Kardinal Burke zelebriert feierliche Dankmesse für Genesung

Predigt

Votivmesse Unserer Lieben Frau vom Samstag im Advent, am 11. Dezember 2021

Heiligtum Unserer Lieben Frau von Guadalupe

La Crosse, Wisconsin

Jes. 7, 10-15

Lk. 1, 26-38

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Mein Herz ist von tiefster Dankbarkeit gegenüber dem allmächtigen Gott erfüllt, der mich seit dem 10. August dieses Jahres durch ein großes Leiden, das, wie es aussah, fast mit dem Tod geendet hätte, dazu gebracht hat, heute eine Pontifikalmesse zu Ehren der Gottesmutter am Samstag im Advent nach dem älteren Gebrauch unseres geliebten römischen Ritus zu feiern. Indem ich Gott dafür danke, dass er mir das Leben bewahrt hat, danke ich auch Unserer Lieben Frau von Guadalupe, der jungfräulichen Mutter Gottes, und dem hl. Josef, ihrem wahren und keuschen Gemahl, sowie der Schar der Heiligen, die in der Zeit meiner Prüfung so mächtig für mich eingetreten sind. Als ich das Bewusstsein wiedererlangte, nachdem ich neun kritische Tage an einem Beatmungsgerät verbracht hatte, war ich erfüllt von dem Wissen, dass Unsere Liebe Frau von Guadalupe mich die ganze Zeit in ihren Armen gehalten hatte und mich im Herzen ganz vereint mit dem glorreichen, durchbohrten Herzen ihres göttlichen Sohnes, dem Heiligsten Herzen Jesu, hielt.

Ich wurde mir auch sofort der zahllosen Gläubigen bewusst, die während der Zeit meiner Krankheit und Genesung zu unserem Herrn beteten, ihm ihre Leiden aufopferten und ihn baten, mich zu heilen und mir Kraft zu geben. Während ich gesegnet war, eine ausgezeichnete medizinische Versorgung zu erhalten, was ich in meinen dankbaren Gebeten nie vergessen werde, war es Gott, der diese vielen Gebete beantwortete und diese vielen Leiden annahm, mir das Leben erhielt und mir half, meine Kraft wiederzuerlangen. Indem ich Gott heute danke, bete ich für alle, die unseren Herrn für mich angefleht haben, und bitte um die Fürsprache der Gottesmutter, des hl. Josef und aller Heiligen.

Mit der Feier der heiligen Messe in der Wallfahrtskirche möchte ich ganz besonders dem Wallfahrtsdirektor Pater Paul Check und den Mitarbeitern der Wallfahrt meine tiefste Dankbarkeit für all die Ermutigung und Unterstützung auszudrücken, die sie mir und meiner Familie in den kritischsten Tagen meiner Krankheit und Genesung zuteilwerden ließen. Ich danke auch dem St. Mary’s Oratory in Wausau und insbesondere Kanonikus Aaron Huberfeld, dem Rektor des Oratoriums, Kanonikus Heitor Mateus, seinem Vikar, und allen Mitarbeitern des Oratoriums für die Aufnahme während der fast drei ganzen Monate meiner Rehabilitation. Es freut mich sehr, dass der Chor des St. Mary’s Oratory das heutige Pontifikalamt musikalisch gestaltet und dass so viele Gläubige des Oratoriums anwesend sind.

Ich bin dem Institut Christus König und Hohepriester, dem die Kanoniker Huberfeld und Mateus angehören und dem auch mein persönlicher Sekretär, Kanonikus Stephen Michael Sharpe, angehört, zutiefst dankbar für die treue und großzügige Unterstützung, die mir in vielerlei Hinsicht zuteilwurde. Monsignore Gilles Wach, Generalprior des Instituts, und Monsignore Michael Schmitz, sein Generalvikar, scheuten keine Mühen, um mir die Unterstützung des Instituts zukommen zu lassen. Ich danke auch Mutter Maria Regina, meiner früheren Sekretärin und jetzigen Oberin der Töchter des Werkes Mariens, für all das, was ihre Schwestern und sie so großzügig und kompetent getan haben, um mir zu helfen. Möge Gott alle, die mir beigestanden haben und mir weiterhin beistehen, damit ich mich wieder ganz in den aktiven Dienst unseres Herrn und seines mystischen Leibes, der Kirche, stellen kann, dafür reichlich belohnen.

Es ist klar, dass der Herr, der mich am Leben erhalten hat, möchte, dass ich immer treuer, großzügiger und reiner mit Ihm für das Heil der Seelen arbeite. Abgesehen von meinen Aufgaben als Bischof und Mitglied des Heiligen Kardinalskollegiums möchte ich meinen Dienst für Unseren Herrn und Seinen Mystischen Leib, die Kirche, hier auf auf diesen Wallfahrtsort konzentrieren und der Wallfahrt helfen, ein Leuchtfeuer der Wahrheit und der Liebe Gottes in einer Welt zu sein, die von so vielen Lügen und so vielen hasserfüllten Handlungen heimgesucht wird. Mit Hilfe Unserer Lieben Frau von Guadalupe und ihres heiligen Boten, des hl. Juan Diego, möchte ich den Pilgern, die den Wallfahrtsort besuchen, helfen, eine möglichst umfassende Begegnung mit unserem Herrn zu haben, eine Begegnung, die ihnen Kraft gibt, wenn sie nach Hause, zur Arbeit oder zu anderen Aktivitäten zurückkehren. In besonderer Weise werde ich mich für die Verwirklichung des Exerzitienhauses einsetzen, das neben der Kirche gebaut werden soll, damit die Pilger hier regelmäßig mehrere Tage mit Unserem Herrn verbringen können, vor allem in besonders wichtigen oder auch kritischen Momenten ihres Lebens.

Nach dem Pontifikalamt werde ich in der Krypta der Wallfahrtskirche sein, um Sie dort zu begrüßen. Es wird mir eine Freude sein, so viele von Ihnen wie möglich persönlich zu begrüßen und zu danken. Alle, die bei der heiligen Messe anwesend oder über die Medien mit uns verbunden sind, sollen wissen, dass sie immer in meinem dankbaren Gebet bleiben werden. Bitte beten Sie auch weiterhin für mich.

Die Adventszeit und in besonderer Weise die Votivmesse zu Ehren Unserer Lieben Frau vom Samstag im Advent lenken uns hin zu unserem grundlegenden Bedürfnis nach einer tiefen und dauerhaften Beziehung zu Gott. Ohne Gott sind wir in der Tat wie ein ausgetrockneter Boden, der kein Leben hat und kein Leben hervorbringen kann. Gleichzeitig bezeugen der Advent und die heutige Votivmesse die Gegenwart Gottes bei uns in der Kirche als unvergleichliche und bleibende Frucht der erlösenden Menschwerdung Gottes, des Sohnes, zu unserem Heil. Im Introitus der heutigen heiligen Messe haben wir gebetet: “Tauet, Himmel, von oben! Ihr Wolken regnet den Gerechten! Es öffne sich die  Erde und sprosse den Heiland hervor. Herr, Du hast Dein Land gesegnet und Jakob heimgeführt aus der Gefangenschaft.“[1] Dom Prosper Guéranger betet in seinem Kommentar zur Adventszeit:

    Komm, o Jesus, komm schnell und gib uns von dem Wasser, das aus Deinem heiligen Herzen fließt … Dieses Wasser ist Deine Gnade; lass es auf unsere ausgedörrten Seelen regnen, und auch sie werden aufblühen; lass es unseren Durst stillen, und wir werden auf dem Weg Deiner Gebote und Beispiele laufen … Nein, es soll keine schwachen Hände mehr geben, keine schwachen Knie, keine schwachen Herzen; denn wir wissen, dass Du in Liebe zu uns kommst. Nur eine Sache macht uns traurig: Unsere Vorbereitung ist noch nicht abgeschlossen. Wir haben noch einige Bande zu zerreißen; hilf uns dabei, o Heiland der Menschheit![2]

Er ermahnt uns: “Bitten wir gemeinsam mit der Kirche um den Tau, der unsere Herzen neu belebt, und um den Regen, der sie fruchtbar macht.”[3]

Wie oft erleben wir, dass unser Leben keinen Sinn und keine Richtung hat? Wie oft erscheint uns unser Leben wie ein ausgetrocknetes und verdorrtes Land ohne Tau und Regen? Dann sollten wir unsere Augen erheben, um unseren Herrn mit uns in der Kirche zu sehen, vor allem in der heiligen Eucharistie, und betrachten, wie er uns durch seine erlösende Menschwerdung gerettet hat und wie er weiterhin aus seinem glorreichen, durchbohrten Herzen die Gnade in unsere Herzen ausgießt, die unser Leben fruchtbar macht und uns zum Segen für unseren Nächsten werden lässt.

Es ist die Mutter Gottes, die uns hilft, bei ihrem göttlichen Sohn die Gnade zu sehen und zu suchen, die ein Leben, das wie eine Wüste geworden ist, in ein Leben verwandelt, das Leben schenkt und Leben in den anderen nährt. Als König Achas sich weigerte, sich angesichts des bevorstehenden Todes und der Zerstörung des Landes durch fremde Mächte unserem Herrn zuzuwenden, versprach Unser Herr durch den Propheten Jesaja: “Siehe, eine Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und seinen Namen Immanuel nennen.”[4] Die Verheißung Unseres Herrn wurde endgültig erfüllt, als der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria verkündete: „Siehe, du wirst empfangen und einen Sohn gebären und seinen Namen Jesus nennen. Dieser wird groß sein und Sohn des Allerhöchsten genannt werden; Gott, der Herr, wird ihn den Thron seines Vaters David geben, und Er wird herrschen Über das Haus Jakob ewiglich, und Seines Reiches wird kein Ende sein.“[5]

Unsere allerseligste Mutter, das auserwählte Gefäß, in dem Gott, der Sohn, unsere menschliche Natur annahm und sie mit seiner göttlichen Natur vereinigte, um uns von der Sünde zu erlösen und für das ewige Leben zu retten, fordert uns in ihrer mütterlichen Liebe zu uns ständig auf, die Augen zu erheben und das Heil zu sehen, das unser Herr in unserer Mitte wirkt.

Heute lassen sich so viele Menschen entmutigen oder verlassen sogar unseren Herrn in der Kirche, um ihn anderswo zu suchen. Die Versuchung zur Entmutigung oder gar zur Abkehr von unserem Herrn ist aus rein menschlicher Sicht verständlich. Wenn alles, was wir sind und haben, nur von dieser Erde ist, dann haben wir keinen Grund zur Hoffnung. Aber die Gottesmutter lenkt unseren Blick nach oben, damit wir nicht nur die irdische und vergängliche Welt um uns herum sehen und gleichzeitig unsere ewige Bestimmung übersehen. Mit ihrer Hilfe nehmen wir das Leiden der gegenwärtigen Zeit nicht nur an, sondern umfangen es sogar mit Freude, weil es uns erlaubt, an den Leiden Christi teilzuhaben, um unseres Heils und des Heils der Welt willen.

Mit dem heiligen Paulus freuen wir uns, an unserem Leib das Leiden Christi um des ewigen Lebens willen zu vollenden, um des “Geheimnisses willen, das Christus in uns ist, die Hoffnung auf die Herrlichkeit”[6]. Erinnern wir uns täglich an die Worte des heiligen Paulus, der uns als seine “kleinen Kinder” bezeichnete und sich selbst als “in Geburtswehen“ beschrieb, bis Christus in uns Gestalt nehme.[7]: „Trachtet nach dem, was oben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist. Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott. Wenn Christus, der unser Leben ist, erscheinen wird, werdet auch ihr mit ihm erscheinen in Herrlichkeit. [8]

Möge uns die Beobachtung der heiligen Adventszeit und die heutige Votivmesse zu Ehren Unserer Lieben Frau vom Samstag im Advent die Gnade bringen, uns immer dessen bewusst zu sein, wer wir in Christus sind, und in Christus zu leben, mit dem Blick fest auf das Ziel unserer irdischen Pilgerreise gerichtet: das ewige Leben bei Gott – Vater, Sohn und Heiliger Geist -, in der Gesellschaft der Engel und Gemeinschaft der Heiligen.

Die Schönheit der heutigen heiligen Liturgie ist ein Vorgeschmack auf die ewige Schönheit des “neuen Himmels und der neuen Erde, in denen die Gerechtigkeit wohnt”[9], die unser Herr bei seiner letzten Wiederkunft endgültig errichten wird und die das Ziel unserer irdischen Pilgerschaft ist. Indem sie uns auffordert, mit ganzem Herzen in die Heilige Liturgie einzutreten, lehrt uns die Gottesmutter, alles Leben unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit zu betrachten, alles auf dieser Erde im Zusammenhang mit dem Geheimnis des Glaubens zu sehen, an dem wir durch die heilige Messe in vollkommener Weise teilnehmen, bis wir für immer am “Hochzeitsmahl des Lammes”[10] teilhaben.

Vereinigen wir unsere Herzen mit dem Unbefleckten Herzen Mariens und erheben wir sie zum glorreichen, durchbohrten Herzen Jesu. Er ist immer bereit, unsere Herzen zu empfangen, sie in seiner unermesslichen und nie endenden Barmherzigkeit zu heilen und sie mit Seiner reinen und selbstlosen Liebe zu entflammen. Möge Christus auf die Fürsprache seiner jungfräulichen Mutter den Tau und den Regen seiner Gnade auf unsere Herzen herabregnen lassen, der sie neu macht, der sie für unseren Nächsten und für unsere Welt fruchtbar werden lässt.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Raymond Leo Kardinal Burke


[1] ) “Rorate, caeli, desuper, et nubes pluant iustum: aperiatur terra, et germinet Salvatorem. Ps. 84,2 Benedixisti, Domine, terram tuam: avertisti captivitatem Iacob.” Missale Romanum, Missa de Sancta Maria in Sabbato, I, Tempore Adventus, Antiphona ad Introitum.

[2] “O Sauveur! venez vite nous donner de cette Eau dont votre Cœur est la source, … Cette Eau est votre Grâce ; qu’elle arrose notre aridité, et nous fleurirons aussi ; qu’elle désaltère notre soif, et nous courrons la voie de vos préceptes et de vos exemples, … Non, désormais nos bras ne sont plus abattus ; nos genoux ne tremblent plus ; nous savons que c’est dans l’amour que vous venez. Une seule chose nous attriste : c’est de voir que notre préparation n’est pas parfaite. Nous avons encore des liens à rompre ; aidez-nous, ô Sauveur des hommes !” Prosper Guéranger, L’Année liturgique, L’Avent, 21ème éd. (Tours: Maison Alfred Mame et Fils, 1926), S. 250.

[3] “[D]emandons, avec la sainte Église, la rosée qui rafraîchira notre cœur, la pluie qui le rendra fécond.” Guéranger, S. 251.

[4] Jes. 7, 14.

[5] Lk. 1, 31-33.

[6] Kol. 1, 27.

[7] Gal. 4, 19.

[8] Kol. 3, 2-4.

[9] 2 Petr. 3, 13; vgl. Offb. 21, 1-8.

[10] Offb. 19, 9.

Predigt zum 6. Sonntag nach Pfingsten

Maria Engelport

Predigt 6. Sonntag nach Pfingsten

von Msgr. Prof. Dr. Dr. Rudolf Michael Schmitz

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.

‚Wunder gibt es immer wieder‘ – so hieß vor einigen Jahren der Titel eines ansonsten ziemlich dürftigen Schlagers. Wunder, in diesem oberflächlichen Sinn, wären Dinge, die uns zum Staunen bringen. Man könnte solche Vorkommnisse bestenfalls als ‚moralische Wunder‘ bezeichnen, wie etwa besondere, zunächst unerklärliche Ereignisse in unserem Leben, die man zu leicht als Wunder qualifiziert. Wenn wir aber vor einem wirklichen Wunder stehen, einem Wunder, so wie es uns heute in der Heiligen Schrift mit der wunderbaren Brotvermehrung durch den Herrn berichtet wird (Mt 8, 1-9), dann stehen wir vor ganz anderen Charakteristika, die das wahre Wunder erkennen lassen. Wir können dabei genau erkennen, dass Gott am Werk ist. Denn ein übernatürliches Wunder kann definiert werden als „ein sinnlich wahrnehmbares Zeichen, das von Gott, außerhalb der gewöhnlichen Kräfte und Gesetze der Natur, zu einem bestimmten Zweck und Sinn bewirkt wird“.

Wir sehen die einzelnen Elemente dieser Definition heute auch am Wunder der Brotvermehrung. Wir können, wie auch die zahlreiche Menge bei der Brotvermehrung deutlich bezeugt, klar erkennen, dass es sich um eine sinnlich wahrnehmbare Tatsache handelt. Eine wunderbare Tatsache, die nicht nur durch Jesus Christus selbst in der Heiligen Schrift wenigstens zweimal bewirkt worden ist, sondern die sich auch in der Kirchengeschichte durch die Kraft Gottes und das Gebet der Heiligen öfter zugetragen hat. Auch hier in Maria Engelport: Während einer großen Hungersnot, als die selige Meisterin des Klosters, Margarete von Scharffenstein, in großem Gottvertrauen der Zellerarin gegen deren Bedenken gesagt hat, sie solle alles an vorhandenen Brotvorräten verteilen. Diese Brotvorräte versiegten nicht, bis alle Armen gespeist waren und doch für die Schwestern noch genug übrigblieb.

Wir merken, dass hier eine sinnlich wahrnehmbare Tatsache Gott als direkt wirkenden Autor zum Ursprung hat. Nur Gott kann eine solche Brotvermehrung bewirken. Nur Gott, auf die Fürsprache der Heiligen oder direkt, in Jesus Christus mitten unter uns wandelnd, kann Brot und Fische so vermehren, dass aus einer kleinen Menge von Nahrungsmitteln eine große Anzahl von Menschen gespeist wird. Hier werden alle Kräfte und Gesetze der Natur, die uns bekannt sind, durchbrochen, weil der Autor dieser Kräfte und Gesetze selbst am Werk ist. Alle Gesetzmäßigkeiten der Natur, die wir durch die Naturwissenschaft in ihrer unglaublichen Vielfalt und Verschiedenheit immer weiter entdecken, haben ihren Ursprung in Gott. Wenn Gott als Ursprung all dieser Kräfte und Gesetze in die von Ihm geschaffene und abhängige Natur einwirken will, dann kann er das jederzeit frei tun: Dann geschieht vor unseren Augen ein wirkliches Wunder.

Aber ein solches Wunder geschieht deswegen, weil Gott uns damit etwas nahebringen will. Jedes Wunder hat einen tiefen Sinn. Wenn Gott in die von Ihm selbst festgelegte Naturordnung eingreift, dann will Er uns zunächst einmal zeigen, wie bei der Brotvermehrung, dass Er in der Lage ist, Seine Göttliche Macht auf dieser Erde jederzeit auszuüben und zu demonstrieren. Er speist nicht nur zweimal, wie wir aus den Evangelien wissen (vgl. z.B.  Mk 6, 34ff., ebd. 8, 1ff), eine sehr große Menge mit wenigen Speisen, sondern Er zeigt auch ständig in Jesus Christus, dass Er die Allmacht auf sich vereinigt, dieses und viele andere Wunder zu tun. Er offenbart uns damit, dass Er die Natur und die ganze von Ihm geschaffene Welt niemals alleine lässt, sondern mitten in ihr wirken kann, wie es Ihm gefällt – zu unserem Heil.

Das Wunder der Brotvermehrung aber hat noch einen tieferen Sinn. Wir stehen hier, wie schon die Kirchenväter uns erklärt haben, vor dem Vorbild der Eucharistie. So wie Gott damals die Menge gespeist hat von wenigem, so speist er auf eine viel wunderbarere und viel geheimnisvollere Weise in einem sichtbaren Zeichen seit Beginn der Kirche eine immer größer werdende Menge mit Seinem Heiligen Leib und Seinem Heiligen Blut. Er kann, durch die gesamte Geschichte der Kirche hindurch, das Brot der Engel unbegrenzt vermehren. Nie wird es in Wahrheit geteilt, nie wird es weniger, nie wird es etwas Anderes. Es ist immer Leib und Blut des Herrn zu unserem Heil. Tausende, ja Abermillionen, sind damit gespeist worden und Tausende und Millionen haben durch die Barmherzigkeit Gottes mit dieser Speise das ewige Leben erlangt.

Das Zeichen der Brotvermehrung ist selbst im Detail ein Unterpfand für das Wirken Gottes in die Kirchengeschichte hinein. Wir können in der Heiligen Schrift lesen, dass von den Broten und Fischen Reste übrigblieben. Wäre es nicht normal gewesen, diese Reste den Menschen, die gerade gespeist wurden, zur Wegzehrung zu überlassen? Dagegen gibt der Herr ganz offensichtlich den Aposteln die Anweisung, die Reste aufzusammeln: In vielen Körben bleiben diese Reste bei den Aposteln, den ersten Bischöfen, den Vertretern der Kirche, die sie bewahrt haben. So wird die Eucharistie, die auf unseren Altären verwandelt und dann zum Teil an das gläubige Volk verteilt wird, nachher in den Tabernakeln der Kirche aufbewahrt, damit das Volk immer genug Speise zum übernatürlichen Leben hat. So können wir erkennen, dass der Herr unter uns gegenwärtig bleibt und wir wissen damit, dass die Allmacht Gottes und die Kraft Seiner lebendigen Speise uns unter dem Zeichen der ehrfürchtig aufbewahrten und angebeteten Eucharistie von nun an nie mehr verlässt bis zum Ende der Welt. Auch das war bereits vorgezeichnet in dem Wunder, das uns heute die Schrift berichtet.

Jedes Wunder des Herrn und der Heiligen ist so gottgewirktes äußeres Zeichen, mit dem Gott die sichtbaren Naturgesetze durchbricht und einen tiefen Sinn im Leben der Kirche offenbart. Am allerdeutlichsten wird das bei dem großen, dem allumfassenden Wunder der leiblichen Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus, auf das sich heute der Heilige Paulus in seiner Epistel bezieht (Röm 6, 3-11). Auch hier erkennen wir einen tiefen Sinn. Denn dieses Wunder ist geschehen, damit wir wissen, dass wir gerettet worden sind. Es ist das Siegel der Erlösung! 

Durch dieses Wunder ist es uns ebenso möglich geworden, mit Christus zu sterben und in Christus aufzuerstehen. Weil der Herr in diesem, die uns bekannten Naturgesetze endgültig erschütternden Zeichen, allen gezeigt hat, dass Er der allmächtige Sieger über den Tod ist, dürfen wir wissen, dass Er auch anderweitig machtvoll in unser Leben eingreifen kann. Er wird uns nicht nur am Ende der Zeiten leiblich auferwecken, sondern Er kann auch jetzt schon in unser Leben einwirken. Er kann uns umwandeln! Er kann uns ein neues Leben schenken! Er gibt uns in der Eucharistie die Nahrung und das Unterpfand zu diesem neuen Leben und Er schenkt uns eine erneuerte Seele. Wir werden zu einem neuen Menschen! Er gibt uns neue Kraft von oben! Er ist so stark, dass auch die Sünde vor Ihm weichen muss.

So sehen wir, dass die Wunder, von denen uns die Schrift so reich berichtet und an denen die Kirchengeschichte nicht arm ist, uns immer auf ein Höheres hinweisen: Auf die Gegenwart des Herrn unter uns, auf Seine umgestaltende Macht in unserem Leben und darauf, dass wir uns auf Ihn verlassen können, was auch immer geschieht.  Denn Seine Kraft ist größer als Sünde, Tod und Teufel. Deswegen dürfen wir im Glauben bekennen, dass auf einer viel tieferen Ebene wahr ist, was wir am Anfang erwähnt haben: Wunder gibt es immer wieder! Gott hört nicht auf, wirkliche Wunder zu wirken, Wunder der Natur und Wunder der Gnade, wie Er nicht aufhört, die Menschen zu retten und zum ewigen Leben zu führen. Amen.

Predigt zum vierten Sonntag nach Pfingsten 2021

Kloster Maria Engelport

Predigt von

Msgr. Prof. DDr. R. Michael Schmitz

am vierten Sonntag nach Pfingsten 2021

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

„Gementes et flentes in hac lacrimarum valle“ – „seufzend und weinend in diesem Tal der Tränen“: So beschreibt das Gebet ‚Salve Regina‘, das ‚Gegrüßet seist du Königin‘, unsere hiesige irdische Kondition.

Wir kennen sie alle: Wir sind nicht immer glücklich. Es ist nicht immer einfach. Wir haben mit mancherlei Schwierigkeiten zu kämpfen und unser eigenes Leben ist wie ein langer, manchmal steiniger Weg, der nicht immer ins Helle führt. Wir dürfen uns darüber nicht wundern, denn wir leben oft in einer Art geistiger Gefangenschaft. Wir wissen, dass unsere Voreltern sich schon vor langer Zeit von Gott abgewandt haben. Wir wissen, dass die Folgen dieses Sündenfalls uns noch alle verfolgen. Wir kennen unsere eigene Sündhaftigkeit, die uns bei allem guten Willen und vielen guten Vorsätzen immer wieder einholt. Wir leben tatsächlich in einem Tal der Tränen.

Der heilige Paulus sagt uns das in der heutigen Epistel ganz deutlich: „Wir wissen ja, dass alle Geschöpfe seufzen und in Wehen liegen bis auf den heutigen Tag.“  (Röm 8,22) Wir erfahren immer wieder Leid und Begrenztheit. Wir können, jeder Einzelne und die menschliche Gemeinschaft im Ganzen, dem Kreuz nicht entgehen. Der heilige Paulus erklärt uns im schon zitierten Römerbrief aber auch den Sinn dieser Leiden. Er sagt uns ganz klar: „In Sehnsucht harret ja auch die Schöpfung auf das Offenbarwerden der Herrlichkeit Gottes an seinen Kindern.“ (Röm 8, 19), denn „die Leiden dieser Zeit sind nicht zu vergleichen mit der künftigen Herrlichkeit.“ (Röm 8, 18). Wenn wir hier leiden, wenn wir Schwierigkeiten zu überwinden haben, wenn jeder von uns sein eigenes persönliches Kreuz zu tragen hat, dann müssen wir das als eine Durchgangsituation begreifen. Diese Leiden sind nichts im Vergleich mit der Herrlichkeit, die uns erwartet. Das, wodurch wir leiden, und das, weswegen wir seufzen, alles, was nicht selten schwierig zu ertragen ist, ist gleichsam ein Zustand der Reinigung, ein Zustand des Wachsens auf die Ewigkeit hin, für die wir eigentlich geschaffen sind.

Sicherlich gibt uns der Herr auch hier auf Erden vieles Gute. Wir dürfen ihn – wie er selbst gesagt hat – um alles bitten, wenn wir nur gläubig sind (vgl. Mt 21, 22). Aber wir dürfen Gott nicht zum Ausführungsgehilfen unserer irdischen Glückseligkeit machen. Er ist kein nur innerweltlicher Gott. Er ist nicht da, um unsere Bedürfnisse zu erfüllen. Er ist nicht da, bloß um das, was wir hier nicht aus eigener Kraft erreichen können, für uns hier und jetzt besser zu machen. Er ist immer der größere Gott. Er ist in der Herrlichkeit und will uns auf die Herrlichkeit zuführen. Jedes Mal, wenn er uns ein Kreuz schenkt, jedes Mal, wenn er uns eine Prüfung gibt, dann blickt Gott weiter als wir, weil er weiß, unser Leben endet nicht hier. Wir sind Ewigkeitsgeschöpfe und wir sind deswegen notwendig in einer Situation der Prüfung, in einer Situation des Leidens, die uns vorbereitet auf die größere Herrlichkeit.

Unsere richtige Antwort auf dieses Willen des großen Gottes wird uns im Evangelium vorgestellt: Der heilige Petrus hatte mit den anderen Aposteln eine ganze Nacht lang vergeblich gefischt. Wie oft ist unsere eigene Situation nicht ähnlich? Wir haben lange Zeit um etwas gebetet, es ist aber immer noch nicht in Erfüllung gegangen. Wir haben eine Situation zum Besseren verändern wollen, aber sind an allen möglichen Schwierigkeiten gescheitert. Wir haben vielleicht in der Familie den Frieden stiften wollen, aber er hat sich immer noch nicht eingestellt. In solchen Momenten sagt der Herr uns im Blick auf die Ewigkeit: Gib nicht auf, sondern mache weiter! Er sagt uns wie dem Petrus: „Wirf dein Netz aus!“ (vgl. Lk 5, 4) Unsere Antwort muss dann die des erfahrenen Fischers Petrus sein, der genau wusste, dass – menschlich gesprochen – in dieser Nacht nichts mehr zu fangen sei, der aber dem Herrn geantwortet hat: „In verbo tuo laxábo rete.“ – „Auf dein Wort hin, o Herr, werfe ich das Netz aus.“ (Lk 5, 5) Auf dein Wort hin, o Herr, gebe ich nicht auf. Auf dein Wort hin, o Herr, glaube ich an die größere Herrlichkeit der Ewigkeit, gegen die die Leiden einer ganzen vergeblich durcharbeiteten Nacht gar nichts sind.

In dieser Zuversicht wirft Petrus das Netz aus. Weil er geglaubt hat, wird sein Netz so sehr gefüllt, dass die Überfülle der Fische es beinahe zum Zerreißen bringt. Der Herr zeigt damit seine göttlichen Macht. Er zeigt, dass wir nicht nur für diese Welt geschaffen sind. Er zeigt, dass es um uns und mit uns wirkend eine größere Kraft gibt. Wenn wir nur im Glauben und im Vertrauen dieser Kraft, nämlich der göttlichen Gnade, den richtigen Platz in unserem Leben geben, dann können wir weiterwirken, auch wenn wir sonst menschlich bereits mutlos gewesen wären.

Darum auch spricht der Herr, zu Petrus wie zu uns, jenes große Wort: „Fürchte dich nicht, von nun an wirst Du Menschenfischer sein!“ (Lk 5, 10) Von neuem blickt Gott in die Weite. Es geht nicht darum, dass Petrus plötzlich auf sein Wort hin viele Fische gefangen hat. Es geht darum zu zeigen, dass durch die göttliche Macht und auf Ihr Wort hin, Petrus Seelen wird fangen können für die Ewigkeit. Der Herr gibt uns nicht nur alles, was hier wir brauchen. Wenn wir mit ihm über dieses Tal der Tränen hinausblicken in die Ewigkeit und Herrlichkeit, die uns erwartet, dann gibt er uns die Kraft, die Gnade zu empfangen, mehr als Menschenmögliches zu tun: Nämlich in seinem Sinn zu wirken, für ihn Zeugnis abzulegen und Menschen zu ihm zu bringen, damit sie mit uns zur endgültigen „Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes“ (Röm 8, 21) in der Ewigkeit gelangen.

Gott ist kein Ausführungsgehilfe unserer weltlichen Wünsche. Gott ist größer! Er führt uns weiter und er gibt uns größere Aufgaben. Jedem einzelnen durch das Gebet, durch das Leiden, durch die Sühne, durch die Kreuze, durch die Gnaden, die er uns schickt. Alles das sind nicht nur innerweltliche Mittel, sondern es sind Instrumente zu unserer eigenen Heiligung und zur Heiligung der gesamten Welt. Werden wir also niemals mutlos! Sagen wir in allen Schwierigkeiten persönlicher Art und in den Schwierigkeiten der Welt zu Gott immer mit dem gleichen Vertrauen des Petrus: „Auf dein Wort hin, o Herr, werfe ich das Netz aus.“ Wenn wir das tun, wird unser Fischfang wird reich sein und uns in die Ewigkeit führen. Das bestätigt nur, was der Herr den Aposteln anderswo gesagt hat: „Sorgt euch zuerst um das Reich Gottes und alles andere wird euch dazugegeben werden“ (Mt 6, 33).

Geliebte, es ist wahr, was der heilige Paulus lehrt: „Die Leiden dieser Zeit sind nicht zu vergleichen mit der künftigen Herrlichkeit.“ Vertiefen wir unseren Glauben, beten wir zu den Apostelfürsten Petrus und Paulus, damit wir, wie sie, weiterblicken über die Leiden hinaus in die Herrlichkeit, für die wir geschaffen sind, damit wir nie aufhören in großem Gottvertrauen weiter zu arbeiten für das Reich Gottes. Wir dürfen sicher sein: Alles andere wird uns dazu gegeben werden! Amen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Predigt zum Herz Jesu Fest 2021

Predigt zum Herz Jesu Fest 2021

v. Msgr. Prof. Dr. Dr. Rudolf Michael Schmitz

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.

Unsere Zeit ist arm geworden. Arm geworden vielleicht nicht an materiellen Gütern, auch wenn die Reichen immer reicher zu werden scheinen und die Armen immer ärmer. Doch was die Welt hat, das sind meist Dinge, die man zählen kann, die man anfassen kann, die nicht wirklich, nicht innerlich reich machen.

Deswegen stellt uns heute die Kirche den wahren Reichtum vor Augen. Den „unergründlichen Reichtum Christi“, den wir vor allem im Heiligsten Herzen Jesu erkennen und anbeten können. Dieser Reichtum ist mannigfach. Wir wollen heute besonders vier Aspekte dieses Reichtums des Herzens Jesu betrachten: Den Reichtum der Weisheit und Wissenschaft, den Reichtum der Gnade, den Reichtum der Sühne, und schließlich den Reichtum der Liebe.

Schon Pius XII hat in seiner berühmten Enzyklika ‚Haurietis Aquas‘ vom Jahre 1958 gesagt: „Das Herz unseres Heilandes gibt also irgendwie ein Bild der göttlichen Person des Wortes wieder, ebenso der doppelten menschlichen und göttlichen Natur. Und in ihm können wir nicht nur das Sinnbild, sondern auch die Zusammenfassung des ganzen Geheimnisses unserer Erlösung erblicken.“ Wenn wir auf das Herz Jesu schauen, dann sehen wir nämlich in ihm das Feuer der dreifaltigen Gottheit brennen. Wir sehen, dass Jesus, der vor aller Zeit war, immer noch ganz von der Gottheit erfüllt ist. In Ihm tritt uns die Allmacht Gottes klar entgegen.

Darüber hinaus erkennen wir im Herzen Jesu das Wirken der Gottheit für uns, denn wir sehen auch das Geheimnis der Menschwerdung. Gerade das Herz des Herrn zeigt uns, dass Christus keinen Scheinleib angenommen hat, sondern durch und durch, bis in das Innerste seines Herzens Mensch geworden ist, sodass er mit uns fühlen und mit uns leiden kann. Wir erkennen dadurch auch die Erlösungsordnung. Denn Er hat uns nicht von Ferne erlösen wollen, sondern mit seinem eigenen Herzen, das für uns durchstoßen worden ist. In der Anbetung des Heiligsten Herzens Jesu erfassen wir die ganze Bereitschaft Gottes, sich für uns als Erlösungsgabe hinzugeben und ganz mit uns zu sein, in jedem Moment des Lebens. Wer im Herzen Jesu liest, der kann so die ganze Weisheit des Seins und des Handelns Gottes erkennen und anbeten.

Das Herz Jesu aber bleibt auch die Fülle und die Quelle aller Gnaden. Es ist am Kreuz geöffnet worden und es bleibt geöffnet. So sehen wir an allen Statuen und Bildern unseres Herrn immer auch die geöffnete Seite. Das ist nicht nur ein leeres Symbol, sondern zeigt uns, dass das Herz Jesu wirklich die Quelle aller Gnaden ist. Die Reichtümer aller Gnaden fließen aus dem Herzen Jesu. Ständig und ununterbrochen wird durch das Opfer Jesu Christi der Kirche der Reichtum der Gnade vermittelt. Wenn wir hier auf unserem Altar gleich das heilige Messopfer feiern können, wenn Sie in der heiligen Beichte die Gnade der Vergebung erhalten, wenn in den anderen Sakramenten der Gnadentisch des Herrn immer reich gedeckt bleibt, dann deswegen, weil unaufhörlich aus dem gottmenschlichen Herzen Jesu Christi diese Gnaden auf die Kirche herabströmen, die sie uns vermittelt. Wir kennen deswegen das Herz Jesu als die wirkliche Quelle, den tatsächlichen Ursprung aller Gnaden an und wenn wir es anbeten, dann flehen wir diese Gnaden nicht nur egoistisch auf uns selbst herab, sondern auf die ganze Kirche, die immer wieder durch den Gnadenstrom aus der Seite Jesu Christi reingewaschen und erneuert wird.

Der unendliche Reichtum dieser Gnaden aber drückt sich auch in der Fülle der Sühne aus, die Christus für uns gelitten hat. Das ganz reine und unschuldige Herz des Herrn war „voll der Schmach“, weil Er alles Dunkel, alle Sünde und alles Schlechte, das von uns kommt, auf sich genommen hat. Wir können uns nicht vorstellen, was es für ein ganz reines Herz bedeuten mag, mit dieser Überfülle der Hässlichkeit, die die Sünde in die Welt bringt, überflutet zu werden. Er hat sich dem nicht entzogen. Er hat dem himmlischen Vater jene Sühne geleistet, die wir niemals hätten leisten können. Er hat die Schmach, die jedes menschliche Herz gebrochen hätte, auf sich genommen, um unsere Herzen reinzuwaschen und um sicherzustellen, dass wir die Kraft finden, der Sünde mithilfe der Gnade aus dem Weg zu gehen. Die Fülle der Sühne, die der Herr geleistet hat, zeigt sich ebenso in der Verzeihung, die Er uns immer wieder gibt, wenn wir uns seinem Heiligsten Herzen nähern und Ihm in der heiligen Beichte mit reuevollem Herzen um Vergebung bitten. Die Sühne ist so groß, dass keine Sünde, die in dieser Welt geschieht, wenn sie nur bereut wird, vor der Barmherzigkeit standhalten kann, die das sühnebeladene Herz Jesu symbolisiert.

Schließlich sehen wir gerade an dieser stellvertretenden Sühnebereitschaft des ganz unschuldigen Herzens Jesu, dass dieses Herz wirklich, wie die Litanei uns sagt, der „brennende Feuerherd der Liebe“ ist. Die göttliche Liebe brennt in diesem Herzen, weil es ein göttliches Herz ist. Aber das größte Geheimnis ist, dass dieses Herz jeden von uns persönlich kennt, dass dieses Herz zu jedem von uns auch ein ganz menschliches, persönliches, inniges Band der Liebe geflochten hat, dass dieses Herz, als es am Kreuz geöffnet worden ist, für jeden einzelnen von uns sein Blut vergossen hat. Es gibt keine passive Kollektiverlösung, sondern eine persönliche, von Christus für jeden von uns namentlich gewollte Erlösung aus Liebe, die wir in Freiheit annehmen können. Jeder von uns hat im Herzen Jesu einen Herzensfreund. Und jeder von uns kann wissen, dass dieses Herz für ihn ganz persönlich die Quelle aller Tröstung sein kann, die kein Mensch und keine Freundschaft hier auf Erden schenken kann.

Dieser Reichtum der Weisheit, Gnade, Sühne und Liebe des Herzen Jesu darf nicht vergessen werden. Er zeigt uns das Herz des Herrn als ausdrückliches Bild der unendlichen Liebe Jesu Christi, das uns durch sich selbst zur Gegenliebe bewegt. Wenn wir das Herz Jesu sehen, dann ist es eben nicht nur ein leeres Symbol – es darf uns nicht kalt lassen, denn es ist ein brennendes Herz, das unsere Liebe hervorrufen will. Es ist ein Herz, in dem die Fülle der ganzen Gottheit wohnt, in dem, wie der Hl. Johannes im ersten Kapitel seines Evangeliums sagt: „Von Seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade.“ (Joh. 1, 16).

Deswegen hat die Kirche durch viele Jahrhunderte die Herz Jesu Verehrung gegen die Kälte und die Armut der Welt propagiert. Deswegen feiern wir in einer feierlichen Prozession gleich das Heiligste Herz Jesu als den König der gesamten Erlösungsordnung und unseren eigenen persönlichen Freund. Deswegen hat die Hl. Margareta Maria Alacoque verstanden, dass die Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu ein letztes Wort des barmherzigen Gottes an die Menschheit ist, wenn sie sagt: „Die Herz Jesu Verehrung ist eine letzte Bemühung des Herrn, zugunsten der Christen dieser letzten Zeit, um sie davon zu überzeugen, …Ihn zu lieben.“ Diese letzte Bemühung des Herrn, sich das Herz öffnen zu lassen für uns, darf nicht unbeantwortet bleiben. Es ist in dieser letzten Zeit die Aufgabe jedes einzelnen, der so selbstlos vom Herrn geliebt wird, auf diese Liebe zu antworten. Die letzte Zeit ist immer gegenwärtig! Die Liebe des Herrn ruft uns immer zur Antwort! Deswegen wollen wir unser Herz umgestalten lassen in das Herz des Herrn, der für uns gestorben ist. Amen.

Predigt vom dritten Sonntag nach Pfingsten

Predigt zur äußeren Feier des Herz Jesu Festes

in Kloster Maria Engelport (am dritten Sonntag nach Pfingsten)

von Msgr. Prof. Dr. Dr. Rudolf Michael Schmitz

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Jede Liebe braucht Symbole. Jede Liebe lebt von Zeichen, die wir einander geben. Schon die Freundesliebe kommt ohne gute Worte, ohne Besuche, ohne freundliche Gesten, ja ohne kleine Geschenke nicht aus: „Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft“, heißt es zurecht. Mehr noch trifft das auf die Elternliebe zu. Wie oft küsst nicht eine Mutter ihr Baby, wie oft geben die Eltern nicht ihren Kindern Zeichen ihrer Liebe, auch in Worten, in Geschenken, in einer oft großen Geduld, in der Bereitschaft, ihnen immer zur Seite zu stehen. Liebe ohne Zeichen ist nicht vollständig.

Das gilt besonders für die eheliche Liebe. Diese kann nicht auf Dauer bestehen, wenn die Zeichen der Zärtlichkeit, des gegenseitigen Respektes, der gegenseitigen Anhänglichkeit fehlen. Das größte Zeichen der ehelichen Liebe, die eheliche Umarmung, ist ein Symbol, das gleichsam bewirkt, was es bezeichnet, denn es zeigt die Ganzhingabe und bringt die Frucht der Liebe hervor. Deswegen ist jede Ganzhingabe des Körpers irgendwie verlogen und falsch, wenn sie außerhalb des endgültigen Willens der ehelichen Ganzhingabe stattfindet. So ist es ein wichtiges Faktum, dass die eheliche Umarmung zur Gültigkeit der Ehe hinzugehört, und dass sie im Sakrament das Siegel der Unauflöslichkeit dieser Hingabe und damit der Ehe ist.

Das größte Zeichen aber, das wirkliche Realsymbol der Liebe, wie der Herr selber sagt, ist das Opfer, und vor allem die Bereitschaft, füreinander zu sterben. Jesus lehrt im 15. Kapitel des Johannesevangeliums: „Niemand hat eine größere Liebe, als wer sein Leben gibt für seine Freunde.“ Der Herr hat sein Leben hingegeben! Selbst wenn ein Mensch für einen anderen stirbt, sehen wir die Ganzhingabe der Liebe deutlich vor Augen und wirklich vollzogen. Wieviel mehr gilt das für den Gottmenschen!

Deswegen begreifen wir auch, dass die gesamte Menschwerdung Jesu Christi ein solches Realsymbol, ein wirkliches Zeichen der Ganzhingabe Gottes an uns ist. Nicht nur der Opfertod des Herrn zeigt uns das, sondern Sein ganzes Leben; die Menschwerdung selber ist doch für den allmächtigen, ganz geistigen Gott ein dauerndes Opfer des Verzichtes. Die zweite Person der Dreifaltigkeit steigt herab in das Dunkel unseres Lebens und nimmt dieses Leben so ganz an, dass der Herr auch einen Leib Sein Eigen nennt. Es ist gleichsam ein unaufhörliches Opfer, das Gott in Christus aus Liebe für uns bringt.

Diese Opferbereitschaft zeigt sich auch darin, dass Er uns die Wahrheit in menschlichen Worten verkündet, die wir verstehen können, in einfachen Begriffen, die jedes Menschen Geist und Herz erhellen können. Es zeigt sich Seine opferbereite Liebe ebenfalls, wenn Er niemals die Geduld verliert, uns zu heilen. Als Er als Mensch unter uns wandelte, hat Er unaufhörlich die große Menge derjenigen, die zu Ihm kamen, nicht fortgewiesen, sondern geheilt. So heilt Er auch unsere Gebrechen, seien sie geistiger, seien sie körperlicher Art, wenn wir nur im Glauben an Ihn herantreten und darum bitten.

Der Herr hat schließlich mit Seinem Opfertod gezeigt, dass diese Ganzhingabe der Liebe keine Grenze hat. Er hat in diesem Realsymbol bezeichnet und bewirkt, was unsere Rettung ist. Er hat sich zur Sühne für uns hingegeben, Er hat sein Herz durchstechen lassen. Er hat schließlich in der Auferstehung offenbart, dass diese Ganzhingabe in einen Triumph über Tod und Sünde mündet, weil er Gott ist. Alles, was der Herr tut, ist somit ein Zeichen Seiner Liebe, ein Realsymbol dafür, dass Gott uns unaufhörlich mit einer zärtlichen Liebe liebt.

Das alles aber ist zusammengefasst im Heiligsten Herzen Jesu. Dort sehen wir die Menschwerdung, dieses dauernde Opfer des Herrn, für immer verwirklicht. Dort sehen wir Seine Wahrheit und Seine Wunderkraft in unser Leben hineinwirken. Dort sehen wir, dass das Opfer und der Opfertod niemals aufhören, denn Sein Herz ist in der Eucharistie als das geopferte gegenwärtig. Dort sehen wir auch, dass Er Sieger und triumphierender Held über den Tod und den Teufel ist, denn Sein auferstandenes Herz bleibt für immer durchstochen, aber glorreich in der Herrlichkeit des Vaters. 

In diesem Realsymbol, das unsere ganze Religion zusammenfasst, können wir daher erkennen, wie sehr der Herr uns geliebt hat. Deswegen sagt Papst Pius XII. in der Enzyklika Haurietis Aquas: „Das Herz des göttlichen Erlösers ist mehr als alle anderen Glieder seines Leibes ein natürliches Kennzeichen beziehungsweise Symbol für Seine Liebe zum Menschengeschlecht; und im Heiligsten Herzen liegt das Symbol und das ausgeprägte Bild der unbegrenzten Liebe Jesu Christi vor, die uns zur gegenseitigen Liebe bewegt.“ Er zeigt uns in Seinem Herz die Fülle Seiner Opferbereitschaft und Seiner Ganzhingabe, um uns dazu zu bringen, Ihn freiwillig wiederzulieben.

Deswegen hat die Kirche seit vielen hundert Jahren die Herz Jesu Verehrung für uns als ein Symbol der Wiederliebe begründet und propagiert. Deswegen auch will der Herr, dass wir das Herz Jesu in unseren Häusern und Wohnungen inthronisieren. Es soll nicht nur der Mittelpunkt und das Zentralsymbol unserer Religion sein, sondern unseres ganzen Lebens. Wenn wir wissen, wie sehr jede Liebe der Zeichen und Symbole bedarf, wenn wir begriffen haben, wie sehr die Einheit von Gottheit und Menschheit das Herz Jesu zum wahren Realsymbol der opferbereiten Liebe Gottes für uns macht, dann können wir nicht kalt bleiben, dann können wir nicht gleichgültig bleiben!  Dann müssen auch wir bereit sein, Ihm unser Leben zu schenken, Ihn im Heiligsten Herzen zu lieben und zu verehren und Ihm Dank zu sagen für die unendlichen und nie endenden Zeichen Seiner opferbereiten Liebe für uns!

Nehmen wir also die Aufforderung der Kirche ernst, inthronisieren wir das Herz Jesu in unseren Häusern und Wohnungen, vor allen Dingen aber in unseren Herzen. Vergessen wir dadurch nie, auf welche göttliche, unverbrüchliche und ewige Wahrheit wir bauen können, die der Herr uns in Seinem Herzen täglich offenbart: „Niemand hat eine größere Liebe, als wer sein Leben gibt für seine Freunde.“ Amen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.Amen.

Predigt vom Zweiter Sonntag nach Pfingsten 2021

Kloster Maria Engelport

Predigt von Msgr. Prof. DDr. R. Michael Schmitz

Zweiter Sonntag nach Pfingsten 2021

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

„Schönheitsreparaturen reichen nicht“, das sind die Worte eines hohen Kirchenvertreters in einem sogenannten Interview während einer der besten Sendezeiten unseres Fernsehens.

„Schönheitsreparaturen reichen nicht“, darin und nur darin mag der hohe Herr Recht haben. Was er dann als Heilmittel für die jetzige kirchliche Situation angekündigt hat, waren, was wir im Rheinland nicht zu Unrecht „Olle Kamelle“ nennen würden. Denn Frauenordination, Priesterehe, Segen und Kommunion für alle Arten von öffentlichen Sünden sowie die Kontrolle der Priester durch die Laien werden teilweise schon seit der sogenannten Reformation in Deutschland verkündet und sind vor allem seit den letzten 50 Jahren gar nichts Neues. Man möchte sich wünschen, dass diejenigen, die solche „alten Kamellen“ fordern, einmal über die ökumenische Mauer blicken wollten und sehen würden, welche Früchte diese Dinge in den Gemeinschaften getragen haben, die das alles schon lange eingeführt haben. Dort, wo es schon lange keinen Zölibat mehr gibt, dort wo Frauen Pastoren sein können, dort wo alle unterschiedslos zur Kommunion zugelassen werden, dort herrscht in den Kirchenbänken öde Leere. All diese Dinge helfen nämlich nicht, weil sie nicht wirklich eine Reform sind, noch weniger eine „systemische Reform“, sondern nur dem Zeitgeist schmeicheln.

Der heilige Paulus sagt im 12. Kapitel des Römerbriefes dagegen: „Nolite conformari huic saeculo“, passt euch nicht dieser Welt an. Dieses Wort hat die Kirche während der letzten 2000 Jahre sehr ernst genommen. Schon von Anfang an haben sich die Apostel, nachdem sie durch die Auferstehung des Herrn Jesus Christus und seine Erscheinungen zum Glauben zurückgefunden hatten, nicht der Welt angepasst. Sie hätten leicht Kompromisse eingehen können und behaupten können, der Herr sei nicht auferstanden. Das hätte ihnen den Märtyrertod erspart. Sie aber waren dann treu bis zum Tod. Tausende und abertausende anderer Christen sind ebenso als Märtyrer für die Wahrheit des Glaubens gestorben. Wenn nicht viele Heilige gegen die Stimme der Welt mutig verkündet hätten, worum es wirklich geht, dann wäre die Kirche gar nicht bis ins dritte Jahrtausend gelangt.

Wenn wir nur den großen Heiligen des gestrigen Tages, Bonifatius, den Patron Deutschlands, ansehen, der auch für seinen kompromisslosen Glauben gestorben ist, dann können wir, wie beim zweiten Patron Deutschlands, dem heiligen Petrus Canisius, der die Kirche in Deutschland nach der Reformation wieder katholisiert hat, genau erkennen, was man tun muss, um sich nicht der Welt anzupassen. Beide haben nämlich das einzige System verteidigt, das der Kirche wirklich helfen kann, nämlich das göttliche „System“. Dieses „System“ ist unveränderlich und ihm müssen wir die Zeit anpassen, nicht uns der Zeit!

Wie diese Heiligen und alle Christen, die dem Glauben treu geblieben sind, uns vorgelebt haben, dürfen wir uns nicht verblendet der Welt anpassen. So hören wir heute den heiligen Johannes sagen, „Wundert euch nicht, wenn euch die Welt euch hasst.“ (1 Jo 3,13) Was immer für Konzessionen die Kirche macht, sie wird trotzdem von der Welt gehasst werden. Die Welt hat lange nach der Verweltlichung des Priestertums gerufen. Nun, wo viele Priester verweltlicht sind, da zeigt sie mit den Fingern auf die Priester. Die Welt wird immer die Kirche hassen, weil sie die Wahrheit und Jesus Christus hasst.

Deswegen müssen wir nicht auf die Welt schauen, nicht dem System der Welt folgen, sondern dem „System“ Gottes, lebendig im göttlichen Wesen der Kirche. Wie seinerzeit der heilige Bonifatius und der heilige Petrus Canisius, so sollen auch wir das Eigentliche in den Vordergrund stellen, nämlich die feierliche Anbetung Gottes in der Liturgie. Gott ist im Mittelpunkt aller Dinge – nicht der Mensch! Wir müssen die Heilige Eucharistie, die wir am Fronleichnamsfest feierlich durch unsere Straßen getragen haben, wieder mehr verehren. Wir müssen das Priestertum und die Berufungen durch unser Gebet und unsere Ermutigung stärken. Wir müssen die Gottesmutter und die Heiligen, die uns ein erfülltes christliches Leben beispielhaft vorgelebt haben, mit wahrer Frömmigkeit ehren, wir müssen uns vor allem an das Heiligste Herz Jesu halten, dessen Monat wir begehen und seinen Geboten und seinen Worten genau folgen. Daher müssen wir der dauernden Lehre der Kirche, wie sie von allen Päpsten unverändert verkündet worden ist, auch heute in allem treu bleiben!

Dann, Geliebte, und nur dann wird das „System“ Gottes in dieser Kirche wieder herrschen und nur dann werden die Menschen zurückkehren, denn sie werden sehen, dass wir an das, was wir verkünden, auch glauben. Die Krise, die wir sehen, ist nämlich keine Krise der Frauenordination, ist keine Krise der Priesterehe, ist keine Krise der öffentlich tolerierten Sünden, sondern ist eine tiefe Krise des Glaubens. Wenn wir nicht mehr glauben, dass der Herr Gott ist, wenn wir nicht mehr glauben, dass er uns Worte des ewigen Lebens mitteilt, wenn wir seinen Geboten und seinen einfachen Heilsvorschriften, die er der Kirche hinterlassen hat, nicht folgen wollen, auf welcher Ebene auch immer, dann wird das System der Welt uns zerstören.

Folgen wir also, jeder in seinem eigenen Leben, jetzt ganz besonders eifrig dem großen, dem herrlichen Gnadensystem Gottes. Wir sind zum Gastmahl Gottes eingeladen, wie wir im heutigen Evangelium hören (vgl. Luk 14, 16-24). Der Herr hat in seiner großen Liebe zu uns den Tisch reicht gedeckt, alles was wir brauchen, ist bereits da. Der üppig gedeckte Tisch der Gnaden Gottes hat über Jahrtausende die Menschen genährt und sie nicht nur zu Christus hier in dieser Welt geführt, sondern zu Ihm in das ewige Leben gebracht. Der Tisch ist überreich gedeckt! Seien wir nicht wie Menschen, die vor einem reich gedeckten Tisch verhungern, weil sie den Glauben verloren haben, weil sie aus Verblendung die Gaben Gottes nicht mehr erkennen können, weil sie der Welt nachlaufen wollen und denen, die sie am Ende doch auslachen.

Wir haben eine andere Richtung zu gehen, die Richtung Gottes, die Richtung Christi! Er ist der liebende Herr, der uns vorangeht. Er gibt uns in der Kirche schon lange alle Gnaden, die wir brauchen. Seinen Reichtum haben wir empfangen!  Ihn müssen wir wieder entdecken, ihn müssen in unserem eigenen Leben sichtbar werden lassen! Dann wird das „System“ Gottes, das System der Gnade, das System der Rettung stärker sein als die Welt! Diese „systemische Reform“ ist in der Tat keine „Schönheitsreparatur“, sondern umfasst die Rückkehr zum Wesentlichen. Wenn wir das wirklich Wesentliche des Glaubens mit der ganzen kirchlichen Überlieferung leben, dann sind wir des Hohngelächters der Welt und manchmal auch ihrer Verfolgung sicher. Aber nur dann dürfen wir auch hoffen, mit der Gottesmutter, den Heiligen und all denen, die immer mutig und ohne Abstriche den Glauben bekannt haben, in den Himmel einzuziehen um Christus zu loben und zu preisen für immer. Amen.