Predigt vom zweiter Fastensonntag 2021

Kloster Maria Engelport

Predigt von

Msgr. Prof. DDr. R. Michael Schmitz

Zweiter Fastensonntag 2021

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Ist der Mensch eine Maschine? Noch vor wenigen Jahren wäre diese Frage absurd gewesen und hätte in unseren Ohren seltsam geklungen. Heute aber gibt es zahlreiche Ideologien, ja Praktiken, die den Menschen zu einer Maschine degradieren wollen.

Der sogenannte Transhumanismus will den Menschen durch Einpflanzung von elektronischen Geräten wie etwa Mikrochips nicht nur in seiner normalen Funktion unterstützen, so wie es die Medizin z.B. mittels Prothesen oder Herzschrittmachern schon lange tut, sondern er will den Menschen verbessern und verändern. Er will ihn innerlich in seinem Wesen umgestalten. Er will ihn zu einem „Übermenschen“ machen und künstlich herbeiführen, was der Mensch in seinem ganzheitlichen Wesen nur von Gott empfangen kann. Dieser Transhumanismus ist im Grunde tief menschenverachtend. Er will nicht sehen, dass der Mensch eine Leib-Seele-Einheit bildet, eine Ganzheit, die von Gott geschaffen ist. Er verfügt über den Menschen ebenso, wie man über eine Maschine verfügt und er will aus ihm machen, was Ideen und Phantasien ihm eingeben.

Dieser sogenannte Transhumanismus führt dann logischerweise zum Posthumanismus. Man glaubt, dass das Modell Mensch, so wie wir es kennen, endgültig veraltet ist, dass wir alles verändern müssen, so, dass wir nur noch eine geistige Komponente, etwa das im Hirn gespeicherte Wissen und die dort vorhandene vorgeblich rein geistige Identität erhalten können. Es wird behauptet, dass das alles auf eine Maschine – einen Rechner – übertragen werden kann. So soll, wie man mit Hybris wähnt, der Mensch in seiner geistigen Identität angeblich unsterblich gemacht werden können.

Hier tritt uns die uralte, böse Frage entgegen, die schon von Anfang an dem Menschen gestellt worden ist: „Willst du sein wie Gott?“ Denn hier macht sich der Mensch zum Schöpfer, er will sein eigenes Menschsein ablegen, er will ein neues Geschöpf bilden, er will etwas Größeres als sich selbst schaffen und zerstört damit hochmütig und undankbar sein eigenes Sein.

Dieser Posthumanismus hat tief nihilistische Wurzeln, der „Übermensch“ der Philosophie Nietzsches wird hier zu einer technisch machbaren Errungenschaft. Wir werden zu manipulierbaren Machwerken. „Alles ist möglich“, denn in dieser Sicht es gibt keine eigentliche unveränderliche, menschliche Natur mehr, alles ist in die Beliebigkeit gestellt. Im Letzten gibt es in diesem kalten Weltbild auch keine bleibende Wahrheit mehr, und natürlich keinen Maßstab, den Gott gesetzt hat. Vorgebliche Eliten schreiben in dieser „neuen Welt“ allen alles vor. Damit wird menschenverachtend eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, wie in der „schönen neuen Welt“ von Aldous Huxley, global vorgeprägt: Eine „wissende“ und „verbesserte“ Elite will die anderen „armen“ Menschen beherrschen. Freiheit wird durch Despotismus ersetzt, der Mensch wird zur Maschine, über die beliebig verfügt werden kann, und das alles geschieht angeblich „zum Wohle der Menschheit“. Was früher fast undenkbare Utopie war, wird heute langsam Wirklichkeit!

Im Evangelium hören wir etwas ganz Anderes: Mitten in der Fastenzeit wird uns die Verklärung des Herrn vor Augen gestellt. Im lateinischen Text der Vulgata heißt Verklärung transfiguratio, im griechischen Urtext metamorphosis: Eine Umwandlung, eine innere und äußere Umgestaltung des menschlichen Leibes Jesu Christi, der in seiner göttlichen Herrlichkeit den Aposteln erscheint. Hier aber ist kein cartesischer Dualismus zu sehen, denn der Leib des Herrn bleibt erhalten; doch die Gottheit, die die menschliche Natur des Herrenleibes von innen durchwirkt und gestaltet, wird äußerlich sichtbar. Die Glorie des Herrn wird sichtbar, aber in dem einen Leib, in der einen Menschheit, in der unzerstörbaren Einheit von Seele und Leib, Gottheit und Menschheit unseres Herrn Jesus Christus.

Kein künstlicher Dualismus tritt uns hier entgegen, sondern die Einheit von Gnade und Natur wird durch die Allmacht Gottes vor die erstaunten Augen der Apostel gestellt. Es ist für uns eine Vision dessen, was Gott mit uns selber vornimmt, wenn wir uns der Gnade öffnen. Auch wir sollen umgestaltet werden. Umgestaltet nicht dadurch, dass man uns etwas einpflanzt, dass man uns zu Maschinen macht, dass man uns technisch beliebig verändert, sondern umgestaltet dadurch, dass die Gnade von innen in uns wirkt. Umgestaltet dadurch, dass wir unser Selbst wahren, aber insofern verändert werden, als wir besser, mehr von der Gnade getragen und mehr Christus ähnlich werden. Das gilt nicht für eine kleine Elite, sondern für jeden, der sich der Gnade öffnen will.

Jeder bleibt dabei derselbe, die Identität des Menschen ist unveränderlich, kein Eingriff, keine Krankheit, kein Alter kann sie uns im Tiefsten nehmen. Wir bleiben immer die gleichen Menschen: Immer mit Schwächen behaftet, aber für die Gnade offen. Capax Dei, wie der hl. Thomas von Aquin lehrt. Wenn wir ein ganzes Leben lang mit Christus, in seiner Gnade mitgearbeitet haben, dann werden trotz unserer Begrenztheiten langsam und unmerklich umgestaltet, dann werden wir der Glorie nähergebracht, aber ein jeder bleibt der gleiche Mensch, den Gott in der Schöpfung mit je eigener Würde ausgestattet und, als Christ, durch die Sakramente der Kirche zu Seinem Kind gemacht hat. Daher bleibt jeder von uns der einzigartige Mensch, den Gott durch seine eigene Menschwerdung retten will. Er will jeden von uns als unverwechselbaren, aber durch die Gnade innerlich umgestalteten Menschen hinaufnehmen in die Glorie, die er uns heute auf dem Berge Tabor anfanghaft zeigt. Deswegen auch wird er am Ostermorgen mit Leib und Seele von den Toten auferstehen!

Damit enthüllt sich der Sinn der Fastenzeit: Wir sollen besser mit der Gnade mitarbeiten, wir sollen freier werden für diese wahre metamorphosis, diese innere Umgestaltung in Christus. Wir sollen uns von allem unnötigen Ballast losmachen, damit wir uns Gott öffnen können und seine Herrlichkeit in uns sichtbarer wird. Deswegen lädt uns die Kirche zu körperlichem Fasten ein, denn auch der Körper gehört zu unserer Leib-Seele-Einheit. Die Kirche fordert uns ebenso auf, unseren Geist zu reinigen und zu läutern, damit wir uns der höheren Weisheit fügen und nach den heilsbringenden Geboten Gottes leben können.

Auch durch die Fastenzeit lehrt uns die Kirche, dass der Mensch eine unverwechselbare und unveränderliche Einheit ist. Er ist eben keine Maschine, sondern ein Mensch, für die Herrlichkeit der Glorie geschaffen. Jung, alt, krank, gesund, einfach oder gebildet, hoch oder niedrig, immer ist der Mensch ein wertvoller Mensch. Er ist unveränderlich, weil Gott ihn unveränderlich liebt. Nie werden wir zu einer Maschine, deswegen dürfen wir nicht zulassen, dass menschenverachtende Ideologien den Menschen erniedrigen, ihn zu einer Maschine herabwürdigen wollen und ihn freiheitszerstörend überwachen und manipulieren.

Wir wissen mit der Kirche: Wir sind keine Maschinen, wir sind nicht auswechselbar, man darf uns niemals manipulieren und weder zu Beginn noch zu Ende unseres Lebens wegwerfen. Wir sind vielmehr eine Leib-Seele-Einheit. Als solche sind wir, mit allen Schwächen und Stärken unserer Natur, unverwechselbare, geliebte Geschöpfe Gottes. Wenn wir jedoch mit Christus auf dem Berg Tabor sein wollen, wenn wir uns seiner Gnade in dieser Fastenzeit – auch durch eine gute Beichte – besonders öffnen, dann werden wir umgestaltet. Nicht nur Christus, sondern auch wir selbst, werden damit Zeugen für die Glorie, die auf uns alle wartet! Jeder, der sich der Gnade öffnet und mit ihr mitarbeitet, zeigt, dass wir alle von Gott besonders geliebte Menschen und keine leib-und seelenlosen Maschinen sind! Amen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Predigt vom ersten Fastensonntag 2021

Kloster Maria Engelport

Predigt von

Msgr. Prof. DDr. R. Michael Schmitz

Erster Fastensonntag 2021

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

„Wir ermahnen euch, damit ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfangt.“ Das ruft der Heilige Paulus allen Christen am Anfang der Fastenzeit zu. Derjenige aber, der die größten Gnaden Gottes ganz vergeblich empfangen hat, tritt heute vor den Herrn, um ihn zu versuchen. Der Engel des Lichtes, der der Erste der himmlischen Heerschaaren war, hat, weil er sich nicht demütig vor Gott erniedrigen wollte, alle die Gnaden verloren, die er am Anfang empfangen hatte. Reich an Gnaden, reich an Kraft, reich an Schönheit war er der erste der Engel; weil er sich hochmütig Gott und seinem Dienst entzogen hat, ist er der erste der Teufel geworden und hat alle Gnade verloren.

Das lehrt uns, dass von den Versuchungen, in die der Teufel im heutigen Evangelium den Herrn führt, der Hochmut, das Nicht-Dienen-Wollen, das Nicht-Sich-Unterordnen-Wollen, die größte Gefahr für uns ist. Sicher müssen wir auch alle anderen Sünden vermeiden. Doch die Wurzel aller Sünde, der Ursprung aller verlorenen Gnade ist der Mangel an Demut, ist der Hochmut, der tief in unserem Herzen verwurzelt ist. Wir wissen aus unserem Kleinen, dass wir leicht hochmütig werden: Wir wollen nicht vergeben; wir haben immer Recht; wir machen keine Fehler; es sind immer die anderen gewesen – niemals wir! Wenn wir uns entschuldigen sollen, dann kostet uns das viel! Wir sind die Lehrer der Anderen; wir zeigen mit dem Finger auf den Nachbarn; wir sehen nicht den Balken im eigenen Auge, aber den Splitter in dem des Anderen; wir sind leicht bereit andere zu beurteilen und zu verurteilen, aber wenn jemand uns etwas Kritisches sagen will, dann sind wir sofort beleidigt. Alles das lässt uns, durch den Hochmut versucht, leicht aus der Gnade Gottes herausfallen. Es lässt uns die Gebote Gottes nicht demütig annehmen und die eigenen Fehler nicht demütig erkennen. Deswegen haben wir Schwierigkeiten, uns zu bessern und die Gnade Gottes anzunehmen. Das ist alles wahr, auch in unserem kleinen eigenen Leben.

Schlimmer aber wird es noch, wenn der Hochmut den Geboten und den Ordnungen Gottes gegenüber diejenigen erfasst, die uns in Kirche und Gesellschaft leiten sollen. Das geschieht, wenn diese plötzlich meinen, sie wüssten alles besser; wenn sie sich von der göttlichen Überlieferung in der staatlichen Ordnung, in der Rechtsprechung oder auch in der Kirche einfach entfernen. Wenn sie meinen das Neue, das sie erfunden haben, wäre immer das Bessere. Wenn sie nicht den Ordnungen folgen, die Gott uns offenbart hat, und die uns sowohl im staatlichen als auch im kirchlichen Bereich vor den Versuchungen des Teufels schützen, dann wird der Hochmut offensichtlich und dann geht die ganze öffentliche und kirchliche Ordnung in eine Richtung, die sich der Gnade verschließt.

Wir erleben heute allenthalben leider auch in der Kirche, dass diejenigen, die von Amts wegen genau wissen müssten, was Gott von ihnen will und welchen Weg sie den Gläubigen weisen sollen, andere Wege gehen. Deswegen wird der Leib der Christi, der die Kirche ist, geschwächt und die Gebote Gottes werden verachtet. Die Gnade kann gar nicht wachsen, wo wir uns hochmütig von der überlieferten Ordnung Gottes abwenden, ob in der Kirche oder im Staat.

Es wird aber dann ganz offensichtlich, dass der Teufel zugange ist, wenn eine ganze Weltordnung geändert werden soll, wenn heidnische Regierungen, und solche Menschen, die sich ganz offensichtlich von Gott abgewandt haben, neue generelle Ordnungen im Namen der Menschheit verkünden wollen. Immer dann, so sagt schon der Schriftsteller C.S. Lewis, wenn es um die vorgebliche Rettung der Menschheit geht, kommen diejenigen auf den Plan, die die Menschheit verbessern wollen und den Menschen dadurch zerstören. Wenn eine Weltordnung ohne Gott geschaffen werden soll, dann wissen wir, dass der Teufel den Griffel führt.

Deshalb sollen wir heute erkennen, dass wir uns zu Gott wenden müssen, dass wir selbst demütig werden müssen, um den Herrn, der allen Versuchungen widersteht, anzuflehen, uns vor den Machenschaften des Teufels und seiner Helfershelfer zu beschützen. Deswegen ist diese konkrete Fastenzeit, in der wir die Gefahr des Hochmuts nicht nur in unserem eigenen Leben, sondern auch der öffentlichen Ordnung und der Weltordnung deutlich erkennen, für uns, wie für alle, ein Aufruf zur Umkehr. „Bekehrtet euch und glaubt an das Evangelium!“ Gerade wenn der Hochmut, der die Waffe des Teufels ist, überall offensichtlich wird, dann müssen wir – jeder dort, wo er steht – durch eine immer erneuerte demütige Haltung die Gnade Gottes annehmen. Dann müssen wir, die wir versuchen den Geboten und Ordnungen Gottes zu folgen, durch unser Beispiel eines demütigen christlichen Lebens versuchen, uns der Gnade mit Gottes Hilfe noch mehr zu öffnen.

Jeder Einzelne, und mag sein Platz im Leben auch noch so bescheiden sein, der der Demut folgt und dem Hochmut entsagt, öffnet die ganze Welt der Gnade, denn wir hängen durch Gottes Allmacht alle zusammen. Wir dürfen nicht verzweifeln, wenn wir den Hochmut des Teufels überall so deutlich regieren sehen. Wir dürfen uns vielmehr sagen, dass jeder Einzelne ein Kämpfer Gottes ist. Jeder Einzelne, der den eigenen Hochmut besiegt, wird diese Welt der Gnade öffnen.

Deswegen können wir mit Mut und mit Überzeugung auch diese Fastenzeit leben. Durch körperliches und geistiges Fasten sollen wir uns demütig erhalten. Nur so kann sich bewahrheiten, was der Heilige Paulus gesagt hat: „Wir ermahnen euch, damit ihr die Gnade nicht vergeblich empfangt.“ Wir haben die Gnade empfangen! Wir wissen, dass wir Gott besser dienen, je mehr wir in dieser Fastenzeit seine Gebote halten und uns demütig seiner Ordnung unterwerfen. Je mehr wir uns, auch durch den regelmäßigen Empfang des Bußsakramentes, der Gnade Gottes öffnen, desto stärker wird die Kirche, und desto weniger wird der Teufel, der alle Gnade längst verspielt hat, auf uns, die Gesellschaft und die Welt Zugriff haben! Amen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen.

Predigt zum 3. Sonntag nach Epiphanie

Predigt zum 3. Sonntag nach Epiphanie

Abschluß der Gebetswoche für die Einheit der Christen

Msgr. Michael Schmitz

Sind wir noch katholisch? Wer ist eigentlich katholisch? Die Verwirrung unserer Zeit ist so groß, dass wir diesen Sonntag am Ende der Woche des Gebetes für die Einheit der Christen verwenden müssen, um diese Fragen klar zu beantworten. Dazu müssen wir uns nicht irgendwelchen Privatmeinungen zuwenden, sondern dem Lehramt der Kirche selbst, das in dieser Predigt direkt zu uns sprechen soll.

Zunächst ist festzuhalten, dass es nur eine wahre Kirche gibt, nämlich die eine, heilige katholische und apostolische Kirche, die Kirche Jesu Christi. Wir haben deswegen in der vergangenen Woche nicht für die Einheit der Kirche gebetet, sondern für die Einheit der Christen. Diese geeinte wahre Kirche existiert nämlich bereits: Es ist die katholische Kirche.

Dazu sagt Papst Pius XI, in seiner berühmten Enzyklika Mortalium animos vom 6. 6. Januar 1928 ganz eindeutig:

„Christus, der Herr, hat aber seine Kirche als selbständige und aus ihrem Wesen heraus sichtbare und äußerlich erkennbare Gesellschaft gegründet. Dieser Kirche gab er den Auftrag, das Werk der Erlösung der Menschheit bis in die spätesten Zeiten hinein fortzusetzen unter der Führung eines Hauptes, durch das Lehramt der mündlichen Lehrverkündigung und durch die Spendung der Sakramente, in denen die Quellen himmlischer Gnaden fließen.“

Der ist also katholisch, der mit der einen wahren Kirche durch das Band der Leitung, das Band der Lehre und das Band der sieben Sakramente verbunden ist. Die Leitung des Petrus und der Apostel, die ganze Lehre Christi, und die Fülle des sakramentalen Lebens aber existieren zusammen nur in der einen wahren Kirche, die die katholische ist. Deswegen sagt Pius XI weiter:

„So kann es gar nicht anders sein, als dass die Kirche Christi nicht nur heute und in alle Zeit fortbesteht, sondern sie muss auch heute noch die gleiche sein, die sie zur Zeit der Apostel war. Sonst müssten wir sagen – was fern von uns sei -, Christus der Herr sei nicht imstande gewesen, sein Vorhaben auszuführen, oder er habe geirrt, als er sagte, die Mächte der Hölle würden seine Kirche nicht überwältigen.“

Viele sind heute leider von dieser Einheit der Kirche getrennt, manche nicht durch eigene Schuld. Für alle aber gibt es nur einen Weg zur Einheit, den Papst Pius XI deutlich zeichnet:

„Es gibt (…) [daher] keinen anderen Weg, die Vereinigung aller Christen herbeizuführen, als den, die Rückkehr aller getrennten Brüder zur einen wahren Kirche Christi zu fördern, von der sie sich ja einst unseligerweise getrennt haben. (…) Der mystische Leib Christi, das ist die Kirche, ist ja eine Einheit, zusammengefügt und zusammengehaltenwie der physische Leib Christi, und so ist es unangebracht und töricht zu sagen, der mystische Leib könne aus getrennten und zerstreuten Gliedern bestehen. Wer mit dem mystischen Leib Christi nicht eng verbunden ist, der ist weder ein Glied desselben, noch hat er einen Zusammenhang mit Christus, dem Haupt.“

Ist diese klare Lehre nun in der neuesten Zeit geändert worden? Diejenigen, die eine Änderung dieser grundsätzlichen Linie behaupten, berufen sich oft fälschlich auf das letzte Konzil. Es ist wahr, dass das Zweite Vatikanische Konzil auf jene Elemente der Wahrheit hingewiesen hat, die bei den getrennten Brüdern von der katholischen Einheit übriggeblieben sind, so etwa bei allen die Taufe, bei manchen die Eucharistie und bei den orthodoxen Gemeinschaften sogar alle Sakramente. Daher sagt das Dokument über die Ökumene Unitatis Redintegratio in seiner Nummer 3 nicht zu Unrecht: „Hinzu kommt, daß einige, ja sogar viele und bedeutende Elemente oder Güter, aus denen insgesamt die Kirche erbaut wird und ihr Leben gewinnt, auch außerhalb der sichtbaren Grenzen der katholischen Kirche existieren können.“

Bei aller Wertschätzung der getrennten Brüder bleibt das Konzil bei dieser Aussage jedoch nicht stehen. Es führt vielmehr weiter aus:

„Dennoch erfreuen sich die von uns getrennten Brüder, sowohl als einzelne wie auch als Gemeinschaften und Kirchen betrachtet, nicht jener Einheit, die Jesus Christus all denen schenken wollte, die er zu einem Leibe und zur Neuheit des Lebens wiedergeboren und lebendig gemacht hat, jener Einheit, die die Heilige Schrift und die verehrungswürdige Tradition der Kirche bekennt.“

Daraus ziehen die Konzilsväter einen wichtigen Schluss, der der überlieferten Lehre der Kirche völlig entspricht. Sie sagen:

„(…)nur durch die katholische Kirche Christi, die das allgemeine Hilfsmittel des Heiles ist, kann man Zutritt zu der ganzen Fülle der Heilsmittel haben. Denn einzig dem Apostelkollegium, an dessen Spitze Petrus steht, hat der Herr, so glauben wir, alle Güter des Neuen Bundes anvertraut, um den einen Leib Christi auf Erden zu konstituieren, welchem alle völlig eingegliedert werden müssen, die schon auf irgendeine Weise zum Volke Gottes gehören.“

Alle müssen also der einen wahren katholischen Kirche völlig eingegliedert werden, damit sie Zutritt zu der ganzen Fülle der Heilsmittel haben. Daher müssen jene, die der Kirche fernstehen oder von ihr getrennt sind, zu ihr geführt oder zu ihr zurückgeführt werden. Es gibt keinen anderen Weg, um hier auf Erden alle Heilsmittel zu erhalten, die Christus seiner Kirche eingestiftet hat. Daher lehren wiederum die Konzilsväter schon in der apostolischen Konstitution Lumen gentium, Nr. 8 mit großer Klarheit von der katholischen Kirche:

„Dies ist die einzige Kirche Christi, die wir im Glaubensbekenntnis als die eine, heilige, katholische und apostolische bekennen (12). Sie zu weiden, hat unser Erlöser nach seiner Auferstehung dem Petrus übertragen (Joh 21,17), ihm und den übrigen Aposteln hat er ihre Ausbreitung und Leitung anvertraut (vgl. Mt 28,18 ff), für immer hat er sie als “Säule und Feste der Wahrheit” errichtet (1 Tim 3,15). Diese Kirche, in dieser Welt als Gesellschaft verfaßt und geordnet, ist verwirklicht in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger Petri und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird.“

Menschen, die ohne eigene Schuld die Wahrheit nicht kennen oder nicht annehmen können, können durch ein geheimnisvolles Heilswirken Gottes unter bestimmten Umständen doch gerettet werden, denn Gott ist gerecht. Auch das ist eine überlieferte Lehre der Kirche, die sich in der von Papst Pius XII abschließend formulierten Wahrheit von der Begierdetaufe zusammenfassen lässt. Das aber ändert nichts an der grundsätzlichen Heilsnotwendigkeit der Kirche, durch die auch diejenigen das Heil erlangen, denen Gott auf uns verborgenen Wegen Barmherzigkeit erweist. Das Zweite Vatikanische Konzil lehrt daher mit dem gesamten vorhergehenden Lehramt die Zugehörigkeit zur Kirche als notwendige Bedingung zum Heil. Es sagt in der Nr. 14 der Konstitution über die Kirche:

„Gestützt auf die Heilige Schrift und die Tradition, lehrt [die Heilige Synode], daß diese pilgernde Kirche zum Heile notwendig sei. Christus allein ist Mittler und Weg zum Heil, der in seinem Leib, der Kirche, uns gegenwärtig wird; indem er aber selbst mit ausdrücklichen Worten die Notwendigkeit des Glaubens und der Taufe betont hat (vgl. Mk 16,16; Joh 3,5), hat er zugleich die Notwendigkeit der Kirche, in die die Menschen durch die Taufe wie durch eine Türe eintreten, bekräftigt. Darum könnten jene Menschen nicht gerettet werden, die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollten.“

Alle anderen Heilswege sind unsicher und dunkel. Auf dem Antlitz der Kirche dagegen erscheint die Herrlichkeit Christi, des Lichtes der Völker (Lumen gentium 1). Nur in ihr ist Christus ganz gegenwärtig mit der Kraft seiner hohepriesterlichen Leitungsgewalt, dem Glanz seiner unverfälschten ewigen Wahrheit und dem Gnadenstrom aller seiner Sakramente. Nur in ihr wird er angebetet in der Fülle von Gnade und Wahrheit. Nur sie vereinigt alle Heilsmittel auf sich und nur sie verkündet seine tatsächliche Gegenwart ohne Kompromiss und ohne Unklarheit durch die Schönheit ihrer Liturgie, die Eindeutigkeit ihrer eucharistischen Disziplin und die unveränderlichen Worte ihres Dogmas.

Wir Katholiken, die wir die unverdiente Gnade erhalten haben, der einen wahren Kirche angehören zu dürfen, müssen durch ein heiliges Leben und eine große Liebe zur Kirche alle anderen zu ihr hinführen. Dabei gilt es, die „Wahrheit in der Liebe zu tun“, damit die Art und Weise unseres Glaubenszeugnisses niemandem abschreckt, sondern alle anzieht (vgl. UR 11).

Trotzdem dürfen wir keine Kompromisse mit Wahrheit und Leben des katholischen Glaubens machen. So sagen wiederum die Väter des letzten Konzils (ebd.):

„Die gesamte Lehre muß klar vorgelegt werden. Nichts ist dem ökumenischen Geist so fern wie jener falsche Irenismus, durch den die Reinheit der katholischen Lehre Schaden leidet und ihr ursprünglicher und sicherer Sinn verdunkelt wird.“

Nun wissen wir ganz klar, wer katholisch ist. Nur der ist katholisch, der der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche voll angehört. Also derjenige, der der von Christus stammenden rechtmäßigen Leitungsgewalt der Kirche Gehorsam leistet, der die ganze von ihr allezeit verkündete Wahrheit der Offenbarung glaubt und der durch das Band des sakramentalen Lebens in ihr die Heilsgnade empfangen hat.

Katholisch zu sein, ist ein großes Geschenk! Geben wir es weiter! Die Kirche ist das Tor zum Heil! Öffnen wir ihre Türen weit durch mutiges Glaubensbekenntnis und gelebte Nächstenliebe! Werden wir Apostel, damit alle wieder zu dem einenSchafstall Christi finden! Nur so wird die Bitte Christi verwirklicht, die er mit Eindringlichkeit an den Vater gerichtet hat: „Ut unum sint, daß alle eins sein mögen. Amen!

Predigt vom 10. Januar 2021, Erster Sonntag nach Epiphanie, Fest der Heiligen Familie

Kloster Maria Engelport

Predigt von Msgr. Prof. DDr. R. Michael Schmitz

10. Januar 2021

Erster Sonntag nach Epiphanie, Fest der Heiligen Familie

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wieso wird die Familie heute allenthalben angegriffen? Sie wird angegriffen, weil sie eines der größten Geschenke Gottes an die Menschheit ist. Glücklich ist, wer in einer Familie geboren wird. Die Familie hat so viele gute Seiten, dass wir ohne sie weder richtig sein noch leben könnten, dass wir ohne sie nicht wären, was wir sind, ohne sie nicht in Gemeinschaft leben könnten und ohne sie auch nicht in der Kirche Gott verehren könnten. Die Familie ist von so großer Wichtigkeit, dass derjenige, der immer das Böse will, sie angreift, wo er eben kann.

Heute wollen wir uns deswegen auf das große Geschenk der Familie besinnen, denn Gott selbst hat entschieden, in einer Familie Mensch zu werden, damit wir auch daran sehen können, wie wichtig das Geschenk der Familie so wichtig ist: Durch seine Gegenwart in der Heiligen Familie hat es diese zu einer übernatürlichen Gemeinschaft erhoben. Daher hat er auch die sakramentale Ehe als Grundlage der christlichen Familie gestiftet.

Die christliche Familie schenkt uns zuerst Gemeinschaft. Wir wissen, dass der Mensch ein Gemeinschaftswesen ist und dass er nicht alleine leben kann. Wenn wir vereinzelt sind, dann sind wir verletzlich und deswegen brauchen wir gleich von Anfang an, besonders dann, wenn wir als Kleinkinder, Kinder, als Jugendliche verletzlich sind, den Rahmen der Familie. Wir brauchen diejenigen, die uns schützen, die uns helfen, die uns zur Seite stehen, damit wir eben nicht einsam sind, sondern in einer Gemeinschaft leben können, die uns zu Gott führt.

Die Familie gibt uns eine außerordentliche Geborgenheit. Wer alleine leben muss, der weiß wie schwierig das oft ist. Auch er aber wird in der weiteren Familie und im Freundeskreis Geborgenheit suchen. Die Familie gibt uns eben jene Geborgenheit, die wir brauchen, damit wir uns nicht in der Kälte dieser Zeit verlieren. Sie gibt uns die Geborgenheit des Zuhauses, des Behütetseins, der Umgebung von liebenden Menschen, an die wir uns wenden können, wenn wir alleine sind oder uns traurig fühlen.

Darüber hinaus gibt uns die Familie das, was der Staat uns nicht geben kann, nämlich eine ganz persönliche Sicherheit. In der Familie kann sich normalerweise der eine auf den anderen verlassen. Das mag nicht immer ohne Spannungen gehen, aber im Letzten hält doch die Familie zusammen, wenn es darum geht, Schwierigkeiten zu überwinden und auch außergewöhnliche Situationen zu ertragen. Wie viel einfacher ist es nicht, in einer Familie zu sein, wenn der Tod an die Türe klopft? Wie viel einfacher ist es nicht, sich in der Krankheit behütet zu fühlen, wenn die Familienmitglieder sich um uns kümmern? Wie viele einfacher ist es nicht, sich in Sicherheit zu wissen, wenn wir selbst uns noch nicht oder nicht mehr um unsere eigenen Belange kümmern können, aber die anderen, die die sich um uns mühen, uns zur Seite zu stehen, damit wir überleben können? Solche Sicherheit kann auch das beste Staatswesen uns ohne die Familie nicht geben.

Die Familie schenkt uns nämlich eine einzigartige gegenseitige Hilfe. Zwar ist es sicher nicht so, dass diese Hilfe selbstverständlich ist. Manchmal muss man sich überwinden, auch in der Familie, um den anderen gegen den eigenen Egoismus beizustehen. Jeder muss sich zurücknehmen, damit er in der Familie dem Nächsten Hilfe leisten kann. Aber diese Hilfe ist eben keine bezahlte Hilfe, sie ist eine Hilfe, die wir freiwillig leisten, weil wir uns in dem Pakt der Familie gegenseitig stützen. Wir wissen, dass wir sicher sein können, dass uns die Familienmitglieder ebenso zur Seite stehen und uns helfen.

Die Familie schenkt uns auf diese Weise eine besondere Eingebundenheit. Wir sind nicht alleine, sondern wir sind in einem Ganzen eingebunden. Einem Ganzen, das nicht nur die kleine Familie umfasst, sondern, wie wir es an der Sippe der Heiligen Familie sehen, auch die Großfamilie. Wir sehen, dass sich die Heilige Familie auch auf den weiteren Familienkreis verlässt. Als Maria und Josef den Jesusknaben suchen, der verloren gegangen war, wenden sie sich an die Verwandten, denen sie ihn anvertraut hatten. Die weitere Familie bildet idealerweise die Umgebung, in der man sich gegenseitig besucht, sich gegenseitig berät und eingebunden ist. So kann man, wenn es schwierig wird, dem christlichen Glauben zu folgen, in dieser größeren Familie Stütze finden, denn es findet sich auch heute immer jemand, der für uns betet und der mit uns glaubt, auch wenn der Glaube in vielen Familien schwach geworden ist.

Eingebundenheit in der Familie zeigt sich in einer ganz deutlichen Weise dadurch, dass die Familie für uns auch ein Tor zur Kirche ist. Weil die Familie auf das Sakrament der Ehe aufbaut, weil die Familie uns einführt in den Glauben, weil die Familie dafür sorgt, dass die Kinder getauft werden, deswegen ist die christliche Familie auch ein Tor zur Familie der Kirche. Diese Familie der Kirche wiederum ist eine geistliche Familie, in der viele verschiedene Familien, natürliche wie geistliche, Platz haben. Alle versuchen mit der Hilfe der Familie der Kirche – so wie zum Beispiel unser Institut Christus König und Hohepriester – die heilige Familie nachzuahmen. Jede Familiengemeinschaft, sei sie wie die die christliche Familie auf die Ehe oder als geistliches Institut auf besondere Versprechen aufgebaut, muss wie die heilige Familie offen sein auf die Gemeinschaft mit Gott.

Deswegen können wir in der Familie Demut und Selbstvertrauen lernen. Wenn wir wirklich die Gemeinschaft der Familie leben, dann findet jeder darin seinen Platz. Das bedeutet, dass jeder Demut übt, dass er sich nicht an den Platz des anderen stellen will, dass er sich nicht wichtigmachen will, dass er nicht immer Recht haben will, dass er auch demütig verzeihen und Verzeihung entgegennehmen kann. Wir können nur dann in der Familie leben, wenn wir auf unserem Platz sind und an unserem Platz unsere Pflicht erfüllen. Gleichzeitig gibt die Familie uns auch Selbstvertrauen, denn ohne die Familie wären wir nichts, ohne die Familie wären wir vielleicht nur ein kleines anonymes Rad im Gesamt eines kalten Staates. Weil wir aber in der Familie demütig unseren Platz einnehmen und ausfüllen können, werden wir gebraucht und haben ein Selbstvertrauen, das nicht leicht erschüttert werden kann, wenn wir als Einzelne uns in uns in die christliche Familie einbringen.

Das aber gibt uns auch jene emotionale Stabilität, die wir brauchen, um der Härte des Lebens zu bestehen. Erzieher junger Menschen können leicht feststellen, wenn jemand aus einer intakten Familie kommt. Was für ein großes Geschenk ist es nicht, eine gesunde, christliche Familie als Hintergrund zu haben? Ihr sicheres Gefüge, die ganze emotionale Stabilität, die die Einheit der Familie von Mutter, Vater und Kindern gibt, kann von dem weitergegeben werden, der sie selbst empfangen hat. Deswegen will der böse Feind die Familie zerstören, damit wir unsicher werden, damit wir Angst haben, damit wir selber keine Liebe geben können, weil wir sie nicht empfangen haben. Die Familie ist eine entscheidende Quelle der Liebe und Geborgenheit. Jeder, der durch eine gute christliche Familie gegangen ist, auch wenn Kreuz und Schwierigkeiten dort sicher nicht fehlen, kann leichter geben, was er empfangen hat, nämlich die Liebe, Geborgenheit und Sicherheit, deren Ort die Familie ist.

Dazu gibt es nur wenige Bedingungen, die wir alle leicht erfüllen können, damit unser Familienleben dem Leben der Heiligen Familie täglich mehr gleicht.

Zunächst einmal müssen wir uns vornehmen, miteinander Zeit zu verbringen. Gott hat uns die Zeit geschenkt, damit wir sie in der Familie auch den einzelnen Familienmitgliedern schenken. Wie wichtig ist es, wenn der Familienvater sich um seine Kinder kümmert, wie wichtig ist es, wenn Mutter und Vater nicht immer beschäftigt sind, sondern mit den Familienmitgliedern auch Zeit verbringen, wie wichtig ist es, dass die Kinder nicht aus dem Haus laufen, sondern wissen, dort sind Eltern, an die ich mich wenden kann, die Zeit mit mir verbringen und die mir zur Seite stehen. Dann werden sie auch gerne Zeit mit den Eltern zu verbringen wissen.

Das bedeutet auch, dass wir miteinander reden. Heute sitzen wir viel zu oft vor dem Fernseher, heute sind wir viel zu oft vom „Handy“ oder vom Computer völlig belegt. In der Familie herrscht dann ein ungutes Schweigen. Jeder starrt vor sich hin, aber man blickt sich nicht mehr an, man kennt die Sorgen und Nöte, die Vorlieben und Freuden, ja das Herz der anderen nicht. Reden wir miteinander! „Nur wer redet, dem kann auch geholfen werden“, sagt der Volksmund. Nur wer redet, der kann auch Verzeihung geben und erhalten; nur wer redet, der kann den anderen verstehen lernen und seine eigenen Sorgen und Freuden dem anderen mitteilen. Dass wir miteinander reden, dass wir am Tisch zusammen essen, dass wir Dinge gemeinsam tun, die uns die Gelegenheit geben, Familie zu sein und zu leben, ist entscheidend wichtig.

Vor allem aber ist es ganz besonders bedeutend, dass wir uns in einer grundsätzlichen Haltung ein Beispiel an der Heiligen Familie nehmen, die das Fundament all dessen ist, was wir jetzt gehört haben: Wir sollen gemeinsam beten! Das sollte sich nicht nur auf die Tischgebete beschränken, sondern meint, dass wir, wenn irgend möglich, jeden Tag wenigstens einen Moment zusammen beten, einen Augenblick innehalten, um Gott für die Familie zu danken und ihn darum zu bitten, unsere Familie zu segnen. Die Heilige Familie soll in unserer Mitte sein und wir sollen mit ihr eine Gebetsgemeinschaft bilden, damit wir auch gemeinsam als Familie am Sonntag zur Messe gehen können, damit wir dort dankbar den gegenwärtigen Gott loben und danken für all das, was er uns in der Familie geschenkt hat.

Wenn wir das tun, dann ist das Ideal der christlichen Familie, das jetzt hier skizzenhaft gezeichnet worden ist, keine Utopie mehr. Sicherlich gibt es in jeder Familie manchmal Streit, Auseinandersetzungen, Schwierigkeiten, Tod und vielleicht sogar Not. Aber wenn wir Gott in den Mittelpunkt stellen, wenn wir gemeinsam beten, wenn wir gemeinsam zur Messe gehen, wenn wir ein Glaubenszeugnis geben auch da, wo man es vielleicht nicht mehr hören will, dann beginnt die Familie zu wachsen. Dann haben wir auch die Kraft, miteinander zu sprechen und aneinander zu verzeihen. Dann wird es auch möglich, mehr Zeit miteinander zu verbringen, weil Gott in unserer Mitte ist. Dann werden unsere Familien zu dem, was die Heilige Familie im Innersten ist: Ein Abbild der Trinität, ein Abglanz jener innigen Liebesgemeinschaft Gottes, die in gewisser Weise eine ewige Familie bildet.

Gott selber ist Gemeinschaft, Gott selber hat Menschwerden wollen in einer Familie! Je mehr wir unsere Familien als christliche Familie begreifen, je mehr wir sie auf das Fundament stellen, das Gott ihr gegeben hat, je mehr wir gemeinsam beten, desto mehr werden unsere Familien zufrieden und glücklich sein. Dann werden wir uns gegen alle Angriffe auf die Familie wehren können und für unsere Familien wird gelten: „My home is my castle“, mein Heim ist meine Burg, die alles Böse abwehren kann. Hier ist Gott im Mittelpunkt! Mit Gott geht meine Familie im Gebet vereint auf jene Familie zu, die uns in der Ewigkeit erwartet: Maria, Josef und das Jesuskind! Amen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Predigt vom 31.12.2020, Heiliger Silvester

Kloster Maria Engelport

Predigt von Kanonikus Joseph du Port de Poncharra

31.12.2020

Heiliger Silvester

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Am Ende dieses Jahres möchten wir Dank sagen für alles, was wir Schönes und Gutes erlebt haben. Gleichzeitig möchten wir für das kommende Jahr beten. Dafür können wir ein Gebet der Prinzessin Elisabeth von Frankreich nutzen, die 1794 ermordet worden ist. Sie war eine der jüngsten Schwestern Königs Ludwig XVI. und wurde als Ordensfrau Märtyrerin. Es handelt sich um ihr tägliches Weihegebet, aber es kann für das ganze Jahr gelten:

„Was wird mir heute geschehen, oh mein Gott? Ich weiß es nicht! Alles was ich weiß, ist nur, dass mir nichts geschehen wird, was Du nicht von Ewigkeit her herausgesehen hättest. Dies genügt mir, oh mein Gott, um ruhig zu sein. Ich bete Deine ewigen Absichten an und unterwerfe mich Ihnen von ganzem Herzen. Ich will Alles, ich nehme Alles an, ich bringe Dir von Allem ein Opfer dar; ich vereinige dieses Opfer mit jenem deines vielgeliebten Sohnes, meines Erlösers, und bitte Dich vermöge seines heiligsten Herzens und seiner unendlichen Verdienste, um Geduld in meinem Leiden und um jene vollkommene Ergebung in deinem Willen für Alles, was Du möchtest oder erlaubst. Amen.“

Das erinnert uns daran nie zu vergessen, dass der Wille Gottes das Wichtigste auf der Welt und in der Ewigkeit ist, und dass wir uns nicht zu sehr darum sorgen müssen, was die Menschen von uns denken könnten, wenn die Mehrheit vielleicht nicht mehr gläubig ist. Was Gott von uns und von unseren Taten hält, ist viel wichtiger! Daher wollen wir immer dankbarer für die von uns empfangenen Gnaden sein und immer das Beste tun, was wir können, in der Gewissheit, dass Gott alles gut machen kann, wenn wir uns nur bemühen. Das heißt, dass wir Gott immer vertrauen sollen. Auch dafür gibt es ein wunderbares Gebet, und zwar vom heiligen Pater Claude de La Colombiere, dem geistlichen Begleiter der Heiligen Margarete Maria Alacoque, die in Paray-le-Monial das Heiligste Herz Jesu sehen durfte:

„Mein Gott ich glaube fest, dass Du über alle jene wachst, die auf dich hoffen und bin so fest davon überzeugt, dass dem gar nichts fehlen kann, der alles von Dir erwartet, dass ich mich entschlossen habe, künftig ohne jede Unruhe zu leben und alle meine Sorgen auf Dich zu werfen. Die Menschen können mich meiner Ehre und meiner Güter berauben; Krankheiten können mir meine Kräfte nehmen und die Mittel, Dir zu dienen; ich kann selbst durch die Sünde Deine Gnade verlieren; aber niemals werde ich meine Hoffnung verlieren; ich will sie bewahren bis zum letzten Augenblick meines Lebens und alle bösen Geister der Hölle werden alsdann vergebens versuchen, sie mir zu entreißen. Für mich, o Herr, ist der Grund meines Vertrauens mein Vertrauen selbst. Ich habe also die Gewissheit, ewig glücklich zu sein, weil ich fest hoffe, es zu werden und weil ich das von Dir von dir hoffe, o mein Gott! Und um meine Hoffnung bis auf das äußerste Maß auszudehnen, so hoffe ich Dich selbst von Dir selbst, oh mein Schöpfer, für Zeit und Ewigkeit.“

Das erinnert uns an den heiligen Paulus, der Abraham preist, weil er gegen jede Hoffnung weiter gehofft hat (Römer, 4, 18). Das heißt, dass Gott in jeder Lage der Geschichte immer gezeigt hat, dass Er über alle Sorgen und alle Epidemien, ja über alle Probleme der Welt Herr ist. Er, der einzige allmächtige Gott, ist die Lösung für alle Sorgen! Wir Menschen sollten Ihn immer um Hilfe bitten, anstatt uns von Ihm abzuwenden! Wenn wir im kommenden Jahr weiterhin vertrauensvoll beten, wenn wir weiterhin die Sakramente empfangen, wenn wir unsere Standespflichten mithilfe der Gnade des Heiligsten Herzens Jesu erfüllen, brauchen wir uns nie Sorgen zu machen und wir können immer vertrauen, dass Jesus uns helfen wird. Amen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen.

Predigt vom 6. Januar 2021, Fest der Erscheinung des Herrn

Kloster Maria Engelport

Predigt von Msgr. Prof. DDr. R. Michael Schmitz

6. Januar 2021, Fest der Erscheinung des Herrn

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Was haben die Heiligen Drei Könige mit unserer Zeit zu tun? Handelt es sich nicht viel mehr um eine fromme Legende, eine Ausschmückung der Heiligen Schrift, die uns zu Herzen geht, die uns aber eigentlich nichts mehr zu sagen hat? Ein solches Vorurteil entspricht nicht den exegetischen Tatsachen. Nicht nur die Häufigkeit von Sterndeutern in der Zeit Jesu, sondern auch viele andere Anzeichen weisen darauf hin, dass es sich hier ganz wie in der gesamten Erzählung der Kindheitsgeschichte unseres Herrn Jesus Christus um ein historisches Ereignis handelt. Dazu hat gerade einer unserer Priester, Kanonikus Gregoire de Guillebon, ein besonders tiefgehendes Buch geschrieben. Diese Tatsachen brauchen daher nicht das Thema unserer Predigt zu sein. Diese soll vielmehr zeigen, dass die Heiligen Drei Könige uns eine ganz konkrete Botschaft für unsere Zeit bringen können. Eine Botschaft, die uns allen heute täglich nützlicher sein kann, nämlich die Botschaft über die Art und Weise, wie man mit Herodes umgeht. Wie ist es mit der weltlichen Gewalt? Wie ist es mit der Autorität, der wir begegnen? Wie sollen wir uns verhalten?

Die Heiligen Drei Könige, die vom Stern geleitet von weit her nach Jerusalem kamen, haben zunächst einmal Erkundigungen eingezogen, ob jemand von dem neugeborenen König gehört habe. Diese Erkundigungen kommen zu Ohren dessen, den die Kirche in der Liturgie mit Recht crudelis Herodes, den grausamen Herodes, nennt. Daraufhin lässt er heimlich die Magier, die Könige, die Sterndeuter zu sich kommen. Was tun diese? Sie entziehen sich dem Ruf der staatlichen Autorität nicht. Sie gehen an den Hof des Herodes, denn sie wissen aus dem Naturrecht, was der heilige Paulus lehrt: „Es gibt keine Obrigkeit außer von Gott.“ (Römer 13, 1). Die Könige gehen also, weil sie gerufen sind. Nicht nur das: Sie gehen und bedienen sich der Hilfe der Autorität, denn mittlerweile hatte Herodes selbst Erkundigungen eingezogen und wusste, dass vorausgesagt war, der Messias würde in Betlehem geboren werden.

So gehen sie auch auf den Hinweis des Herodes, auf den Hinweis der Autorität hin nach Betlehem. Dort aber finden sie zunächst die klare Bestätigung Gottes. Sie finden den Stern, der ihnen wieder leuchtet, der ihnen den Weg zeigt und sie zur Krippe führt. Sie haben sich dazu des Hinweises der bis dahin noch legitimen Autorität bedient. Sie haben eine Bestätigung dieser Autorität insofern erhalten, als auch Gott ihnen zeigt: „Ja, Betlehem ist die Geburtsstätte dessen, den Ihr sucht.“

Als sie das Jesuskind aber finden, berührt sie unmittelbar jene größere Autorität, der wir uns alle unterwerfen müssen. Sie begegnen der Autorität Gottes. Sie gewinnen den Glauben, sie fallen in die Knie und beten den neugeborenen König der Welt an. In dieser Anbetung, zu der wir alle eingeladen sind, in dieser Geste der Demut vor dem allmächtigen Gott erhalten sie nicht nur die Fülle des Glaubens an das Geheimnis der Menschwerdung, sondern sie erhalten auch höhere Einsicht und größere Weisheit. Dann wissen sie, wer Herodes wirklich ist: Sie begreifen plötzlich, wie sie sich der ungerechten Autorität gegenüber verhalten müssen, die ihre Legitimität verloren hat. Sie gehen auf einem anderen Weg in Ihr Land zurück. Sie folgen nicht dem Gebot des Herodes, sondern sie folgen der Klugheit und Weisheit, die von oben kommt.

Der Maßstab ihres Handelns ist nicht mehr die menschliche Autorität, weil die menschliche Autorität durch ihre Grausamkeit und Ungerechtigkeit ihre rechtmäßige Gewalt verspielt hatte. Ihr Maßstab ist die Autorität Gottes. Daher gehen auf einem anderen Weg in ihre Heimat zurück. Sie folgen hier mit weiser Klugheit der Maxime, die der Herr selbst später in den bekannten Ausspruch fassen sollte: „Seid klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben“ (Matthäus 10, 16). Sie greifen nicht sinnlos die ungerechte Autorität an, die sie hätte zerstören können, sondern mit Klugheit und Weisheit, die aus dem Glauben kommt, umgehen sie diese falsche Autorität und folgen dem Hinweis Gottes.

In der langen Geschichte der Kirche haben nicht nur die Heiligen Drei Könige so gehandelt, sondern viele Heilige, viele Bekenner und sogar viele Märtyrer, die sich bis zum Schluss dem ungerechten Zugriff der Autorität haben entziehen können, weil sie sich dem weisen Urteil Gottes unterworfen haben. Sicher, wenn es dann dazu kommt, dass man sein Leben geben muss, um den Glauben zu bekennen, dann wird sich der, der den Maßstab seines Lebens aus dem Glauben nimmt, dem nicht feige entziehen. Doch bis dahin gibt es viele Wege, die Gott uns weisen wird, im Vertrauen auf den Stern Gottes, der uns durch den Glauben hell voranleuchtet, Wege zu finden, unser christliches Leben auch dann zu leben, wenn eine ungerechte Autorität von außen versucht, dieses christliche Leben zu unterdrücken oder uns selbst Schwierigkeiten zu bereiten. Wir dürfen mit den Heiligen Drei Königen den Stern Gottes, den Glauben, nicht aus den Augen verlieren. Der Glaube nämlich ist der eigentliche Maßstab des christlichen Lebens!

Gott ist auch der Maßstab, an dem sich alle Autorität messen muss. Ja, alle Autorität kommt von Gott, wie der heilige Paulus sagt, aber nur dann und nur solange, als sie dem Gesetz Gottes folgt. Wenn wir merken, dass dieser große Maßstab, dass der Stern Gottes, der die Autorität führen soll, verdunkelt wird, dann müssen wir wie die Drei Könige handeln und auf einem anderen Weg Gott dienen, auf dem Weg nämlich, den uns der Glaube vorschreibt. Das ist die Botschaft, die wir von den Heiligen Drei Königen lernen können, das ist die Botschaft, die aus der Krippe heraustönt, das ist die Botschaft, die wir von der göttlichen Weisheit erhalten, wenn wir anbeten und uns demütig vor Gott niederwerfen. Dann verlieren wir nie den Stern, dann verlieren wir nie den Maßstab des Glaubens. Der Glaube wird uns den richtigen Weg zeigen, einen Weg an allen Schwierigkeiten vorbei oder durch sie hindurch: Den Weg, unseren Glauben zu bewahren, den Weg, unsere Seele zu retten und den Weg, mit den Heiligen Drei Königen schließlich jene Heimat zu finden, wo wir für immer das Jesuskind anbeten können! Amen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Predigt zur Christmette Anno Domini 2020

Kloster Maria Engelport

Predigt von Msgr. Prof. DDr. R. Michael Schmitz

Generalvikar im Institut Christus König

24. Dezember 2020

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

„Deus homo, ut homo deus“- Gott ist Mensch geworden, damit der Mensch vergöttlicht werden kann: Das Geheimnis dieser Nacht ist ein göttliches Geheimnis. Große Heilige, wie etwa Papst Leo der Große und Papst Gregor der Große, sind in Zeiten der Gefahr, des Hunneneinfalls und der Pest, nicht müde geworden, das Weihnachtsgeheimnis zu preisen, jenen wunderbaren Tausch zwischen Gottheit und Menschheit. Wie konnten sie das Wirken des Weihnachtsgeheimnisses in schwerer Zeit verkünden? Was hat der Glanz der Heiligen Nacht mit unserer Not zu tun?

Gott wirkt auf ganz eigener Weise. Er wirkt so, dass wir auch dann, wenn wir in Not geraten, an sein Wirken glauben können. Wir sehen das ganz besonders am Weihnachtsgeheimnis der Menschwerdung. Dieses Geheimnis offenbart sich in drei Momenten, die uns erkennen lassen, wie Gott mit seinem Geheimnis auch in der Not mitten unter uns gegenwärtig ist.

Zunächst wirkt Gott im Verborgenen. Er hat die Menschwerdung nicht den Regierenden der Zeit Jesu angekündigt. Er ist nicht den Fürsten erschienen, auch nicht den Reichen und Einflussreichen. Er hat seinen Engel in die Verborgenheit eines kleinen, abseits der großen Welt gelegenen Hauses in Nazareth gesandt, zu einer Jungfrau, die niemand kannte. Er ist hinein gekommen in die Stille eines Lebens, das nicht damit gerechnet hatte, einmal von der Kraft des Allmächtigen Gottes überschattet zu werden. Gott hat entschieden, dass Er nicht in geschichtlichen Schlagzeilen wirkt, sondern im Verborgenen. Wenn niemand es erwartet, wenn die Welt glaubt, Er würde nicht wirken, dann wirkt Er doch. Er ist im Kleinen gegenwärtig, denn Er braucht nicht das Große um wirken zu können. Er selbst ist der Große und Er wirkt im Verborgenen.

Sodann ist Er in dieser Heiligen Nacht geboren worden, wie wir aus der Schrift erfahren, „media nocte“- mitten in der Nacht. Dazu hat Ihn neun Monate lang hat die Nacht des Mutterschoßes umfangen: Er ist aus dieser Dunkelheit hinausgegangen in die Dunkelheit der Welt. Er wurde geboren mitten in die Nacht hinein, in die Nacht unserer Sünde, in die Nacht unserer Schwierigkeiten, die Nacht unserer Ängste. Er hat sich vor dem Dunkeln nicht gescheut. Gottes Geheimnis ist größer als das Dunkel und kann deswegen in das Dunkel eindringen, kann im Dunkeln wirken, kann dort wirken, wo andere sich schon abgewandt haben, wo alle sich falschen Lichtern zuwenden, wo alle denken, dass Gott aufgegeben hat, weil Er die Nacht angeblich nicht durchdringen kann. Doch Gottes Plan und Gottes Macht ist stärker: Nichts ist so dunkel, nichts ist so schwer, nichts ist so undurchdringlich, dass Er nicht seine Macht darin wirklich zum Leuchten bringen könnte: Mitten in der Nacht leuchtet Sein Licht, mitten in der Nacht ist er sichtbar Mensch geworden.

Schließlich erscheint Er in seiner ganzen überzeitlichen Größe, als die Heiligen drei Könige von weit her angereist kommen, um Ihn anzubeten. Er erscheint, aber Er erscheint, wie Er schon geboren wurde, unter Schwierigkeiten. Wenn wir das Geheimnis Gottes erkennen wollen, wenn wir das Geheimnis Gottes in unser Leben eindringen lassen wollen, dann müssen wir mit Schwierigkeiten rechnen. Nicht nur Joseph und Maria hatten Schwierigkeiten einen Ort zu finden, wo die sichtbare Menschwerdung stattfinden konnte, sondern auch die Könige hatten Schwierigkeiten. So sehr, dass sie glaubten den Stern verloren zu haben, so sehr, dass sie fast den König der Welt in die Hände von Räubern und Mördern überliefert hätten, so sehr, dass, wie die Legende uns sagt, einer der Könige sich so verlaufen hat, dass er erst ankam, als der König der Herrlichkeit für unser Heil am Kreuze starb. Wir dürfen also nicht glauben, dass das Geheimnis Gottes in diese Welt ohne Schwierigkeiten kommt, dass wir ohne Schwierigkeiten Christ sein können. Bethlehem und der Kalvarienberg gehören im Plane Gottes zusammen! Gott wirkt auch in den Schwierigkeiten unseres Lebens, mit denen Er uns oft genug zu Ihm zurückführt. Er wirkt dann, wenn wir leiden müssen. Er wirkt auch dann, wenn andere leiden müssen, weil Er Ihnen zur Seite steht, denn sonst könnten sie das Leiden nicht tragen. Gott ist immer gegenwärtig, nicht nur wenn die Sonne scheint, sondern auch dann, wenn das Leben uns einen Streich spielt, wenn wir von den Anderen verlassen werden, wenn sonst niemand bei uns ist als die Allernächsten, dann wirkt das Geheimnis Gottes.

Deswegen dürfen wir in dieser Nacht den Engeln glauben, wenn sie den Hirten sagen „nolite timere“, habt keine Angst. Begreifen wir: Alle diejenigen, die das Geheimnis Gottes erkannt haben, sind durch eine schwere Schule gegangen, eine Schule, die sie demütig gemacht hat. Maria, die demütige Magd in der Verborgenheit; die heilige Familie, die mitten in Dunkelheit der Nacht heimatlos war und sich Herberge bettelnd demütigen musste; die großen Könige und Seher, die von weit herkamen und den Weg nur mit Schwierigkeiten gefunden haben, die sich klein machen mussten, um das Geheimnis Gottes zu erkennen. Alles das sind Demütige, die gelernt haben, dass Gott im Verborgenen, in der Dunkelheit, in Schwierigkeiten weiterwirkt und uns rettet.

Werden wir in dieser Nacht vor dem großen Geheimnis Gottes demütig, ganz klein, ganz bewusst unserer Sündhaftigkeit, ganz bewusst der Tatsache, dass wir alle der Hilfe bedürfen und dass diese Hilfe im Letzten nicht von den Menschen kommt, sondern von Gott, von seinem Geheimnis. Durch seine Menschwerdung sind wir alle erlöst und nicht durch die Welt. Das ist das große Geheimnis dieser Nacht. Die Demut macht uns anbeten, die Demut macht uns niederknien, die Demut macht uns klein, um dem Jesuskind in der Krippe in die Augen schauen zu können.

Dann aber erkennen wir das Geheimnis Gottes, dann brauchen wir keine Angst mehr zu haben. Wenn in der Welt die Großen und Mächtigen Angst haben, dann wissen wir es besser, denn der Herr ist Mensch geworden. Er ist ein Kind in der Krippe, Er öffnet seine Arme, weil wir arm sind und Er rettet uns. Glauben wir also den Worten des Himmels und hoffen wir im Glauben, in der Anbetung des Jesuskindes, dass der Himmel uns zur Seite steht. Dann werden wir in Verborgenheit, Dunkel und Schwierigkeiten nicht verzagen, sondern mit Seiner Gnade uns auch gegenseitig unterstützen und Mut machen mit dem himmlischen Ruf „nolite timere“- fürchtet euch nicht! Amen.

Predigt zum Dritten Adventssonntag Gaudete

Kloster Maria Engelport

Predigt von Msgr. Prof. DDr. R. Michael Schmitz

13. Dezember 2020

Dritter Adventssonntag Gaudete

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

„Tu dir etwas Gutes, nur für dich selbst.“ Dieser dumme Werbeslogan enthält einen inneren Widerspruch. Man kann nämlich sich selbst gar nichts Gutes tun, wenn es ausschließlich und nur für uns selbst ist. Egoismus ist nie etwas Gutes. Der Mensch ist nicht geschaffen, um alleine zu sein. Wir sind nicht auf uns selbst konzentriert, sondern Gott hat uns so gemacht, dass wir auf die Gemeinschaft hin offen sind. Das wahre Glück, die wahre Zufriedenheit, die wirkliche innere Freude entsteht nur, wenn sie unsere Seele, wenn sie unser ganzes Menschsein auf die Gemeinschaft hin öffnet.

Deswegen heißt es schon zu Beginn: „Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine sei“. „Nach seinem Bild schuf er sie und er schuf sie als Mann und Frau“. (Genesis 1, 27-28). Gott hat uns in diese Welt gestellt als animal sociale – als Gemeinschaftswesen. Wir sind nicht nur für uns selber da, sondern wir sind immer auch für andere da. Wahre Freude ist immer gemeinsam.

Nur die Hingabe an Andere bringt uns die wahre Freude im Herrn, von der es heute heißt, dass wir uns immer ihrer erfreuen sollen: Gaudete in Domino semper, iterum dico gaudete (Philipper 4, 4). Das zeigt sich von Anbeginn unserer Existenz. Wir brauchen die Familie, wir brauchen eine häusliche Umgebung, wir brauchen Freunde, wir brauchen, wenn es unsere Berufung ist, eine Ehe oder eine geistliche Gemeinschaft. Wir brauchen das Zusammensein mit anderen, wo wir uns anderen schenken können, wo wir aber auch empfangen und durch das unsere Freude wächst.

Ebenso so ist es in der größeren Gemeinschaft des Staates. Jeder von uns gibt seinen Teil zum gerechten christlichen Staat hinzu. Wir empfangen von ihm die Ordnung und die Sicherheit, die wir brauchen und die wir alleine nicht schaffen könnten. Wenn wir alleine wären, würden wir auch im weltlichen Bereich einer ständigen Unsicherheit leben. Wenn wir uns nur alleine Gesetze geben würden, dann würden wir unserem eigenen Egoismus dienen, denn wenn wir nicht auf das Große und Ganze schauen, dann vereinzeln und vereinsamen wir.

Das gilt ebenso für die Kirche, denn wir verehren Gott nicht alleine. Christus hat die Kirche, diese übernatürliche, in sich perfekte Gemeinschaft schaffen wollen, damit wir durch ihre Heilsmittel gemeinsam das Heil erlangen. Wir beten gemeinsam, wir wohnen gemeinsam dem Heiligen Opfer bei. Auch Christus hat beim ersten Heiligen Opfer seine Apostel um sich versammelt als ein Abbild jeder größeren Gemeinschaft, für die wir alle geschaffen sind, nämlich die Gemeinschaft der Freundschaft mit Gott.

All diese Dinge nämlich, die Familie, der Freundeskreis, der Staat, die Kirche haben nur dann einen Sinn und bringen nur dann Freude, wenn sie wirklich auf die höhere Gemeinschaft ausgerichtet sind, auf die Gottesfreundschaft, die Christus uns schenkt, indem er uns zu Kindern des Vaters macht. Immer müssen wir durch das rein Menschliche hindurchsehen. Wir müssen uns vor allen Dingen von unserem Egoismus lösen. Nur so können wir in der Familie das Abbild der Heiligen Familie sehen und in der Freundschaft das Abbild der Freundschaft Jesu und Johannes. Nur so können wir in der Gemeinschaft des Staates die Ordnung Gottes wiedererkennen und sie durchsetzen. Nur so erscheint die Gemeinschaft der Kirche uns als die Entsprechung der großen Gemeinschaft des Himmels, in der die Engel und die Heiligen gemeinsam Gott eine ewige und wunderbare Freude darbringen, die von seiner Gnaden in ihrem Inneren kommt.

Weil das so ist, will der böse Feind uns vereinzeln. Er gleicht einem Rudel Wölfe oder Löwen, das jagt und das das Tier, das es reißen will, von der Herde trennt. Wir sind selbstverständlich keine Herdentiere, wir sollen als Christen nicht einfach tun was die Masse tut, aber wir müssen im Schafstall Gottes bleiben. Wir sollen in der Herde Jesu Christi bleiben. Wenn wir merken, dass der Teufel uns durch Starrsinnigkeit, durch Misstrauen, durch Angst, durch Sünde, durch all Versuchungen der Vereinzelung, die er seit alters her anwendet, um uns einsam zu machen, von der Herde abwenden will, dann müssen wir auf der Hut sein. Wir dürfen uns nicht von der Herde Christi abwenden lassen, weil dann unsere Freude zerstört ist. Das nämlich will der Teufel tun: Er will unsere Freude zerstören!

Wir sehen es in unserer Gesellschaft, wir sehen es bei so vielen Zeitgenossen, die sich von der Herde Christi abgewandt haben. Sind sie froher geworden? Sind sie glücklicher geworden? Sind sie zufriedener geworden? Im Gegenteil. Angst, Einsamkeit und vor allen Dingen die Sünde hat sie im Griff bekommen. Sie sitzen oft genug zuhause nur noch vor Fernseher oder Computer, sie sehen keinen anderen mehr und sie sind nicht selten so vereinzelt, dass sie sich gar nicht mehr miteinander unterhalten können, weil sie immer nur auf ihr Handy blicken. Das alles ist der Plan der Vereinzelung, dem Gott und die Gemeinschaft der Kirche entgegenstehen.

Öffnen wir uns daher der Gemeinschaft, wenn wir merken, dass wir aus der Herde ausgesondert werden sollen, die Christus zu unserem Heil gegründet hat. Versuchen wir gegen die teuflische Vereinsamung und den kalten Individualismus mit den Waffen Jesu Christi zu kämpfen, um uns in die Gemeinschaft Gottes zu retten. Versöhnung, Verzeihung, Neuanfang, Barmherzigkeit, Bekehrung, Umkehr, Frieden, und vor allem auch die heilige Beichte sind Mittel, die Christus uns an die Hand gegeben hat, um uns wieder zur Gemeinschaft zurückzubringen. Jede Ehe ist schwierig, jede Familie hat Kreuze zu tragen, jede geistliche Gemeinschaft ist immer wieder von den Schwierigkeiten des täglichen Lebens bedroht, jede Freundschaft ist in Gefahr, wenn sie Christus dient, jedes Staatswesen und auch die Kirche sind bedroht, weil der Teufel die Gemeinschaft Gottes hasst. Deswegen wollen wir dem Aufruf des Apostels Paulus folgen: „Gaudete in Domino semper, iterum dico gaudete“.

Freut euch! Freut euch an der Freundschaft Gottes! Freut euch an der Familie! Freut euch an der Gabe der Ehe! Freut euch an der geistigen Gemeinschaft! Freut euch an der Gemeinschaft der Kirche! Freuen wir uns, trotz der Kreuze und Leiden, die das unweigerlich mit sich bringt, an der Gottesgemeinschaft, damit der Teufel uns nicht in die Einsamkeit treibt, damit er uns nicht zu Opfern eures Egoismus werden lässt, sondern damit unsere Herzen sich weit öffnen für die Freude und Herrlichkeit Christi! Um uns daran zu erinnern lässt uns am heutigen Sonntag Gaudete die Kirche bereits die weihnachtliche Freude vorhersehen. Wir sehen an den rosa Messgewändern der Priester, dass sich das Dunkel erhellt: Christus, der Gemeinschaftsstifter, steht vor der Tür!

Wir sehen, dass der Teufel sein Spiel ausgespielt hat. Wir sehen, dass auch wenn wir versucht werden, uns die Hoffnung niemals verlässt, denn wir sind nicht alleine. Wir sind nicht alleine in der Familie, wir sind nicht alleine im Staat, wir sind nicht alleine in der Kirche. Es gibt die Gemeinschaft der Wohlmeinenden, die sich von der dumpfen Masse absondert, die Gemeinschaft der Gläubigen, die Gemeinschaft der Heiligen! Diese Gemeinschaft kann der Teufel nicht zerstören, denn sie ist auf dem Handeln und Tun des ewigen Hohepriesters Christus gegründet, der uns für immer die Freude gebracht hat. Wenn wir an dieser Gemeinschaft im Glauben festhalten, dann kann der Teufel, der Zerstörer der Freude, kann uns nichts anhaben. Mag uns auch die Traurigkeit der Zeit manchmal in dunkle Stunden bringen, wir wissen, dass die Freude der Herrlichkeit Gottes immer siegt, denn Christus ist Sieger, König und Herr in Ewigkeit. Amen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Predigt zum 4. Sonntag nach Pfingsten

„Ich halte es dafür, dass die Leiden dieser Zeit in keinem Verhältnis stehen zur künftigen Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll (Röm. 8, 18).“

Liebe Gläubige,

diese Worte des hl. Apostels Paul an die Römer, die wir in der heutigen Lesung vernommen haben, sprechen uns Worte des Trostes und der Hoffnung zu. Auch alle anderen Schriftstellen im Proprium dieses 4. Sonntags nach Pfingsten sind erfüllt von Zuversicht in Gott, den Beschützer unseres Lebens (Introitus Ps. 26,1 und 2), in seine gütige Vorsehung, die die armen in ihrer Bedrängnis erhört, rettet und befreit (Alleluia-Vers Ps. 9, 5 und 10) und in seine grenzenlose Macht, denn der Herr ist unsere Feste und Zuflucht (Communio-Vers Ps. 17,3).

Der jüdische König David, der diese Psalmen unter der Inspiration des Heiligen Geistes um das Jahr 1000 vor Christus komponierte, sang von seinen Feinden, die ihn umringten, wie wir im Introitus gebetet haben: „Meine Feinde, die mich bedrängen, werden schwach und sinken nieder. Selbst wenn sie Heerlager gegen mich aufstellen, wird mein Herz nicht bangen“.

Geliebte im Herrn! Sind nicht auch wir in der Zeit, in der wir leben, von Feinden, ja sogar von feindlichen Heerlagern umgeben? Geht nicht Satan wie ein brüllender Löwe umher (1. Petrus 5,8) und sucht, wen er verschlingen könne?

Denken wir an die Kultur des Todes mit ihren lebensfeindlichen Gesetzen! Große Anstrengungen werden von politischen Kreisen auf internationaler Ebene unternommen, um die Tötung ungeborener Kinder bis unmittelbar vor die Geburt zu ermöglichen. Eine säkulare Umerziehung greift immer mehr um sich, sowohl am Arbeitsplatz durch weiterbildende Kurse und im Klassenzimmer durch den Schulunterricht. In den Medien wird eine neue Korrektheit verbreitet und alles zielt auf eine neue Ordnung der Welt ab, in der das Christentum auf den Zuschauerplatz verbannt oder sogar instrumentalisiert wird. Unsere Zeit ist, wie katholische Theologen und Schriftsteller seit Jahrzehnten nicht müde werden zu widerholen, nicht mehr christlich und auch nicht mehr post-christlich. Ein neues Heidentum bahnt sich seinen Weg, Irrtümer von einst erstehen wieder und so läuft die Welt in Gefahr, daß die Fehlwege und das Grauen von einst die Irrtümer und Verirrungen von morgen werden können.

Viele von Ihnen leben in Dörfern und Städten, in denen es keine hl. Messe in der außerordentlichen Form gibt. Sie unternehmen es, an Sonn-und Feiertagen nach Kloster Maria Engelport zu fahren. Nach dem Messopfer verbringen Sie oft noch Zeit im Gespräch mit anderen Gläubigen, denn da, wo Sie zuhause sind, gibt es wenige, die so glauben und denken wie Sie. Wenn wir in die Welt von heute blicken, so kann man sich des Gedankens nicht erwehren, führende Politiker hätten in den letzten Jahrzehnten vielerorts Brechstangen zur Hand genommen, um zu versuchen, den Rest an bestehender christlicher Ordnung zu beseitigen. In der Kirche sehen wir, daß viele Kathedralen, Basiliken und Kirchen mehr Touristen als gläubige Beter anziehen. Die schönen Kelche und Weihrauchfässer von einst sind meist in Museen hinter Vitrinen zu bestaunen und die prächtigen Messgewänder befinden sich oft, wenn es sie noch gibt, säuberlich weggeräumt im Archiv. Der weitverbreitete religiöse Analphabetismus ist erschreckend. Viele Gläubige fühlen heute eine große Verlassenheit und Einsamkeit, die durch das Gottesdienstverbot im Frühjahr dieses Jahres noch gesteigert wurde. Man kommt sich als gläubiger Christ in unserem säkularen Lebensumfeld immer häufiger wie jemand vor, der in eine Löwengrube gestürzt wurde, umringt von den Feindes seines Heiles.

Gut vierhundert Jahre nach König David lebte in Judea der heilige Prophet Daniel. In einer von Unglauben und Verweltlichung erfüllten Zeit, ließ es Gott zu, dass der babylonische König Nebukadnezar II. nach der Eroberung und Zerstörung Jerusalems im Jahre 597 v. Chr. die Bevölkerung Judeas verschleppte. Unglauben und Verstocktheit war den beiden verbliebenen Stämme Israels im Südreich, nämlich Juda und Benjamin, zum Verhängnis geworden. Gott gab diese Menschen, die sich von ihm aus ganzem Herzen abgewandt und die Propheten verfolgt hatten, der Macht ihrer Feinde preis. 70 Jahre lang sollte dieses Exil fern der Heimat in heidnischen Landen andauern.

Der heilige Prophet Daniel fand jedoch im heidnischen Babylon das Vertrauen des Königs. Eines Tages wurde er von Bewohnern Babylons beim König verklagt, denn Daniel hatte eine Statue des Götzen Marduk zerstört, des babylonischen Stadtgottes, der im Zuge der Ausbreitung des babylonischen Reiches zum Haupt des babylonischen Pantheons avanciert war. Im mesopotamischen Raum, wie auch in der Heiligen Schrift, wurde dieser Gott auch Bel, also Herr, genannt. Daniel hatte es jedoch nicht bei der Zerstörung des Bel belassen. Er tötete auch dessen Attribut, den Mardukdrachen, ein giftspritzendes Mischtier aus Schlange und Drachen, das in der Mythologie der Babylonier der Begleiter Marduks ist, des Herrn aller Götter, des Schöpfers von Himmel und Erde und auch der Menschen. In der Heiligen Schrift begegnen uns vielfach eindringliche Warnungen vor den heidnischen Göttern, die besonders im 5. Buch des Mose (Dtn. 32,17) und in den Psalmen als Dämonen benannt werden. So heißt es etwa im Psalm 95,5 „Dii enim gentium daemonia sunt.“ „Die

Götter der Heiden sind nämlich Dämonen.“ Psalm 113 lobsingt der Transzendenz und Allmacht des einen und wahren Gottes und rühmt seine zahllosen Großtaten. Im Kontrast hierzu verspottet der Psalmist die Götzenbilder der Heiden, die aus Silber oder Gold gefertigt sind, als das leblose Werk menschlicher Hände. An diese Psalmverse wird der Prophet Daniel wohl gedacht und sie in seinem Herzen auch gebetet haben, als er daran ging, die Statue des grausamen Marduk umzustürzen und zu zerstören, dem zur Besänftigung seines Zornes in einem Feuerofen Menschenopfer dargebracht wurden.

Wie viele Opfer werden den falschen Göttern der Moderne heute dargebracht, dem Konsumismus, der Wissenschaft ohne Gott und dem Drang nach völliger Unabhängigkeit?

Nur nach heftigsten Morddrohungen hatte der König dem Sinnen der Götzendiener schließlich nachgegeben, und Daniel wurde von diesen in eine Löwengrube geworfen. Gott gedachte jedoch seines treuen Dieners Daniel, bewahrte ihn vor den ausgehungerten Löwen und sandte sogar einen Engel mit dem Propheten Habakuk aus Judea, der Daniel ein Mahl brachte, sodass er bei Kräften bliebe. Der Prophet Daniel erhob nun seine Stimme zum Lobpreis Gottes und sprach: „Du hast meiner gedacht, o Gott, und die nicht verlassen, die Dich lieben!“ Daniel ist in dieser äußersten Gefahr des Todes ein Typus für Christus, der von seinen Feinden wie von blutrünstigen Löwen umringt war und den der himmlische Vater im Leidensgarten Getsemani durch einen Engel stärkte. Als der König am siebten Tag zur Löwengrube kam, um über Daniel zu trauern, da war er vor lauter Freude ganz außer sich, Daniel heil wiederzufinden. Voller Staunen über Gottes Allmacht und Treue rief er aus: „Groß bist Du, Herr, Gott Daniels!“ Danach bekannte der König laut vor allen: “Alle Bewohner der ganzen Erde sollen den Gott Daniels fürchten, denn er ist der Retter, der Zeichen und Wunder wirkt auf Erden. Er hat Daniel aus der Löwengrube befreit.“

So wie der Gott dem Daniel beistand, so wird Gott auch uns weiter beschützen und durch die Unsicherheiten und die Wechselhaftigkeit dieser launischen Welt in seiner väterlichen Hand hindurchtragen. Vergessen wir nicht, daß das Kreuz der königliche Weg der Nachfolge Christi ist, dass es der Altar von Golgotha und das Zeichen des Sieges Christi ist, der nie ein Ende finden wird. Blicken wir auf zu den Scharen der Märtyrer, Bekenner und heiligen Frauen. Blicken wir zu König David und dem Propheten Daniel. Vertrauen wir uns dem Herrn an, besonders in Momenten der Versuchung. Beten wir zu Gott und fürchten wir nicht die Menschen! Erzeigen wir dem einzig wahren Gott unsere Ehrfurcht! Denken wir an die Worte des hl. Apostels Paulus an die Römer über die künftige Herrlichkeit, wie wir sie in der Lesung vernommen haben. Haben wir keine Angst vor den Löwen dieser Welt, die den Kindern Gottes nachstellen und beten wir mit dem hl. König David: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil, wen sollte ich fürchten? Der Herr ist der Beschützer meines Lebens, wovor sollte ich zittern (Ps. 26,3)?“ Der Herr ist meine Feste, meine Zuflucht und mein Befreier; mein Gott, mein Helfer (Ps. 17,3)!“

Kanonikus Richard von Menshengen

Predigt zum Dreifaltigkeitssonntag

Wir leben auf einem Planeten, der um einen Stern kreist. Schon die Erde hat für uns eine erstaunliche Größe. Im Vergleich zur Sonne ist das aber verschwindend wenig. Dieser Stern im Zentrum unseres Sonnensystems ist gewaltig. Eine Million Erdkugeln würden darin Platz finden. Die gewaltigste bekannte Sonne, der sogenannte Überriese Canis Majoris, der erst 2004 entdeckt wurde, hat jedoch einen Durchmesser, der etwa 2000-mal so groß ist wie der unserer Sonne. Eine Größe, die jede Vorstellungskraft übersteigt.

Selbst dieser riesige Stern aber ist nur wie ein verschwindendes Sandkorn in der unvorstellbaren Ausdehnung des beobachtbaren Universums. Schon die Zahl der Sternnebel, die es enthält, weit mehr noch die Zahl der Sonnen in ihm ist nur noch in tausenden von Milliarden auszudrücken. Unsere Sprache hat keine Worte mehr, um solche Dimensionen zu erfassen. Jede Vorstellung kapituliert vor diesen Weiten.

Wieviel mehr gilt das aber von jenem unendlichen Wesen, das alle diese Welten in einem Augenblick geschaffen hat! Wenn wir die Gewaltigkeit der Schöpfung staunend erahnen, so gibt uns das nur einen allerersten, anfanghaften Begriff von der Erhabenheit Gottes, aus dessen Willen dieses gewaltige Universum entstanden ist. An den unfassbaren Kräften, die die Schöpfung Gottes im Riesigsten wie im Allerkleinsten ordnen und lenken, können wir die Majestät des Einen Gottes ablesen, der das alles ins Leben ruft, erhält und vollendet.

Diese Unendlichkeit Gottes, die das Weltall widerspiegelt, macht aber auch demütig. Sie lässt uns unseren Platz vor dem Schöpfergott begreifen. Wir können plötzlich nachvollziehen, was der heilige Paulus in der Epistel ausruft: „O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Ratschlüsse, wie unerforschlich seine Wege!“ (Römer 11, 33).

Aus der Pracht und Größe der Schöpfung können wir die Allmacht ihres Autors erkennen, doch begreifen können wir ihn nicht. Schon die Gesetze der Natur, die er festgelegt hat, sind trotz aller wissenschaftlichen Forschungen uns immer noch größtenteils verborgen. Je mehr wir in sie vordringen, desto größer wird ihr Geheimnis. Schon ein anderer Mensch bleibt uns oft geheimnisvoll. Wieviel mehr gilt das von Gott und seinem inneren Wesen! Gott ist, wie das erste Vatikanische Konzil definiert hat, „Schöpfer und Herr des Himmels und der Erde, allmächtig, ewig, unermesslich, unbegreiflich, an Vernunft und Willen sowie jeder Vollkommenheit unendlich“ (Dogmatische Konstitution Dei Filius, 1). Wie könnten wir ihn begreifen?

Weil das aber so ist, weil Gott in einem „unzugänglichen Lichte wohnt“ (1 Timotheus 6, 16), hat er selbst von sich zu uns gesprochen. Wir können sein inneres Wesen nicht erfassen, Er aber hat beschlossen, es uns zu offenbaren. Offenbarung meint hier die Offenlegung jener Geheimnisse Gottes, die zu unserem Heil notwendig sind. Er hat zu uns gesprochen, damit wir wissen, wer er ist. Zu Moses hat er in der Wüste aus dem brennenden Dornbusch gesagt: „Ich bin, der Ich bin!“ (Exodus 3, 14). In der Folge hat er den Propheten des Alten Testamentes seine Herrschaft und auch bereits seine Vaterschaft dem Volke Israel und allen Völkern der Erde gegenüber enthüllt (z.B. Jeremias 31,9; Jesaias 63,16; 64,7). Doch erst am Ende der Zeiten hat er uns durch den Gottmenschen Jesus Christus noch tiefer in das Geheimnis seines ewigen Wesens blicken lassen.

Gott enthüllt erst der Kirche in einer endgültigen Offenbarung die volle Größe des Geheimnisses! Ohne das fleischgewordene Wort Jesus Christus hätten wir nie wissen können, wer Gott wirklich ist: Vater, Sohn und Heiliger Geist, vereint in einem unendlichen Wesen von drei göttlichen Personen, von deren gemeinsamen Leben alles ausgeht und in dem alles endet. Das Kirchengebet des heutigen Hochfestes sagt uns, wie wir dieses Geheimnis erkannt haben und bittet um den Schutz, der uns aus dem Glauben daran erwächst: „Allmächtiger ewiger Gott, Du hast Deinen Dienern die Gnade verliehen, im Bekenntnis des wahren Glaubens die Herrlichkeit der ewigen Dreifaltigkeit zu erkennen und in der Macht der Majestät die Einheit anzubeten; nun bitten wir Dich, lass uns kraft dieses unerschütterlichen Glaubens stets vor allem Unheil gesichert sein!“

Nur der wahre Glaube lehrt uns das Geheimnis Gottes in seiner ganzen Herrlichkeit. Dieser Glaube erhält seinen Inhalt aus der Offenbarung Gottes selbst. An dieser Offenbarung des Glaubens festhalten zu können, ist unverdiente und unverdienbare Gnade. Offenbarung und Gnade aber führen uns zur Anbetung der Majestät Gottes. Nur dieser unerschütterliche Glaube aber bewahrt uns im letzten vor allem Unheil, schon hier, besonders aber in der Ewigkeit. Nicht nur als seine Geschöpfe hängen wir also ganz von Gott ab. Auch das notwendige Heilswissen um sein inneres trinitarisches Wesen ist als Offenbarung und Gnade Sein freies Geschenk, das er uns gibt, weil er uns liebt. Die gläubige Anbetung der Allerheiligsten Trinität ist das Tor zum Heil! Das Wissen um das wahre Wesen Gottes ist der Schlüssel zum Himmel!

Deswegen schließt sich an die Offenbarung des innersten göttlichen Geheimnisses auch der Auftrag an die Kirche an, den wir im Evangelium gehört haben: „Gehet also hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie alles, was ich Euch geboten habe!“ (Matthäus 28, 19). Es ist nicht gleichgültig, was man glaubt. Gott selbst gebietet seiner Kirche, den Namen des wahren Gottes über die Täuflinge auszusprechen und sie ohne Ausnahme alles zu lehren, was dieser wahre Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, zu glauben und zu tun geboten hat. Wie der ewige Gott, so ist auch dieser Auftrag an die Kirche unveränderlich. Von seiner Verwirklichung hängt das Heil der vielen ab!

Das innere Geheimnis der göttlichen Dreifaltigkeit zu verstehen, ist für uns Menschen nicht möglich, auch nicht in der Ewigkeit. Wir haben gesehen, dass wir die Herrlichkeit der Schöpfung kaum begreifen, noch weniger den Schöpfer und schon gar nicht sein innerstes Wesen. Was er uns davon gesagt hat, ist das, was wir mithilfe der Kirche noch so gerade erfassen können: Im Inneren des göttlichen Lichtes brennt ein unendliches Feuer der Liebe, in dem die drei Personen des einen Wesens Gottes ewig aufeinander bezogen sind. Dieses Feuer der Liebe ist so stark, dass es sich mitteilen will. Daher die Majestät und Erhabenheit der ganzen sichtbaren und unsichtbaren Schöpfung. Dieses Feuer aber will sich nicht nur mitteilen, es will erleuchten und erretten, was verloren war. Daher das Licht der Offenbarung und das Liebesopfer der Erlösung. Alle Liebe aber will auch ähnlich machen. Daher die Heiligung und Erhebung der Erlösten durch den Geist der Liebe, der in der Kirche weht. Das Heilswerk Gottes ist also ein Spiegel Seines Wesens!

Der Große Gott, der „über alles, was außer ihm ist und gedacht werden kann, unaussprechlich erhaben ist“ (Dei Filius, 1), ist der Eine und Dreifaltige. Er ist herrlicher als sein herrliches Universum. Er offenbart uns in zärtlicher Liebe sein innerstes Wesen. Er öffnet sich uns. Er neigt sich uns zu, weil er uns erheben und durch die Macht seiner Gnade an sich ziehen will. Nur durch seine Macht kann das geschehen, nur durch seinen Namen werden wir gerettet. Sein wunderbarstes Werk ist unsere Erlösung! Wer wollte sich dem entziehen? Wer seine Heilsbotschaft verschweigen?  Wer der Dreifaltigkeit seinen Dienst verweigern? Die Gewalten der Himmel erzittern vor Gott, der sie schafft und erhält. Uns aber liebt er und wird uns gleich, damit wir Ihm ähnlich werden können. Dafür müssen wir unendlich dankbar sein. Daher müssen wir Ihn demütig anbeten. Deswegen rufen wir mit der ganzen Kirche am heutigen Hochfest: „Gepriesen sei Gott Vater und Gottes eingeborener Sohn und der Heilige Geist, weil sie an uns Barmherzigkeit getan!“ (Tob. 16, 6).

Msgr. Prof. DDr. R. Michael Schmitz