Predigt zum 3. Sonntag nach Epiphanie

Predigt zum 3. Sonntag nach Epiphanie

Abschluß der Gebetswoche für die Einheit der Christen

Msgr. Michael Schmitz

Sind wir noch katholisch? Wer ist eigentlich katholisch? Die Verwirrung unserer Zeit ist so groß, dass wir diesen Sonntag am Ende der Woche des Gebetes für die Einheit der Christen verwenden müssen, um diese Fragen klar zu beantworten. Dazu müssen wir uns nicht irgendwelchen Privatmeinungen zuwenden, sondern dem Lehramt der Kirche selbst, das in dieser Predigt direkt zu uns sprechen soll.

Zunächst ist festzuhalten, dass es nur eine wahre Kirche gibt, nämlich die eine, heilige katholische und apostolische Kirche, die Kirche Jesu Christi. Wir haben deswegen in der vergangenen Woche nicht für die Einheit der Kirche gebetet, sondern für die Einheit der Christen. Diese geeinte wahre Kirche existiert nämlich bereits: Es ist die katholische Kirche.

Dazu sagt Papst Pius XI, in seiner berühmten Enzyklika Mortalium animos vom 6. 6. Januar 1928 ganz eindeutig:

„Christus, der Herr, hat aber seine Kirche als selbständige und aus ihrem Wesen heraus sichtbare und äußerlich erkennbare Gesellschaft gegründet. Dieser Kirche gab er den Auftrag, das Werk der Erlösung der Menschheit bis in die spätesten Zeiten hinein fortzusetzen unter der Führung eines Hauptes, durch das Lehramt der mündlichen Lehrverkündigung und durch die Spendung der Sakramente, in denen die Quellen himmlischer Gnaden fließen.“

Der ist also katholisch, der mit der einen wahren Kirche durch das Band der Leitung, das Band der Lehre und das Band der sieben Sakramente verbunden ist. Die Leitung des Petrus und der Apostel, die ganze Lehre Christi, und die Fülle des sakramentalen Lebens aber existieren zusammen nur in der einen wahren Kirche, die die katholische ist. Deswegen sagt Pius XI weiter:

„So kann es gar nicht anders sein, als dass die Kirche Christi nicht nur heute und in alle Zeit fortbesteht, sondern sie muss auch heute noch die gleiche sein, die sie zur Zeit der Apostel war. Sonst müssten wir sagen – was fern von uns sei -, Christus der Herr sei nicht imstande gewesen, sein Vorhaben auszuführen, oder er habe geirrt, als er sagte, die Mächte der Hölle würden seine Kirche nicht überwältigen.“

Viele sind heute leider von dieser Einheit der Kirche getrennt, manche nicht durch eigene Schuld. Für alle aber gibt es nur einen Weg zur Einheit, den Papst Pius XI deutlich zeichnet:

„Es gibt (…) [daher] keinen anderen Weg, die Vereinigung aller Christen herbeizuführen, als den, die Rückkehr aller getrennten Brüder zur einen wahren Kirche Christi zu fördern, von der sie sich ja einst unseligerweise getrennt haben. (…) Der mystische Leib Christi, das ist die Kirche, ist ja eine Einheit, zusammengefügt und zusammengehaltenwie der physische Leib Christi, und so ist es unangebracht und töricht zu sagen, der mystische Leib könne aus getrennten und zerstreuten Gliedern bestehen. Wer mit dem mystischen Leib Christi nicht eng verbunden ist, der ist weder ein Glied desselben, noch hat er einen Zusammenhang mit Christus, dem Haupt.“

Ist diese klare Lehre nun in der neuesten Zeit geändert worden? Diejenigen, die eine Änderung dieser grundsätzlichen Linie behaupten, berufen sich oft fälschlich auf das letzte Konzil. Es ist wahr, dass das Zweite Vatikanische Konzil auf jene Elemente der Wahrheit hingewiesen hat, die bei den getrennten Brüdern von der katholischen Einheit übriggeblieben sind, so etwa bei allen die Taufe, bei manchen die Eucharistie und bei den orthodoxen Gemeinschaften sogar alle Sakramente. Daher sagt das Dokument über die Ökumene Unitatis Redintegratio in seiner Nummer 3 nicht zu Unrecht: „Hinzu kommt, daß einige, ja sogar viele und bedeutende Elemente oder Güter, aus denen insgesamt die Kirche erbaut wird und ihr Leben gewinnt, auch außerhalb der sichtbaren Grenzen der katholischen Kirche existieren können.“

Bei aller Wertschätzung der getrennten Brüder bleibt das Konzil bei dieser Aussage jedoch nicht stehen. Es führt vielmehr weiter aus:

„Dennoch erfreuen sich die von uns getrennten Brüder, sowohl als einzelne wie auch als Gemeinschaften und Kirchen betrachtet, nicht jener Einheit, die Jesus Christus all denen schenken wollte, die er zu einem Leibe und zur Neuheit des Lebens wiedergeboren und lebendig gemacht hat, jener Einheit, die die Heilige Schrift und die verehrungswürdige Tradition der Kirche bekennt.“

Daraus ziehen die Konzilsväter einen wichtigen Schluss, der der überlieferten Lehre der Kirche völlig entspricht. Sie sagen:

„(…)nur durch die katholische Kirche Christi, die das allgemeine Hilfsmittel des Heiles ist, kann man Zutritt zu der ganzen Fülle der Heilsmittel haben. Denn einzig dem Apostelkollegium, an dessen Spitze Petrus steht, hat der Herr, so glauben wir, alle Güter des Neuen Bundes anvertraut, um den einen Leib Christi auf Erden zu konstituieren, welchem alle völlig eingegliedert werden müssen, die schon auf irgendeine Weise zum Volke Gottes gehören.“

Alle müssen also der einen wahren katholischen Kirche völlig eingegliedert werden, damit sie Zutritt zu der ganzen Fülle der Heilsmittel haben. Daher müssen jene, die der Kirche fernstehen oder von ihr getrennt sind, zu ihr geführt oder zu ihr zurückgeführt werden. Es gibt keinen anderen Weg, um hier auf Erden alle Heilsmittel zu erhalten, die Christus seiner Kirche eingestiftet hat. Daher lehren wiederum die Konzilsväter schon in der apostolischen Konstitution Lumen gentium, Nr. 8 mit großer Klarheit von der katholischen Kirche:

„Dies ist die einzige Kirche Christi, die wir im Glaubensbekenntnis als die eine, heilige, katholische und apostolische bekennen (12). Sie zu weiden, hat unser Erlöser nach seiner Auferstehung dem Petrus übertragen (Joh 21,17), ihm und den übrigen Aposteln hat er ihre Ausbreitung und Leitung anvertraut (vgl. Mt 28,18 ff), für immer hat er sie als „Säule und Feste der Wahrheit“ errichtet (1 Tim 3,15). Diese Kirche, in dieser Welt als Gesellschaft verfaßt und geordnet, ist verwirklicht in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger Petri und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird.“

Menschen, die ohne eigene Schuld die Wahrheit nicht kennen oder nicht annehmen können, können durch ein geheimnisvolles Heilswirken Gottes unter bestimmten Umständen doch gerettet werden, denn Gott ist gerecht. Auch das ist eine überlieferte Lehre der Kirche, die sich in der von Papst Pius XII abschließend formulierten Wahrheit von der Begierdetaufe zusammenfassen lässt. Das aber ändert nichts an der grundsätzlichen Heilsnotwendigkeit der Kirche, durch die auch diejenigen das Heil erlangen, denen Gott auf uns verborgenen Wegen Barmherzigkeit erweist. Das Zweite Vatikanische Konzil lehrt daher mit dem gesamten vorhergehenden Lehramt die Zugehörigkeit zur Kirche als notwendige Bedingung zum Heil. Es sagt in der Nr. 14 der Konstitution über die Kirche:

„Gestützt auf die Heilige Schrift und die Tradition, lehrt [die Heilige Synode], daß diese pilgernde Kirche zum Heile notwendig sei. Christus allein ist Mittler und Weg zum Heil, der in seinem Leib, der Kirche, uns gegenwärtig wird; indem er aber selbst mit ausdrücklichen Worten die Notwendigkeit des Glaubens und der Taufe betont hat (vgl. Mk 16,16; Joh 3,5), hat er zugleich die Notwendigkeit der Kirche, in die die Menschen durch die Taufe wie durch eine Türe eintreten, bekräftigt. Darum könnten jene Menschen nicht gerettet werden, die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollten.“

Alle anderen Heilswege sind unsicher und dunkel. Auf dem Antlitz der Kirche dagegen erscheint die Herrlichkeit Christi, des Lichtes der Völker (Lumen gentium 1). Nur in ihr ist Christus ganz gegenwärtig mit der Kraft seiner hohepriesterlichen Leitungsgewalt, dem Glanz seiner unverfälschten ewigen Wahrheit und dem Gnadenstrom aller seiner Sakramente. Nur in ihr wird er angebetet in der Fülle von Gnade und Wahrheit. Nur sie vereinigt alle Heilsmittel auf sich und nur sie verkündet seine tatsächliche Gegenwart ohne Kompromiss und ohne Unklarheit durch die Schönheit ihrer Liturgie, die Eindeutigkeit ihrer eucharistischen Disziplin und die unveränderlichen Worte ihres Dogmas.

Wir Katholiken, die wir die unverdiente Gnade erhalten haben, der einen wahren Kirche angehören zu dürfen, müssen durch ein heiliges Leben und eine große Liebe zur Kirche alle anderen zu ihr hinführen. Dabei gilt es, die „Wahrheit in der Liebe zu tun“, damit die Art und Weise unseres Glaubenszeugnisses niemandem abschreckt, sondern alle anzieht (vgl. UR 11).

Trotzdem dürfen wir keine Kompromisse mit Wahrheit und Leben des katholischen Glaubens machen. So sagen wiederum die Väter des letzten Konzils (ebd.):

„Die gesamte Lehre muß klar vorgelegt werden. Nichts ist dem ökumenischen Geist so fern wie jener falsche Irenismus, durch den die Reinheit der katholischen Lehre Schaden leidet und ihr ursprünglicher und sicherer Sinn verdunkelt wird.“

Nun wissen wir ganz klar, wer katholisch ist. Nur der ist katholisch, der der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche voll angehört. Also derjenige, der der von Christus stammenden rechtmäßigen Leitungsgewalt der Kirche Gehorsam leistet, der die ganze von ihr allezeit verkündete Wahrheit der Offenbarung glaubt und der durch das Band des sakramentalen Lebens in ihr die Heilsgnade empfangen hat.

Katholisch zu sein, ist ein großes Geschenk! Geben wir es weiter! Die Kirche ist das Tor zum Heil! Öffnen wir ihre Türen weit durch mutiges Glaubensbekenntnis und gelebte Nächstenliebe! Werden wir Apostel, damit alle wieder zu dem einenSchafstall Christi finden! Nur so wird die Bitte Christi verwirklicht, die er mit Eindringlichkeit an den Vater gerichtet hat: „Ut unum sint, daß alle eins sein mögen. Amen!

Predigt vom 10. Januar 2021, Erster Sonntag nach Epiphanie, Fest der Heiligen Familie

Kloster Maria Engelport

Predigt von Msgr. Prof. DDr. R. Michael Schmitz

10. Januar 2021

Erster Sonntag nach Epiphanie, Fest der Heiligen Familie

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wieso wird die Familie heute allenthalben angegriffen? Sie wird angegriffen, weil sie eines der größten Geschenke Gottes an die Menschheit ist. Glücklich ist, wer in einer Familie geboren wird. Die Familie hat so viele gute Seiten, dass wir ohne sie weder richtig sein noch leben könnten, dass wir ohne sie nicht wären, was wir sind, ohne sie nicht in Gemeinschaft leben könnten und ohne sie auch nicht in der Kirche Gott verehren könnten. Die Familie ist von so großer Wichtigkeit, dass derjenige, der immer das Böse will, sie angreift, wo er eben kann.

Heute wollen wir uns deswegen auf das große Geschenk der Familie besinnen, denn Gott selbst hat entschieden, in einer Familie Mensch zu werden, damit wir auch daran sehen können, wie wichtig das Geschenk der Familie so wichtig ist: Durch seine Gegenwart in der Heiligen Familie hat es diese zu einer übernatürlichen Gemeinschaft erhoben. Daher hat er auch die sakramentale Ehe als Grundlage der christlichen Familie gestiftet.

Die christliche Familie schenkt uns zuerst Gemeinschaft. Wir wissen, dass der Mensch ein Gemeinschaftswesen ist und dass er nicht alleine leben kann. Wenn wir vereinzelt sind, dann sind wir verletzlich und deswegen brauchen wir gleich von Anfang an, besonders dann, wenn wir als Kleinkinder, Kinder, als Jugendliche verletzlich sind, den Rahmen der Familie. Wir brauchen diejenigen, die uns schützen, die uns helfen, die uns zur Seite stehen, damit wir eben nicht einsam sind, sondern in einer Gemeinschaft leben können, die uns zu Gott führt.

Die Familie gibt uns eine außerordentliche Geborgenheit. Wer alleine leben muss, der weiß wie schwierig das oft ist. Auch er aber wird in der weiteren Familie und im Freundeskreis Geborgenheit suchen. Die Familie gibt uns eben jene Geborgenheit, die wir brauchen, damit wir uns nicht in der Kälte dieser Zeit verlieren. Sie gibt uns die Geborgenheit des Zuhauses, des Behütetseins, der Umgebung von liebenden Menschen, an die wir uns wenden können, wenn wir alleine sind oder uns traurig fühlen.

Darüber hinaus gibt uns die Familie das, was der Staat uns nicht geben kann, nämlich eine ganz persönliche Sicherheit. In der Familie kann sich normalerweise der eine auf den anderen verlassen. Das mag nicht immer ohne Spannungen gehen, aber im Letzten hält doch die Familie zusammen, wenn es darum geht, Schwierigkeiten zu überwinden und auch außergewöhnliche Situationen zu ertragen. Wie viel einfacher ist es nicht, in einer Familie zu sein, wenn der Tod an die Türe klopft? Wie viel einfacher ist es nicht, sich in der Krankheit behütet zu fühlen, wenn die Familienmitglieder sich um uns kümmern? Wie viele einfacher ist es nicht, sich in Sicherheit zu wissen, wenn wir selbst uns noch nicht oder nicht mehr um unsere eigenen Belange kümmern können, aber die anderen, die die sich um uns mühen, uns zur Seite zu stehen, damit wir überleben können? Solche Sicherheit kann auch das beste Staatswesen uns ohne die Familie nicht geben.

Die Familie schenkt uns nämlich eine einzigartige gegenseitige Hilfe. Zwar ist es sicher nicht so, dass diese Hilfe selbstverständlich ist. Manchmal muss man sich überwinden, auch in der Familie, um den anderen gegen den eigenen Egoismus beizustehen. Jeder muss sich zurücknehmen, damit er in der Familie dem Nächsten Hilfe leisten kann. Aber diese Hilfe ist eben keine bezahlte Hilfe, sie ist eine Hilfe, die wir freiwillig leisten, weil wir uns in dem Pakt der Familie gegenseitig stützen. Wir wissen, dass wir sicher sein können, dass uns die Familienmitglieder ebenso zur Seite stehen und uns helfen.

Die Familie schenkt uns auf diese Weise eine besondere Eingebundenheit. Wir sind nicht alleine, sondern wir sind in einem Ganzen eingebunden. Einem Ganzen, das nicht nur die kleine Familie umfasst, sondern, wie wir es an der Sippe der Heiligen Familie sehen, auch die Großfamilie. Wir sehen, dass sich die Heilige Familie auch auf den weiteren Familienkreis verlässt. Als Maria und Josef den Jesusknaben suchen, der verloren gegangen war, wenden sie sich an die Verwandten, denen sie ihn anvertraut hatten. Die weitere Familie bildet idealerweise die Umgebung, in der man sich gegenseitig besucht, sich gegenseitig berät und eingebunden ist. So kann man, wenn es schwierig wird, dem christlichen Glauben zu folgen, in dieser größeren Familie Stütze finden, denn es findet sich auch heute immer jemand, der für uns betet und der mit uns glaubt, auch wenn der Glaube in vielen Familien schwach geworden ist.

Eingebundenheit in der Familie zeigt sich in einer ganz deutlichen Weise dadurch, dass die Familie für uns auch ein Tor zur Kirche ist. Weil die Familie auf das Sakrament der Ehe aufbaut, weil die Familie uns einführt in den Glauben, weil die Familie dafür sorgt, dass die Kinder getauft werden, deswegen ist die christliche Familie auch ein Tor zur Familie der Kirche. Diese Familie der Kirche wiederum ist eine geistliche Familie, in der viele verschiedene Familien, natürliche wie geistliche, Platz haben. Alle versuchen mit der Hilfe der Familie der Kirche – so wie zum Beispiel unser Institut Christus König und Hohepriester – die heilige Familie nachzuahmen. Jede Familiengemeinschaft, sei sie wie die die christliche Familie auf die Ehe oder als geistliches Institut auf besondere Versprechen aufgebaut, muss wie die heilige Familie offen sein auf die Gemeinschaft mit Gott.

Deswegen können wir in der Familie Demut und Selbstvertrauen lernen. Wenn wir wirklich die Gemeinschaft der Familie leben, dann findet jeder darin seinen Platz. Das bedeutet, dass jeder Demut übt, dass er sich nicht an den Platz des anderen stellen will, dass er sich nicht wichtigmachen will, dass er nicht immer Recht haben will, dass er auch demütig verzeihen und Verzeihung entgegennehmen kann. Wir können nur dann in der Familie leben, wenn wir auf unserem Platz sind und an unserem Platz unsere Pflicht erfüllen. Gleichzeitig gibt die Familie uns auch Selbstvertrauen, denn ohne die Familie wären wir nichts, ohne die Familie wären wir vielleicht nur ein kleines anonymes Rad im Gesamt eines kalten Staates. Weil wir aber in der Familie demütig unseren Platz einnehmen und ausfüllen können, werden wir gebraucht und haben ein Selbstvertrauen, das nicht leicht erschüttert werden kann, wenn wir als Einzelne uns in uns in die christliche Familie einbringen.

Das aber gibt uns auch jene emotionale Stabilität, die wir brauchen, um der Härte des Lebens zu bestehen. Erzieher junger Menschen können leicht feststellen, wenn jemand aus einer intakten Familie kommt. Was für ein großes Geschenk ist es nicht, eine gesunde, christliche Familie als Hintergrund zu haben? Ihr sicheres Gefüge, die ganze emotionale Stabilität, die die Einheit der Familie von Mutter, Vater und Kindern gibt, kann von dem weitergegeben werden, der sie selbst empfangen hat. Deswegen will der böse Feind die Familie zerstören, damit wir unsicher werden, damit wir Angst haben, damit wir selber keine Liebe geben können, weil wir sie nicht empfangen haben. Die Familie ist eine entscheidende Quelle der Liebe und Geborgenheit. Jeder, der durch eine gute christliche Familie gegangen ist, auch wenn Kreuz und Schwierigkeiten dort sicher nicht fehlen, kann leichter geben, was er empfangen hat, nämlich die Liebe, Geborgenheit und Sicherheit, deren Ort die Familie ist.

Dazu gibt es nur wenige Bedingungen, die wir alle leicht erfüllen können, damit unser Familienleben dem Leben der Heiligen Familie täglich mehr gleicht.

Zunächst einmal müssen wir uns vornehmen, miteinander Zeit zu verbringen. Gott hat uns die Zeit geschenkt, damit wir sie in der Familie auch den einzelnen Familienmitgliedern schenken. Wie wichtig ist es, wenn der Familienvater sich um seine Kinder kümmert, wie wichtig ist es, wenn Mutter und Vater nicht immer beschäftigt sind, sondern mit den Familienmitgliedern auch Zeit verbringen, wie wichtig ist es, dass die Kinder nicht aus dem Haus laufen, sondern wissen, dort sind Eltern, an die ich mich wenden kann, die Zeit mit mir verbringen und die mir zur Seite stehen. Dann werden sie auch gerne Zeit mit den Eltern zu verbringen wissen.

Das bedeutet auch, dass wir miteinander reden. Heute sitzen wir viel zu oft vor dem Fernseher, heute sind wir viel zu oft vom „Handy“ oder vom Computer völlig belegt. In der Familie herrscht dann ein ungutes Schweigen. Jeder starrt vor sich hin, aber man blickt sich nicht mehr an, man kennt die Sorgen und Nöte, die Vorlieben und Freuden, ja das Herz der anderen nicht. Reden wir miteinander! „Nur wer redet, dem kann auch geholfen werden“, sagt der Volksmund. Nur wer redet, der kann auch Verzeihung geben und erhalten; nur wer redet, der kann den anderen verstehen lernen und seine eigenen Sorgen und Freuden dem anderen mitteilen. Dass wir miteinander reden, dass wir am Tisch zusammen essen, dass wir Dinge gemeinsam tun, die uns die Gelegenheit geben, Familie zu sein und zu leben, ist entscheidend wichtig.

Vor allem aber ist es ganz besonders bedeutend, dass wir uns in einer grundsätzlichen Haltung ein Beispiel an der Heiligen Familie nehmen, die das Fundament all dessen ist, was wir jetzt gehört haben: Wir sollen gemeinsam beten! Das sollte sich nicht nur auf die Tischgebete beschränken, sondern meint, dass wir, wenn irgend möglich, jeden Tag wenigstens einen Moment zusammen beten, einen Augenblick innehalten, um Gott für die Familie zu danken und ihn darum zu bitten, unsere Familie zu segnen. Die Heilige Familie soll in unserer Mitte sein und wir sollen mit ihr eine Gebetsgemeinschaft bilden, damit wir auch gemeinsam als Familie am Sonntag zur Messe gehen können, damit wir dort dankbar den gegenwärtigen Gott loben und danken für all das, was er uns in der Familie geschenkt hat.

Wenn wir das tun, dann ist das Ideal der christlichen Familie, das jetzt hier skizzenhaft gezeichnet worden ist, keine Utopie mehr. Sicherlich gibt es in jeder Familie manchmal Streit, Auseinandersetzungen, Schwierigkeiten, Tod und vielleicht sogar Not. Aber wenn wir Gott in den Mittelpunkt stellen, wenn wir gemeinsam beten, wenn wir gemeinsam zur Messe gehen, wenn wir ein Glaubenszeugnis geben auch da, wo man es vielleicht nicht mehr hören will, dann beginnt die Familie zu wachsen. Dann haben wir auch die Kraft, miteinander zu sprechen und aneinander zu verzeihen. Dann wird es auch möglich, mehr Zeit miteinander zu verbringen, weil Gott in unserer Mitte ist. Dann werden unsere Familien zu dem, was die Heilige Familie im Innersten ist: Ein Abbild der Trinität, ein Abglanz jener innigen Liebesgemeinschaft Gottes, die in gewisser Weise eine ewige Familie bildet.

Gott selber ist Gemeinschaft, Gott selber hat Menschwerden wollen in einer Familie! Je mehr wir unsere Familien als christliche Familie begreifen, je mehr wir sie auf das Fundament stellen, das Gott ihr gegeben hat, je mehr wir gemeinsam beten, desto mehr werden unsere Familien zufrieden und glücklich sein. Dann werden wir uns gegen alle Angriffe auf die Familie wehren können und für unsere Familien wird gelten: „My home is my castle“, mein Heim ist meine Burg, die alles Böse abwehren kann. Hier ist Gott im Mittelpunkt! Mit Gott geht meine Familie im Gebet vereint auf jene Familie zu, die uns in der Ewigkeit erwartet: Maria, Josef und das Jesuskind! Amen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Predigt vom 31.12.2020, Heiliger Silvester

Kloster Maria Engelport

Predigt von Kanonikus Joseph du Port de Poncharra

31.12.2020

Heiliger Silvester

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Am Ende dieses Jahres möchten wir Dank sagen für alles, was wir Schönes und Gutes erlebt haben. Gleichzeitig möchten wir für das kommende Jahr beten. Dafür können wir ein Gebet der Prinzessin Elisabeth von Frankreich nutzen, die 1794 ermordet worden ist. Sie war eine der jüngsten Schwestern Königs Ludwig XVI. und wurde als Ordensfrau Märtyrerin. Es handelt sich um ihr tägliches Weihegebet, aber es kann für das ganze Jahr gelten:

„Was wird mir heute geschehen, oh mein Gott? Ich weiß es nicht! Alles was ich weiß, ist nur, dass mir nichts geschehen wird, was Du nicht von Ewigkeit her herausgesehen hättest. Dies genügt mir, oh mein Gott, um ruhig zu sein. Ich bete Deine ewigen Absichten an und unterwerfe mich Ihnen von ganzem Herzen. Ich will Alles, ich nehme Alles an, ich bringe Dir von Allem ein Opfer dar; ich vereinige dieses Opfer mit jenem deines vielgeliebten Sohnes, meines Erlösers, und bitte Dich vermöge seines heiligsten Herzens und seiner unendlichen Verdienste, um Geduld in meinem Leiden und um jene vollkommene Ergebung in deinem Willen für Alles, was Du möchtest oder erlaubst. Amen.“

Das erinnert uns daran nie zu vergessen, dass der Wille Gottes das Wichtigste auf der Welt und in der Ewigkeit ist, und dass wir uns nicht zu sehr darum sorgen müssen, was die Menschen von uns denken könnten, wenn die Mehrheit vielleicht nicht mehr gläubig ist. Was Gott von uns und von unseren Taten hält, ist viel wichtiger! Daher wollen wir immer dankbarer für die von uns empfangenen Gnaden sein und immer das Beste tun, was wir können, in der Gewissheit, dass Gott alles gut machen kann, wenn wir uns nur bemühen. Das heißt, dass wir Gott immer vertrauen sollen. Auch dafür gibt es ein wunderbares Gebet, und zwar vom heiligen Pater Claude de La Colombiere, dem geistlichen Begleiter der Heiligen Margarete Maria Alacoque, die in Paray-le-Monial das Heiligste Herz Jesu sehen durfte:

„Mein Gott ich glaube fest, dass Du über alle jene wachst, die auf dich hoffen und bin so fest davon überzeugt, dass dem gar nichts fehlen kann, der alles von Dir erwartet, dass ich mich entschlossen habe, künftig ohne jede Unruhe zu leben und alle meine Sorgen auf Dich zu werfen. Die Menschen können mich meiner Ehre und meiner Güter berauben; Krankheiten können mir meine Kräfte nehmen und die Mittel, Dir zu dienen; ich kann selbst durch die Sünde Deine Gnade verlieren; aber niemals werde ich meine Hoffnung verlieren; ich will sie bewahren bis zum letzten Augenblick meines Lebens und alle bösen Geister der Hölle werden alsdann vergebens versuchen, sie mir zu entreißen. Für mich, o Herr, ist der Grund meines Vertrauens mein Vertrauen selbst. Ich habe also die Gewissheit, ewig glücklich zu sein, weil ich fest hoffe, es zu werden und weil ich das von Dir von dir hoffe, o mein Gott! Und um meine Hoffnung bis auf das äußerste Maß auszudehnen, so hoffe ich Dich selbst von Dir selbst, oh mein Schöpfer, für Zeit und Ewigkeit.“

Das erinnert uns an den heiligen Paulus, der Abraham preist, weil er gegen jede Hoffnung weiter gehofft hat (Römer, 4, 18). Das heißt, dass Gott in jeder Lage der Geschichte immer gezeigt hat, dass Er über alle Sorgen und alle Epidemien, ja über alle Probleme der Welt Herr ist. Er, der einzige allmächtige Gott, ist die Lösung für alle Sorgen! Wir Menschen sollten Ihn immer um Hilfe bitten, anstatt uns von Ihm abzuwenden! Wenn wir im kommenden Jahr weiterhin vertrauensvoll beten, wenn wir weiterhin die Sakramente empfangen, wenn wir unsere Standespflichten mithilfe der Gnade des Heiligsten Herzens Jesu erfüllen, brauchen wir uns nie Sorgen zu machen und wir können immer vertrauen, dass Jesus uns helfen wird. Amen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen.

Predigt vom 6. Januar 2021, Fest der Erscheinung des Herrn

Kloster Maria Engelport

Predigt von Msgr. Prof. DDr. R. Michael Schmitz

6. Januar 2021, Fest der Erscheinung des Herrn

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Was haben die Heiligen Drei Könige mit unserer Zeit zu tun? Handelt es sich nicht viel mehr um eine fromme Legende, eine Ausschmückung der Heiligen Schrift, die uns zu Herzen geht, die uns aber eigentlich nichts mehr zu sagen hat? Ein solches Vorurteil entspricht nicht den exegetischen Tatsachen. Nicht nur die Häufigkeit von Sterndeutern in der Zeit Jesu, sondern auch viele andere Anzeichen weisen darauf hin, dass es sich hier ganz wie in der gesamten Erzählung der Kindheitsgeschichte unseres Herrn Jesus Christus um ein historisches Ereignis handelt. Dazu hat gerade einer unserer Priester, Kanonikus Gregoire de Guillebon, ein besonders tiefgehendes Buch geschrieben. Diese Tatsachen brauchen daher nicht das Thema unserer Predigt zu sein. Diese soll vielmehr zeigen, dass die Heiligen Drei Könige uns eine ganz konkrete Botschaft für unsere Zeit bringen können. Eine Botschaft, die uns allen heute täglich nützlicher sein kann, nämlich die Botschaft über die Art und Weise, wie man mit Herodes umgeht. Wie ist es mit der weltlichen Gewalt? Wie ist es mit der Autorität, der wir begegnen? Wie sollen wir uns verhalten?

Die Heiligen Drei Könige, die vom Stern geleitet von weit her nach Jerusalem kamen, haben zunächst einmal Erkundigungen eingezogen, ob jemand von dem neugeborenen König gehört habe. Diese Erkundigungen kommen zu Ohren dessen, den die Kirche in der Liturgie mit Recht crudelis Herodes, den grausamen Herodes, nennt. Daraufhin lässt er heimlich die Magier, die Könige, die Sterndeuter zu sich kommen. Was tun diese? Sie entziehen sich dem Ruf der staatlichen Autorität nicht. Sie gehen an den Hof des Herodes, denn sie wissen aus dem Naturrecht, was der heilige Paulus lehrt: „Es gibt keine Obrigkeit außer von Gott.“ (Römer 13, 1). Die Könige gehen also, weil sie gerufen sind. Nicht nur das: Sie gehen und bedienen sich der Hilfe der Autorität, denn mittlerweile hatte Herodes selbst Erkundigungen eingezogen und wusste, dass vorausgesagt war, der Messias würde in Betlehem geboren werden.

So gehen sie auch auf den Hinweis des Herodes, auf den Hinweis der Autorität hin nach Betlehem. Dort aber finden sie zunächst die klare Bestätigung Gottes. Sie finden den Stern, der ihnen wieder leuchtet, der ihnen den Weg zeigt und sie zur Krippe führt. Sie haben sich dazu des Hinweises der bis dahin noch legitimen Autorität bedient. Sie haben eine Bestätigung dieser Autorität insofern erhalten, als auch Gott ihnen zeigt: „Ja, Betlehem ist die Geburtsstätte dessen, den Ihr sucht.“

Als sie das Jesuskind aber finden, berührt sie unmittelbar jene größere Autorität, der wir uns alle unterwerfen müssen. Sie begegnen der Autorität Gottes. Sie gewinnen den Glauben, sie fallen in die Knie und beten den neugeborenen König der Welt an. In dieser Anbetung, zu der wir alle eingeladen sind, in dieser Geste der Demut vor dem allmächtigen Gott erhalten sie nicht nur die Fülle des Glaubens an das Geheimnis der Menschwerdung, sondern sie erhalten auch höhere Einsicht und größere Weisheit. Dann wissen sie, wer Herodes wirklich ist: Sie begreifen plötzlich, wie sie sich der ungerechten Autorität gegenüber verhalten müssen, die ihre Legitimität verloren hat. Sie gehen auf einem anderen Weg in Ihr Land zurück. Sie folgen nicht dem Gebot des Herodes, sondern sie folgen der Klugheit und Weisheit, die von oben kommt.

Der Maßstab ihres Handelns ist nicht mehr die menschliche Autorität, weil die menschliche Autorität durch ihre Grausamkeit und Ungerechtigkeit ihre rechtmäßige Gewalt verspielt hatte. Ihr Maßstab ist die Autorität Gottes. Daher gehen auf einem anderen Weg in ihre Heimat zurück. Sie folgen hier mit weiser Klugheit der Maxime, die der Herr selbst später in den bekannten Ausspruch fassen sollte: „Seid klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben“ (Matthäus 10, 16). Sie greifen nicht sinnlos die ungerechte Autorität an, die sie hätte zerstören können, sondern mit Klugheit und Weisheit, die aus dem Glauben kommt, umgehen sie diese falsche Autorität und folgen dem Hinweis Gottes.

In der langen Geschichte der Kirche haben nicht nur die Heiligen Drei Könige so gehandelt, sondern viele Heilige, viele Bekenner und sogar viele Märtyrer, die sich bis zum Schluss dem ungerechten Zugriff der Autorität haben entziehen können, weil sie sich dem weisen Urteil Gottes unterworfen haben. Sicher, wenn es dann dazu kommt, dass man sein Leben geben muss, um den Glauben zu bekennen, dann wird sich der, der den Maßstab seines Lebens aus dem Glauben nimmt, dem nicht feige entziehen. Doch bis dahin gibt es viele Wege, die Gott uns weisen wird, im Vertrauen auf den Stern Gottes, der uns durch den Glauben hell voranleuchtet, Wege zu finden, unser christliches Leben auch dann zu leben, wenn eine ungerechte Autorität von außen versucht, dieses christliche Leben zu unterdrücken oder uns selbst Schwierigkeiten zu bereiten. Wir dürfen mit den Heiligen Drei Königen den Stern Gottes, den Glauben, nicht aus den Augen verlieren. Der Glaube nämlich ist der eigentliche Maßstab des christlichen Lebens!

Gott ist auch der Maßstab, an dem sich alle Autorität messen muss. Ja, alle Autorität kommt von Gott, wie der heilige Paulus sagt, aber nur dann und nur solange, als sie dem Gesetz Gottes folgt. Wenn wir merken, dass dieser große Maßstab, dass der Stern Gottes, der die Autorität führen soll, verdunkelt wird, dann müssen wir wie die Drei Könige handeln und auf einem anderen Weg Gott dienen, auf dem Weg nämlich, den uns der Glaube vorschreibt. Das ist die Botschaft, die wir von den Heiligen Drei Königen lernen können, das ist die Botschaft, die aus der Krippe heraustönt, das ist die Botschaft, die wir von der göttlichen Weisheit erhalten, wenn wir anbeten und uns demütig vor Gott niederwerfen. Dann verlieren wir nie den Stern, dann verlieren wir nie den Maßstab des Glaubens. Der Glaube wird uns den richtigen Weg zeigen, einen Weg an allen Schwierigkeiten vorbei oder durch sie hindurch: Den Weg, unseren Glauben zu bewahren, den Weg, unsere Seele zu retten und den Weg, mit den Heiligen Drei Königen schließlich jene Heimat zu finden, wo wir für immer das Jesuskind anbeten können! Amen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Predigt zur Christmette Anno Domini 2020

Kloster Maria Engelport

Predigt von Msgr. Prof. DDr. R. Michael Schmitz

Generalvikar im Institut Christus König

24. Dezember 2020

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

„Deus homo, ut homo deus“- Gott ist Mensch geworden, damit der Mensch vergöttlicht werden kann: Das Geheimnis dieser Nacht ist ein göttliches Geheimnis. Große Heilige, wie etwa Papst Leo der Große und Papst Gregor der Große, sind in Zeiten der Gefahr, des Hunneneinfalls und der Pest, nicht müde geworden, das Weihnachtsgeheimnis zu preisen, jenen wunderbaren Tausch zwischen Gottheit und Menschheit. Wie konnten sie das Wirken des Weihnachtsgeheimnisses in schwerer Zeit verkünden? Was hat der Glanz der Heiligen Nacht mit unserer Not zu tun?

Gott wirkt auf ganz eigener Weise. Er wirkt so, dass wir auch dann, wenn wir in Not geraten, an sein Wirken glauben können. Wir sehen das ganz besonders am Weihnachtsgeheimnis der Menschwerdung. Dieses Geheimnis offenbart sich in drei Momenten, die uns erkennen lassen, wie Gott mit seinem Geheimnis auch in der Not mitten unter uns gegenwärtig ist.

Zunächst wirkt Gott im Verborgenen. Er hat die Menschwerdung nicht den Regierenden der Zeit Jesu angekündigt. Er ist nicht den Fürsten erschienen, auch nicht den Reichen und Einflussreichen. Er hat seinen Engel in die Verborgenheit eines kleinen, abseits der großen Welt gelegenen Hauses in Nazareth gesandt, zu einer Jungfrau, die niemand kannte. Er ist hinein gekommen in die Stille eines Lebens, das nicht damit gerechnet hatte, einmal von der Kraft des Allmächtigen Gottes überschattet zu werden. Gott hat entschieden, dass Er nicht in geschichtlichen Schlagzeilen wirkt, sondern im Verborgenen. Wenn niemand es erwartet, wenn die Welt glaubt, Er würde nicht wirken, dann wirkt Er doch. Er ist im Kleinen gegenwärtig, denn Er braucht nicht das Große um wirken zu können. Er selbst ist der Große und Er wirkt im Verborgenen.

Sodann ist Er in dieser Heiligen Nacht geboren worden, wie wir aus der Schrift erfahren, „media nocte“- mitten in der Nacht. Dazu hat Ihn neun Monate lang hat die Nacht des Mutterschoßes umfangen: Er ist aus dieser Dunkelheit hinausgegangen in die Dunkelheit der Welt. Er wurde geboren mitten in die Nacht hinein, in die Nacht unserer Sünde, in die Nacht unserer Schwierigkeiten, die Nacht unserer Ängste. Er hat sich vor dem Dunkeln nicht gescheut. Gottes Geheimnis ist größer als das Dunkel und kann deswegen in das Dunkel eindringen, kann im Dunkeln wirken, kann dort wirken, wo andere sich schon abgewandt haben, wo alle sich falschen Lichtern zuwenden, wo alle denken, dass Gott aufgegeben hat, weil Er die Nacht angeblich nicht durchdringen kann. Doch Gottes Plan und Gottes Macht ist stärker: Nichts ist so dunkel, nichts ist so schwer, nichts ist so undurchdringlich, dass Er nicht seine Macht darin wirklich zum Leuchten bringen könnte: Mitten in der Nacht leuchtet Sein Licht, mitten in der Nacht ist er sichtbar Mensch geworden.

Schließlich erscheint Er in seiner ganzen überzeitlichen Größe, als die Heiligen drei Könige von weit her angereist kommen, um Ihn anzubeten. Er erscheint, aber Er erscheint, wie Er schon geboren wurde, unter Schwierigkeiten. Wenn wir das Geheimnis Gottes erkennen wollen, wenn wir das Geheimnis Gottes in unser Leben eindringen lassen wollen, dann müssen wir mit Schwierigkeiten rechnen. Nicht nur Joseph und Maria hatten Schwierigkeiten einen Ort zu finden, wo die sichtbare Menschwerdung stattfinden konnte, sondern auch die Könige hatten Schwierigkeiten. So sehr, dass sie glaubten den Stern verloren zu haben, so sehr, dass sie fast den König der Welt in die Hände von Räubern und Mördern überliefert hätten, so sehr, dass, wie die Legende uns sagt, einer der Könige sich so verlaufen hat, dass er erst ankam, als der König der Herrlichkeit für unser Heil am Kreuze starb. Wir dürfen also nicht glauben, dass das Geheimnis Gottes in diese Welt ohne Schwierigkeiten kommt, dass wir ohne Schwierigkeiten Christ sein können. Bethlehem und der Kalvarienberg gehören im Plane Gottes zusammen! Gott wirkt auch in den Schwierigkeiten unseres Lebens, mit denen Er uns oft genug zu Ihm zurückführt. Er wirkt dann, wenn wir leiden müssen. Er wirkt auch dann, wenn andere leiden müssen, weil Er Ihnen zur Seite steht, denn sonst könnten sie das Leiden nicht tragen. Gott ist immer gegenwärtig, nicht nur wenn die Sonne scheint, sondern auch dann, wenn das Leben uns einen Streich spielt, wenn wir von den Anderen verlassen werden, wenn sonst niemand bei uns ist als die Allernächsten, dann wirkt das Geheimnis Gottes.

Deswegen dürfen wir in dieser Nacht den Engeln glauben, wenn sie den Hirten sagen „nolite timere“, habt keine Angst. Begreifen wir: Alle diejenigen, die das Geheimnis Gottes erkannt haben, sind durch eine schwere Schule gegangen, eine Schule, die sie demütig gemacht hat. Maria, die demütige Magd in der Verborgenheit; die heilige Familie, die mitten in Dunkelheit der Nacht heimatlos war und sich Herberge bettelnd demütigen musste; die großen Könige und Seher, die von weit herkamen und den Weg nur mit Schwierigkeiten gefunden haben, die sich klein machen mussten, um das Geheimnis Gottes zu erkennen. Alles das sind Demütige, die gelernt haben, dass Gott im Verborgenen, in der Dunkelheit, in Schwierigkeiten weiterwirkt und uns rettet.

Werden wir in dieser Nacht vor dem großen Geheimnis Gottes demütig, ganz klein, ganz bewusst unserer Sündhaftigkeit, ganz bewusst der Tatsache, dass wir alle der Hilfe bedürfen und dass diese Hilfe im Letzten nicht von den Menschen kommt, sondern von Gott, von seinem Geheimnis. Durch seine Menschwerdung sind wir alle erlöst und nicht durch die Welt. Das ist das große Geheimnis dieser Nacht. Die Demut macht uns anbeten, die Demut macht uns niederknien, die Demut macht uns klein, um dem Jesuskind in der Krippe in die Augen schauen zu können.

Dann aber erkennen wir das Geheimnis Gottes, dann brauchen wir keine Angst mehr zu haben. Wenn in der Welt die Großen und Mächtigen Angst haben, dann wissen wir es besser, denn der Herr ist Mensch geworden. Er ist ein Kind in der Krippe, Er öffnet seine Arme, weil wir arm sind und Er rettet uns. Glauben wir also den Worten des Himmels und hoffen wir im Glauben, in der Anbetung des Jesuskindes, dass der Himmel uns zur Seite steht. Dann werden wir in Verborgenheit, Dunkel und Schwierigkeiten nicht verzagen, sondern mit Seiner Gnade uns auch gegenseitig unterstützen und Mut machen mit dem himmlischen Ruf „nolite timere“- fürchtet euch nicht! Amen.

Predigt zum Dritten Adventssonntag Gaudete

Kloster Maria Engelport

Predigt von Msgr. Prof. DDr. R. Michael Schmitz

13. Dezember 2020

Dritter Adventssonntag Gaudete

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

„Tu dir etwas Gutes, nur für dich selbst.“ Dieser dumme Werbeslogan enthält einen inneren Widerspruch. Man kann nämlich sich selbst gar nichts Gutes tun, wenn es ausschließlich und nur für uns selbst ist. Egoismus ist nie etwas Gutes. Der Mensch ist nicht geschaffen, um alleine zu sein. Wir sind nicht auf uns selbst konzentriert, sondern Gott hat uns so gemacht, dass wir auf die Gemeinschaft hin offen sind. Das wahre Glück, die wahre Zufriedenheit, die wirkliche innere Freude entsteht nur, wenn sie unsere Seele, wenn sie unser ganzes Menschsein auf die Gemeinschaft hin öffnet.

Deswegen heißt es schon zu Beginn: „Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine sei“. „Nach seinem Bild schuf er sie und er schuf sie als Mann und Frau“. (Genesis 1, 27-28). Gott hat uns in diese Welt gestellt als animal sociale – als Gemeinschaftswesen. Wir sind nicht nur für uns selber da, sondern wir sind immer auch für andere da. Wahre Freude ist immer gemeinsam.

Nur die Hingabe an Andere bringt uns die wahre Freude im Herrn, von der es heute heißt, dass wir uns immer ihrer erfreuen sollen: Gaudete in Domino semper, iterum dico gaudete (Philipper 4, 4). Das zeigt sich von Anbeginn unserer Existenz. Wir brauchen die Familie, wir brauchen eine häusliche Umgebung, wir brauchen Freunde, wir brauchen, wenn es unsere Berufung ist, eine Ehe oder eine geistliche Gemeinschaft. Wir brauchen das Zusammensein mit anderen, wo wir uns anderen schenken können, wo wir aber auch empfangen und durch das unsere Freude wächst.

Ebenso so ist es in der größeren Gemeinschaft des Staates. Jeder von uns gibt seinen Teil zum gerechten christlichen Staat hinzu. Wir empfangen von ihm die Ordnung und die Sicherheit, die wir brauchen und die wir alleine nicht schaffen könnten. Wenn wir alleine wären, würden wir auch im weltlichen Bereich einer ständigen Unsicherheit leben. Wenn wir uns nur alleine Gesetze geben würden, dann würden wir unserem eigenen Egoismus dienen, denn wenn wir nicht auf das Große und Ganze schauen, dann vereinzeln und vereinsamen wir.

Das gilt ebenso für die Kirche, denn wir verehren Gott nicht alleine. Christus hat die Kirche, diese übernatürliche, in sich perfekte Gemeinschaft schaffen wollen, damit wir durch ihre Heilsmittel gemeinsam das Heil erlangen. Wir beten gemeinsam, wir wohnen gemeinsam dem Heiligen Opfer bei. Auch Christus hat beim ersten Heiligen Opfer seine Apostel um sich versammelt als ein Abbild jeder größeren Gemeinschaft, für die wir alle geschaffen sind, nämlich die Gemeinschaft der Freundschaft mit Gott.

All diese Dinge nämlich, die Familie, der Freundeskreis, der Staat, die Kirche haben nur dann einen Sinn und bringen nur dann Freude, wenn sie wirklich auf die höhere Gemeinschaft ausgerichtet sind, auf die Gottesfreundschaft, die Christus uns schenkt, indem er uns zu Kindern des Vaters macht. Immer müssen wir durch das rein Menschliche hindurchsehen. Wir müssen uns vor allen Dingen von unserem Egoismus lösen. Nur so können wir in der Familie das Abbild der Heiligen Familie sehen und in der Freundschaft das Abbild der Freundschaft Jesu und Johannes. Nur so können wir in der Gemeinschaft des Staates die Ordnung Gottes wiedererkennen und sie durchsetzen. Nur so erscheint die Gemeinschaft der Kirche uns als die Entsprechung der großen Gemeinschaft des Himmels, in der die Engel und die Heiligen gemeinsam Gott eine ewige und wunderbare Freude darbringen, die von seiner Gnaden in ihrem Inneren kommt.

Weil das so ist, will der böse Feind uns vereinzeln. Er gleicht einem Rudel Wölfe oder Löwen, das jagt und das das Tier, das es reißen will, von der Herde trennt. Wir sind selbstverständlich keine Herdentiere, wir sollen als Christen nicht einfach tun was die Masse tut, aber wir müssen im Schafstall Gottes bleiben. Wir sollen in der Herde Jesu Christi bleiben. Wenn wir merken, dass der Teufel uns durch Starrsinnigkeit, durch Misstrauen, durch Angst, durch Sünde, durch all Versuchungen der Vereinzelung, die er seit alters her anwendet, um uns einsam zu machen, von der Herde abwenden will, dann müssen wir auf der Hut sein. Wir dürfen uns nicht von der Herde Christi abwenden lassen, weil dann unsere Freude zerstört ist. Das nämlich will der Teufel tun: Er will unsere Freude zerstören!

Wir sehen es in unserer Gesellschaft, wir sehen es bei so vielen Zeitgenossen, die sich von der Herde Christi abgewandt haben. Sind sie froher geworden? Sind sie glücklicher geworden? Sind sie zufriedener geworden? Im Gegenteil. Angst, Einsamkeit und vor allen Dingen die Sünde hat sie im Griff bekommen. Sie sitzen oft genug zuhause nur noch vor Fernseher oder Computer, sie sehen keinen anderen mehr und sie sind nicht selten so vereinzelt, dass sie sich gar nicht mehr miteinander unterhalten können, weil sie immer nur auf ihr Handy blicken. Das alles ist der Plan der Vereinzelung, dem Gott und die Gemeinschaft der Kirche entgegenstehen.

Öffnen wir uns daher der Gemeinschaft, wenn wir merken, dass wir aus der Herde ausgesondert werden sollen, die Christus zu unserem Heil gegründet hat. Versuchen wir gegen die teuflische Vereinsamung und den kalten Individualismus mit den Waffen Jesu Christi zu kämpfen, um uns in die Gemeinschaft Gottes zu retten. Versöhnung, Verzeihung, Neuanfang, Barmherzigkeit, Bekehrung, Umkehr, Frieden, und vor allem auch die heilige Beichte sind Mittel, die Christus uns an die Hand gegeben hat, um uns wieder zur Gemeinschaft zurückzubringen. Jede Ehe ist schwierig, jede Familie hat Kreuze zu tragen, jede geistliche Gemeinschaft ist immer wieder von den Schwierigkeiten des täglichen Lebens bedroht, jede Freundschaft ist in Gefahr, wenn sie Christus dient, jedes Staatswesen und auch die Kirche sind bedroht, weil der Teufel die Gemeinschaft Gottes hasst. Deswegen wollen wir dem Aufruf des Apostels Paulus folgen: „Gaudete in Domino semper, iterum dico gaudete“.

Freut euch! Freut euch an der Freundschaft Gottes! Freut euch an der Familie! Freut euch an der Gabe der Ehe! Freut euch an der geistigen Gemeinschaft! Freut euch an der Gemeinschaft der Kirche! Freuen wir uns, trotz der Kreuze und Leiden, die das unweigerlich mit sich bringt, an der Gottesgemeinschaft, damit der Teufel uns nicht in die Einsamkeit treibt, damit er uns nicht zu Opfern eures Egoismus werden lässt, sondern damit unsere Herzen sich weit öffnen für die Freude und Herrlichkeit Christi! Um uns daran zu erinnern lässt uns am heutigen Sonntag Gaudete die Kirche bereits die weihnachtliche Freude vorhersehen. Wir sehen an den rosa Messgewändern der Priester, dass sich das Dunkel erhellt: Christus, der Gemeinschaftsstifter, steht vor der Tür!

Wir sehen, dass der Teufel sein Spiel ausgespielt hat. Wir sehen, dass auch wenn wir versucht werden, uns die Hoffnung niemals verlässt, denn wir sind nicht alleine. Wir sind nicht alleine in der Familie, wir sind nicht alleine im Staat, wir sind nicht alleine in der Kirche. Es gibt die Gemeinschaft der Wohlmeinenden, die sich von der dumpfen Masse absondert, die Gemeinschaft der Gläubigen, die Gemeinschaft der Heiligen! Diese Gemeinschaft kann der Teufel nicht zerstören, denn sie ist auf dem Handeln und Tun des ewigen Hohepriesters Christus gegründet, der uns für immer die Freude gebracht hat. Wenn wir an dieser Gemeinschaft im Glauben festhalten, dann kann der Teufel, der Zerstörer der Freude, kann uns nichts anhaben. Mag uns auch die Traurigkeit der Zeit manchmal in dunkle Stunden bringen, wir wissen, dass die Freude der Herrlichkeit Gottes immer siegt, denn Christus ist Sieger, König und Herr in Ewigkeit. Amen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Die Rechte der Eltern als hauptsächliche Erzieher ihrer Kinder

Die Rechte der Eltern als hauptsächliche Erzieher ihrer Kinder und ihre Pflicht zum Widerstand gegen Lehrpläne, die im Widerspruch zur christlichen Moral stehen

Vortrag von Raymond Leo Kardinal Burke

VOICE OF THE FAMILY
Virtuelle Konferenz
September 2020

            Es ist mir eine große Freude, Voice of the Family in ihrer großartigen Arbeit der Verbreitung und Förderung der wahren Lehre und Disziplin der Kirche über die Ehe und deren  wunderbare Frucht, die Familie, zu unterstützen. Insbesondere ist es mir ein Anliegen,  das kritische Thema der Erziehung anzusprechen, das die wesentliche Mission der Familie und ein grundlegender Ausdruck unserer Kultur ist.

            Niemand, der aufmerksam die Entwicklungen in unserer Gesellschaft verfolgt, kann sich der Erkenntnis entziehen, dass das Bildungs- und Erziehungswesen heutzutage heftigen Angriffen ausgesetzt ist.  Sowohl im Bildungswesen als auch im Recht – beides grundlegende Ausdrucksformen unserer Kultur – erleben wir die Abkehr vom Verständnis der menschlichen Natur und vom Gewissen, durch das Gott uns gerufen hat, die Wahrheit der Natur zu respektieren und in reiner und selbstloser Liebe in Übereinstimmung mit dieser Wahrheit zu leben.

            Der heilige Paulus erklärte in seinem Brief an die Epheser unter Bezugnahme auf die Entfremdung des Menschen von Gott und damit von der Welt:

Jetzt aber seid ihr, die ihr einst in der Ferne wart, durch Christus Jesus, nämlich durch sein Blut, in die Nähe gekommen. Denn er ist unser Friede. Er vereinigte die beiden Teile (Juden und Heiden) und riss durch sein Sterben die trennende Wand der Feindschaft nieder. Er hob das Gesetz samt seinen Geboten und Forderungen auf, um die zwei in seiner Person zu dem einen neuen Menschen zu machen. Er stiftete Frieden und versöhnte die beiden durch das Kreuz mit Gott in einem einzigen Leib. Er hat in seiner Person die Feindschaft getötet. Er kam und verkündete den Frieden: euch, den Fernen, und uns, den Nahen. Durch ihn haben wir beide in dem einen Geist Zugang zum Vater. Ihr seid also jetzt nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes. Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Schlussstein ist Christus Jesus selbst. Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn. Durch ihn werdet auch ihr im Geist zu einer Wohnung Gottes erbaut.[1]

Christus allein kann unser Verständnis öffnen und unser Herz dazu ermutigen, die Wahrheit anzunehmen und sie in Liebe zu leben. Pädagogen, die mit den Eltern zusammenarbeiten, führen daher die Kinder dazu, Christus kennenzulernen und ihm in allen Dingen zu folgen, und weisen ihnen so den Weg zum Frieden, der das Verlangen jedes menschlichen Herzens ist. Erziehung, sowohl zu Hause als auch in der Schule, öffnet dem Kind die Augen für das Geheimnis der Liebe Gottes zu uns, der seinen eingeborenen Sohn in Menschengestalt zu uns und seinen Heiligen Geist, die große Frucht der Erlösenden Inkarnation, in unsere Seelen gesandt hat.

            Eltern, die sich in der Vergangenheit darauf verlassen konnten, dass ihre Kinder in den Schulen zu wahren Bürgern des Himmels und der Erde, zu guten Mitgliedern der Kirche und guten Mitgliedern der Zivilgesellschaft erzogen wurden, müssen nun wahrhaben, dass manche Schulen nur mehr Orte der Indoktrination mit atheistischem Materialismus und dem damit verbundenen Relativismus sind. Tatsächlich versuchen solche Schulen, die zu Hause erhaltene Erziehung in Bezug auf die grundlegendsten Wahrheiten aktiv zu zerstören: die Wahrheit über die unantastbare Würde des unschuldigen menschlichen Lebens, die Integrität der menschlichen Sexualität und der Ehe und die Unersetzbarkeit der Beziehung des Menschen zu Gott oder der heiligen Religion. Wenn Eltern zu Recht versuchen, ihre Kinder vor einer solchen nihilistischen Ideologie zu schützen, versuchen diese Schulen immer häufiger, den Kindern die Indoktrination mit totalitären Methoden aufzuzwingen.

            Unglücklicherweise fühlen sich einige katholische Schulen aus verschiedenen Gründen bemüßigt, die Situation in nichtkatholischen Schulen nachzuahmen, indem sie die Ideologie gegen das Leben, gegen die Familie und gegen die Religion mittragen, die das heutige Bildungswesen im Allgemeinen kennzeichnet – eine schlimme Situation, da Eltern, die ihre Kinder auf eine katholische Schule schicken, darauf vertrauen, dass diese Schule wirklich katholisch sein wird, obwohl sie es tatsächlich nicht mehr ist. Dass solche Schulen immer noch unter der Bezeichnung „katholisch“ geführt werden, stellt ein großes Unrecht gegenüber den Familien dar.

            Der bedauernswerten kulturellen Situation, in der wir uns befinden, liegt der Verlust des Sinns für Natur und Gewissen zugrunde. Papst Benedikt XVI. hat diesen Verlust im Zusammenhang mit den Grundlagen der Rechtsordnung während seines Pastoralbesuchs in Deutschland im September 2011 in seiner Rede vor dem Bundestag angesprochen. Unter Bezugnahme auf die Geschichte der Thronbesteigung des jungen Königs Salomo erinnerte er die politischen Führer an die Lehre der Heiligen Schrift über die Arbeit der Politiker. Gott fragte König Salomo, welche Bitte er zu Beginn seiner Regierungszeit über Gottes heiliges Volk stellen wolle. Der Heilige Vater kommentierte dazu:

Was wird sich der junge Herrscher in diesem Augenblick erbitten? Erfolg – Reichtum – langes Leben – Vernictung der Feinde? Nicht um diese Dinge bittet er. Er bittet: „Verleih deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht“ (1 Kön 3,9).[2]

Wie Papst Benedikt XVI. bemerkte, lehrt die Geschichte von König Salomo, was das Ziel der politischen Aktivität und damit der Regierung sein muss. Er erklärte: „Politik muss Mühen um Gerechtigkeit sein und so die Grundvoraussetzung für Frieden schaffen.… Dem Recht zu dienen und der Herrschaft des Unrechts zu wehren ist und bleibt die grundlegende Aufgabe des Politikers“.[3]

            Papst Benedikt XVI stellte dann die Frage, wie wir das Gute und Rechte, das die politische Ordnung und insbesondere das Gesetz schützen und fördern sollen, erkennen können. Während er anerkannte, dass in vielen Angelegenheiten „kann die Mehrheit ein genügendes Kriterium sein“,[4] betonte er auch, dass ein solches Prinzip „in den Grundfragen des Rechts, in denen es um die Würde des Menschen und der Menschheit geht“.[5] In Bezug auf die Grundlagen des Lebens der Gesellschaft muss das positive Zivilrecht „Natur und Vernunft als die wahren Rechtsquellen“[6] respektieren. Mit anderen Worten muss es auf das natürliche Sittengesetz zurückgegriffen werden, das Gott jedem menschlichen Herzen eingeschrieben hat. Ich denke an meine eigene Heimat, die Vereinigten Staaten von Amerika, in der der Oberste Gerichtshof der Nation es auf sich genommen hat, den Beginn des menschlichen Lebens, die Partnerschaft der Ehe und die menschliche Sexualität selbst nach materialistischen und relativistischen, sentimentalen Überlegungen zu definieren, unter Missachtung des Gesetzes, das Gott auf das menschliche Herz geschrieben hat.[7]

            Was Papst Benedikt XVI. in Bezug auf die Grundlagen des Rechts in Natur und Gewissen sagte, weist auf die grundlegende Arbeit in der Erziehung hin, die darauf abzielen muss, bei den Schülern ein „hörendes Herz“ zu fördern, das danach strebt, das Gesetz Gottes zu kennen und diesem durch ein auf Entwicklung der Tugenden gerichtetes Leben Respekt zu erweisen. Wahre Erziehung zielt darauf ab, die menschliche Person „zur vollen menschlichen und christlichen Reife“[8] zu bringen. Ich möchte hier dazu nur sagen, dass die Eltern wachsam sein müssen, um sicherzustellen, dass die schulische Erziehung ihrer Kinder mit der christlichen Erziehung und der Erziehung zu Hause übereinstimmt. So wie die Familie für die Transformation der Kultur von wesentlicher Bedeutung ist, so ist auch die Bildung aufgrund ihrer intrinsischen Verbindung mit dem Wachstum und der Entwicklung des Kindes von wesentlicher Bedeutung.

            Die Anti-Lebens-, Anti-Familien- und Anti-Religions-Agenda unserer Zeit wird mit enormer Energie vorangetrieben; sie verdankt ihren Erfolg nicht zuletzt der mangelnden Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und der selektiven Information durch die Medien. Die allgegenwärtigen Massenmedien, die der mächtige Motor hinter dieser Agenda sind, verwirren und korrumpieren Geist und Herz und trüben das Gewissen der Menschen für das Gesetz, das Gott der Natur und jedem menschlichen Herzen eingeschrieben hat. In seiner Enzyklika über das Evangelium des Lebens, Evangelium Vitae, erklärte Papst Johannes Paul II :

Es bedarf dringend einer allgemeinen Mobilisierung der Gewissenund einer gemeinsamen sittlichen Anstrengungum einegroße Strategie zu Gunsten des Lebens in die Tat umzusetzen. Wir müssen alle zusammen eine neue Kultur des Lebens aufbauen:neu, weil sie in der Lage sein muß, die heute neu anstehenden Probleme in Bezug auf das Leben des Menschen aufzugreifen und zu lösen; neu, weil sie eben mit stärkerer und tätiger Überzeugung von seiten aller Christen aufgebaut werden muß; neu, weil sie in der Lage sein muß, zu einer ernsthaften und mutigen kulturellen Gegenüberstellung mit allen anzuregen. Die Dringlichkeit dieser kulturellen Wende hängt mit der historischen Situation zusammen, in der wir uns befinden, aber sie wurzelt vor allem im Evangelisierungsauftrag, der wesenhaft zur Kirche gehört. Denn das Evangelium hat zum Ziel, „die Menschheit von innen her umzuwandeln, sie zu erneuern“; es ist wie die Hefe, die den ganzen Teig durchsäuert (vgl. Mt 13, 33), und als solches dazu bestimmt, alle Kulturen zu durchdringen und sie von innen her zu beleben, damit sie die ganze Wahrheit über den Menschen und über sein Leben zum Ausdruck bringen.[9]

Was Papst Johannes Paul II über die Mobilisierung der Gewissen in Bezug auf die Unverletzlichkeit unschuldigen menschlichen Lebens sagte, gilt sicherlich ebenso und ebenso stark für die Mobilisierung der Gewissen in Bezug auf die Integrität der Ehe und des Familienlebens sowie in Bezug auf die unersetzliche Beziehung zu Gott, die heilige Religion.

            Papst Johannes Paul II betonte, dass solche Bemühungen mit der „Erneuerung  der Kultur des Lebens innerhalb der christlichen Gemeinschaften selbst[10] beginnen müssen. Die Kirche selbst ist gefordert, sich mit der Situation so vieler ihrer Mitglieder zu beschäftigen, die zwar in kirchlichen Organisationen und Projekten aktiv tätig sind, die jedoch „auf eine Art Trennung zwischen dem christlichen Glauben und seinen sittlichen Forderungen in bezug auf das Leben [verfallen], was schließlich zum moralischen Subjektivismus und zu manchen unannehmbaren Verhaltensweisen führt“.[11] Diese Trennung von Glauben und Praxis hat besonders verheerende Auswirkungen auf das Bildungswesen. Das Kind, das gelernt hat, ein „hörendes Herz“ zu haben, das auf die Stimme seines Gewissens und auf Gottes in sein Herz geschriebenes Gesetz zu hören gewöhnt ist, wird genau von denen korrumpiert, denen man es zu vertrauen gelehrt hat. Man denke nur an die Korruption, die durch eine durchgehend verfehlte Erziehung zur menschlichen Sexualität bewirkt wird. Eltern können nicht aufmerksam genug auf die Ausbildung ihrer Kinder achten, um zu verhindern, dass diese im Rahmen ihrer schulischen „Erziehung“ solchen Einflüssen ausgesetzt werden.

            Eine katholische Erziehung für Kinder und Jugendliche ist eine vollständige Erziehung, die die Entwicklung der Vernunft durch kompetente Vermittlung von Wissen und Fertigkeiten im Kontext des Glaubens zum Gegenstand hat; dies wird durch das Studium des Wortes Gottes und seines Plans für uns und unsere Welt, den er uns geoffenbart hat, erreicht. In seiner Enzyklika Divini Illius Magistri beschrieb Papst Pius XI eine katholische oder christliche Erziehung mit folgenden Worten:

Eigentliches und unmittelbares Ziel der christlichen Erziehung ist die Mitwirkung mit der Gnade Gottes bei der Bildung des wahren und vollkommenen Christen: das heißt Christi selbst in den durch die Taufe Wiedergeborenen, entsprechend dem anschaulichen Ausdruck des Apostels: „Meine Kindlein, für die ich abermals Geburtswehen leide, bis Christus in euch gestaltet ist.“ Der wahre Christ muss ja das übernatürliche Leben in Christus leben: „Christus, euer Leben“, und es in seinem ganzen Tun offenbaren: „damit auch das Leben Jesu in unserem sterblichen Fleische offenbar werde“.

Deshalb umfaßt gerade die christliche Erziehung den ganzen Bereich des menschlichen Lebens, des sinnlichen und übersinnlichen, des geistigen und sittlichen, des Lebens des Einzelnen, der Familie und der Gemeinschaft, nicht um es irgendwie einzuengen, sondern um es zu erheben, zu ordnen und zu vervollkommnen nach dem Beispiel und der Lehre Christi.

Der wahre Christ, die Frucht der christlichen Erziehung, ist also der übernatürliche Mensch, der ständig und folgerichtig nach der vom übernatürlichen Licht des Beispiels und der Lehre Christi erleuchteten gesunden Vernunft denkt, urteilt und handelt; oder, um es mit dem heute gebräuchlichen Ausdruck zu sagen: der wahre und vollendete Charaktermensch. Denn nicht jede beliebige, nach rein subjektiven Grundsätzen Konsequenz und Beharrlichkeit aufweisende Lebensführung stellt den wahren Charakter dar, sondern nur die Ausdauer in Befolgung des ewigen Grundgesetzes der Gerechtigkeit, wie es auch der heidnische Dichter anerkennt, wenn er in untrennbarer Verbindung „den gerechten und vorsatztreuen Mann“ lobt. Anderseits kann aber vollendete Gerechtigkeit nur da bestehen, wo auch Gott gegeben wird, was Gottes ist, wie es der wahre Christ tut.[12]

Nur eine solche vollständige Ausbildung kann unsere Kinder und Jugendlichen auf dem Weg zu dem Glück führen, für das Gott jeden von uns geschaffen hat. Mit Hilfe einer soliden Ausbildung zu Hause und in der Schule erfahren Kinder das Glück sowohl während ihres Lebens auf dieser Welt als auch am ewigen Ziel ihrer Pilgerreise, das der Himmel ist. Nur eine solche Erziehung kann unsere Kultur verändern.

Die Familie ist der erste Ort, an dem Erziehung und Bildung vermittelt wird – eine Wahrheit, die im Wesentlichen die Mission der Schule definiert. Die Schule hat der Familie zu dienen und daher eng mit der Familie zusammenzuarbeiten, um Kinder zu immer größerer Reife zu bringen, zur Fülle des Lebens in Christus. In Bezug auf die christliche Ehe und die Familie sowie die Mission der Erziehung erklärte der Heilige Papst Johannes Paul in seinem nachsynodalen Apostolischen Schreiben zur Familie 1981, Familiaris Consortio, dass „die christliche Familie … ja die erste Gemeinschaft [ist], der es obliegt, dem heranwachsenden Menschen das Evangelium zu verkünden und ihn durch eine fortschreitende Erziehung und Glaubensunterweisung zur vollen menschlichen und christlichen Reife zu führen“.[13] Eine christliche Erziehung in der Familie und in der Schule führt Kinder und Jugendliche immer tiefer in die Tradition, in das große Geschenk unseres Lebens in Christus in der Kirche ein, die uns durch die Jahrhunderte aus einer ungebrochenen Überlieferung weitergegeben worden ist, die direkt auf die Apostel und ihre Nachfolger zurückverfolgt werden kann.

Ein Erziehungswesen, das auf das Wohl des Einzelnen und der Gesellschaft ausgerichtet ist, muss besonders darauf achten, sich gegen die Fehler des Säkularismus und Relativismus zu rüsten, damit sie es nicht verabsäumt, den nachfolgenden Generationen die Wahrheit, die Schönheit und das Gute unseres Lebens und unserer Welt zu vermitteln, wie sie sich in der unveränderlichen Lehre des Glaubens, in seinem höchsten Ausdruck durch Gebet, Hingabe und göttliche Anbetung und in der Heiligkeit des Lebens derer ausdrückt, die sich zum Glauben bekennen und Gott anbeten „in Geist und in Wahrheit“.[14]

In der Erklärung über die christliche Erziehung des zweiten Vatikanischen Konzils, Gravissimum Educationis, wurde klargestellt, dass die Hauptverantwortung für die Erziehung von Kindern bei Eltern liegt, die sich auf ordentlich geführte Schulen verlassen, die jenen Teil der Gesamterziehung ihrer Kinder übernehmen sollen, die sie zu Hause nicht vermitteln können. Das wesentliche Gut der Ehe, das Geschenk der Kinder, umfasst sowohl die Zeugung als auch die Erziehung des Kindes. Ich zitiere aus Gravissimum Educationis:

Da die Eltern ihren Kindern das Leben schenkten, haben sie die überaus schwere Verpflichtung zur Kindererziehung. Daher müssen sie als die ersten und bevorzugten Erzieher ihrer Kinder anerkannt werden. Ihr Erziehungswirken ist so entscheidend, daß es dort, wo es fehlt, kaum zu ersetzen ist. Den Eltern obliegt es, die Familie derart zu einer Heimstätte der Frömmigkeit und Liebe zu Gott und den Menschen zu gestalten, daß die gesamte Erziehung der Kinder nach der persönlichen wie der gesellschaftlichen Seite hin davon getragen wird. So ist die Familie die erste Schule der sozialen Tugenden, deren kein gesellschaftliches Gebilde entraten kann. Besonders aber sollen in der christlichen Familie, die mit der Gnade und dem Auftrag des Ehesakraments ausgestattet ist, die Kinder schon von den frühesten Jahren an angeleitet werden, gemäß dem in der Taufe empfangenen Glauben Gott zu erkennen und zu verehren und den Nächsten zu lieben.[15]

Natürlich trifft auch die Gesellschaft im Allgemeinen und die Kirche in besonderer Weise eine Verantwortung für die Erziehung und Bildung von Kindern und Jugendlichen, aber diese Verantwortung muss immer unter Achtung der Hauptverantwortung der Eltern ausgeübt werden.

Die Eltern ihrerseits sind dazu aufgerufen, sich voll und ganz in jeglichen Bildungsmöglichkeiten zu engagieren, die von der Gesellschaft und der Kirche geboten werden. Kinder und Jugendliche sollten nicht durch eine außerhalb des Hauses erhaltene Ausbildung verwirrt oder zu Irrtümern verleitet werden, die im Widerspruch zu der zu Hause empfangenen Erziehung steht. Heute müssen die Eltern besonders wachsam sein, denn einige Schulen sind zu Werkzeugen einer weltlichen Agenda geworden, die der christlichen Lebensweise zuwiderläuft. Man denke nur an die obligatorische sogenannte „Gender Education“ in einigen Schulen, die einen direkten Angriff auf die menschliche Sexualität, auf die Ehe und damit auf die Familie darstellt.

Im Interesse unserer Jugend müssen wir alle dem grundlegenden Ausdruck unserer Kultur, der Bildung, besondere Aufmerksamkeit widmen. Gute Eltern und gute Bürger dürfen die Lehrpläne der Schulen und die Weise, in der die Schulen geführt werden, nicht aus den Augen verlieren, um sicherzustellen, dass unsere Kinder in den menschlichen und christlichen Tugenden geformt und nicht durch Indoktrination in Bezug auf die grundlegendsten Wahrheiten des menschlichen Lebens, der Familie und der Religion verwirrt und verformt werden – eine Indoktrination, die sie nur in die Sklaverei der Sünde und damit zu tiefem Unglück und zur Zerstörung unserer Kultur  führen werden.

Im Zentrum eines soliden Lehrplans stehen  die Achtung sowohl der Würde des Menschen als auch der Tradition der Schönheit, der Wahrheit und des Guten in der Kunst und in der Wissenschaft. Heute scheint oft Toleranz gegenüber Denk- und Handlungsweisen, die gegen das Sittengesetz verstoßen, für viele Christen der interpretative Schlüssel zu sein. Nach diesem Ansatz kann man nicht mehr zwischen dem Schönen und dem Hässlichen, dem Wahren und dem Falschen sowie dem Guten und dem Bösen unterscheiden. Diese Einstellung ist nicht sicher in der moralischen Tradition verankert, dominiert jedoch tendenziell unsere Herangehensweise, soweit wir behaupten, Christen zu sein, aber gleichzeitig Denk- und Handlungsweisen tolerieren, die dem moralischen Gesetz, das uns in der Natur und in der Heiligen Schrift geoffenbart wurde, diametral entgegengesetzt sind. Der Ansatz wird manchmal so relativistisch und subjektiv, dass wir nicht einmal das grundlegende logische Prinzip der Widerspruchsfreiheit beachten, das heißt, dass eine Sache nicht gleichzeitig in derselben Hinsicht sein und nicht sein kann. Mit anderen Worten können bestimmte Handlungen dem moralischen Gesetz nicht gleichzeitig entsprechen und widersprechen.

Tatsächlich muss Nächstenliebe allein der interpretative Schlüssel unserer Gedanken und Handlungen sein. Toleranz bedeutet im Kontext der Nächstenliebe bedingungslose Liebe zu der Person, die am Bösen beteiligt ist, aber entschiedene Abscheu vor dem Bösen, in das die Person verfallen ist. Jede Erziehung sollte darauf gerichtet sein, die Schüler in der Nächstenliebe zu formen, die Geist und Herz für das Schöne, das Wahre und das Gute empfänglich macht, für das Gott uns geschaffen hat.

Eine Erziehung, die zu Hause beginnt und später durch gute und vor allem wahrhaft katholische Schulen ergänzt und weitergeführt wird, ist grundsätzlich auf die Bildung guter Staatsbürger und guter Mitglieder der Kirche ausgerichtet. Letztendlich hat sie das Glück des Einzelnen zum Ziel, das in richtigen Beziehungen zu finden ist und seine Erfüllung im ewigen Leben hat. Sie setzt die objektive Natur der Dinge voraus, auf die das menschliche Herz gerichtet ist, wenn es zu einem „hörenden Herzen“[16] geformt wurde, das heißt, wenn es einem entsprechend geformten Gewissen folgt. Sie strebt nach einem immer tieferen Wissen und nach Lieben zum Wahre, zum Gute, und zum Schöne. Sie leitet jeden Einzelnen zu diesem grundlegenden, lebenslangen Streben an.

Möge Gott alle Eltern und auch uns in unseren Bemühungen, unseren Kindern und Jugendlichen zu ihrer Errettung und zur Verwandlung unserer Kultur „hörende Herzen” mitzugeben, inspirieren und stärken. Mögen wir unter der mütterlichen Fürsorge der jungfräulichen Mutter Gottes im Herzen Jesu die Weisheit und Kraft suchen und finden, um die ständige Lehre und Praxis der Kirche in Bezug auf das menschliche Leben, in Bezug auf die menschliche Sexualität, die Ehe, die Familie und in Bezug auf die heilige Religion zu bewahren und zu fördern.

            Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Gott segne Sie.

Raymond Leo Kardinal BURKE


[1] Eph 2, 13-22.

[2] Benedictus PP. XVI, Allocutio „Iter apostolicum in Germaniam: ad Berolinensem foederatum coetum oratorum,“ 22 Septembris 2011, Acta Apostolicae Sedis 103 (2011), S. 663. [Bundestag].

[3] Bundestag, S. 664.

[4] Bundestag, S. 664.

[5] Bundestag, S. 664.

[6] Bundestag, S. 665.

[7] Cf. Roe v. Wade :: 410 U.S. 113 (1973); Obergefell v. Hodges :: 576 U.S. 644 (2015); und Bostock v. Clayton County :: 590 U.S. ___ (2020).

[8] „… ad plenam maturitatem humanam et christianam ….“ Ioannes Paulus PP. II, Adhortatio Apostolica Familiaris Consortio, „De Familiae Christianae muneribus in mundo huius temporis,“ 22 Novembris 1981, Acta Apostolicae Sedis 74 (1982), 823, Nr. 2. [FC]. Deutsche Übersetzung: www.vatican.va/content/john-paul-ii/de/a[pst_exhortations/documents/hf_jp-ii_exh_19811122_familiaris-consortio.html, S. 2, Nr. 2. [FCDe].

[9] „Quam primum inducantur necesse est generalis conscientiarum motus moralisque communis nisus, qui excitare valeant validum sane opus ad vitam tuendam: omnibus nobis simul coniunctis nova exstuenda est vitae cultura: nova, quae scilicet possit hodiernas de vita hominis ineditas quaestiones suscipere atque solvere; nova, utpote quae acriore et alacriore ratione omnium christianorum conscientiam permoveat; nova demum, quae accommodata sit ad gravem animosamque culturalem suscitandam comparationem cum omnibus. Huius culturalis conversionis necessitas coniungitur cum aetatis nostrae historica rerum condicione, at praesertim inhaeret in ipso evangelizandi munere quod proprium est Ecclesiae. Evangelium enim eo spectat „ut perficiat interiorem mutationem“ et „humanitatem novam efficiat“; est velut fermentum quo pasta tota fermentatur (cfr Mt 13, 33), atque, qua tale, perfundere debet omnes culturas easque intus pervadere, ut integram declarent de homine deque eius vita veritatem.“ Ioannes Paulus PP. II, Litterae encyclicae Evangelium vitae, „De vitae humanae inviolabili bono“, 25 Martii 1995, Acta Apostolicae Sedis 87 (1995), 509, Nr. 95. [EV]. Deutsche Übersetzung:www.vatican.va/content/john-paul-ii/de/encyclicals/documents/hf_jp-ii_enc_25031995_evangelium-vitae.html, S. 83, Nr. 95. [EVDe].

[10] „… vitae cultura renovanda intra ipsas christianas communitates.“ EV, 509, Nr. 95. Deutsche Übersetzung: EVDe, S. 83, Nr. 95.

[11] „… seiunctionem quandam inferunt inter christianam fidem eiusque moralia circa vitam postulata, progredientes hac ratione ad moralem quendam subiectivismum adque vivendi mores qui probari non possunt.“ EV, 509-510, Nr. 95. Deutsche Übersetzung: EVDe, S. 83, Nr. 95.

[12] „Eo proprie ac proxime intendit christiana educatio, ut, divina cum gratia conspirando, germanum atque perfectum christianum efficiat hominem: ut Christum scilicet ipsum exprimat atque effingat in illis qui sint Baptismate renati, ad illud Apostoli vividum: „Filioli mei, quos iterum parturio, donec formetur Christus in vobis“. Vitam enim supernaturalem germanus christianus vivere debet in Christo: „Christus, vita vestra“, eandemque in omnibus rebus gerendis manifestare „ut et vita Iesu manifestetur in carne nostra mortali“.

Quae cum ita sint, summam ipsam humanorum actuum, quod attinet ad efficentiam sensuum et spiritus, ad intellectum et ad mores, ad singulos et ad societatem domesticam atque civilem, christiana educatio totam complectitur, non autem ut vel minime exenuet, verum ut secundum Iesu Christi exempla et doctrinam extollat, regat, perficiat.

Itaque verus christianus, christiana educatione conformatus, alius non est ac supernaturalis homo, qui sentit, iudicat, constanter sibique congruenter operatur, ad rectam rationem, exemplis doctrinaque Iesu Christi supernaturaliter collustratam: siclicet, homo germana animi firmitate insignis. Neque enim quisquis sibi consentitit et sui propriique tenax propositi agit, is solido ingenio est, sed unus ille qui aeternas iustitiae rationes sequitur, ut agnovit ethnicus ipse poëta, „iustum“ una simul „et tenacem propositi virum“ extollens; quae, ceterum, iustitiae rationes integre servari nequeunt, nisi Deo tribuatur – ut fit a vero christiano – quidquid Deo debetur.“ Pius PP. XI, Litterae Encyclicae Divini Illius Magistri, „De Christiana iuventutis educatione,“ 31 Decembris 1929, Acta Apostolicae Sedis 22 (1930), 83. Deutsche Übersetzung: Mensch und Gemeinschaft in christlicher Schau. Dokumente, Emil Marmy [Hrsg.] (Freiburg in der Schweiz: Verlag der Paulusdruckerei, 1945), S.344-345, Nr. 469-469a.

[13] „… christiana enim familia est prima communitas, cuius est Evangelium personae humanae crescent annuntiare eamque progrediente education et catechesis ad plenam maturitatem humanam et christianam perducere.“ FC, 823, Nr. 2. Deutsche Übersetzung: FCDe, S.1-2, Nr. 2.

[14] Joh 4, 24.

[15] „Parentes, cum vitam filiis contulerint, prolem educandi gravissima obligatione tenentur et ideo primi et praecipui eorum educatores agnoscendi sunt. Quod munus educationist anti ponderis est ut, ubi desit, aegre suppleri possit. Parentum enim est talem familiae ambitum amore, pietate erga Deum et homines animatum creare qui integrae filiorum educationi personali et sociali faveat. Familia proinde est prima schola virtutum socialium quibus indigent omnes societates. Maxime vero in christiana familia, matrimonii sacramenti gratia et officio ditata, filii iam a prima aetate secundum fidem in baptismo receptam Deum percipere et colere atque proximum diligere doceantur oportet; …“ Sacrosanctum Concilium Oecumenicum Vaticanum II, Declaratio Gravissimum educationis, „De Educatione Christiana,“ 28 Octobris 1965, Acta Apostolicae Sedis 58 (1966), 731, Nr. 3.. Deutsche Übersetzung: Das Zweite Vatikanische Konzil. Konstitutionen, Dekrete und Erklärungen, Lateinisch und Deutsch, Teil II, Hrsg. Lexikon für Theologie und Kirche, zweite auflage, 13 (Freiburg, Basel, Wien: Herder, 1967), S. 375 und 377, Nr. 3.

[16] 1 Kön 3, 9.

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Stellungnahme von Kardinal Burke

Stellungnahme

Die weltweiten Kommunikationsmedien haben mit starkem Nachdruck die Nachricht gebracht, dass Papst Franziskus über Menschen mit homosexueller Veranlagung gesagt habe, dass sie als Kinder Gottes „ein Recht darauf haben, eine Familie zu haben“ und dass „niemand deswegen verstoßen oder unglücklich gemacht werden sollte“, und diese Meinungsäußerung als eine Kursänderung bezeichnet. Laut der gleichen Medien habe der Papst weitergesagt: „Wir brauchen ein Gesetz für eingetragene Lebensgemeinschaften. Auf diese Weise sind sie gesetzlich abgesichert. Ich habe mich dafür eingesetzt.“ Diese Erklärungen wurden während eines Interviews mit Evgeny Afineevsky abgegeben, dem Regisseur des Dokumentarfilms Franceso, der seine Premiere am 21. Oktober 2020 während des Rom-Filmfestivals (Festa del Film di Roma) hatte.

Solche Meinungsäußerungen führen zu großer Verunsicherung, Verwirrung und Irrtum bei den katholischen Gläubigen, da sie im Widerspruch zur Lehre der Heiligen Schrift und der Heiligen Überlieferung sowie zum jüngsten kirchlichen Lehramt stehen, mit dem die Kirche den gesamten Glaubensschatz, der in der Heiligen Schrift und der Heiligen Überlieferung enthalten ist, bewahrt, schützt und auslegt. Sie lösen bei Menschen guten Willens, die ernsthaft wissen wollen, was die katholische Kirche lehrt, Erstaunen und Irrtum über die Lehre der Kirche aus. Sie erlegen den Seelenhirten die Gewissenspflicht auf, angemessene und notwendige Stellungnahmen abzugeben.

Zunächst einmal entbehren solche Behauptungen aufgrund ihres Kontextes und Anlasses jeglichen kirchlichen Lehramtscharakters. Sie werden zu Recht als einfache private Meinungen der Person interpretiert, die sie abgegeben hat. Diese Aussagen binden in keiner Weise das Gewissen der Gläubigen, die vielmehr verpflichtet sind, gewissenhaft dem zu folgen, was die Heilige Schrift, die Heilige Überlieferung und das ordentliche Lehramt der Kirche über die in Frage stehenden Angelegenheit lehren. Insbesondere sind folgende Punkte zu beachten:

1.„Gestützt auf die Heilige Schrift, die sie als schlimme Abirrung bezeichnet, hat die kirchliche Überlieferung stets erklärt, ‘dass die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind‘. Sie verstoßen gegen das natürliche Gesetz, denn die Weitergabe des Lebens bleibt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu billigen.“ (Katechismus der Katholischen Kirche: Nr. 2357; Hl. Kongregation für die Glaubenslehre: „Persona humana: Erklärungen zu einigen Fragen der Sexualethik“, Nr. 8[1]).

2. Die manchmal tief verwurzelten homosexuellen Neigungen von individuellen Männern und Frauen stellen für sie eine Prüfung dar. Obwohl diese Neigungen an sich keine Sünde sind, müssen sie dennoch als objektiv ungeordnet betrachtet werden (Vgl. KKK: Nr. 2358; Kongregation für die Glaubenslehre, Homosexualitatis problema, “Schreiben an die Bischöfe der katholischen Kirche über die Seelsorge für Homosexuelle Personen.,” Nr. 3[2]). Homosexuell veranlagte Personen sind daher mit Respekt, Mitgefühl und Takt zu behandeln und jede ungerechte Diskriminierung ihnen gegenüber ist zu vermeiden. Der katholische Glaube lehrt die Gläubigen, die Sünde zu hassen, den Sünder aber zu lieben.

3. Die Gläubigen und insbesondere die katholischen Politiker sind gehalten, sich gegen die rechtliche Anerkennung von Partnerschaften zwischen Homosexuellen einzusetzen. (Vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, „Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen“, Diverse questioni concernenti l’omosessualità, n. 10[3]). Das Recht, eine Familie zu gründen, ist kein einfaches privates Recht, das man verteidigen muss, sondern muss dem Plan des Schöpfers entsprechen, der den Menschen in geschlechtlicher Verschiedenheit gewollt hat, „männlich und weiblich hat er sie erschaffen“ (Gen 1, 27) und damit den Menschen, männlich und weiblich, zur Weitergabe des Lebens berufen hat. „Weil die Ehepaare die Aufgabe haben, die Folge der Generationen zu garantieren, und deshalb von herausragendem öffentlichen Interesse sind, gewährt ihnen das bürgerliche Recht eine institutionelle Anerkennung. Die homosexuellen Lebensgemeinschaften bedürfen hingegen keiner spezifischen Aufmerksamkeit von Seiten der Rechtsordnung, da sie nicht die genannte Aufgabe für das Gemeinwohl besitzen.“ (ebendort, Nr. 9[4]). Von einer homosexuellen Lebensgemeinschaft im gleichen Sinne wie von der ehelichen Union der Verheirateten zu sprechen, ist in der Tat zutiefst irreführend, da es eine solche Union zwischen Personen des gleichen Geschlechts nicht geben kann. Was die Rechtspflege anbelangt, so können sich Personen mit einer homosexuellen Veranlagung, wie alle Bürger, immer auf die gesetzlichen Vorschriften berufen, um ihre privaten Rechte zu schützen.         

Es ist eine Quelle tiefster Trauer und drängender pastoraler Besorgnis, dass die von der Presse mit so viel Nachdruck berichteten und Papst Franziskus zugeschriebenen Privatmeinungen nicht der ständigen Lehre der Kirche entsprechen, wie sie in der Heiligen Schrift und der Heiligen Überlieferung zum Ausdruck kommt und vom kirchlichen Lehramt bewahrt, geschützt und interpretiert wird. Ebenso traurig und beunruhigend ist der Aufruhr, die Verwirrung und die Irrtümer, die sie unter den katholischen Gläubigen auslösen, wie auch der Skandal, den sie im allgemeinen hervorrufen, indem sie den völlig falschen Eindruck erwecken, die katholische Kirche habe einen Kurswechsel vollzogen, d.h. sie habe ihre immerwährende Lehre über solche grundlegenden und kritischen Fragen geändert.

Raymond Leo Kardinal BURKE
Rom, am 22. Oktober 2020


[1] “… suapte intrinseca natura esse inordinatos.” Sacra Congregatio pro Doctrina Fidei, Declaratio, Persona humana, “De quibusdam quaestionibus ad sexualem ethicam spectantibus,” 29 Decembris 1975, Acta Apostolicae Sedis 68 (1976) 85, n. 8. Deutsche Übersetzung: https://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_19751229_persona-humana_ge.html

[2] Vgl. Congregatio pro Doctrina Fidei, Epistula, Homosexualitatis problema, “Ad universos catholicae Ecclesiae episcopos de pastorali personarum homosexualium cura,” 1 Octobris 1986, Acta Apostolicae Sedis 79 (1987) 544, n. 3. Deutsche Übersetzung: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_19861001_homosexual-persons_ge.html

[3] Congregatio pro Doctrina Fidei, Nota, Diverse quaestioni concernenti l’omosessualità, “De contubernalibus eiusdem sexus quoad iuridica a consectaria contubernii,” 3 Iunii 2003, Acta Apostolicae Sedis 96 (2004) 48, n. 10, deutsche Übersetzung: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20030731_homosexual-unions_ge.html

[4]“Poiché le coppie matrimoniali svolgono il ruolo di garantire l’ordine delle generazioni e sono quindi di eminente interesse pubblico, il diritto civile conferisce loro un riconoscimento istituzionale. Le unioni omosessuali invece non esigono una specifica attenzione da parte dell’ordinamento giuridico, perché non rivestono il suddetto ruolo per il bene comune.” Ibid., 47, n. 9.