möchten wir uns die besondere Gnade erbitten, zu den Gerechten zu gehören, die dem Herrn auf seinem Leidensweg folgen, schließlich sogar unter dem Kreuz bleiben und nicht mehr weglaufen? Die Entscheidung ist unsere! Der liebende und barmherzige Blick des Herrn ist auf uns gerichtet! Es ist kein ferner Blick, kein gleichgültiger Blick, aber es ist ein Blick, der eine Antwort erheischt. Zu welcher Gruppe wollen wir gehören?

Halten wir uns deswegen nicht nur an diesem Karfreitag ganz nah zu jener Gruppe, die sich um Maria geschart hat. Bei der leidenden Gottesmutter sind wir sicher! Bei ihr trifft uns der Blick der göttlichen Liebe nicht unvorbereitet. Wir sind vielleicht zurückgekehrt oder stehen kurz davor, aber bei Ihr werden wir davor beschützt, noch einmal vor der Gnade zu fliehen. Wenn wir uns ganz nah an Maria halten, dann wissen wir, dass der Blick Christi sich mit dem Blick der Gottesmutter vereint und uns hilft, in Zukunft unter dem Kreuz auszuharren und Christus mit jener Liebe anzublicken, die Ihn dazu gebracht hat, für uns zu sterben.

Das ist die Botschaft des heutigen Tages: Der Herr blickt uns an! Er blickt in unser Herz und wir sollen ihm antworten. Sehen wir den gekreuzigten Heiland an und rufen aus ganzem Herzen: „Sieh‘ mich an, o Herr, und sei mir barmherzig!“ Amen.

Kurzpredigt vom Palmsonntag 2021

Kloster Maria Engelport

Kurzpredigt von Msgr. Prof. DDr. R. Michael Schmitz

Palmsonntag 2021

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

„Servire regnare est.“ – Dienen ist Herrschen. Dieser allbekannte Ausspruch wird heute auf besondere Weise wahr, weil der König der Könige seinen Dienst am Kreuz zu vollenden sich anschickt. Stefan George hat nach einem Papstamt in Sankt Peter zur Zeit Leos XIII einmal gedichtet: „So sinken wir als gläubige zu boden / Verschmolzen mit der tausendköpfigen menge / Die schön wird wenn das wunder sie ergreift.“ Die Menge, die den Herrn sieht, als er in Seine Stadt einzieht, wird schön, weil das Wunder des dienenden Königs sie ergreift! Christus kommt nach Jerusalem, um seinen Dienst in einem „Zweikampf mit dem Fürsten des Todes“, wie es in den Segnungsgebeten der Palmweihe heißt, als König zu vollenden: Durch diesen Zweikampf erringt Er den Triumph über den Tod und für uns das ewige Leben in Herrlichkeit.

Niemand kann Christus folgen, wenn er nicht dienen will. Wenn wir nicht bis zum Tode Gott dienen, wenn wir nicht immer, wenn Gott uns die Gelegenheit gibt, dem Nächsten dienen, dann haben wir an Christus keinen Anteil. Gott dienen ist herrschen mit Christus! Wir sind gerufen und geschaffen, um mit Christus in der Herrlichkeit des Himmels an der Herrschaft des Vaters teilzuhaben. Diese Teilhabe – so zeigt uns heute der königliche Herr – ist nur möglich durch die Bereitschaft zum Dienst eines wahrhaft opferbereiten Lebens nach dem Willen Gottes.

Das ist für uns vielleicht kein Dienst des blutigen Martyriums am Kreuz, aber ein Dienst, der uns doch jeden Tropfen unseres Blutes kostet, denn er währt bis zum Tod. Wenn wir diesen Dienst, Christus nachfolgend, heute und alle Tage zu verwirklichen versuchen, wenn wir uns wie Petrus bekehren, falls wir dem Anspruch des Dienens nicht gerecht geworden sind, dann wird uns die Gnade, die Christus uns heute durch seinen Dienst erwirbt, dabei helfen, Ihm und den Menschen zu dienen und wie Er triumphierend an der Herrlichkeit teilzuhaben.

Denken wir immer daran, dass unser König ein dienender König ist. Unser König hat unserem Heil gedient, Er hat der Wiederherstellung der Schöpfung gedient, Er hat der Ehre des Vaters gedient. Wegen Seiner Dienstbereitschaft, die mit Seiner Sendung in die Welt begann, ist Er als lebendiger Gottmensch in die Herrlichkeit auferstanden. So werden wir mit Ihm auferstehen und mit Ihm herrschen, wenn wir als Christen täglich Gott und den Menschen aus Liebe zu Christus dienen. Amen.

Predigt vom Gründonnerstag 2021

Kloster Maria Engelport

Predigt von 

Msgr. Prof. DDr. Rudolf Michael Schmitz

Gründonnerstag 2021

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

“τοῦτο ποιεῖτε εἰς τὴν ἐμὴν ἀνάμνησιν; Hoc facite in meam commemorationem; Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ (Lk 22, 19; 1 Kor 11, 24) Dieser geheimnisvolle Einsetzungsbefehl der Eucharistie, den heute der Herr den Aposteln und damit der ganzen Kirche gegeben hat, erklärt uns, warum der Herr in unserer Mitte ist und bleibt, warum sein Priestertum fortlebt und warum wir alle durch diese außerordentlichen Gnaden Zugang zur ewigen Herrlichkeit haben. In diesen Worten sind im griechischen Urtext vor allen Dingen zwei Worte von Bedeutung. „ποιεῖτε [Poieite]“ ist das erste: „Tut dies!“ Damit – hier klingt die Struktur des Aramäischen nach, das der Herr gesprochen hat – setzt er der Kirche durch die Apostel eine feste Regel: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“, nämlich so oft ihr dieses Heilige Opfer feiert. „Tut dies“, das bedeutet, dass er durch seine göttliche Kraft das, was im letzten Abendmahl geschieht, verewigt und fortsetzt.

Niemand aber könnte genau das tun, was der Herr getan hat, ohne die Vollmacht des Herrn zu besitzen. Deswegen wendet er sich in dem Moment, an dem er im Abendmahl sein Kreuzesopfer vorwegnimmt und damit bei der Wandlung von Brot und Wein, an die Aposteln und trägt ihnen auf zu handeln wie Er: „ποιεῖτε [Poieite]“ – tut dies, so wie Ich es getan habe, Ich gebe euch die Vollmacht, nicht nur in meinem Namen, sondern in meiner Person zu handeln. Deswegen sagt seit 2000 Jahren der Priester, wenn er die Wandlungsworte spricht, nicht wie bei der Kommunion: „Seht der Leib Christi“, sondern er sagt: „Das ist mein Leib“. Er spricht also in der ersten Person, weil in diesem Augenblick durch den Auftrag und die Vollmacht, die vor 2000 Jahren die Apostel von Christus erhalten haben, jeder Priester selbst Christus ist und deswegen die Heilige Wandlung als ein alter Christus, ein anderer Christus, wie Christus selbst vollzieht.

Deswegen ist die Handlung, der wir in jeder Messe beiwohnen dürfen, immer eine einzigartige, denn sie ist das Opfer Jesu Christi selbst. Sie ist das, was dem Priester aufgetragen ist als Zentrum seines eigenen und als Zentrum des gesamten kirchlichen Lebens. Wenn diese Handlung Christi aufhören würde, was sie, solange diese Welt besteht, niemals tun wird, dann wäre alles zu Ende. Dann wäre Christus nicht mehr unter uns, dann würde sein Opfer nicht mehr gegenwärtig gesetzt und dann würde uns die Frucht der Erlösung, die er uns am Kreuz erworben hat, nicht mehr geschenkt und sein erlösendes und sühnendes Blut nicht mehr für uns vergossen.

Christus, der Gott und Mensch gleichzeitig ist, wusste das und hat deswegen seinen Priestern diese Vollmacht und diese Gewalt gegeben, die niemand ihnen nehmen kann. Auch der unwürdige Priester, eben dadurch, dass Christus in ihm handelt, damit die Kirche nicht ohne das Opfer Christi ist, behält diese Gewalt und kann tun, was Christus ihm zu tun aufgetragen hat. Christus verlässt seine Kirche niemals und hat alles dafür getan, auch dann bei ihr bleiben zu können, wenn menschliche Kräfte versagen!

„ποιεῖτε [poieite]“ – Tut dies, und zwar: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“. Das zweite wichtige Wort des heutigen Abends ist „ἀνάμνησις [anamnesis]“ – Gedächtnis. Wir sehen in diesem uralten Text das Alte Testament reflektiert: Wir wissen, dass „[anamnesis]“ eine Wiedergabe des hebräischen Wortes „זִכְרוֹן [zikaron]“ ist, das das mächtige Gedächtnis des jüdischen Volkes an den Auszug aus Ägypten wachruft (Ex 13, 9). Gedächtnis, aber Gedächtnis nicht nur so, wie man einer verstorbenen Person gedenkt oder wie man sich an etwas Wichtiges erinnert, sondern Gedächtnis in der ganzen Fülle der göttlichen Kraft: Gedächtnis als gottgewirkte Gegenwärtigsetzung! Das eucharistische Gedächtnis der Kirche hat durch die Vollmacht Christi die Kraft zu bewirken, was es erinnert! Zwischen dem Kreuzesopfer, dem Abendmahl und der Heiligen Messe besteht deswegen kein Unterschied. Wer der heiligen Messe beiwohnt, wer sie in ihrer feierlichen Form, so wie am heutigen Gründonnerstag, oder in ihrer bescheidenen stilleren Form, wie sie jeder Priester jeden Tag zelebrieren sollte, erleben und mitfeiern darf, der steht unter dem Kreuz und der ist wie die Gottesmutter gegenwärtig beim Abendmahl.

Das Gedächtnis der Messe ist ein zeitloses Gedächtnis: Durch die Kraft Jesu Christi, die er den Aposteln und der Kirche gegeben hat, wird ein Tor geöffnet zwischen Zeit und Ewigkeit. Durch dieses Tor dringt die göttliche Allmacht, durch dieses Tor kommt der Heilige Geist auf die Gaben herab und wandelt sie völlig um. Aus Brot wird Fleisch, aus Wein wird Blut! Die Gottheit und die Menschheit, die Seele und der Leib unseres Herrn Jesu Christi sind gegenwärtig auf unseren Altären und bleiben wunderbar gegenwärtig in unseren Tabernakeln.

Die Kirche lebt schon immer in großer Ehrfurcht vor diesem Geheimnis. Wir sind heute vom Heiligen Paulus, der diesen Einsetzungsbefehl wie der Evangelist Lukas wiedergibt, dringend aufgerufen, uns diese überlieferte Ehrfurcht der Kirche zu eigen zu machen, denn wer den Leib des Herrn unwürdig isst und das Blut des Herrn unwürdig trinkt, der isst und trinkt sich das Gericht, wie der Völkerapostel sagt (vgl. 1 Kor 11, 27-29). Kommen wir also zu diesem Tisch der Liebe unseres Herrn Jesus Christus in der festen Glaubensüberzeugung, dass er uns seinen Leib und sein Blut zur Speise für unsere Erlösung gibt. Kommen wir nicht, wenn wir schwere Sünden auf uns geladen haben, kommen wir nicht, wenn wir nicht wohlvorbereitet sind durch eine regelmäßige Beichte, auch wenn wir uns nur lässlicher Sünden bewusst sind.  Es ist wichtig, dass wir mit der Kirche aller Zeiten wissen, dass in der Eucharistie ein Geheimnis lebt, dem unsere tiefste Ehrfurcht gebührt. Dieses Geheimnis ist so groß, dass es sogar die Engel nicht fassen können, so groß und einzigartig, so sehr mit der Gottheit und Menschheit Christi verbunden, dass sie es sogar nicht vollziehen können.

Nur der menschliche Priester, sei er so bescheiden und arm und zerbrechlich wie auch immer, ist durch Christi göttliche Vollmacht Christus in dem Moment, wo er die Wandlungsworte spricht. Danken wir deswegen trotz aller Angriffe auf unsere Priester dafür, dass Christus uns das Priestertum geschenkt hat und beten wir am heutigen Abend für all die vielen Priester, die mit großen Opfern und unter vielen Schwierigkeiten heute in den Pfarreien und Klöstern noch immer treu das Opfer vollziehen und den Glauben verkündigen. Danken wir ihnen, dass sie den Befehl unseres Herrn Jesus Christus ernst nehmen und weiter tun, was er ihnen aufgetragen hat zu tun, damit jenes wahre Gedächtnis, das gegenwärtig setzt, was es erinnert und was es bedeutet, nicht aufhört, in der Kirche würdig zelebriert zu werden. Beten wir dankbar für unsere Priester!Wenn wir die Tiefe dieses Einsetzungsbefehls Christi erfassen, können wir verstehen, warum der heilige Johannes im 6. Kapitel seines Evangeliums jene ewigen Worte des Herrn, die schon damals Anstoß erregten, trotzdem unverfälscht wiedergibt: „Wer Mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben!“ (Jo 6, 54) Der Herr gibt uns sein Fleisch und sein Blut als Speise und Trank! Werden wir vor diesem bleibenden Wunder demütig, werfen wir uns dankbar auf die Knie, vergrößern wir unsere persönliche Ehrfurcht vor dem Priestertum und dem Heiligen Altarsakrament vor allen Dingen dann, wenn wir in der Heiligen Kommunion Fleisch und Blut Jesu Christi empfangen dürfen! Dann wird nämlich nicht nur ein Tor aufgemacht zwischen Zeit und Ewigkeit, sondern dann wird durch den Befehl, den Christus seiner Kirche gegeben hat, wenn wir ihn mit Ehrfurcht hören, auch ein Tor in unser steinernes Herz gebrochen! Dann kann in dieses Herz, das oft voll Sünde und voll Unruhe ist, endlich der Friede einkehren, den nur Jesus Christus geben kann. Amen.

Predigt vom zweiter Fastensonntag 2021

Kloster Maria Engelport

Predigt von

Msgr. Prof. DDr. R. Michael Schmitz

Zweiter Fastensonntag 2021

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Ist der Mensch eine Maschine? Noch vor wenigen Jahren wäre diese Frage absurd gewesen und hätte in unseren Ohren seltsam geklungen. Heute aber gibt es zahlreiche Ideologien, ja Praktiken, die den Menschen zu einer Maschine degradieren wollen.

Der sogenannte Transhumanismus will den Menschen durch Einpflanzung von elektronischen Geräten wie etwa Mikrochips nicht nur in seiner normalen Funktion unterstützen, so wie es die Medizin z.B. mittels Prothesen oder Herzschrittmachern schon lange tut, sondern er will den Menschen verbessern und verändern. Er will ihn innerlich in seinem Wesen umgestalten. Er will ihn zu einem „Übermenschen“ machen und künstlich herbeiführen, was der Mensch in seinem ganzheitlichen Wesen nur von Gott empfangen kann. Dieser Transhumanismus ist im Grunde tief menschenverachtend. Er will nicht sehen, dass der Mensch eine Leib-Seele-Einheit bildet, eine Ganzheit, die von Gott geschaffen ist. Er verfügt über den Menschen ebenso, wie man über eine Maschine verfügt und er will aus ihm machen, was Ideen und Phantasien ihm eingeben.

Dieser sogenannte Transhumanismus führt dann logischerweise zum Posthumanismus. Man glaubt, dass das Modell Mensch, so wie wir es kennen, endgültig veraltet ist, dass wir alles verändern müssen, so, dass wir nur noch eine geistige Komponente, etwa das im Hirn gespeicherte Wissen und die dort vorhandene vorgeblich rein geistige Identität erhalten können. Es wird behauptet, dass das alles auf eine Maschine – einen Rechner – übertragen werden kann. So soll, wie man mit Hybris wähnt, der Mensch in seiner geistigen Identität angeblich unsterblich gemacht werden können.

Hier tritt uns die uralte, böse Frage entgegen, die schon von Anfang an dem Menschen gestellt worden ist: „Willst du sein wie Gott?“ Denn hier macht sich der Mensch zum Schöpfer, er will sein eigenes Menschsein ablegen, er will ein neues Geschöpf bilden, er will etwas Größeres als sich selbst schaffen und zerstört damit hochmütig und undankbar sein eigenes Sein.

Dieser Posthumanismus hat tief nihilistische Wurzeln, der „Übermensch“ der Philosophie Nietzsches wird hier zu einer technisch machbaren Errungenschaft. Wir werden zu manipulierbaren Machwerken. „Alles ist möglich“, denn in dieser Sicht es gibt keine eigentliche unveränderliche, menschliche Natur mehr, alles ist in die Beliebigkeit gestellt. Im Letzten gibt es in diesem kalten Weltbild auch keine bleibende Wahrheit mehr, und natürlich keinen Maßstab, den Gott gesetzt hat. Vorgebliche Eliten schreiben in dieser „neuen Welt“ allen alles vor. Damit wird menschenverachtend eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, wie in der „schönen neuen Welt“ von Aldous Huxley, global vorgeprägt: Eine „wissende“ und „verbesserte“ Elite will die anderen „armen“ Menschen beherrschen. Freiheit wird durch Despotismus ersetzt, der Mensch wird zur Maschine, über die beliebig verfügt werden kann, und das alles geschieht angeblich „zum Wohle der Menschheit“. Was früher fast undenkbare Utopie war, wird heute langsam Wirklichkeit!

Im Evangelium hören wir etwas ganz Anderes: Mitten in der Fastenzeit wird uns die Verklärung des Herrn vor Augen gestellt. Im lateinischen Text der Vulgata heißt Verklärung transfiguratio, im griechischen Urtext metamorphosis: Eine Umwandlung, eine innere und äußere Umgestaltung des menschlichen Leibes Jesu Christi, der in seiner göttlichen Herrlichkeit den Aposteln erscheint. Hier aber ist kein cartesischer Dualismus zu sehen, denn der Leib des Herrn bleibt erhalten; doch die Gottheit, die die menschliche Natur des Herrenleibes von innen durchwirkt und gestaltet, wird äußerlich sichtbar. Die Glorie des Herrn wird sichtbar, aber in dem einen Leib, in der einen Menschheit, in der unzerstörbaren Einheit von Seele und Leib, Gottheit und Menschheit unseres Herrn Jesus Christus.

Kein künstlicher Dualismus tritt uns hier entgegen, sondern die Einheit von Gnade und Natur wird durch die Allmacht Gottes vor die erstaunten Augen der Apostel gestellt. Es ist für uns eine Vision dessen, was Gott mit uns selber vornimmt, wenn wir uns der Gnade öffnen. Auch wir sollen umgestaltet werden. Umgestaltet nicht dadurch, dass man uns etwas einpflanzt, dass man uns zu Maschinen macht, dass man uns technisch beliebig verändert, sondern umgestaltet dadurch, dass die Gnade von innen in uns wirkt. Umgestaltet dadurch, dass wir unser Selbst wahren, aber insofern verändert werden, als wir besser, mehr von der Gnade getragen und mehr Christus ähnlich werden. Das gilt nicht für eine kleine Elite, sondern für jeden, der sich der Gnade öffnen will.

Jeder bleibt dabei derselbe, die Identität des Menschen ist unveränderlich, kein Eingriff, keine Krankheit, kein Alter kann sie uns im Tiefsten nehmen. Wir bleiben immer die gleichen Menschen: Immer mit Schwächen behaftet, aber für die Gnade offen. Capax Dei, wie der hl. Thomas von Aquin lehrt. Wenn wir ein ganzes Leben lang mit Christus, in seiner Gnade mitgearbeitet haben, dann werden trotz unserer Begrenztheiten langsam und unmerklich umgestaltet, dann werden wir der Glorie nähergebracht, aber ein jeder bleibt der gleiche Mensch, den Gott in der Schöpfung mit je eigener Würde ausgestattet und, als Christ, durch die Sakramente der Kirche zu Seinem Kind gemacht hat. Daher bleibt jeder von uns der einzigartige Mensch, den Gott durch seine eigene Menschwerdung retten will. Er will jeden von uns als unverwechselbaren, aber durch die Gnade innerlich umgestalteten Menschen hinaufnehmen in die Glorie, die er uns heute auf dem Berge Tabor anfanghaft zeigt. Deswegen auch wird er am Ostermorgen mit Leib und Seele von den Toten auferstehen!

Damit enthüllt sich der Sinn der Fastenzeit: Wir sollen besser mit der Gnade mitarbeiten, wir sollen freier werden für diese wahre metamorphosis, diese innere Umgestaltung in Christus. Wir sollen uns von allem unnötigen Ballast losmachen, damit wir uns Gott öffnen können und seine Herrlichkeit in uns sichtbarer wird. Deswegen lädt uns die Kirche zu körperlichem Fasten ein, denn auch der Körper gehört zu unserer Leib-Seele-Einheit. Die Kirche fordert uns ebenso auf, unseren Geist zu reinigen und zu läutern, damit wir uns der höheren Weisheit fügen und nach den heilsbringenden Geboten Gottes leben können.

Auch durch die Fastenzeit lehrt uns die Kirche, dass der Mensch eine unverwechselbare und unveränderliche Einheit ist. Er ist eben keine Maschine, sondern ein Mensch, für die Herrlichkeit der Glorie geschaffen. Jung, alt, krank, gesund, einfach oder gebildet, hoch oder niedrig, immer ist der Mensch ein wertvoller Mensch. Er ist unveränderlich, weil Gott ihn unveränderlich liebt. Nie werden wir zu einer Maschine, deswegen dürfen wir nicht zulassen, dass menschenverachtende Ideologien den Menschen erniedrigen, ihn zu einer Maschine herabwürdigen wollen und ihn freiheitszerstörend überwachen und manipulieren.

Wir wissen mit der Kirche: Wir sind keine Maschinen, wir sind nicht auswechselbar, man darf uns niemals manipulieren und weder zu Beginn noch zu Ende unseres Lebens wegwerfen. Wir sind vielmehr eine Leib-Seele-Einheit. Als solche sind wir, mit allen Schwächen und Stärken unserer Natur, unverwechselbare, geliebte Geschöpfe Gottes. Wenn wir jedoch mit Christus auf dem Berg Tabor sein wollen, wenn wir uns seiner Gnade in dieser Fastenzeit – auch durch eine gute Beichte – besonders öffnen, dann werden wir umgestaltet. Nicht nur Christus, sondern auch wir selbst, werden damit Zeugen für die Glorie, die auf uns alle wartet! Jeder, der sich der Gnade öffnet und mit ihr mitarbeitet, zeigt, dass wir alle von Gott besonders geliebte Menschen und keine leib-und seelenlosen Maschinen sind! Amen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Predigt vom ersten Fastensonntag 2021

Kloster Maria Engelport

Predigt von

Msgr. Prof. DDr. R. Michael Schmitz

Erster Fastensonntag 2021

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

„Wir ermahnen euch, damit ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfangt.“ Das ruft der Heilige Paulus allen Christen am Anfang der Fastenzeit zu. Derjenige aber, der die größten Gnaden Gottes ganz vergeblich empfangen hat, tritt heute vor den Herrn, um ihn zu versuchen. Der Engel des Lichtes, der der Erste der himmlischen Heerschaaren war, hat, weil er sich nicht demütig vor Gott erniedrigen wollte, alle die Gnaden verloren, die er am Anfang empfangen hatte. Reich an Gnaden, reich an Kraft, reich an Schönheit war er der erste der Engel; weil er sich hochmütig Gott und seinem Dienst entzogen hat, ist er der erste der Teufel geworden und hat alle Gnade verloren.

Das lehrt uns, dass von den Versuchungen, in die der Teufel im heutigen Evangelium den Herrn führt, der Hochmut, das Nicht-Dienen-Wollen, das Nicht-Sich-Unterordnen-Wollen, die größte Gefahr für uns ist. Sicher müssen wir auch alle anderen Sünden vermeiden. Doch die Wurzel aller Sünde, der Ursprung aller verlorenen Gnade ist der Mangel an Demut, ist der Hochmut, der tief in unserem Herzen verwurzelt ist. Wir wissen aus unserem Kleinen, dass wir leicht hochmütig werden: Wir wollen nicht vergeben; wir haben immer Recht; wir machen keine Fehler; es sind immer die anderen gewesen – niemals wir! Wenn wir uns entschuldigen sollen, dann kostet uns das viel! Wir sind die Lehrer der Anderen; wir zeigen mit dem Finger auf den Nachbarn; wir sehen nicht den Balken im eigenen Auge, aber den Splitter in dem des Anderen; wir sind leicht bereit andere zu beurteilen und zu verurteilen, aber wenn jemand uns etwas Kritisches sagen will, dann sind wir sofort beleidigt. Alles das lässt uns, durch den Hochmut versucht, leicht aus der Gnade Gottes herausfallen. Es lässt uns die Gebote Gottes nicht demütig annehmen und die eigenen Fehler nicht demütig erkennen. Deswegen haben wir Schwierigkeiten, uns zu bessern und die Gnade Gottes anzunehmen. Das ist alles wahr, auch in unserem kleinen eigenen Leben.

Schlimmer aber wird es noch, wenn der Hochmut den Geboten und den Ordnungen Gottes gegenüber diejenigen erfasst, die uns in Kirche und Gesellschaft leiten sollen. Das geschieht, wenn diese plötzlich meinen, sie wüssten alles besser; wenn sie sich von der göttlichen Überlieferung in der staatlichen Ordnung, in der Rechtsprechung oder auch in der Kirche einfach entfernen. Wenn sie meinen das Neue, das sie erfunden haben, wäre immer das Bessere. Wenn sie nicht den Ordnungen folgen, die Gott uns offenbart hat, und die uns sowohl im staatlichen als auch im kirchlichen Bereich vor den Versuchungen des Teufels schützen, dann wird der Hochmut offensichtlich und dann geht die ganze öffentliche und kirchliche Ordnung in eine Richtung, die sich der Gnade verschließt.

Wir erleben heute allenthalben leider auch in der Kirche, dass diejenigen, die von Amts wegen genau wissen müssten, was Gott von ihnen will und welchen Weg sie den Gläubigen weisen sollen, andere Wege gehen. Deswegen wird der Leib der Christi, der die Kirche ist, geschwächt und die Gebote Gottes werden verachtet. Die Gnade kann gar nicht wachsen, wo wir uns hochmütig von der überlieferten Ordnung Gottes abwenden, ob in der Kirche oder im Staat.

Es wird aber dann ganz offensichtlich, dass der Teufel zugange ist, wenn eine ganze Weltordnung geändert werden soll, wenn heidnische Regierungen, und solche Menschen, die sich ganz offensichtlich von Gott abgewandt haben, neue generelle Ordnungen im Namen der Menschheit verkünden wollen. Immer dann, so sagt schon der Schriftsteller C.S. Lewis, wenn es um die vorgebliche Rettung der Menschheit geht, kommen diejenigen auf den Plan, die die Menschheit verbessern wollen und den Menschen dadurch zerstören. Wenn eine Weltordnung ohne Gott geschaffen werden soll, dann wissen wir, dass der Teufel den Griffel führt.

Deshalb sollen wir heute erkennen, dass wir uns zu Gott wenden müssen, dass wir selbst demütig werden müssen, um den Herrn, der allen Versuchungen widersteht, anzuflehen, uns vor den Machenschaften des Teufels und seiner Helfershelfer zu beschützen. Deswegen ist diese konkrete Fastenzeit, in der wir die Gefahr des Hochmuts nicht nur in unserem eigenen Leben, sondern auch der öffentlichen Ordnung und der Weltordnung deutlich erkennen, für uns, wie für alle, ein Aufruf zur Umkehr. „Bekehrtet euch und glaubt an das Evangelium!“ Gerade wenn der Hochmut, der die Waffe des Teufels ist, überall offensichtlich wird, dann müssen wir – jeder dort, wo er steht – durch eine immer erneuerte demütige Haltung die Gnade Gottes annehmen. Dann müssen wir, die wir versuchen den Geboten und Ordnungen Gottes zu folgen, durch unser Beispiel eines demütigen christlichen Lebens versuchen, uns der Gnade mit Gottes Hilfe noch mehr zu öffnen.

Jeder Einzelne, und mag sein Platz im Leben auch noch so bescheiden sein, der der Demut folgt und dem Hochmut entsagt, öffnet die ganze Welt der Gnade, denn wir hängen durch Gottes Allmacht alle zusammen. Wir dürfen nicht verzweifeln, wenn wir den Hochmut des Teufels überall so deutlich regieren sehen. Wir dürfen uns vielmehr sagen, dass jeder Einzelne ein Kämpfer Gottes ist. Jeder Einzelne, der den eigenen Hochmut besiegt, wird diese Welt der Gnade öffnen.

Deswegen können wir mit Mut und mit Überzeugung auch diese Fastenzeit leben. Durch körperliches und geistiges Fasten sollen wir uns demütig erhalten. Nur so kann sich bewahrheiten, was der Heilige Paulus gesagt hat: „Wir ermahnen euch, damit ihr die Gnade nicht vergeblich empfangt.“ Wir haben die Gnade empfangen! Wir wissen, dass wir Gott besser dienen, je mehr wir in dieser Fastenzeit seine Gebote halten und uns demütig seiner Ordnung unterwerfen. Je mehr wir uns, auch durch den regelmäßigen Empfang des Bußsakramentes, der Gnade Gottes öffnen, desto stärker wird die Kirche, und desto weniger wird der Teufel, der alle Gnade längst verspielt hat, auf uns, die Gesellschaft und die Welt Zugriff haben! Amen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen.

Predigt zum 3. Sonntag nach Epiphanie

Predigt zum 3. Sonntag nach Epiphanie

Abschluß der Gebetswoche für die Einheit der Christen

Msgr. Michael Schmitz

Sind wir noch katholisch? Wer ist eigentlich katholisch? Die Verwirrung unserer Zeit ist so groß, dass wir diesen Sonntag am Ende der Woche des Gebetes für die Einheit der Christen verwenden müssen, um diese Fragen klar zu beantworten. Dazu müssen wir uns nicht irgendwelchen Privatmeinungen zuwenden, sondern dem Lehramt der Kirche selbst, das in dieser Predigt direkt zu uns sprechen soll.

Zunächst ist festzuhalten, dass es nur eine wahre Kirche gibt, nämlich die eine, heilige katholische und apostolische Kirche, die Kirche Jesu Christi. Wir haben deswegen in der vergangenen Woche nicht für die Einheit der Kirche gebetet, sondern für die Einheit der Christen. Diese geeinte wahre Kirche existiert nämlich bereits: Es ist die katholische Kirche.

Dazu sagt Papst Pius XI, in seiner berühmten Enzyklika Mortalium animos vom 6. 6. Januar 1928 ganz eindeutig:

„Christus, der Herr, hat aber seine Kirche als selbständige und aus ihrem Wesen heraus sichtbare und äußerlich erkennbare Gesellschaft gegründet. Dieser Kirche gab er den Auftrag, das Werk der Erlösung der Menschheit bis in die spätesten Zeiten hinein fortzusetzen unter der Führung eines Hauptes, durch das Lehramt der mündlichen Lehrverkündigung und durch die Spendung der Sakramente, in denen die Quellen himmlischer Gnaden fließen.“

Der ist also katholisch, der mit der einen wahren Kirche durch das Band der Leitung, das Band der Lehre und das Band der sieben Sakramente verbunden ist. Die Leitung des Petrus und der Apostel, die ganze Lehre Christi, und die Fülle des sakramentalen Lebens aber existieren zusammen nur in der einen wahren Kirche, die die katholische ist. Deswegen sagt Pius XI weiter:

„So kann es gar nicht anders sein, als dass die Kirche Christi nicht nur heute und in alle Zeit fortbesteht, sondern sie muss auch heute noch die gleiche sein, die sie zur Zeit der Apostel war. Sonst müssten wir sagen – was fern von uns sei -, Christus der Herr sei nicht imstande gewesen, sein Vorhaben auszuführen, oder er habe geirrt, als er sagte, die Mächte der Hölle würden seine Kirche nicht überwältigen.“

Viele sind heute leider von dieser Einheit der Kirche getrennt, manche nicht durch eigene Schuld. Für alle aber gibt es nur einen Weg zur Einheit, den Papst Pius XI deutlich zeichnet:

„Es gibt (…) [daher] keinen anderen Weg, die Vereinigung aller Christen herbeizuführen, als den, die Rückkehr aller getrennten Brüder zur einen wahren Kirche Christi zu fördern, von der sie sich ja einst unseligerweise getrennt haben. (…) Der mystische Leib Christi, das ist die Kirche, ist ja eine Einheit, zusammengefügt und zusammengehaltenwie der physische Leib Christi, und so ist es unangebracht und töricht zu sagen, der mystische Leib könne aus getrennten und zerstreuten Gliedern bestehen. Wer mit dem mystischen Leib Christi nicht eng verbunden ist, der ist weder ein Glied desselben, noch hat er einen Zusammenhang mit Christus, dem Haupt.“

Ist diese klare Lehre nun in der neuesten Zeit geändert worden? Diejenigen, die eine Änderung dieser grundsätzlichen Linie behaupten, berufen sich oft fälschlich auf das letzte Konzil. Es ist wahr, dass das Zweite Vatikanische Konzil auf jene Elemente der Wahrheit hingewiesen hat, die bei den getrennten Brüdern von der katholischen Einheit übriggeblieben sind, so etwa bei allen die Taufe, bei manchen die Eucharistie und bei den orthodoxen Gemeinschaften sogar alle Sakramente. Daher sagt das Dokument über die Ökumene Unitatis Redintegratio in seiner Nummer 3 nicht zu Unrecht: „Hinzu kommt, daß einige, ja sogar viele und bedeutende Elemente oder Güter, aus denen insgesamt die Kirche erbaut wird und ihr Leben gewinnt, auch außerhalb der sichtbaren Grenzen der katholischen Kirche existieren können.“

Bei aller Wertschätzung der getrennten Brüder bleibt das Konzil bei dieser Aussage jedoch nicht stehen. Es führt vielmehr weiter aus:

„Dennoch erfreuen sich die von uns getrennten Brüder, sowohl als einzelne wie auch als Gemeinschaften und Kirchen betrachtet, nicht jener Einheit, die Jesus Christus all denen schenken wollte, die er zu einem Leibe und zur Neuheit des Lebens wiedergeboren und lebendig gemacht hat, jener Einheit, die die Heilige Schrift und die verehrungswürdige Tradition der Kirche bekennt.“

Daraus ziehen die Konzilsväter einen wichtigen Schluss, der der überlieferten Lehre der Kirche völlig entspricht. Sie sagen:

„(…)nur durch die katholische Kirche Christi, die das allgemeine Hilfsmittel des Heiles ist, kann man Zutritt zu der ganzen Fülle der Heilsmittel haben. Denn einzig dem Apostelkollegium, an dessen Spitze Petrus steht, hat der Herr, so glauben wir, alle Güter des Neuen Bundes anvertraut, um den einen Leib Christi auf Erden zu konstituieren, welchem alle völlig eingegliedert werden müssen, die schon auf irgendeine Weise zum Volke Gottes gehören.“

Alle müssen also der einen wahren katholischen Kirche völlig eingegliedert werden, damit sie Zutritt zu der ganzen Fülle der Heilsmittel haben. Daher müssen jene, die der Kirche fernstehen oder von ihr getrennt sind, zu ihr geführt oder zu ihr zurückgeführt werden. Es gibt keinen anderen Weg, um hier auf Erden alle Heilsmittel zu erhalten, die Christus seiner Kirche eingestiftet hat. Daher lehren wiederum die Konzilsväter schon in der apostolischen Konstitution Lumen gentium, Nr. 8 mit großer Klarheit von der katholischen Kirche:

„Dies ist die einzige Kirche Christi, die wir im Glaubensbekenntnis als die eine, heilige, katholische und apostolische bekennen (12). Sie zu weiden, hat unser Erlöser nach seiner Auferstehung dem Petrus übertragen (Joh 21,17), ihm und den übrigen Aposteln hat er ihre Ausbreitung und Leitung anvertraut (vgl. Mt 28,18 ff), für immer hat er sie als “Säule und Feste der Wahrheit” errichtet (1 Tim 3,15). Diese Kirche, in dieser Welt als Gesellschaft verfaßt und geordnet, ist verwirklicht in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger Petri und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird.“

Menschen, die ohne eigene Schuld die Wahrheit nicht kennen oder nicht annehmen können, können durch ein geheimnisvolles Heilswirken Gottes unter bestimmten Umständen doch gerettet werden, denn Gott ist gerecht. Auch das ist eine überlieferte Lehre der Kirche, die sich in der von Papst Pius XII abschließend formulierten Wahrheit von der Begierdetaufe zusammenfassen lässt. Das aber ändert nichts an der grundsätzlichen Heilsnotwendigkeit der Kirche, durch die auch diejenigen das Heil erlangen, denen Gott auf uns verborgenen Wegen Barmherzigkeit erweist. Das Zweite Vatikanische Konzil lehrt daher mit dem gesamten vorhergehenden Lehramt die Zugehörigkeit zur Kirche als notwendige Bedingung zum Heil. Es sagt in der Nr. 14 der Konstitution über die Kirche:

„Gestützt auf die Heilige Schrift und die Tradition, lehrt [die Heilige Synode], daß diese pilgernde Kirche zum Heile notwendig sei. Christus allein ist Mittler und Weg zum Heil, der in seinem Leib, der Kirche, uns gegenwärtig wird; indem er aber selbst mit ausdrücklichen Worten die Notwendigkeit des Glaubens und der Taufe betont hat (vgl. Mk 16,16; Joh 3,5), hat er zugleich die Notwendigkeit der Kirche, in die die Menschen durch die Taufe wie durch eine Türe eintreten, bekräftigt. Darum könnten jene Menschen nicht gerettet werden, die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollten.“

Alle anderen Heilswege sind unsicher und dunkel. Auf dem Antlitz der Kirche dagegen erscheint die Herrlichkeit Christi, des Lichtes der Völker (Lumen gentium 1). Nur in ihr ist Christus ganz gegenwärtig mit der Kraft seiner hohepriesterlichen Leitungsgewalt, dem Glanz seiner unverfälschten ewigen Wahrheit und dem Gnadenstrom aller seiner Sakramente. Nur in ihr wird er angebetet in der Fülle von Gnade und Wahrheit. Nur sie vereinigt alle Heilsmittel auf sich und nur sie verkündet seine tatsächliche Gegenwart ohne Kompromiss und ohne Unklarheit durch die Schönheit ihrer Liturgie, die Eindeutigkeit ihrer eucharistischen Disziplin und die unveränderlichen Worte ihres Dogmas.

Wir Katholiken, die wir die unverdiente Gnade erhalten haben, der einen wahren Kirche angehören zu dürfen, müssen durch ein heiliges Leben und eine große Liebe zur Kirche alle anderen zu ihr hinführen. Dabei gilt es, die „Wahrheit in der Liebe zu tun“, damit die Art und Weise unseres Glaubenszeugnisses niemandem abschreckt, sondern alle anzieht (vgl. UR 11).

Trotzdem dürfen wir keine Kompromisse mit Wahrheit und Leben des katholischen Glaubens machen. So sagen wiederum die Väter des letzten Konzils (ebd.):

„Die gesamte Lehre muß klar vorgelegt werden. Nichts ist dem ökumenischen Geist so fern wie jener falsche Irenismus, durch den die Reinheit der katholischen Lehre Schaden leidet und ihr ursprünglicher und sicherer Sinn verdunkelt wird.“

Nun wissen wir ganz klar, wer katholisch ist. Nur der ist katholisch, der der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche voll angehört. Also derjenige, der der von Christus stammenden rechtmäßigen Leitungsgewalt der Kirche Gehorsam leistet, der die ganze von ihr allezeit verkündete Wahrheit der Offenbarung glaubt und der durch das Band des sakramentalen Lebens in ihr die Heilsgnade empfangen hat.

Katholisch zu sein, ist ein großes Geschenk! Geben wir es weiter! Die Kirche ist das Tor zum Heil! Öffnen wir ihre Türen weit durch mutiges Glaubensbekenntnis und gelebte Nächstenliebe! Werden wir Apostel, damit alle wieder zu dem einenSchafstall Christi finden! Nur so wird die Bitte Christi verwirklicht, die er mit Eindringlichkeit an den Vater gerichtet hat: „Ut unum sint, daß alle eins sein mögen. Amen!

Predigt vom 10. Januar 2021, Erster Sonntag nach Epiphanie, Fest der Heiligen Familie

Kloster Maria Engelport

Predigt von Msgr. Prof. DDr. R. Michael Schmitz

10. Januar 2021

Erster Sonntag nach Epiphanie, Fest der Heiligen Familie

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wieso wird die Familie heute allenthalben angegriffen? Sie wird angegriffen, weil sie eines der größten Geschenke Gottes an die Menschheit ist. Glücklich ist, wer in einer Familie geboren wird. Die Familie hat so viele gute Seiten, dass wir ohne sie weder richtig sein noch leben könnten, dass wir ohne sie nicht wären, was wir sind, ohne sie nicht in Gemeinschaft leben könnten und ohne sie auch nicht in der Kirche Gott verehren könnten. Die Familie ist von so großer Wichtigkeit, dass derjenige, der immer das Böse will, sie angreift, wo er eben kann.

Heute wollen wir uns deswegen auf das große Geschenk der Familie besinnen, denn Gott selbst hat entschieden, in einer Familie Mensch zu werden, damit wir auch daran sehen können, wie wichtig das Geschenk der Familie so wichtig ist: Durch seine Gegenwart in der Heiligen Familie hat es diese zu einer übernatürlichen Gemeinschaft erhoben. Daher hat er auch die sakramentale Ehe als Grundlage der christlichen Familie gestiftet.

Die christliche Familie schenkt uns zuerst Gemeinschaft. Wir wissen, dass der Mensch ein Gemeinschaftswesen ist und dass er nicht alleine leben kann. Wenn wir vereinzelt sind, dann sind wir verletzlich und deswegen brauchen wir gleich von Anfang an, besonders dann, wenn wir als Kleinkinder, Kinder, als Jugendliche verletzlich sind, den Rahmen der Familie. Wir brauchen diejenigen, die uns schützen, die uns helfen, die uns zur Seite stehen, damit wir eben nicht einsam sind, sondern in einer Gemeinschaft leben können, die uns zu Gott führt.

Die Familie gibt uns eine außerordentliche Geborgenheit. Wer alleine leben muss, der weiß wie schwierig das oft ist. Auch er aber wird in der weiteren Familie und im Freundeskreis Geborgenheit suchen. Die Familie gibt uns eben jene Geborgenheit, die wir brauchen, damit wir uns nicht in der Kälte dieser Zeit verlieren. Sie gibt uns die Geborgenheit des Zuhauses, des Behütetseins, der Umgebung von liebenden Menschen, an die wir uns wenden können, wenn wir alleine sind oder uns traurig fühlen.

Darüber hinaus gibt uns die Familie das, was der Staat uns nicht geben kann, nämlich eine ganz persönliche Sicherheit. In der Familie kann sich normalerweise der eine auf den anderen verlassen. Das mag nicht immer ohne Spannungen gehen, aber im Letzten hält doch die Familie zusammen, wenn es darum geht, Schwierigkeiten zu überwinden und auch außergewöhnliche Situationen zu ertragen. Wie viel einfacher ist es nicht, in einer Familie zu sein, wenn der Tod an die Türe klopft? Wie viel einfacher ist es nicht, sich in der Krankheit behütet zu fühlen, wenn die Familienmitglieder sich um uns kümmern? Wie viele einfacher ist es nicht, sich in Sicherheit zu wissen, wenn wir selbst uns noch nicht oder nicht mehr um unsere eigenen Belange kümmern können, aber die anderen, die die sich um uns mühen, uns zur Seite zu stehen, damit wir überleben können? Solche Sicherheit kann auch das beste Staatswesen uns ohne die Familie nicht geben.

Die Familie schenkt uns nämlich eine einzigartige gegenseitige Hilfe. Zwar ist es sicher nicht so, dass diese Hilfe selbstverständlich ist. Manchmal muss man sich überwinden, auch in der Familie, um den anderen gegen den eigenen Egoismus beizustehen. Jeder muss sich zurücknehmen, damit er in der Familie dem Nächsten Hilfe leisten kann. Aber diese Hilfe ist eben keine bezahlte Hilfe, sie ist eine Hilfe, die wir freiwillig leisten, weil wir uns in dem Pakt der Familie gegenseitig stützen. Wir wissen, dass wir sicher sein können, dass uns die Familienmitglieder ebenso zur Seite stehen und uns helfen.

Die Familie schenkt uns auf diese Weise eine besondere Eingebundenheit. Wir sind nicht alleine, sondern wir sind in einem Ganzen eingebunden. Einem Ganzen, das nicht nur die kleine Familie umfasst, sondern, wie wir es an der Sippe der Heiligen Familie sehen, auch die Großfamilie. Wir sehen, dass sich die Heilige Familie auch auf den weiteren Familienkreis verlässt. Als Maria und Josef den Jesusknaben suchen, der verloren gegangen war, wenden sie sich an die Verwandten, denen sie ihn anvertraut hatten. Die weitere Familie bildet idealerweise die Umgebung, in der man sich gegenseitig besucht, sich gegenseitig berät und eingebunden ist. So kann man, wenn es schwierig wird, dem christlichen Glauben zu folgen, in dieser größeren Familie Stütze finden, denn es findet sich auch heute immer jemand, der für uns betet und der mit uns glaubt, auch wenn der Glaube in vielen Familien schwach geworden ist.

Eingebundenheit in der Familie zeigt sich in einer ganz deutlichen Weise dadurch, dass die Familie für uns auch ein Tor zur Kirche ist. Weil die Familie auf das Sakrament der Ehe aufbaut, weil die Familie uns einführt in den Glauben, weil die Familie dafür sorgt, dass die Kinder getauft werden, deswegen ist die christliche Familie auch ein Tor zur Familie der Kirche. Diese Familie der Kirche wiederum ist eine geistliche Familie, in der viele verschiedene Familien, natürliche wie geistliche, Platz haben. Alle versuchen mit der Hilfe der Familie der Kirche – so wie zum Beispiel unser Institut Christus König und Hohepriester – die heilige Familie nachzuahmen. Jede Familiengemeinschaft, sei sie wie die die christliche Familie auf die Ehe oder als geistliches Institut auf besondere Versprechen aufgebaut, muss wie die heilige Familie offen sein auf die Gemeinschaft mit Gott.

Deswegen können wir in der Familie Demut und Selbstvertrauen lernen. Wenn wir wirklich die Gemeinschaft der Familie leben, dann findet jeder darin seinen Platz. Das bedeutet, dass jeder Demut übt, dass er sich nicht an den Platz des anderen stellen will, dass er sich nicht wichtigmachen will, dass er nicht immer Recht haben will, dass er auch demütig verzeihen und Verzeihung entgegennehmen kann. Wir können nur dann in der Familie leben, wenn wir auf unserem Platz sind und an unserem Platz unsere Pflicht erfüllen. Gleichzeitig gibt die Familie uns auch Selbstvertrauen, denn ohne die Familie wären wir nichts, ohne die Familie wären wir vielleicht nur ein kleines anonymes Rad im Gesamt eines kalten Staates. Weil wir aber in der Familie demütig unseren Platz einnehmen und ausfüllen können, werden wir gebraucht und haben ein Selbstvertrauen, das nicht leicht erschüttert werden kann, wenn wir als Einzelne uns in uns in die christliche Familie einbringen.

Das aber gibt uns auch jene emotionale Stabilität, die wir brauchen, um der Härte des Lebens zu bestehen. Erzieher junger Menschen können leicht feststellen, wenn jemand aus einer intakten Familie kommt. Was für ein großes Geschenk ist es nicht, eine gesunde, christliche Familie als Hintergrund zu haben? Ihr sicheres Gefüge, die ganze emotionale Stabilität, die die Einheit der Familie von Mutter, Vater und Kindern gibt, kann von dem weitergegeben werden, der sie selbst empfangen hat. Deswegen will der böse Feind die Familie zerstören, damit wir unsicher werden, damit wir Angst haben, damit wir selber keine Liebe geben können, weil wir sie nicht empfangen haben. Die Familie ist eine entscheidende Quelle der Liebe und Geborgenheit. Jeder, der durch eine gute christliche Familie gegangen ist, auch wenn Kreuz und Schwierigkeiten dort sicher nicht fehlen, kann leichter geben, was er empfangen hat, nämlich die Liebe, Geborgenheit und Sicherheit, deren Ort die Familie ist.

Dazu gibt es nur wenige Bedingungen, die wir alle leicht erfüllen können, damit unser Familienleben dem Leben der Heiligen Familie täglich mehr gleicht.

Zunächst einmal müssen wir uns vornehmen, miteinander Zeit zu verbringen. Gott hat uns die Zeit geschenkt, damit wir sie in der Familie auch den einzelnen Familienmitgliedern schenken. Wie wichtig ist es, wenn der Familienvater sich um seine Kinder kümmert, wie wichtig ist es, wenn Mutter und Vater nicht immer beschäftigt sind, sondern mit den Familienmitgliedern auch Zeit verbringen, wie wichtig ist es, dass die Kinder nicht aus dem Haus laufen, sondern wissen, dort sind Eltern, an die ich mich wenden kann, die Zeit mit mir verbringen und die mir zur Seite stehen. Dann werden sie auch gerne Zeit mit den Eltern zu verbringen wissen.

Das bedeutet auch, dass wir miteinander reden. Heute sitzen wir viel zu oft vor dem Fernseher, heute sind wir viel zu oft vom „Handy“ oder vom Computer völlig belegt. In der Familie herrscht dann ein ungutes Schweigen. Jeder starrt vor sich hin, aber man blickt sich nicht mehr an, man kennt die Sorgen und Nöte, die Vorlieben und Freuden, ja das Herz der anderen nicht. Reden wir miteinander! „Nur wer redet, dem kann auch geholfen werden“, sagt der Volksmund. Nur wer redet, der kann auch Verzeihung geben und erhalten; nur wer redet, der kann den anderen verstehen lernen und seine eigenen Sorgen und Freuden dem anderen mitteilen. Dass wir miteinander reden, dass wir am Tisch zusammen essen, dass wir Dinge gemeinsam tun, die uns die Gelegenheit geben, Familie zu sein und zu leben, ist entscheidend wichtig.

Vor allem aber ist es ganz besonders bedeutend, dass wir uns in einer grundsätzlichen Haltung ein Beispiel an der Heiligen Familie nehmen, die das Fundament all dessen ist, was wir jetzt gehört haben: Wir sollen gemeinsam beten! Das sollte sich nicht nur auf die Tischgebete beschränken, sondern meint, dass wir, wenn irgend möglich, jeden Tag wenigstens einen Moment zusammen beten, einen Augenblick innehalten, um Gott für die Familie zu danken und ihn darum zu bitten, unsere Familie zu segnen. Die Heilige Familie soll in unserer Mitte sein und wir sollen mit ihr eine Gebetsgemeinschaft bilden, damit wir auch gemeinsam als Familie am Sonntag zur Messe gehen können, damit wir dort dankbar den gegenwärtigen Gott loben und danken für all das, was er uns in der Familie geschenkt hat.

Wenn wir das tun, dann ist das Ideal der christlichen Familie, das jetzt hier skizzenhaft gezeichnet worden ist, keine Utopie mehr. Sicherlich gibt es in jeder Familie manchmal Streit, Auseinandersetzungen, Schwierigkeiten, Tod und vielleicht sogar Not. Aber wenn wir Gott in den Mittelpunkt stellen, wenn wir gemeinsam beten, wenn wir gemeinsam zur Messe gehen, wenn wir ein Glaubenszeugnis geben auch da, wo man es vielleicht nicht mehr hören will, dann beginnt die Familie zu wachsen. Dann haben wir auch die Kraft, miteinander zu sprechen und aneinander zu verzeihen. Dann wird es auch möglich, mehr Zeit miteinander zu verbringen, weil Gott in unserer Mitte ist. Dann werden unsere Familien zu dem, was die Heilige Familie im Innersten ist: Ein Abbild der Trinität, ein Abglanz jener innigen Liebesgemeinschaft Gottes, die in gewisser Weise eine ewige Familie bildet.

Gott selber ist Gemeinschaft, Gott selber hat Menschwerden wollen in einer Familie! Je mehr wir unsere Familien als christliche Familie begreifen, je mehr wir sie auf das Fundament stellen, das Gott ihr gegeben hat, je mehr wir gemeinsam beten, desto mehr werden unsere Familien zufrieden und glücklich sein. Dann werden wir uns gegen alle Angriffe auf die Familie wehren können und für unsere Familien wird gelten: „My home is my castle“, mein Heim ist meine Burg, die alles Böse abwehren kann. Hier ist Gott im Mittelpunkt! Mit Gott geht meine Familie im Gebet vereint auf jene Familie zu, die uns in der Ewigkeit erwartet: Maria, Josef und das Jesuskind! Amen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Predigt vom 31.12.2020, Heiliger Silvester

Kloster Maria Engelport

Predigt von Kanonikus Joseph du Port de Poncharra

31.12.2020

Heiliger Silvester

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Am Ende dieses Jahres möchten wir Dank sagen für alles, was wir Schönes und Gutes erlebt haben. Gleichzeitig möchten wir für das kommende Jahr beten. Dafür können wir ein Gebet der Prinzessin Elisabeth von Frankreich nutzen, die 1794 ermordet worden ist. Sie war eine der jüngsten Schwestern Königs Ludwig XVI. und wurde als Ordensfrau Märtyrerin. Es handelt sich um ihr tägliches Weihegebet, aber es kann für das ganze Jahr gelten:

„Was wird mir heute geschehen, oh mein Gott? Ich weiß es nicht! Alles was ich weiß, ist nur, dass mir nichts geschehen wird, was Du nicht von Ewigkeit her herausgesehen hättest. Dies genügt mir, oh mein Gott, um ruhig zu sein. Ich bete Deine ewigen Absichten an und unterwerfe mich Ihnen von ganzem Herzen. Ich will Alles, ich nehme Alles an, ich bringe Dir von Allem ein Opfer dar; ich vereinige dieses Opfer mit jenem deines vielgeliebten Sohnes, meines Erlösers, und bitte Dich vermöge seines heiligsten Herzens und seiner unendlichen Verdienste, um Geduld in meinem Leiden und um jene vollkommene Ergebung in deinem Willen für Alles, was Du möchtest oder erlaubst. Amen.“

Das erinnert uns daran nie zu vergessen, dass der Wille Gottes das Wichtigste auf der Welt und in der Ewigkeit ist, und dass wir uns nicht zu sehr darum sorgen müssen, was die Menschen von uns denken könnten, wenn die Mehrheit vielleicht nicht mehr gläubig ist. Was Gott von uns und von unseren Taten hält, ist viel wichtiger! Daher wollen wir immer dankbarer für die von uns empfangenen Gnaden sein und immer das Beste tun, was wir können, in der Gewissheit, dass Gott alles gut machen kann, wenn wir uns nur bemühen. Das heißt, dass wir Gott immer vertrauen sollen. Auch dafür gibt es ein wunderbares Gebet, und zwar vom heiligen Pater Claude de La Colombiere, dem geistlichen Begleiter der Heiligen Margarete Maria Alacoque, die in Paray-le-Monial das Heiligste Herz Jesu sehen durfte:

„Mein Gott ich glaube fest, dass Du über alle jene wachst, die auf dich hoffen und bin so fest davon überzeugt, dass dem gar nichts fehlen kann, der alles von Dir erwartet, dass ich mich entschlossen habe, künftig ohne jede Unruhe zu leben und alle meine Sorgen auf Dich zu werfen. Die Menschen können mich meiner Ehre und meiner Güter berauben; Krankheiten können mir meine Kräfte nehmen und die Mittel, Dir zu dienen; ich kann selbst durch die Sünde Deine Gnade verlieren; aber niemals werde ich meine Hoffnung verlieren; ich will sie bewahren bis zum letzten Augenblick meines Lebens und alle bösen Geister der Hölle werden alsdann vergebens versuchen, sie mir zu entreißen. Für mich, o Herr, ist der Grund meines Vertrauens mein Vertrauen selbst. Ich habe also die Gewissheit, ewig glücklich zu sein, weil ich fest hoffe, es zu werden und weil ich das von Dir von dir hoffe, o mein Gott! Und um meine Hoffnung bis auf das äußerste Maß auszudehnen, so hoffe ich Dich selbst von Dir selbst, oh mein Schöpfer, für Zeit und Ewigkeit.“

Das erinnert uns an den heiligen Paulus, der Abraham preist, weil er gegen jede Hoffnung weiter gehofft hat (Römer, 4, 18). Das heißt, dass Gott in jeder Lage der Geschichte immer gezeigt hat, dass Er über alle Sorgen und alle Epidemien, ja über alle Probleme der Welt Herr ist. Er, der einzige allmächtige Gott, ist die Lösung für alle Sorgen! Wir Menschen sollten Ihn immer um Hilfe bitten, anstatt uns von Ihm abzuwenden! Wenn wir im kommenden Jahr weiterhin vertrauensvoll beten, wenn wir weiterhin die Sakramente empfangen, wenn wir unsere Standespflichten mithilfe der Gnade des Heiligsten Herzens Jesu erfüllen, brauchen wir uns nie Sorgen zu machen und wir können immer vertrauen, dass Jesus uns helfen wird. Amen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen.

Predigt vom 6. Januar 2021, Fest der Erscheinung des Herrn

Kloster Maria Engelport

Predigt von Msgr. Prof. DDr. R. Michael Schmitz

6. Januar 2021, Fest der Erscheinung des Herrn

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Was haben die Heiligen Drei Könige mit unserer Zeit zu tun? Handelt es sich nicht viel mehr um eine fromme Legende, eine Ausschmückung der Heiligen Schrift, die uns zu Herzen geht, die uns aber eigentlich nichts mehr zu sagen hat? Ein solches Vorurteil entspricht nicht den exegetischen Tatsachen. Nicht nur die Häufigkeit von Sterndeutern in der Zeit Jesu, sondern auch viele andere Anzeichen weisen darauf hin, dass es sich hier ganz wie in der gesamten Erzählung der Kindheitsgeschichte unseres Herrn Jesus Christus um ein historisches Ereignis handelt. Dazu hat gerade einer unserer Priester, Kanonikus Gregoire de Guillebon, ein besonders tiefgehendes Buch geschrieben. Diese Tatsachen brauchen daher nicht das Thema unserer Predigt zu sein. Diese soll vielmehr zeigen, dass die Heiligen Drei Könige uns eine ganz konkrete Botschaft für unsere Zeit bringen können. Eine Botschaft, die uns allen heute täglich nützlicher sein kann, nämlich die Botschaft über die Art und Weise, wie man mit Herodes umgeht. Wie ist es mit der weltlichen Gewalt? Wie ist es mit der Autorität, der wir begegnen? Wie sollen wir uns verhalten?

Die Heiligen Drei Könige, die vom Stern geleitet von weit her nach Jerusalem kamen, haben zunächst einmal Erkundigungen eingezogen, ob jemand von dem neugeborenen König gehört habe. Diese Erkundigungen kommen zu Ohren dessen, den die Kirche in der Liturgie mit Recht crudelis Herodes, den grausamen Herodes, nennt. Daraufhin lässt er heimlich die Magier, die Könige, die Sterndeuter zu sich kommen. Was tun diese? Sie entziehen sich dem Ruf der staatlichen Autorität nicht. Sie gehen an den Hof des Herodes, denn sie wissen aus dem Naturrecht, was der heilige Paulus lehrt: „Es gibt keine Obrigkeit außer von Gott.“ (Römer 13, 1). Die Könige gehen also, weil sie gerufen sind. Nicht nur das: Sie gehen und bedienen sich der Hilfe der Autorität, denn mittlerweile hatte Herodes selbst Erkundigungen eingezogen und wusste, dass vorausgesagt war, der Messias würde in Betlehem geboren werden.

So gehen sie auch auf den Hinweis des Herodes, auf den Hinweis der Autorität hin nach Betlehem. Dort aber finden sie zunächst die klare Bestätigung Gottes. Sie finden den Stern, der ihnen wieder leuchtet, der ihnen den Weg zeigt und sie zur Krippe führt. Sie haben sich dazu des Hinweises der bis dahin noch legitimen Autorität bedient. Sie haben eine Bestätigung dieser Autorität insofern erhalten, als auch Gott ihnen zeigt: „Ja, Betlehem ist die Geburtsstätte dessen, den Ihr sucht.“

Als sie das Jesuskind aber finden, berührt sie unmittelbar jene größere Autorität, der wir uns alle unterwerfen müssen. Sie begegnen der Autorität Gottes. Sie gewinnen den Glauben, sie fallen in die Knie und beten den neugeborenen König der Welt an. In dieser Anbetung, zu der wir alle eingeladen sind, in dieser Geste der Demut vor dem allmächtigen Gott erhalten sie nicht nur die Fülle des Glaubens an das Geheimnis der Menschwerdung, sondern sie erhalten auch höhere Einsicht und größere Weisheit. Dann wissen sie, wer Herodes wirklich ist: Sie begreifen plötzlich, wie sie sich der ungerechten Autorität gegenüber verhalten müssen, die ihre Legitimität verloren hat. Sie gehen auf einem anderen Weg in Ihr Land zurück. Sie folgen nicht dem Gebot des Herodes, sondern sie folgen der Klugheit und Weisheit, die von oben kommt.

Der Maßstab ihres Handelns ist nicht mehr die menschliche Autorität, weil die menschliche Autorität durch ihre Grausamkeit und Ungerechtigkeit ihre rechtmäßige Gewalt verspielt hatte. Ihr Maßstab ist die Autorität Gottes. Daher gehen auf einem anderen Weg in ihre Heimat zurück. Sie folgen hier mit weiser Klugheit der Maxime, die der Herr selbst später in den bekannten Ausspruch fassen sollte: „Seid klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben“ (Matthäus 10, 16). Sie greifen nicht sinnlos die ungerechte Autorität an, die sie hätte zerstören können, sondern mit Klugheit und Weisheit, die aus dem Glauben kommt, umgehen sie diese falsche Autorität und folgen dem Hinweis Gottes.

In der langen Geschichte der Kirche haben nicht nur die Heiligen Drei Könige so gehandelt, sondern viele Heilige, viele Bekenner und sogar viele Märtyrer, die sich bis zum Schluss dem ungerechten Zugriff der Autorität haben entziehen können, weil sie sich dem weisen Urteil Gottes unterworfen haben. Sicher, wenn es dann dazu kommt, dass man sein Leben geben muss, um den Glauben zu bekennen, dann wird sich der, der den Maßstab seines Lebens aus dem Glauben nimmt, dem nicht feige entziehen. Doch bis dahin gibt es viele Wege, die Gott uns weisen wird, im Vertrauen auf den Stern Gottes, der uns durch den Glauben hell voranleuchtet, Wege zu finden, unser christliches Leben auch dann zu leben, wenn eine ungerechte Autorität von außen versucht, dieses christliche Leben zu unterdrücken oder uns selbst Schwierigkeiten zu bereiten. Wir dürfen mit den Heiligen Drei Königen den Stern Gottes, den Glauben, nicht aus den Augen verlieren. Der Glaube nämlich ist der eigentliche Maßstab des christlichen Lebens!

Gott ist auch der Maßstab, an dem sich alle Autorität messen muss. Ja, alle Autorität kommt von Gott, wie der heilige Paulus sagt, aber nur dann und nur solange, als sie dem Gesetz Gottes folgt. Wenn wir merken, dass dieser große Maßstab, dass der Stern Gottes, der die Autorität führen soll, verdunkelt wird, dann müssen wir wie die Drei Könige handeln und auf einem anderen Weg Gott dienen, auf dem Weg nämlich, den uns der Glaube vorschreibt. Das ist die Botschaft, die wir von den Heiligen Drei Königen lernen können, das ist die Botschaft, die aus der Krippe heraustönt, das ist die Botschaft, die wir von der göttlichen Weisheit erhalten, wenn wir anbeten und uns demütig vor Gott niederwerfen. Dann verlieren wir nie den Stern, dann verlieren wir nie den Maßstab des Glaubens. Der Glaube wird uns den richtigen Weg zeigen, einen Weg an allen Schwierigkeiten vorbei oder durch sie hindurch: Den Weg, unseren Glauben zu bewahren, den Weg, unsere Seele zu retten und den Weg, mit den Heiligen Drei Königen schließlich jene Heimat zu finden, wo wir für immer das Jesuskind anbeten können! Amen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.