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Stellungnahme von Kardinal Burke

Stellungnahme

Die weltweiten Kommunikationsmedien haben mit starkem Nachdruck die Nachricht gebracht, dass Papst Franziskus über Menschen mit homosexueller Veranlagung gesagt habe, dass sie als Kinder Gottes „ein Recht darauf haben, eine Familie zu haben“ und dass „niemand deswegen verstoßen oder unglücklich gemacht werden sollte“, und diese Meinungsäußerung als eine Kursänderung bezeichnet. Laut der gleichen Medien habe der Papst weitergesagt: „Wir brauchen ein Gesetz für eingetragene Lebensgemeinschaften. Auf diese Weise sind sie gesetzlich abgesichert. Ich habe mich dafür eingesetzt.“ Diese Erklärungen wurden während eines Interviews mit Evgeny Afineevsky abgegeben, dem Regisseur des Dokumentarfilms Franceso, der seine Premiere am 21. Oktober 2020 während des Rom-Filmfestivals (Festa del Film di Roma) hatte.

Solche Meinungsäußerungen führen zu großer Verunsicherung, Verwirrung und Irrtum bei den katholischen Gläubigen, da sie im Widerspruch zur Lehre der Heiligen Schrift und der Heiligen Überlieferung sowie zum jüngsten kirchlichen Lehramt stehen, mit dem die Kirche den gesamten Glaubensschatz, der in der Heiligen Schrift und der Heiligen Überlieferung enthalten ist, bewahrt, schützt und auslegt. Sie lösen bei Menschen guten Willens, die ernsthaft wissen wollen, was die katholische Kirche lehrt, Erstaunen und Irrtum über die Lehre der Kirche aus. Sie erlegen den Seelenhirten die Gewissenspflicht auf, angemessene und notwendige Stellungnahmen abzugeben.

Zunächst einmal entbehren solche Behauptungen aufgrund ihres Kontextes und Anlasses jeglichen kirchlichen Lehramtscharakters. Sie werden zu Recht als einfache private Meinungen der Person interpretiert, die sie abgegeben hat. Diese Aussagen binden in keiner Weise das Gewissen der Gläubigen, die vielmehr verpflichtet sind, gewissenhaft dem zu folgen, was die Heilige Schrift, die Heilige Überlieferung und das ordentliche Lehramt der Kirche über die in Frage stehenden Angelegenheit lehren. Insbesondere sind folgende Punkte zu beachten:

1.„Gestützt auf die Heilige Schrift, die sie als schlimme Abirrung bezeichnet, hat die kirchliche Überlieferung stets erklärt, ‘dass die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind‘. Sie verstoßen gegen das natürliche Gesetz, denn die Weitergabe des Lebens bleibt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu billigen.“ (Katechismus der Katholischen Kirche: Nr. 2357; Hl. Kongregation für die Glaubenslehre: „Persona humana: Erklärungen zu einigen Fragen der Sexualethik“, Nr. 8[1]).

2. Die manchmal tief verwurzelten homosexuellen Neigungen von individuellen Männern und Frauen stellen für sie eine Prüfung dar. Obwohl diese Neigungen an sich keine Sünde sind, müssen sie dennoch als objektiv ungeordnet betrachtet werden (Vgl. KKK: Nr. 2358; Kongregation für die Glaubenslehre, Homosexualitatis problema, “Schreiben an die Bischöfe der katholischen Kirche über die Seelsorge für Homosexuelle Personen.,” Nr. 3[2]). Homosexuell veranlagte Personen sind daher mit Respekt, Mitgefühl und Takt zu behandeln und jede ungerechte Diskriminierung ihnen gegenüber ist zu vermeiden. Der katholische Glaube lehrt die Gläubigen, die Sünde zu hassen, den Sünder aber zu lieben.

3. Die Gläubigen und insbesondere die katholischen Politiker sind gehalten, sich gegen die rechtliche Anerkennung von Partnerschaften zwischen Homosexuellen einzusetzen. (Vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, „Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen“, Diverse questioni concernenti l’omosessualità, n. 10[3]). Das Recht, eine Familie zu gründen, ist kein einfaches privates Recht, das man verteidigen muss, sondern muss dem Plan des Schöpfers entsprechen, der den Menschen in geschlechtlicher Verschiedenheit gewollt hat, „männlich und weiblich hat er sie erschaffen“ (Gen 1, 27) und damit den Menschen, männlich und weiblich, zur Weitergabe des Lebens berufen hat. „Weil die Ehepaare die Aufgabe haben, die Folge der Generationen zu garantieren, und deshalb von herausragendem öffentlichen Interesse sind, gewährt ihnen das bürgerliche Recht eine institutionelle Anerkennung. Die homosexuellen Lebensgemeinschaften bedürfen hingegen keiner spezifischen Aufmerksamkeit von Seiten der Rechtsordnung, da sie nicht die genannte Aufgabe für das Gemeinwohl besitzen.“ (ebendort, Nr. 9[4]). Von einer homosexuellen Lebensgemeinschaft im gleichen Sinne wie von der ehelichen Union der Verheirateten zu sprechen, ist in der Tat zutiefst irreführend, da es eine solche Union zwischen Personen des gleichen Geschlechts nicht geben kann. Was die Rechtspflege anbelangt, so können sich Personen mit einer homosexuellen Veranlagung, wie alle Bürger, immer auf die gesetzlichen Vorschriften berufen, um ihre privaten Rechte zu schützen.         

Es ist eine Quelle tiefster Trauer und drängender pastoraler Besorgnis, dass die von der Presse mit so viel Nachdruck berichteten und Papst Franziskus zugeschriebenen Privatmeinungen nicht der ständigen Lehre der Kirche entsprechen, wie sie in der Heiligen Schrift und der Heiligen Überlieferung zum Ausdruck kommt und vom kirchlichen Lehramt bewahrt, geschützt und interpretiert wird. Ebenso traurig und beunruhigend ist der Aufruhr, die Verwirrung und die Irrtümer, die sie unter den katholischen Gläubigen auslösen, wie auch der Skandal, den sie im allgemeinen hervorrufen, indem sie den völlig falschen Eindruck erwecken, die katholische Kirche habe einen Kurswechsel vollzogen, d.h. sie habe ihre immerwährende Lehre über solche grundlegenden und kritischen Fragen geändert.

Raymond Leo Kardinal BURKE
Rom, am 22. Oktober 2020


[1] “… suapte intrinseca natura esse inordinatos.” Sacra Congregatio pro Doctrina Fidei, Declaratio, Persona humana, “De quibusdam quaestionibus ad sexualem ethicam spectantibus,” 29 Decembris 1975, Acta Apostolicae Sedis 68 (1976) 85, n. 8. Deutsche Übersetzung: https://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_19751229_persona-humana_ge.html

[2] Vgl. Congregatio pro Doctrina Fidei, Epistula, Homosexualitatis problema, “Ad universos catholicae Ecclesiae episcopos de pastorali personarum homosexualium cura,” 1 Octobris 1986, Acta Apostolicae Sedis 79 (1987) 544, n. 3. Deutsche Übersetzung: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_19861001_homosexual-persons_ge.html

[3] Congregatio pro Doctrina Fidei, Nota, Diverse quaestioni concernenti l’omosessualità, “De contubernalibus eiusdem sexus quoad iuridica a consectaria contubernii,” 3 Iunii 2003, Acta Apostolicae Sedis 96 (2004) 48, n. 10, deutsche Übersetzung: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20030731_homosexual-unions_ge.html

[4]“Poiché le coppie matrimoniali svolgono il ruolo di garantire l’ordine delle generazioni e sono quindi di eminente interesse pubblico, il diritto civile conferisce loro un riconoscimento istituzionale. Le unioni omosessuali invece non esigono una specifica attenzione da parte dell’ordinamento giuridico, perché non rivestono il suddetto ruolo per il bene comune.” Ibid., 47, n. 9.  

Predigt zum 4. Sonntag nach Pfingsten

„Ich halte es dafür, dass die Leiden dieser Zeit in keinem Verhältnis stehen zur künftigen Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll (Röm. 8, 18).“

Liebe Gläubige,

diese Worte des hl. Apostels Paul an die Römer, die wir in der heutigen Lesung vernommen haben, sprechen uns Worte des Trostes und der Hoffnung zu. Auch alle anderen Schriftstellen im Proprium dieses 4. Sonntags nach Pfingsten sind erfüllt von Zuversicht in Gott, den Beschützer unseres Lebens (Introitus Ps. 26,1 und 2), in seine gütige Vorsehung, die die armen in ihrer Bedrängnis erhört, rettet und befreit (Alleluia-Vers Ps. 9, 5 und 10) und in seine grenzenlose Macht, denn der Herr ist unsere Feste und Zuflucht (Communio-Vers Ps. 17,3).

Der jüdische König David, der diese Psalmen unter der Inspiration des Heiligen Geistes um das Jahr 1000 vor Christus komponierte, sang von seinen Feinden, die ihn umringten, wie wir im Introitus gebetet haben: „Meine Feinde, die mich bedrängen, werden schwach und sinken nieder. Selbst wenn sie Heerlager gegen mich aufstellen, wird mein Herz nicht bangen“.

Geliebte im Herrn! Sind nicht auch wir in der Zeit, in der wir leben, von Feinden, ja sogar von feindlichen Heerlagern umgeben? Geht nicht Satan wie ein brüllender Löwe umher (1. Petrus 5,8) und sucht, wen er verschlingen könne?

Denken wir an die Kultur des Todes mit ihren lebensfeindlichen Gesetzen! Große Anstrengungen werden von politischen Kreisen auf internationaler Ebene unternommen, um die Tötung ungeborener Kinder bis unmittelbar vor die Geburt zu ermöglichen. Eine säkulare Umerziehung greift immer mehr um sich, sowohl am Arbeitsplatz durch weiterbildende Kurse und im Klassenzimmer durch den Schulunterricht. In den Medien wird eine neue Korrektheit verbreitet und alles zielt auf eine neue Ordnung der Welt ab, in der das Christentum auf den Zuschauerplatz verbannt oder sogar instrumentalisiert wird. Unsere Zeit ist, wie katholische Theologen und Schriftsteller seit Jahrzehnten nicht müde werden zu widerholen, nicht mehr christlich und auch nicht mehr post-christlich. Ein neues Heidentum bahnt sich seinen Weg, Irrtümer von einst erstehen wieder und so läuft die Welt in Gefahr, daß die Fehlwege und das Grauen von einst die Irrtümer und Verirrungen von morgen werden können.

Viele von Ihnen leben in Dörfern und Städten, in denen es keine hl. Messe in der außerordentlichen Form gibt. Sie unternehmen es, an Sonn-und Feiertagen nach Kloster Maria Engelport zu fahren. Nach dem Messopfer verbringen Sie oft noch Zeit im Gespräch mit anderen Gläubigen, denn da, wo Sie zuhause sind, gibt es wenige, die so glauben und denken wie Sie. Wenn wir in die Welt von heute blicken, so kann man sich des Gedankens nicht erwehren, führende Politiker hätten in den letzten Jahrzehnten vielerorts Brechstangen zur Hand genommen, um zu versuchen, den Rest an bestehender christlicher Ordnung zu beseitigen. In der Kirche sehen wir, daß viele Kathedralen, Basiliken und Kirchen mehr Touristen als gläubige Beter anziehen. Die schönen Kelche und Weihrauchfässer von einst sind meist in Museen hinter Vitrinen zu bestaunen und die prächtigen Messgewänder befinden sich oft, wenn es sie noch gibt, säuberlich weggeräumt im Archiv. Der weitverbreitete religiöse Analphabetismus ist erschreckend. Viele Gläubige fühlen heute eine große Verlassenheit und Einsamkeit, die durch das Gottesdienstverbot im Frühjahr dieses Jahres noch gesteigert wurde. Man kommt sich als gläubiger Christ in unserem säkularen Lebensumfeld immer häufiger wie jemand vor, der in eine Löwengrube gestürzt wurde, umringt von den Feindes seines Heiles.

Gut vierhundert Jahre nach König David lebte in Judea der heilige Prophet Daniel. In einer von Unglauben und Verweltlichung erfüllten Zeit, ließ es Gott zu, dass der babylonische König Nebukadnezar II. nach der Eroberung und Zerstörung Jerusalems im Jahre 597 v. Chr. die Bevölkerung Judeas verschleppte. Unglauben und Verstocktheit war den beiden verbliebenen Stämme Israels im Südreich, nämlich Juda und Benjamin, zum Verhängnis geworden. Gott gab diese Menschen, die sich von ihm aus ganzem Herzen abgewandt und die Propheten verfolgt hatten, der Macht ihrer Feinde preis. 70 Jahre lang sollte dieses Exil fern der Heimat in heidnischen Landen andauern.

Der heilige Prophet Daniel fand jedoch im heidnischen Babylon das Vertrauen des Königs. Eines Tages wurde er von Bewohnern Babylons beim König verklagt, denn Daniel hatte eine Statue des Götzen Marduk zerstört, des babylonischen Stadtgottes, der im Zuge der Ausbreitung des babylonischen Reiches zum Haupt des babylonischen Pantheons avanciert war. Im mesopotamischen Raum, wie auch in der Heiligen Schrift, wurde dieser Gott auch Bel, also Herr, genannt. Daniel hatte es jedoch nicht bei der Zerstörung des Bel belassen. Er tötete auch dessen Attribut, den Mardukdrachen, ein giftspritzendes Mischtier aus Schlange und Drachen, das in der Mythologie der Babylonier der Begleiter Marduks ist, des Herrn aller Götter, des Schöpfers von Himmel und Erde und auch der Menschen. In der Heiligen Schrift begegnen uns vielfach eindringliche Warnungen vor den heidnischen Göttern, die besonders im 5. Buch des Mose (Dtn. 32,17) und in den Psalmen als Dämonen benannt werden. So heißt es etwa im Psalm 95,5 „Dii enim gentium daemonia sunt.“ „Die

Götter der Heiden sind nämlich Dämonen.“ Psalm 113 lobsingt der Transzendenz und Allmacht des einen und wahren Gottes und rühmt seine zahllosen Großtaten. Im Kontrast hierzu verspottet der Psalmist die Götzenbilder der Heiden, die aus Silber oder Gold gefertigt sind, als das leblose Werk menschlicher Hände. An diese Psalmverse wird der Prophet Daniel wohl gedacht und sie in seinem Herzen auch gebetet haben, als er daran ging, die Statue des grausamen Marduk umzustürzen und zu zerstören, dem zur Besänftigung seines Zornes in einem Feuerofen Menschenopfer dargebracht wurden.

Wie viele Opfer werden den falschen Göttern der Moderne heute dargebracht, dem Konsumismus, der Wissenschaft ohne Gott und dem Drang nach völliger Unabhängigkeit?

Nur nach heftigsten Morddrohungen hatte der König dem Sinnen der Götzendiener schließlich nachgegeben, und Daniel wurde von diesen in eine Löwengrube geworfen. Gott gedachte jedoch seines treuen Dieners Daniel, bewahrte ihn vor den ausgehungerten Löwen und sandte sogar einen Engel mit dem Propheten Habakuk aus Judea, der Daniel ein Mahl brachte, sodass er bei Kräften bliebe. Der Prophet Daniel erhob nun seine Stimme zum Lobpreis Gottes und sprach: „Du hast meiner gedacht, o Gott, und die nicht verlassen, die Dich lieben!“ Daniel ist in dieser äußersten Gefahr des Todes ein Typus für Christus, der von seinen Feinden wie von blutrünstigen Löwen umringt war und den der himmlische Vater im Leidensgarten Getsemani durch einen Engel stärkte. Als der König am siebten Tag zur Löwengrube kam, um über Daniel zu trauern, da war er vor lauter Freude ganz außer sich, Daniel heil wiederzufinden. Voller Staunen über Gottes Allmacht und Treue rief er aus: „Groß bist Du, Herr, Gott Daniels!“ Danach bekannte der König laut vor allen: “Alle Bewohner der ganzen Erde sollen den Gott Daniels fürchten, denn er ist der Retter, der Zeichen und Wunder wirkt auf Erden. Er hat Daniel aus der Löwengrube befreit.“

So wie der Gott dem Daniel beistand, so wird Gott auch uns weiter beschützen und durch die Unsicherheiten und die Wechselhaftigkeit dieser launischen Welt in seiner väterlichen Hand hindurchtragen. Vergessen wir nicht, daß das Kreuz der königliche Weg der Nachfolge Christi ist, dass es der Altar von Golgotha und das Zeichen des Sieges Christi ist, der nie ein Ende finden wird. Blicken wir auf zu den Scharen der Märtyrer, Bekenner und heiligen Frauen. Blicken wir zu König David und dem Propheten Daniel. Vertrauen wir uns dem Herrn an, besonders in Momenten der Versuchung. Beten wir zu Gott und fürchten wir nicht die Menschen! Erzeigen wir dem einzig wahren Gott unsere Ehrfurcht! Denken wir an die Worte des hl. Apostels Paulus an die Römer über die künftige Herrlichkeit, wie wir sie in der Lesung vernommen haben. Haben wir keine Angst vor den Löwen dieser Welt, die den Kindern Gottes nachstellen und beten wir mit dem hl. König David: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil, wen sollte ich fürchten? Der Herr ist der Beschützer meines Lebens, wovor sollte ich zittern (Ps. 26,3)?“ Der Herr ist meine Feste, meine Zuflucht und mein Befreier; mein Gott, mein Helfer (Ps. 17,3)!“

Kanonikus Richard von Menshengen

Predigt zum Dreifaltigkeitssonntag

Wir leben auf einem Planeten, der um einen Stern kreist. Schon die Erde hat für uns eine erstaunliche Größe. Im Vergleich zur Sonne ist das aber verschwindend wenig. Dieser Stern im Zentrum unseres Sonnensystems ist gewaltig. Eine Million Erdkugeln würden darin Platz finden. Die gewaltigste bekannte Sonne, der sogenannte Überriese Canis Majoris, der erst 2004 entdeckt wurde, hat jedoch einen Durchmesser, der etwa 2000-mal so groß ist wie der unserer Sonne. Eine Größe, die jede Vorstellungskraft übersteigt.

Selbst dieser riesige Stern aber ist nur wie ein verschwindendes Sandkorn in der unvorstellbaren Ausdehnung des beobachtbaren Universums. Schon die Zahl der Sternnebel, die es enthält, weit mehr noch die Zahl der Sonnen in ihm ist nur noch in tausenden von Milliarden auszudrücken. Unsere Sprache hat keine Worte mehr, um solche Dimensionen zu erfassen. Jede Vorstellung kapituliert vor diesen Weiten.

Wieviel mehr gilt das aber von jenem unendlichen Wesen, das alle diese Welten in einem Augenblick geschaffen hat! Wenn wir die Gewaltigkeit der Schöpfung staunend erahnen, so gibt uns das nur einen allerersten, anfanghaften Begriff von der Erhabenheit Gottes, aus dessen Willen dieses gewaltige Universum entstanden ist. An den unfassbaren Kräften, die die Schöpfung Gottes im Riesigsten wie im Allerkleinsten ordnen und lenken, können wir die Majestät des Einen Gottes ablesen, der das alles ins Leben ruft, erhält und vollendet.

Diese Unendlichkeit Gottes, die das Weltall widerspiegelt, macht aber auch demütig. Sie lässt uns unseren Platz vor dem Schöpfergott begreifen. Wir können plötzlich nachvollziehen, was der heilige Paulus in der Epistel ausruft: „O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Ratschlüsse, wie unerforschlich seine Wege!“ (Römer 11, 33).

Aus der Pracht und Größe der Schöpfung können wir die Allmacht ihres Autors erkennen, doch begreifen können wir ihn nicht. Schon die Gesetze der Natur, die er festgelegt hat, sind trotz aller wissenschaftlichen Forschungen uns immer noch größtenteils verborgen. Je mehr wir in sie vordringen, desto größer wird ihr Geheimnis. Schon ein anderer Mensch bleibt uns oft geheimnisvoll. Wieviel mehr gilt das von Gott und seinem inneren Wesen! Gott ist, wie das erste Vatikanische Konzil definiert hat, „Schöpfer und Herr des Himmels und der Erde, allmächtig, ewig, unermesslich, unbegreiflich, an Vernunft und Willen sowie jeder Vollkommenheit unendlich“ (Dogmatische Konstitution Dei Filius, 1). Wie könnten wir ihn begreifen?

Weil das aber so ist, weil Gott in einem „unzugänglichen Lichte wohnt“ (1 Timotheus 6, 16), hat er selbst von sich zu uns gesprochen. Wir können sein inneres Wesen nicht erfassen, Er aber hat beschlossen, es uns zu offenbaren. Offenbarung meint hier die Offenlegung jener Geheimnisse Gottes, die zu unserem Heil notwendig sind. Er hat zu uns gesprochen, damit wir wissen, wer er ist. Zu Moses hat er in der Wüste aus dem brennenden Dornbusch gesagt: „Ich bin, der Ich bin!“ (Exodus 3, 14). In der Folge hat er den Propheten des Alten Testamentes seine Herrschaft und auch bereits seine Vaterschaft dem Volke Israel und allen Völkern der Erde gegenüber enthüllt (z.B. Jeremias 31,9; Jesaias 63,16; 64,7). Doch erst am Ende der Zeiten hat er uns durch den Gottmenschen Jesus Christus noch tiefer in das Geheimnis seines ewigen Wesens blicken lassen.

Gott enthüllt erst der Kirche in einer endgültigen Offenbarung die volle Größe des Geheimnisses! Ohne das fleischgewordene Wort Jesus Christus hätten wir nie wissen können, wer Gott wirklich ist: Vater, Sohn und Heiliger Geist, vereint in einem unendlichen Wesen von drei göttlichen Personen, von deren gemeinsamen Leben alles ausgeht und in dem alles endet. Das Kirchengebet des heutigen Hochfestes sagt uns, wie wir dieses Geheimnis erkannt haben und bittet um den Schutz, der uns aus dem Glauben daran erwächst: „Allmächtiger ewiger Gott, Du hast Deinen Dienern die Gnade verliehen, im Bekenntnis des wahren Glaubens die Herrlichkeit der ewigen Dreifaltigkeit zu erkennen und in der Macht der Majestät die Einheit anzubeten; nun bitten wir Dich, lass uns kraft dieses unerschütterlichen Glaubens stets vor allem Unheil gesichert sein!“

Nur der wahre Glaube lehrt uns das Geheimnis Gottes in seiner ganzen Herrlichkeit. Dieser Glaube erhält seinen Inhalt aus der Offenbarung Gottes selbst. An dieser Offenbarung des Glaubens festhalten zu können, ist unverdiente und unverdienbare Gnade. Offenbarung und Gnade aber führen uns zur Anbetung der Majestät Gottes. Nur dieser unerschütterliche Glaube aber bewahrt uns im letzten vor allem Unheil, schon hier, besonders aber in der Ewigkeit. Nicht nur als seine Geschöpfe hängen wir also ganz von Gott ab. Auch das notwendige Heilswissen um sein inneres trinitarisches Wesen ist als Offenbarung und Gnade Sein freies Geschenk, das er uns gibt, weil er uns liebt. Die gläubige Anbetung der Allerheiligsten Trinität ist das Tor zum Heil! Das Wissen um das wahre Wesen Gottes ist der Schlüssel zum Himmel!

Deswegen schließt sich an die Offenbarung des innersten göttlichen Geheimnisses auch der Auftrag an die Kirche an, den wir im Evangelium gehört haben: „Gehet also hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie alles, was ich Euch geboten habe!“ (Matthäus 28, 19). Es ist nicht gleichgültig, was man glaubt. Gott selbst gebietet seiner Kirche, den Namen des wahren Gottes über die Täuflinge auszusprechen und sie ohne Ausnahme alles zu lehren, was dieser wahre Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, zu glauben und zu tun geboten hat. Wie der ewige Gott, so ist auch dieser Auftrag an die Kirche unveränderlich. Von seiner Verwirklichung hängt das Heil der vielen ab!

Das innere Geheimnis der göttlichen Dreifaltigkeit zu verstehen, ist für uns Menschen nicht möglich, auch nicht in der Ewigkeit. Wir haben gesehen, dass wir die Herrlichkeit der Schöpfung kaum begreifen, noch weniger den Schöpfer und schon gar nicht sein innerstes Wesen. Was er uns davon gesagt hat, ist das, was wir mithilfe der Kirche noch so gerade erfassen können: Im Inneren des göttlichen Lichtes brennt ein unendliches Feuer der Liebe, in dem die drei Personen des einen Wesens Gottes ewig aufeinander bezogen sind. Dieses Feuer der Liebe ist so stark, dass es sich mitteilen will. Daher die Majestät und Erhabenheit der ganzen sichtbaren und unsichtbaren Schöpfung. Dieses Feuer aber will sich nicht nur mitteilen, es will erleuchten und erretten, was verloren war. Daher das Licht der Offenbarung und das Liebesopfer der Erlösung. Alle Liebe aber will auch ähnlich machen. Daher die Heiligung und Erhebung der Erlösten durch den Geist der Liebe, der in der Kirche weht. Das Heilswerk Gottes ist also ein Spiegel Seines Wesens!

Der Große Gott, der „über alles, was außer ihm ist und gedacht werden kann, unaussprechlich erhaben ist“ (Dei Filius, 1), ist der Eine und Dreifaltige. Er ist herrlicher als sein herrliches Universum. Er offenbart uns in zärtlicher Liebe sein innerstes Wesen. Er öffnet sich uns. Er neigt sich uns zu, weil er uns erheben und durch die Macht seiner Gnade an sich ziehen will. Nur durch seine Macht kann das geschehen, nur durch seinen Namen werden wir gerettet. Sein wunderbarstes Werk ist unsere Erlösung! Wer wollte sich dem entziehen? Wer seine Heilsbotschaft verschweigen?  Wer der Dreifaltigkeit seinen Dienst verweigern? Die Gewalten der Himmel erzittern vor Gott, der sie schafft und erhält. Uns aber liebt er und wird uns gleich, damit wir Ihm ähnlich werden können. Dafür müssen wir unendlich dankbar sein. Daher müssen wir Ihn demütig anbeten. Deswegen rufen wir mit der ganzen Kirche am heutigen Hochfest: „Gepriesen sei Gott Vater und Gottes eingeborener Sohn und der Heilige Geist, weil sie an uns Barmherzigkeit getan!“ (Tob. 16, 6).

Msgr. Prof. DDr. R. Michael Schmitz

Predigt zum Pfingstfest

Was wird die Zukunft bringen? Wird alles nach der Corona-Krise wieder sein wie vorher? Welche Krise wird unsere Gesellschaft als nächstes erschüttern? Auf diese Fragen haben wir Menschen keine Antwort. Auch der größte Wissenschaftler, auch der weitsichtigste Staatsmann wird angesichts solcher Sorgen schweigen müssen, denn niemand weiß, was die Zukunft bringt.

Und doch haben wir eine große Sicherheit hinsichtlich aller irdischen Geschehnisse. Das heutige Hochfest lehrt uns nämlich, was auch die Geschichte bestätigt: Die heilige Kirche überlebt jede Krise!

Welch größere Krise hätte es für die frühe Kirche geben können als den blutigen Kreuzestod ihres Gründers? Die Schar der Jünger war zerstreut, die Apostel feige versteckt, der Glaube der vielen erschüttert, nur einige Fromme um die Mutter Jesu hielten noch am Wort des Herrn fest. Es schien das Ende der Kirche gekommen, noch bevor sie richtig begonnen hatte zu leben. Selbst die Erscheinungen des auferstandenen Herrn wurden bezweifelt. Auch die Apostel waren nicht einmütig und glaubensstark. Alles schien zu Ende zu gehen.

Mitten in dieser scheinbar aussichtslosen Situation offenbart der Trinitarische Gott Seine unbesiegbare Majestät: Flammen erscheinen vom Himmel, das Wehen der Kraft Gottes wird hörbar, der Gottesgeist wird über die ausgegossen, die noch gerade gezweifelt hatten. Nicht menschlicher Mut, sondern die Stärke des Heiligen Geistes macht die Feigen wieder zu Aposteln. Sie verkünden unwiderstehlich das erlösende Wort. Sie sprechen in allen bekannten Sprachen. Sie erreichen alle Herzen. Tausende werden an einem Tag bekehrt. Die Kirche lebt! Versammelt um die starke Jungfrau und Mutter, die Gnadenmittlerin und Miterlöserin Maria, die als einzige nie den Glauben verlor, lebt die Kirche und trägt die frohe Botschaft in die Welt!

Pfingsten wiederholt sich viele Male in der Kirchengeschichte. Oft sind die Christen angesichts der Krisen der Weltgeschichte furchtsam. Sie glauben nicht an die Majestät Gottes. Sie zweifeln am auferstandenen Herrn. Sie wissen nichts mehr von der Kraft des Heiligen Geistes. Und doch ist der Trinitarische Gott in Seiner Kirche bis zum Ende der Zeiten! Immer wieder rettet er sie vor dem Untergang, immer wieder besiegt er Glaubenslosigkeit und Irrtum, immer wieder erbaut er die Kirche neu und groß mitten aus den Krisen der Zeit!

Die heilige Kirche überlebt jede Krise! Der Zusammenbruch des Römischen Kaiserreiches, der die damalige Welt erschüttert hat, wurde auch für die Kirche eine große Bewährungsprobe. Inmitten der Völkerwanderung des fünften bis siebten Jahrhunderts wurde sie aber zur einzigen Institution, die alle Stürme überstand. Wie viele Male ist vor dem Ansturm des Islam nicht die existierende Gesellschaftsordnung ganz oder teilweise zusammengebrochen? Die Kirche hat immer überlebt und den westlichen Völkern wieder neue Kraft eingehaucht zu wiederstehen und zu siegen. Hunderte von Königreichen und Fürstentümern hat die Kirche überlebt, alle Revolutionen überstanden, Staatsordnungen kommen und gehen sehen. Sie ist immer noch da!

Schreckliche Seuchen wie die Justinianische Pest oder die vielen Wellen des schwarzen Todes im Spätmittelalter hat die Kirche überdauert! Verfolgungen grausamster Art in ihren Anfängen, durch die Heidenvölker und Häretiker, durch Gewaltherrschaften und Terrorregime hat sie überwunden. Die Schrecken der französischen Revolution, die ideologische Manipulation und die brutale Unterdrückung durch den Nationalsozialismus und den Kommunismus hat sie ebenso überlebt. Nach jeder geschichtlichen Prüfung ist sie aus den Trümmern der Gesellschaft emporgestiegen wie ein Phönix aus der Asche.

Selbst die schlimmsten ihrer Erschütterungen, die großen inneren Glaubenskrisen, hat sie siegreich bestanden. Wir haben schon gesehen, wie der Heilige Geist den Unglauben der Apostel besiegt hat. Er hat aber auch die arianische Krise des vierten und fünften Jahrhunderts überwunden, als, wie der heilige Hieronymus sagt, „der Erdkreis erwachte und merkte, dass er arianisch [d.h. häretisch] geworden war“. Der Geist Gottes hat der Kirche große Heilige erweckt, die die Katharer und später die Hussiten vom 12. bis zum 15. Jahrhundert zurückgedrängt haben. Nach der sogenannten Reformation hat er der Kirche weitsichtige Päpste und apostolische Männer gesandt, die im 17. und 18. Jahrhundert den katholischen Glauben zu neuer Blüte geführt haben. Gegen vermeintliche Aufklärung, kalten Rationalismus und kalkulierten Modernismus hat der Geist Gottes der Kirche auch im 19. und 20. Jahrhundert Selige und Heilige gesandt, wie etwa die Päpste Pius IX. und Pius X., die unerschrocken die Wahrheit verkündet haben.

Seien es äußere oder innere Krisen: Immer steht die Kirche wieder auf und jede Krise macht sie stärker und mutiger als zuvor. Das alles beruht nicht auf menschlichem Tun. Würde die Kirche von uns Menschen abhängen, dann wäre sie nie mehr aus dem Abendmahlssaal in Jerusalem herausgekommen, wo die Apostel zitternd versammelt waren. So menschlich die äußere Erscheinung der Kirche in ihren Gliedern manchmal erschienen ist, so furchtsam, unfähig und zweifelnd selbst die Apostel, Bischöfe und Priester gewesen sein mögen, so sehr auch die Sünden aller Christen das äußere Handeln der Kirche schwächen, so stark und übermächtig ist in ihr der Heilige Geist.  Der heilige Augustinus sagt mit Recht: « Was in unserem Leibe die Seele, das ist der Heilige Geist im Leibe Christi, der die Kirche ist. » (Sermo CCLXVII de tempore, c.4. PL 38, 1231).

Deswegen konnte der große Papst Leo XIII am Pfingstfest 1897 in seiner berühmten Enzyklika „Divinum illus munus“ ausrufen: Der Heilige Geist teilt die „Wahrheit… in vollem Ausmaß der Kirche mit und leiht ihr seinen immerwährenden und fürsorglichen Beistand, damit sie niemals einem Irrtum verfalle, und damit sie die Keime der göttlichen Lehre stets weiter entfalten und zum Heile der Völker zur Vollreife bringen könne. Weil nun das Heil der Völker, wofür ja die Kirche bestimmt ist, unbedingt die Fortdauer ihres Amtes durch alle Zeiten voraussetzt, so fließt ihr vom Heiligen Geist immerdar Leben und Kraft zu, um sie in ihrem Dasein und Wachstum zu stärken.“ Die Hierarchie, die Sakramente, die göttliche Ordnung, ja alle Gnadengaben der Kirche und ihrer Glieder kommen von ihrer Seele, dem Heiligen Geist. So sagt wieder Papst Leo XIII: „Dass die Kirche ein durchaus göttliches Werk ist, das geht aus keinem anderen Beweis klarer hervor, als aus der glanzvollen Pracht der Gnadengaben, womit sie in jeder Hinsicht ausgestattet ist; selbstverständlich ein Werk und Geschenk des Heiligen Geistes.“

Der Heilige Geist hat nicht nur am Pfingstfest geweht. Sichtbar für alle Menschen guten Willens brennen auch heute Flammenzungen des Geistes in den leuchtenden Wahrheiten der kirchlichen Lehre! Das Rauschen der Kraft Gottes ist hörbar in ihrer unfehlbaren Rede, in ihrer herrlichen Liturgie, in der Kraft ihrer Sakramente! Die Ordnung des Himmels spiegelt sich dort wider, wo sich Menschen in der Kirche dem Wehen des Geistes durch ein heiliges Leben öffnen!  Seine Kraft ist unbesiegbar in uns, wenn wir den Willen Gottes tun und tatsächlich den zeitlosen Mahnungen der Kirche folgen. Der Geist „weht, wo er will“ (Johannes 3, 8), aber er weht für immer in der heiligen Kirche! Bis zum Ende der Zeiten weht er in der überlieferten Wahrheit, die sie verkündet, in den sakramentalen Geheimnissen, die sie feiert, und in der unveränderbaren Heilsordnung, die sie lebt. Durch die Kirche erreicht der Heilige Geist unsere Seelen, und unsere Seelen werden durch Ihn Teil der Kirche!

Daher also überlebt die Kirche jede Krise, denn der Geist Gottes verlässt sie nie und hat sie niemals verlassen. Wenn die Menschen beginnen, in der Kirche zu sehr auf sich selbst zu vertrauen; wenn sie nicht mehr wahrhaben wollen, dass es die Kraft des Geistes ist, der die Kirche belebt und durchwirkt; wenn die Menschen zu sehr auf menschliche Maßstäbe, menschliche Pläne, menschliche Methoden bauen; kurz, wenn die Kirche in der Gefahr ist, vermenschlicht und verweltlicht zu werden, dann weckt Gott uns auf. Dann schickt er uns Mahnungen. Dann wird oft das Menschliche von göttlicher Allmacht in Frage gestellt, als zerbrechlich erwiesen oder einfach hinweggefegt. Dann aber auch zeigt sich die Größe der Kirche. Wo alles nur Menschliche kraftlos wird, da beweist sich die Größe der Gnade und die Kraft des Heiligen Geistes.

Dadurch, dass die Kirche immer überlebt, zeigt uns Gott seine Macht. Dadurch gibt er uns aber auch Hoffnung, wenn vermeintliche menschliche Sicherheiten und vorgeblicher menschlicher Fortschritt zerbricht. Solange wir in der Kirche und mit der Kirche leben, kann uns im letzten nichts passieren. Wir mögen an der Welt und ihren Unsicherheiten leiden, wir wissen aber, dass die Kirche trotz dieser Leiden fortbesteht. Ihre göttliche Seele, der Heilige Geist, garantiert dieses Fortbestehen bis zur Wiederkunft des Herrn.

Die Kirche ist über 2000 Jahre alt. Sie hat alles gesehen und alles erlebt. Keine bestehende Institution auf dieser Erde ist älter und weiser als sie. Mögen auch einzelne Vertreter und Glieder der Kirche sich fürchten und ängstigen, die Kirche ist ohne Angst und ohne Furcht, denn ihr Wesen ist göttlich. Sie wird auch diese Krise überleben, wie sie alle Krisen überlebt hat!  Bitten wir also den Heiligen Geist, auch in dieser neuen Krise noch einmal Seine Macht zu offenbaren. Bitten wir ihn zu zeigen, dass er stärker ist als „der Fürst dieser Welt“ (vgl. Johannes 14, 31-32). Bitten wir ihn zu offenbaren, dass er die Seele der Kirche ist und bleibt! Das ist unsere glaubende Zuversicht, genährt aus der hoffenden Bitte der Pfingstsequenz, die durch die Jahrtausende aus dem Mund der heiligen Kirche erschallt: „Komm, o Geist der Heiligkeit! Aus des Himmels Herrlichkeit sende Deines Lichtes Strahl!“ Amen

Msgr. Prof. DDr. R. Michael Schmitz

Predigt zum Sonntag nach Christi Himmelfahrt

Keiner mag Feiglinge. Feiglinge, die zwar den Mund vollnehmen, sich aber im entscheidenden Moment zu drücken wissen. Feiglinge, denen ihr eigener Vorteil wichtiger ist als Treue und Festigkeit. Feiglinge, die einfach ihre Ruhe haben wollen. Nur keine Stellung nehmen müssen. Nur keine Position beziehen. Nur nicht für die Wahrheit Opfer bringen. Wer so handelt, ist ein Feigling. Keiner mag ihn, weil er im entscheidenden Moment nur an sich selbst denkt.

Dass ist nicht der Weg, den der Herr seinen Jüngern weist. „Auch ihr werden Zeugnis von mir ablegen, weil ihr von Anfang an bei mir ward“, heißt es im heutigen Evangelium. Wer ein Jünger des Herrn sein will, der muss bereit sein, Zeugnis für Ihn abzulegen. Christus weist sofort auf die Konsequenzen hin, die ein solches Zeugnis haben kann: „Sie werden euch aus den Synagogen stoßen; ja, es kommt die Stunde, da jeder, der Euch tötet, Gott einen Dienst zu tun glaubt.“ Der Grund für diese letzte Konsequenz des Zeugnisses für Jesus, das die Verfolger der Jünger nicht dulden, wird ebenso angegeben: „Das werden sie euch antun, weil sie weder den Vater noch mich kennen.“ (Johannes 15, 26-27; 16, 1-4)

Der Herr beschönigt nichts. Er verheimlicht nicht, was es bedeuten kann, Sein Jünger zu sein. Er konfrontiert die Jünger mit den Tatsachen: So wie Er für uns zu sterben bereit war, so sollen auch seine Jünger bereit sein zu sterben, wenn es das Zeugnis erfordert. Wenn es soweit ist, sollen sie nicht erstaunt sein. Sie sollen sich nichts vormachen hinsichtlich der Folgen des Zeugnisses für Ihn. Er warnt sie vor: „Ich sage euch das, damit, wenn jene Stunde kommt, ihr euch daran erinnert, dass ich es euch gesagt habe.“ (Johannes 16, 4)

Die Stunde aber ist gekommen. Die Vorhersage des Herrn ist eingetroffen. Nicht nur einmal, sondern viele Male in der langen Geschichte der Kirche. Zuerst sind die Apostel alle aus den Synagogen gestoßen worden und schließlich alle, bis auf Johannes, den Märtyrertod gestorben. Dann hat sich ihr Schicksal unzählige Male wiederholt. Christen, die Zeugnis für den Herrn gaben, sind zu abertausenden unter den römischen Kaisern gemartert worden. Katholiken, die den wahren Glauben gegen Arianer, die Monophysiten, die Bilderstürmer, den Islam und andere Häretiker und Heiden bezeugt haben, wurden nicht nur oft aus den kirchlichen Versammlungen der Schismatiker ausgestoßen, sondern erlitten vielfach Verfolgung und Martyrium. Tausende von katholischen Missionaren sind für das Zeugnis Jesu blutig gestorben. Die Gewaltherrscher der modernen totalitären Staaten und ihre Sbirren haben den Opfertod unzähliger Priester, Ordensschwestern und Laien verschuldet.

Die Stunde, die Jesus ankündigt, ist nicht vorüber. Man hat mit Recht das zwanzigste und einundzwanzigste Jahrhundert als die Jahrhunderte mit der systematischsten Christenverfolgung bezeichnet. Nicht nur in der Vergangenheit, sondern zu dieser Stunde werden Menschen für ihr Christuszeugnis im Sudan, in Syrien, in Pakistan, in China, in Nord-Korea, in Nigeria, in Indien und in vielen anderen Ländern verfolgt und sterben. Das wird oft verschwiegen, ist aber die harte Wirklichkeit. Menschen, die an Christus glauben und Ihn bezeugen, werden noch heute von denen gehasst und getötet, „die weder den Vater noch den Sohn kennen“, aber in ihrer Verblendung glauben, „Gott einen Dienst zu tun“, wenn sie die Christen und vor allem die Katholiken verfolgen.

Bereiten wir uns also vor, damit wir nicht zu den Verrätern und Feiglingen gehören, wenn die Stunde kommt. Wir sind vielleicht nicht unmittelbar gerufen, unser Leben blutig zu opfern, obwohl auch das schnell kommen kann, wie die Geschichte Deutschlands zeigt. Aber wir sind gerufen, Zeugnis zu geben. Zeugnis für unseren katholischen Glauben. Zeugnis für die eine, heilige, apostolische und katholische Kirche. Zeugnis für den Herrn, der den Glauben verkündet und die Kirche gestiftet hat. Dieses Zeugnis ist nicht in unser Belieben gestellt. Wir können uns nicht drücken. Wer nicht klar sagt und verteidigt, was er glaubt, wird leicht zu einem Verräter an der Wahrheit, die Mensch geworden ist.

Hören wir daher auf die Stimme des Herrn, der uns eindringlich mahnt: „Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater“ (Matthäus 10, 32-33). Heute beginnt das Zeugnis nicht erst vor den Gerichtshöfen der Heiden, sondern in der Familie, unter Freunden, am Arbeitsplatz, in allen unseren Verantwortlichkeiten.

Dieses Zeugnis erfordert Mut. Es ist nicht immer einfach. Oft genug kostet es Überwindung. Als Katholiken können wir uns nicht anpassen. Wir können nicht einfach „tun, was alle tun“. Wir können uns angesichts der Glaubenslosigkeit und der Unmoral in unserem engsten Umkreis nicht mit dem billigen Spruch abseilen: „Die Zeiten haben sich geändert.“ Doch wir sind auch nicht allein. Der Herr ruft uns nicht zum Zeugnis für Ihn, ohne uns gleichzeitig beizustehen, damit wir dieses Zeugnis trotz unserer Schwäche und Menschenfurcht geben können.  Wenn er uns zu seinen Jüngern macht, dann gibt er uns auch alles, was es dazu bedarf.

Wir sind nicht allein. Durch die Gemeinschaft der Kirche erhalten wir die Kraft der ständigen Gegenwart des Herrn. Er verlässt uns nicht, sondern bleibt in Seiner Kirche bei uns „alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Matthäus 28, 20). Im Allerheiligsten Altarsakrament gibt er uns die Zuversicht, nicht allein zu sein, wenn die Stunde des Zeugnisses kommt. Vor den Tabernakeln unserer Kirchen betend können wir die Glaubensstärke finden, im Kleinen und im Großen Zeugnis zu geben. Dort wird er uns die Gnade der Festigkeit schenken, so wie er sie den Aposteln geschenkt hat, die erst furchtsam und zweifelnd waren, dann aber zu Helden des Glaubens geworden sind. Der würdige Empfang der heiligen Eucharistie ist für uns Quelle mutigen Zeugnisses, denn mit Jesus im Herzen wissen wir, dass „unser Glaube der Sieg ist, der die Welt überwunden hat“ (1 Johannes 5, 4).

Wir sind nicht allein. Mit uns gibt die Kirche Zeugnis für Christus. Die Kirche aller Zeiten steht uns vor Augen: Die Kirche der großen Päpste und Bischöfe, die Kirche der frommen und glaubenstreuen Priester, die Kirche der unzähligen Märtyrer, Bekenner, der heiligen Männer und Frauen. Die streitende Kirche hier auf Erden ist in allen Jahrhunderten von der triumphierenden Kirche des Himmels und der leidenden Kirche des Fegfeuers in ihrem großen Zeugnis für Christus unterstützt worden. Mag auch der Einzelne, sei er Papst, Bischof, Priester oder Laie, der Höhe dieses Zeugnisanspruches nicht immer gerecht werden, so stützt uns doch das Zeugnis der katholischen Kirche als Ganze. Ihre Lehre macht unser Zeugnis zu einem Zeugnis der Wahrheit, gestern, heute und bis zum Ende der Zeit.

Wir sind nicht allein. Der gute Umgang mit anderen gläubigen Katholiken stärkt und befähigt uns zum Zeugnis Christi gegenüber der Welt. Darum sollen wir uns gegenseitig stärken: „Vor allem liebet einander allezeit, denn die Liebe deckt viele Sünden zu“, sagt uns der Apostelfürst in der heutigen Epistel (1 Petrus 4, 2). Er ermahnt uns zur Gastfreundlichkeit und zu gegenseitigem Dienst. Wenn wir Katholiken uns untereinander stützen, wenn wir mit unseren jeweiligen Gnadengaben den anderen helfen, wenn zwischen uns ein gutes Einvernehmen herrscht, wenn wir einander verzeihen, einander ermutigen und uns gegenseitig in diesen schweren Zeiten trösten, dann gibt uns solche Gemeinschaft Kraft zum Zeugnis für den Herrn. Geben wir gemeinsam unser Zeugnis für Christus! Je mehr wir im wahren Glauben und in der Nächstenliebe einig untereinander sind, desto mehr bleiben wir für uns und andere „gute Verwalter der mannigfachen Gnade Gottes“.

Wir sind nicht allein. Der Herr bleibt bei uns, aber er schenkt uns auch Seinen Geist, der uns zum Zeugnis befähigt. Wir hören im Evangelium: „Wenn der Tröster kommt, den ich Euch vom Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, so wird Er Zeugnis von mir ablegen!“ (Johannes 15, 26). Diesen Tröster hat der Herr schon gesandt. Der Heilige Geist ist die unsichtbare Seele der Kirche. Er trägt ihr unfehlbares Lehramt und wirkt mit seiner Kraft in den Sakramenten. Er ist in ihr als Geist der Wahrheit, der Nächstenliebe und der Einheit. Wir alle sind in Taufe und Firmung Tempel des Heiligen Geistes geworden. Deswegen sind wir niemals allein mit unserem Zeugnis.  In jedem Moment mutigen Zeugnisses geht seine Kraft uns voraus, begleitet unser Bekenntnis und schenkt uns die Frucht des Glaubens. Deswegen kann Petrus uns und den Amtsträgern in der Kirche zurufen: „Wer redet, rede Gottes Wort. Wer ein Amt hat, verwalte es mit der Kraft, die Gott gibt, damit in allen Dingen Gott verherrlicht werde durch Jesus Christus unsern Herrn“ (1 Petrus 4, 11).

Wir sind in der Tat nicht allein. Wir finden den Mut zum Zeugnis, zu dem Jesus uns ruft, in der Gemeinschaft der Kirche. Der Herr selbst bleibt mitten in seiner Kirche im Sakrament des Altares und hilft uns, Ihm treu zu bleiben. Die unveränderte Lehre Seiner Kirche und ihre großen Bekenner geben mit uns Zeugnis. Der Herr ist es auch, der unter uns die Einheit der gelebten Nächstenliebe schafft, mit der wir uns gegenseitig zum Zeugnis stärken und ermutigen. In der Gemeinschaft der Kirche weht der Geist Gottes, der uns tröstet, wenn wir furchtsam sind, und uns Seine Kraft schenkt, wenn wir zum Bekenntnis gerufen werden.

Dieses bekennende Zeugnis ist jeden Tag aktuell. Unser Leben als Katholiken, unser Festhalten am Glauben unserer Väter, unser Bekenntnis für Christus und Seine Kirche wird niemals unmodern. Die Zeiten mögen sich geändert haben, aber das Gebot des Herrn, Zeugnis für Ihn zu geben, ändert sich nicht. Mit Milde und Güte, mit Geduld und Liebe, aber auch mit Kraft und Stärke, Wahrheit und Festigkeit bekennen wir den Herrn, wenn und wo immer unser Glaube gefragt ist. Wir sind keine Feiglinge, wir sind Katholiken. Jeder Katholik aber ist Jünger und Apostel! Amen.                                                             

Msgr. Prof. DDr. Rudolf Michael Schmitz

PREDIGT ZU CHRISTI HIMMELFAHRT

„Wir haben doch sowieso alle denselben Gott“. Diese banale und vordergründige Aussage dient heute allenthalben zur Entschuldigung dafür, dass angeblich „jeder nach seiner Fasson selig werden kann“, wie es schon der Freimaurer Friedrich II. von Preußen formuliert hat. Haben wir wirklich alle denselben Gott? Können wir uns so einfach aus der Affäre ziehen? Was steckt hinter dieser leichtfertigen Behauptung?

Zunächst einmal müssen wir klar erkennen, dass in diesem Satz zwei ganz verschiedene Inhalte in einen Topf geworfen werden. Die Aussage „Wir haben alle denselben Gott“ ist nämlich richtig, wenn sie sagen will, dass es nur einen wahren Gott gibt, der die Welt, alle ihre Geschöpfe und auch alle Menschen geschaffen hat. Der wahre Gottesbegriff schließt logischerweise ein, dass es nur einen allmächtigen, allwissenden, allerhaltenden Gott geben kann. Wäre Gott nicht über alles erhaben und einzig in seiner Majestät, dann wäre er eben nicht Gott. Die Existenz eines höchsten Wesens, von dem alles abhängt und das alles regiert, schließt jede Vielgötterei aus. Es gibt in der Tat nur einen Gott. Von Gott aus gesehen stimmt es also, dass „wir alle denselben Gott haben“. Wäre es nicht so, gäbe es keinen Gott.

Das aber will die so oft wiederholte Banalität eigentlich gar nicht sagen. Sie meint vielmehr, dass „wir alle an denselben Gott glauben“. Das aber ist schlicht und einfach falsch. Gott hat sich nämlich auf eine ganz bestimmte Weise und ein für alle Mal offenbart. Das heißt, er hat uns gelehrt, was sein Wesen ist, was er tut und was nach seinem Willen unsere Bestimmung ist. Diese eine wahre Offenbarung hat Er in ihrer Gesamtheit der Kirche übergeben, die sie in Schrift und Tradition, also im Alten und Neuen Testament und ihrem Lehramt, bewahrt und überliefert. Durch den Heiligen Geist, der der Kirche darin beisteht, diese Überlieferung unversehrt zu erhalten, garantiert Gott selbst die bleibende und unveränderliche Wahrheit des offenbarten Gottesbildes.

Wer also nicht daran glaubt, dass Gott der Schöpfer der sichtbaren und unsichtbaren Welt ist, wer nicht daran glaubt, dass Gott der Eine und Dreifaltige ist, wer nicht daran glaubt, dass die Zweite Person der Heiligen Dreifaltigkeit Mensch aus der Unbefleckt Empfangenen Gottesmutter Maria geworden ist, wer nicht daran glaubt, dass Er für uns den Erlösungstod starb und am dritten Tag von der Toten auferstand, wer nicht daran glaubt, dass Er am Ende der Zeiten als Richter wiederkommen wird, wer nicht an den Heiligen Geist, die heilige katholische Kirche und die Auferstehung des Fleisches glaubt, der glaubt nicht an denselben Gott wie wir. Kurz, wer das nicht bekennt, was wir im Glaubensbekenntnis beten, hat nicht den gleichen Gottesbegriff wie die Kirche und glaubt nicht an den wahren Gott.

Diese Wahrheit zu betonen, ist am heutigen Tag der Himmelfahrt Christi auch der Kirche immer besonders wichtig gewesen, wie die Messtexte zeigen. Sowohl die Epistel wie das Evangelium des heutigen Tages sprechen unumwunden von der einzigartigen Macht Gottes, die in der Himmelfahrt des Erlösers allen offenbar wird. Dieses Geschehen war zu der Zeit, als es geschah und aufgeschrieben wurde, bereits genauso außergewöhnlich wie heute. Die Reaktion der Pharisäer, die Reaktion der Bewohner Kapharnaums, die Reaktion der Zuhörer des heiligen Paulus auf dem Areopag gegenüber der Verkündigung Jesu und der Apostel zeigt, dass die Menschen immer schon gezweifelt haben. Wie wir im heutigen Evangelium hören, zweifelten sogar die Jünger. Trotzdem hat Jesus den Missionsauftrag gegeben. Trotzdem hat die Kirche im Auftrag Jesu zu allen Zeiten furchtlos die Größe Gottes verkündet, der in seiner Allmacht die Naturgesetze aufheben kann und uns in der Himmelfahrt seines Sohnes zeigt, dass er wirklich Gott ist. Hier offenbart sich die Majestät des einen wahren Gottes, der Himmel und Erde erschaffen hat, und dessen Heilswirken uns alle erlöst, wenn wir an ihn glauben und seinen Geboten folgen.

Deswegen verbindet Gott mit dem Beweis Seines göttlichen Wesens und Seiner Allmacht, der in der Himmelfahrt offenbar wird, auch einen klaren Auftrag: „Gehet hin in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung!“ (Markus 16, 15) Weil der wahre Glaube zum Heil der vielen notwendig ist, darf er nicht verschwiegen werden. Weil das Glaubensbekenntnis uns den wahren Gott offenbart, der uns durch den Glauben an Ihn retten will, hat Gott selbst seiner Kirche den unmissverständlichen Auftrag gegeben, allen Menschen, ja der ganzen Schöpfung dieses Glaubensbekenntnis weiterzugeben. Dieser Auftrag Gottes besteht unvermindert fort. Bis zur Wiederkunft Christi sind wir gerufen, diesem Auftrag zu folgen und das Evangelium unverfälscht, „sei es gelegen oder ungelegen“ (2 Timotheus 4, 2), allen Menschen zu verkünden. Es gibt keine Kirche ohne Mission!

In der Erfüllung dieses Auftrages hat der Herr aber seine Kirche nicht alleingelassen. Er hat ihr vielmehr einen Beistand gegeben, der besonders den Trägern der heiligen Ämter in der Kirche verliehen ist. Wie uns die Apostelgeschichte berichtet, sagt er zu den Aposteln kurz vor seiner Himmelfahrt: „Doch werdet ihr Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf Euch herabkommt, und ihr werdet meine Zeugen sein…bis an die Grenzen der Erde!“ (Apostelgeschichte 1,8). Diese Kraft der Zeugenschaft hat die Apostel und ihre Nachfolger seit dem Pfingstereignis bis zum heutigen Tag nicht verlassen. Nicht alle sind dieser göttlichen Kraft und dem durch sie ermöglichten Auftrag immer gerecht geworden, auch nicht in der heutigen Zeit. Die Kraft Gottes aber bleibt durch den Geist bei der Kirche. Sie hat die Vollmacht, den wahren Gott und seine Großtaten zu verkünden, damit alle erfahren, wo der Weg zum Himmel zu finden ist.

Es ist also sehr wichtig, auch heute den Glauben an den einen wahren Gott, der sich in der Himmelfahrt von neuem als der Eine, Dreifaltige und Allmächtige offenbart, ohne Furcht zu verkünden. Es ist eben leider nicht wahr, dass „wir alle an denselben Gott glauben“. Viele falsche Gottesbilder existieren und selbst die Christen glauben nicht alle an die ganze Wahrheit des Evangeliums. Für solche, die ohne eigene Schuld irren, wird die Barmherzigkeit Gottes einen geheimnisvollen Heilsweg finden können, wenn sie seinem Gesetz in ihrem Herzen folgen. Nach der Lehre der Kirche könnte sie der implizite Wunsch nach der Taufe, der in der Suche nach dem wahren Gott eingeschlossen sein kann, durch die Güte Gottes doch zum Heile führen. Dieser Weg aber ist unsicher und verborgen. Wir dagegen haben unter der Leitung der Nachfolger der Apostel die Aufgabe, allen den klaren, sicheren, von Gott geoffenbarten Heilsweg der Kirche zu zeigen. Wir haben die Aufgabe, Zeuge für den einen wahren Gott zu sein, der Seinen Sohn in die Welt gesandt hat, um die vielen zu retten.

Das ist die doppelte Botschaft von Christi Himmelfahrt: Gott in seiner Allmacht zu bekennen und allen Sein Heil zu verkündigen. Diese Botschaft ist unverändert. Der triumphierende Herr, Sieger über Tod und Teufel, hat uns den Auftrag zu ihrer Verkündigung gegeben. Wir sollen bekennen: Ja, es gibt nur einen Gott! Ja, er hat uns in Christus erlöst und die Fortsetzung dieses Erlösungswerkes Seiner Kirche bis zum Ende der Zeiten anvertraut! Ja, wir sind durch die Taufe geheiligt und haben den Auftrag, diese Freude zu verkünden bis an die Enden der Erde! Die Himmelfahrt Christi ist wie ein Siegel unter diesem feierlichen Auftrag des Herrn: „Gehet hin in alle Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung!“ Amen.

Msgr. Prof. DDr. Rudolf Michael Schmitz