Brief Seiner Eminenz Raymond Leo Kardinal Burke

Deutsche, leicht gekürzte Fassung eines Textes von S. Em. Raymond Leo Kardinal Burke vom 21. März 2020 (die englische Originalversion siehe www.cardinalburke.com)

Liebe Freunde,

Seit einiger Zeit kämpfen wir gegen die Verbreitung des Coronavirus COVID-19. Nach allem, was wir sagen können – und eine der Schwierigkeiten des Kampfes ist, dass noch so viel über diese Pest unklar ist – , wird der Kampf noch einige Zeit andauern. Das Virus ist besonders heimtückisch, denn es hat eine relativ lange Inkubationszeit – manche sagen 14 Tage, manche sagen 20 Tage – und ist hoch ansteckend, viel höher als andere Viren, die wir bisher erlebt haben.

Da ich in Italien lebe, wo die Verbreitung des Coronavirus besonders tödlich ist, vor allem für ältere Menschen und für diejenigen, die sich bereits in einem heiklen Gesundheitszustand befinden, bin ich von der großen Sorgfalt erbaut, mit der die Italiener sich und andere vor der Ansteckung schützen. Wie Sie vielleicht schon gelesen haben, wird das Gesundheitssystem in Italien bei dem Versuch, die notwendigen Krankenhausaufenthalte und Intensivbehandlungen für die am meisten gefährdeten Menschen zu gewährleisten, auf eine harte Probe gestellt. Bitte beten Sie für das italienische Volk und besonders für diejenigen, für die das Coronavirus tödlich sein kann, ebenso für diejenigen, die mit ihrer Betreuung betraut sind. Als Bürger der Vereinigten Staaten habe ich die Situation der Ausbreitung des Coronavirus in meinem Heimatland verfolgt und weiß, dass die in den Vereinigten Staaten lebenden Menschen immer mehr darauf bedacht sind, die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, damit sich eine Situation wie die in Italien dort nicht wiederholt.

Die ganze Situation versetzt uns sicherlich in eine tiefe Trauer und auch in Angst. Niemand will sich mit der Krankheit, die mit dem Virus verbunden ist, anstecken oder jemand anderen anstecken lassen. Wir wollen vor allem nicht, dass unsere geliebten alten Menschen oder andere, die gesundheitlich angeschlagen sind, durch die Verbreitung des Virus in Todesgefahr geraten. Um die Ausbreitung des Virus zu bekämpfen, befinden wir uns alle in einer Art ‚Zwangsexerzitien‘, mit Ausgangssperren, ohne die üblichen Zeichen der Zuneigung gegenüber der Familie und den Freunden zeigen zu können. Für diejenigen, die sich in Quarantäne befinden, ist die Isolation eindeutig noch schwerer, da sie mit niemandem Kontakt haben dürfen, auch nicht aus der Distanz.

Als ob die mit dem Virus verbundene Krankheit selbst nicht ausreichend wäre, um uns zu beunruhigen, dürfen wir vor den wirtschaftlichen Verwüstungen, die die Verbreitung des Virus verursacht, nicht die Augen schließen, ebenso wenig ihre schmerzlichen Auswirkungen auf Einzelpersonen und Familien und auf diejenigen, die uns in unserem täglichen Leben auf vielfältige Weise dienen. Natürlich können wir uns auch schwer gegen Gedanken wehren, die die Möglichkeit einer noch größeren Verwüstung unter der Bevölkerung in unseren Heimatländern und sogar in der Welt sorgenvoll in Betracht ziehen.

Sicherlich ist es richtig, dass wir alle natürlichen Mittel kennenlernen und einsetzen, um uns vor einer Ansteckung zu schützen. Es ist ein grundlegender Akt der Nächstenliebe, mit allen Mitteln zu verhindern, dass das Coronavirus sich durch uns verbreitet. Die natürlichen Mittel zur Verhinderung der Verbreitung des Virus müssen jedoch das respektieren, was wir zum Leben brauchen, zum Beispiel den Zugang zu Nahrung, Wasser und Medikamenten. So sieht der Staat beispielsweise trotz immer stärkerer Einschränkungen der Bewegungsfreiheit vor, dass der Einzelne den Supermarkt und die Apotheke besuchen darf, wobei die Vorkehrungen zur sozialen Distanzierung und zur Verwendung von Desinfektionsmitteln von allen Beteiligten beachtet werden müssen.

Bei der Überlegung, was zum Leben notwendig ist, dürfen wir nicht vergessen, dass unsere erste Überlegung unsere Beziehung zu Gott ist. Wir erinnern uns an die Worte unseres Herrn im Johannesevangelium: „Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir kommen zu ihm und nehmen Wohnung bei ihm“ (14, 23). Christus ist der Herr der Natur und der Geschichte. Er ist nicht fern und uninteressiert an uns und an der Welt. Er hat uns versprochen: „Ich bin immer bei euch, bis zum Ende der Zeit“ (Mt. 28,20). Im Kampf gegen das Übel des Coronavirus ist unsere wirksamste Waffe daher unsere Beziehung zu Christus durch Gebet und Buße, durch Andacht und heilige Anbetung. Wir wenden uns an Christus, um uns von der Pest und von allem Übel zu befreien, und Er antwortet uns immer mit reiner und selbstloser Liebe. Deshalb ist es für uns von wesentlicher Bedeutung, dass wir jederzeit und v.a. in Krisenzeiten Zugang zu unseren Kirchen und Kapellen, zu den Sakramenten und zu Andachten und Gebeten haben.

So wie wir Lebensmittel und Medikamente kaufen können, wobei wir darauf achten müssen, das Coronavirus nicht zu verbreiten, so müssen wir auch in unseren Kirchen und Kapellen beten, die Sakramente empfangen und uns an Andachten beteiligen können, damit wir Gottes Nähe zu uns erfahren, ihm nahe bleiben und seine notwendige Hilfe anrufen können. Ohne die Hilfe Gottes sind wir in der Tat verloren. Historisch gesehen, haben sich die Gläubigen in Zeiten der Pest inbrünstig zum Gebet versammelt und an Prozessionen teilgenommen. Tatsächlich gibt es in dem von Papst Johannes XXIII. 1962 herausgegebenen Römischen Meßbuch besondere Texte für die hl. Messe, die in Zeiten der Pest dargebracht werden soll, z.B. die Votivmesse zur Befreiung vom Tod in Zeiten der Pest (Missae Votivae ad Diversa, Nr. 23). Ebenso beten wir in der traditionellen Heiligenlitanei: „Herr, erlöse uns von Pest, Hungersnot und Krieg.“

Oft, wenn wir uns in großem Leid befinden und sogar dem Tod ins Auge sehen, fragen wir uns: „Wo ist Gott? Aber die eigentliche Frage ist: „Wo sind wir?“ Mit anderen Worten: Gott ist mit Sicherheit bei uns, um uns zu helfen und uns zu retten, besonders in der Zeit der schweren Prüfung oder des Todes, aber wir sind zu oft weit von ihm entfernt, weil wir unsere völlige Abhängigkeit von ihm nicht anerkennen und deshalb nicht täglich zu ihm beten und ihm unsere Anbetung anbieten.

In diesen Tagen habe ich von sehr vielen gläubigen Katholiken erfahren, die zutiefst betrübt und entmutigt sind, dass sie nicht in der Lage sind, in ihren Kirchen und Kapellen zu beten und anzubeten. Sie verstehen die Notwendigkeit, soziale Distanz zu wahren und die anderen Vorsichtsmaßnahmen zu beachten, und sie werden diese umsichtigen Praktiken befolgen, die sie in ihren Kirchen leicht genug praktizieren können. Aber oft genug müssen sie das tiefe Leid akzeptieren, dass ihre Kirchen und Kapellen geschlossen sind und ihnen kein Zugang zur Beichte und zur heiligsten Eucharistie gewährt wird.

Im gleichen Licht kann ein gläubiger Mensch das gegenwärtige Unglück, in dem wir uns befinden, nicht ansehen, ohne auch erkennen zu müssen, wie weit unsere moderne Kultur von Gott entfernt ist. Sie ist nicht nur gleichgültig gegenüber Seiner Gegenwart in unserer Mitte, sondern auch offen rebellisch gegenüber Ihm und der guten Ordnung, mit der Er uns geschaffen hat und uns im Sein erhält. Wir brauchen nur an die alltäglichen gewalttätigen Angriffe auf das menschliche Leben hinsichtlich seiner Geschlechtlichkeit, die Gott nach seinem Bild und Gleichnis gemacht hat (Gen 1,27), an Angriffe auf unschuldige und wehrlose Ungeborene und auf diejenigen, die den ersten Anspruch auf unsere Fürsorge haben, d.h. an diejenigen, die an schweren Krankheiten oder Behinderungen leiden, oder fortgeschrittenen Alters sind. Wir sind täglich Zeugen der Verbreitung von Gewalt in einer Kultur, die das menschliche Leben nicht respektiert.

Ebenso brauchen wir nur an den allgegenwärtigen Angriff auf die Integrität der menschlichen Sexualität zu denken, an unsere Identität als Mann oder Frau, unter dem Vorwand, für uns selbst, oft unter Einsatz gewalttätiger Mittel, eine andere sexuelle Identität als die uns von Gott gegebene zu definieren. Mit immer größerer Sorge erleben wir die verheerenden Auswirkungen der so genannten „Gender-Theorie“ auf Einzelpersonen und Familien.

Auch innerhalb der Kirche sind wir Zeugen eines Heidentums, das die Natur und die Erde anbetet. Es gibt innerhalb der Kirche diejenigen, die die Erde als unsere Mutter bezeichnen, als ob wir von der Erde kämen, und als ob die Erde unsere Rettung sei. Aber wir kommen aus der Hand Gottes, des Schöpfers des Himmels und der Erde. In Gott allein finden wir die Erlösung. Wir beten in den göttlich inspirierten Worten des Psalmisten: „[Gott] allein ist mein Fels und mein Heil, meine Festung; ich werde nicht erschüttert werden“ (Ps. 62 [61], 6). Wir sehen, wie sich das Glaubensleben selbst zunehmend säkularisiert und damit die Herrschaft Christi, des menschgewordenen Gottessohnes, des Königs des Himmels und der Erde, kompromittiert hat. Wir sind Zeugen so vieler anderer Übel, die sich aus dem Götzendienst, aus der Anbetung unserer selbst und unserer Welt ergeben, anstatt Gott, die Quelle allen Seins, anzubeten. Wir sehen traurig in uns selbst die Wahrheit der inspirierten Worte des heiligen Paulus bezüglich der „Gottlosigkeit und Bosheit der Menschen, die durch ihre Bosheit die Wahrheit unterdrücken“: „Sie tauschten die Wahrheit über Gott gegen eine Lüge aus und beteten das Geschöpf an und dienten ihm, anstatt dem Schöpfer, der für immer gesegnet ist! (Röm. 1, 18. 25).

Viele, mit denen ich in Verbindung stehe und die über die gegenwärtige weltweite Gesundheitskrise mit all ihren Auswirkungen nachdenken, haben mir gegenüber die Hoffnung geäußert, dass diese uns – als Einzelne, als Familien und als Gesellschaft – dazu führen wird, unser Leben zu reformieren, uns Gott zuzuwenden, der uns sicher nahe und unermesslich und unendlich in seiner Barmherzigkeit und Liebe zu uns ist. Es steht außer Frage, dass große Übel wie die Pest eine Auswirkung der Erbsünde und unserer tatsächlichen Sünden sind. Gott muss in Seiner Gerechtigkeit die Unordnung, die die Sünde in unser Leben und in unsere Welt bringt, reparieren. In der Tat erfüllt Er die Anforderungen der Gerechtigkeit durch Seine überreiche Barmherzigkeit.

Gott hat uns nicht in dem Chaos und Tod, die die Sünde in die Welt bringen, zurückgelassen, sondern hat seinen eingeborenen Sohn, Jesus Christus, gesandt, damit er leidet, stirbt, von den Toten aufersteht und in Herrlichkeit zu seiner Rechten aufsteigt, um immer bei uns zu bleiben, uns von der Sünde zu reinigen und uns mit seiner Liebe zu entzünden. In seiner Gerechtigkeit erkennt Gott unsere Sünden und die Notwendigkeit ihrer Wiedergutmachung, während er gleichzeitig in seiner Barmherzigkeit die Gnade der Umkehr und Wiedergutmachung über uns ausgießt. Der Prophet Jeremiah betete: „Wir erkennen, Herr, unsere Bosheit, die Schuld unserer Väter an, dass wir gegen dich gesündigt haben“, aber er setzt seinem Gebet sofort hinzu: „Um deines Namens willen verachte uns nicht, lass nicht in Unehre fallen deiner Herrlichkeit Thron; denke an deinen Bund mit uns und breche ihn nicht“ (Jer. 14,20-21).

Gott wendet sich nie von uns ab; er wird niemals seinen Bund der treuen und beständigen Liebe mit uns brechen, auch wenn wir so oft gleichgültig, kalt und untreu sind. Da das gegenwärtige Leiden so viel Gleichgültigkeit, Kälte und Untreue unsererseits aufdeckt, sind wir aufgerufen, uns an Gott zu wenden und um seine Gnade zu bitten. Wir sind zuversichtlich, dass er uns erhört und uns mit seinen Gaben der Barmherzigkeit, der Vergebung und des Friedens segnet. Wir verbinden unsere Leiden mit der Passion und dem Tod Christi und vervollständigen so, wie der heilige Paulus sagt, „das, was an den Leiden Christi fehlt, um seines Leibes willen, d.h. der Kirche willen“ (Kol. 1,24). Wenn wir in Christus leben, kennen wir die Wahrheit des biblischen Gebets: „Die Rettung der Gerechten kommt vom Herrn; er ist ihre Zuflucht in der Zeit der Not“ (Ps. 37 [36], 39). In Christus hat Gott uns die Wahrheit, die im Gebet des Psalmisten zum Ausdruck kommt, vollständig offenbart: „Barmherzigkeit und Wahrheit sind einander begegnet; Gerechtigkeit und Frieden haben sich geküsst“ (Ps. 85 [84], 10).

In unserer völlig säkularisierten Kultur gibt es die Tendenz, Gebet, Andacht und Anbetung wie jede andere Aktivität zu betrachten, z.B. einen Kino- oder Fußballbesuch, der nicht unbedingt notwendig ist und daher aufgehoben werden kann, um jede erdenkliche Vorsichtsmaßnahme zu treffen, um die Ausbreitung einer tödlichen Seuche zu verhindern. Aber das Gebet, die Andachten und der Gottesdienst, vor allem die Beichte und die Heilige Messe, sind wesentlich, um gesund und geistlich stark zu bleiben und um Gottes Hilfe in einer Zeit großer Gefahr für alle zu suchen. Deshalb können wir nicht einfach die Entscheidungen weltlicher Regierungen akzeptieren, die die Anbetung Gottes genauso behandeln wie den Besuch eines Restaurants oder eines sportlichen Wettkampfs. Andernfalls werden die Menschen, die bereits so sehr unter den Folgen der Pest leiden, jener objektiven Begegnungen mit Gott beraubt, der in unserer Mitte ist, um Gesundheit und Frieden wiederherzustellen.

Wir Bischöfe und Priester müssen öffentlich die Notwendigkeit deutlich machen, dass Katholiken in ihren Kirchen und Kapellen beten und anbeten und Gottes Segen für sein Volk erbitten, das so sehr leidet. Wir müssen darauf bestehen, dass die Vorschriften des Staates, auch zum Wohle des Staates, die besondere Bedeutung von Kirchen und Gebetsstätten anerkennen, besonders in Zeiten nationaler und internationaler Krisen. In der Vergangenheit haben die Regierungen in der Tat vor allem die Bedeutung des Glaubens, des Gebets und der Anbetung des Volkes zur Überwindung einer Seuche verstanden.

So wie wir einen Weg gefunden haben, für Nahrung, Medizin und andere Lebensbedürfnisse während einer Zeit der Ansteckung zu sorgen, ohne die Ausbreitung der Ansteckung unverantwortlich zu riskieren, so können wir auf ähnliche Weise einen Weg finden, um für die Bedürfnisse unseres geistlichen Lebens zu sorgen. Wir können mehr Gelegenheiten für die hl. Messe und Andachten anbieten, an denen eine Reihe von Gläubigen teilnehmen können, ohne die notwendigen Vorkehrungen gegen die Ausbreitung der Ansteckung zu verletzen. Viele unserer Kirchen und Kapellen sind sehr groß. Sie ermöglichen es einer Gruppe von Gläubigen, sich zum Gebet und zur Anbetung zu versammeln, ohne die Erfordernisse der „sozialen Distanz“ zu verletzen. Der Beichtstuhl mit der traditionellen Trennwand ist in der Regel mit einem dünnen, mit Desinfektionsmittel behandelbaren Schleier ausgestattet oder kann, wenn nicht, leicht mit einem solchen ausgestattet werden, so dass der Zugang zum Sakrament der Beichte ohne große Schwierigkeiten und ohne Gefahr der Übertragung des Virus möglich ist. Wenn eine Kirche oder Kapelle nicht über einen ausreichend großen Stab verfügt, um die Kirchenbänke und andere Oberflächen regelmäßig zu desinfizieren, zweifle ich nicht daran, dass die Gläubigen in Dankbarkeit für die Gaben der Heiligen Eucharistie, der Beichte und der öffentlichen Andacht gerne helfen werden.

Auch wenn wir weiterhin, aus welchen Gründen auch immer, keinen Zugang zu unseren Kirchen und Kapellen haben sollten, müssen wir uns daran erinnern, dass unsere Häuser eine Erweiterung unserer Pfarrei sind, eine kleine Kirche, in die wir Christus aus unserer Begegnung mit ihm in der größeren Kirche bringen. Unsere Häuser sollen in dieser Zeit der Krise die Wahrheit widerspiegeln, dass Christus in jedem christlichen Haus zu Gast ist. Wenden wir uns ihm durch das Gebet, insbesondere den Rosenkranz, und andere Andachten zu. Wenn das Bild des Heiligsten Herzens Jesu zusammen mit dem Bild des Unbefleckten Herzens Mariens nicht bereits in unserem Haus thront, wäre jetzt die Zeit dafür gekommen. Der Ort des Herz-Jesu-Bildes ist für uns ein kleiner Altar zu Hause, an dem wir uns im Bewusstsein der Tatsache, dass Christus durch die Ausgießung des Heiligen Geistes in unseren Herzen wohnt, versammeln und unsere oft armen und sündigen Herzen in Sein herrliches, durchbohrtes Herz legen – immer offen, um uns aufzunehmen, uns von unseren Sünden zu heilen und uns mit göttlicher Liebe zu erfüllen. Wenn Sie das Bild des Heiligsten Herzens Jesu inthronisieren möchten, empfehle ich Ihnen die Anleitung zur Thronerhebung des Heiligsten Herzens Jesu, die im Internet zu finden ist.

Denjenigen, die keinen Zugang zur hl. Messe und zur hl. Kommunion haben, empfehle ich die andächtige Praxis der geistlichen Kommunion. Wenn wir gut vorbereitet sind, die hl. Kommunion zu empfangen, d.h. wenn wir uns im Zustand der Gnade befinden, uns keiner Todsünde bewusst sind, die wir begangen haben und für die uns im Bußsakrament noch nicht vergeben wurde, und den Wunsch haben, unseren Herrn in der hl. Kommunion zu empfangen, aber nicht in der Lage sind, dies zu tun, vereinen wir uns geistlich mit dem hl. Messopfer und beten mit den Worten des hl. Alphons von Liguori zu unserem eucharistischen Herrn: „Da ich jetzt nicht in der Lage bin, Dich sakramental zu empfangen, komm wenigstens geistlich in mein Herz. ” Die geistliche Gemeinschaft ist ein schöner Ausdruck der Liebe zu unserem Herrn im Allerheiligsten Sakrament. Sie wird es nicht versäumen, uns reiche Gnaden zu bringen.

Gleichzeitig lädt uns die Kirche, wenn wir uns bewusst sind, dass wir eine Todsünde begangen haben und keinen Zugang zum Sakrament der Buße oder der Beichte haben, zu einem Akt vollkommener Reue ein, d.h. zur Trauer um die Sünde, die „aus einer Liebe entsteht, durch die Gott über alles geliebt wird“. Ein Akt vollkommener Reue „erlangt die Vergebung der Todsünden, wenn er den festen Entschluss enthält, so bald wie möglich zur sakramentalen Beichte zu gehen“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1452). Ein Akt vollkommener Reue disponiert unsere Seele für die geistliche Kommunion.

Am Ende arbeiten Glaube und Vernunft, wie sie es immer tun, zusammen, um die angemessene und richtige Lösung für eine schwierige Herausforderung zu finden. Wir müssen die Vernunft, inspiriert vom Glauben, nutzen, um die richtige Art und Weise zu finden, wie wir mit einer tödlichen Pandemie umgehen. Diese Art und Weise muss dem Gebet, der Hingabe und der Anbetung, der Anrufung der Barmherzigkeit Gottes über sein Volk, das so viel leidet und in Todesgefahr ist, Vorrang einräumen. Wir sind nach Gottes Bild und Gleichnis geschaffen und erfreuen uns der Gaben des Verstandes und des freien Willens. Mit diesen gottgegebenen Gaben, vereint mit den ebenfalls gottgegebenen Gaben des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, werden wir unseren Weg in der gegenwärtigen Zeit der weltweiten Prüfung finden, die die Ursache für so viel Trauer und Angst ist.

Wir können auf die Hilfe und Fürsprache der großen Schar unserer himmlischen Freunde zählen, mit denen wir in der Gemeinschaft der Heiligen eng verbunden sind. Die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria, die heiligen Erzengel und Schutzengel, der hl. Joseph, der wahre Bräutigam der Jungfrau Maria und Schutzpatron der Universalkirche, der hl. Rochus, den wir in Zeiten einer Epidemie anrufen, und die anderen Heiligen und Seligen, an die wir uns regelmäßig im Gebet wenden, sind an unserer Seite. Sie leiten uns und versichern uns ständig, dass Gott unser Gebet nie unerhört lassen wird; Er wird mit Seiner unermesslichen und unendlichen Barmherzigkeit und Liebe antworten.

Liebe Freunde, ich biete Ihnen diese wenigen Überlegungen an, in dem tiefen Bewusstsein, wie sehr Sie unter dem pandemischen Coronavirus leiden. Ich hoffe, dass diese Überlegungen Ihnen helfen können. Vor allem hoffe ich, dass sie Sie dazu inspirieren, sich im Gebet und in der Anbetung an Gott zu wenden, jeder nach seinen Möglichkeiten, und so Seine Heilung und Seinen Frieden zu erfahren. Darüber hinaus seien Sie gewiss, dass ich mich täglich in meinem Gebet und Oper Ihrer Anliegen erinnere, insbesondere bei der Darbringung des hl. Messopfers.

Ich bitte Sie, in Ihren täglichen Gebeten auch an mich zu denken.

Ich verbleibe im Heiligsten Herzen Jesu und im Unbefleckten Herzen Mariens und im reinsten Herzen des heiligen Josef,

Ihr

Raymond Leo Kardinal Burke
21. März 2020
Fest des hl. Benedikt, Abt

Daniel in der Löwengrube

Liebe Gläubige,

die heutige Lesung führt uns mit dem Propheten Daniel nach Babylon.

Dorthin hatte der babylonische König Nebukadnezar II. nach der Eroberung und Zerstörung Jerusalems im Jahre 597 v. Chr. die Bevölkerung Judeas verschleppt. Aufgrund ihres Unglaubens und ihrer Verstocktheit wurden die beiden verbliebenen Stämme Israels im Südreich, nämlich Juda und Benjamin, von Gott der Macht ihrer Feinde preisgegeben. 70 Jahre lang sollte dieses Exil fern der Heimat in heidnischen Landen andauern.

Daniel fand dort das Vertrauen des Königs. Eines Tages wurde er von Bewohnern Babylons beim König verklagt, denn Daniel hatte eine Statue des Götzen Marduk zerstört, des babylonischen Stadtgottes, der im Zuge der Ausbreitung des babylonischen Reiches zum Haupt des babylonischen Pantheons avanciert war. Im mesopotamischen Raum, wie auch in der Heiligen Schrift, wurde dieser Gott auch Bel, also Herr, genannt. Daniel hatte es jedoch nicht bei der Zerstörung des Bel belassen. Er tötete auch dessen Attribut, den Mardukdrachen, ein giftspritzendes Mischtier aus Schlange und Drachen, das in der Mythologie der Babylonier der Begleiter Marduks ist, des Herrn aller Götter, des Schöpfers von Himmel und Erde und auch der Menschen.

In der Heiligen Schrift begegnen uns vielfach eindringliche Warnungen vor den heidnischen Göttern, die besonders im 5. Buch des Mose (Dtn. 32,17) und in den Psalmen als Dämonen benannt werden. So heißt es etwa im Psalm 95,5 „Dii enim gentium daemonia sunt.“ „Die Götter der Heiden sind nämlich Dämonen.“ Psalm 113 lobsingt der Transzendenz und Allmacht des einen und wahren Gottes und rühmt seine zahllosen Großtaten. Im Kontrast hierzu verspottet der Psalmist die Götzenbilder der Heiden, die aus Silber oder Gold gefertigt sind, als das leblose Werk menschlicher Hände. An diese Psalmverse wird der Prophet Daniel wohl gedacht und sie in seinem Herzen auch gebetet haben, als er daran ging, die Statue des grausamen Marduk umzustürzen und zu zerstören, dem zur Besänftigung seines Zornes in einem Feuerofen Menschenopfer dargebracht wurden.

Nur nach heftigsten Morddrohungen hatte der König dem Sinnen der Götzendiener schließlich nachgegeben, und Daniel wurde von diesen in eine Löwengrube geworfen.

Gott gedachte jedoch seines treuen Dieners Daniel, bewahrte ihn vor den ausgehungerten Löwen und sandte sogar einen Engel mit dem Propheten Habakuk aus Judea, der Daniel ein Mahl brachte, sodass er bei Kräften bliebe. Der Prophet Daniel erhob nun seine Stimme zum Lobpreis Gottes und sprach: „Du hast meiner gedacht, o Gott, und die nicht verlassen, die Dich lieben!“ Daniel ist in dieser äußersten Gefahr des Todes ein Typus für Christus, der von seinen Feinden wie von blutrünstigen Löwen umringt war und den der himmlische Vater im Leidensgarten Getsemani durch einen Engel stärkte.

Als der König am siebten Tag zur Löwengrube kam, um über Daniel zu trauern, da war er vor lauter Freude ganz außer sich, Daniel heil wiederzufinden. Voller Staunen über Gottes Allmacht und Treue rief er aus: „Groß bist Du, Herr, Gott Daniels!“ Danach bekannte der König laut vor allen: “Alle Bewohner der ganzen Erde sollen den Gott Daniels fürchten, denn er ist der Retter, der Zeichen und Wunder wirkt auf Erden. Er hat Daniel aus der Löwengrube befreit.“

Daniel ist ein Typus für Christus, er weist durch sein Prophetenamt und Leben auf den Heiland hin, der im heutigen Evangelium nach Johannes (Joh. 7,1-13) gegenüber seiner ungläubigen Verwandtschaft ausruft: „Euch kann die Welt nicht hassen, mich aber hasst sie, weil ich bezeuge, daß ihre Werke böse sind.“

Trifft nicht auch uns Christen, die wir in der Nachfolge Jesu Christi stehen, immer mehr der Hass der Welt; einer Welt, die uns nicht versteht, aber meist auch gar nicht verstehen will?

Werden nicht auch wir von blutrünstigen Löwen umkreist, wie der heilige Apostelfürst Petrus in seinem ersten Brief geschrieben hat (1 Petr 5,8-9): Seid nüchtern und wachsam! Euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann. Leistet ihm Widerstand in der Kraft des Glaubens! Wisset, dass eure Brüder in der ganzen Welt die gleichen Leiden zu ertragen haben!

Auch die Ungeordnetheit unserer Leidenschaften, die nach der Ursünde unserer Stammeltern machtvoll gegen die Vernunft nach Erfüllung streben, ist wie ein unermüdlicher Feind im eigenen Haus, dessen wir uns während unserer gesamten Lebenszeit fast unablässig zu erwehren haben.

Der Blick auf die Schwierigkeiten und Probleme dieses irdischen Lebens darf nicht den Blick der Seele auf den drei Mal heiligen und treuen Gott verstellen, in dessen gütiger und mächtiger Hand wir ruhen: Mit dem Propheten Daniel wollen wir besonders im Dunkel schwerer Kreuze unsere lebendige Hoffnung bekennen:

„Du hast meiner gedacht, o Gott, und die nicht verlassen, die Dich lieben!“

Diese Treue und Nähe Gottes zu uns Menschen zeigt sich in unüberbietbarer Fülle in Jesus Christus, dem Sohn Gottes, der zu unserem Heil Mensch geworden ist.

Im Glanze seiner Wahrheit wollen wir ihm nachfolgen. Christus ist das Licht der Welt. In seinem Lichte können wir Gut und Böse, wahr und falsch durch die Lehre der Kirche klar erkennen.

An Christus wollen wir uns halten, auch wenn wir dafür von der Welt gehasst werden. Mit der Opfergesinnung Christi vereint, wollen wir den Willen des himmlischen Vaters in allem erfüllen. Auch die schwierigsten Zeiten und Nöte können wir meistern, denn Gott wird uns niemals verlassen! Er bleibt stets bei uns als unsere Stärke und unser Trost. Gott ist bei uns, weil er uns liebt! Er steht uns in unverbrüchlicher Treue bei, damit wir in den Stürmen der Zeit gereinigt werden, in der Tugend uns bewähren und in der Liebe wachsen. Vertrauensvoll dürfen wir allzeit zu ihm in Hoffnung blicken und beten:

„Du hast meiner gedacht, o Gott, und die nicht verlassen, die Dich lieben!“

Kanonikus Richard von Menshengen

Noch vierzig Tage, und Ninive wird zerstört!

Liebe Gläubige,

die heutige Lesung am Montag nach dem Passionssonntag führt uns mit dem hl. Propheten Jonas in das achte Jahrhundert vor Christus.

Jonas entstammt dem israelitischen Stamme Zabulon und wirkte zur Zeit des Königs Jeroboam II., des letzten bedeutsamen Königs des Nordreiches Israel. Jonas ist die prophetische Stimme Gottes gegen Ende dieses Nordreiches. Im Jahr 722 v. Chr. wurde dieses schließlich vom assyrischen König Salmanasar V. und seinem Nachfolger Sargon II. gänzlich unterworfen, die Hauptstadt Samaria wurde zerstört und bis auf Juda und Benjamin wurden alle Stämme des alten Israel von den Assyrern in die Gefangenschaft nach Mesopotamien und Medien verschleppt. Die Glaubensmüdigkeit und -Unwilligkeit der zehn Stämme des Nordreiches war der Grund, weshalb Gott seine schützende Hand von ihnen schließlich hinwegzogen und sie der Macht ihrer Feinde überlassen hatte.

Jonas wurde von Gott erwählt, um den Bewohnern von Ninive, der Hauptstadt des Neuassyrischen Reiches, die Gerechtigkeit und Barmherzigkeit Gottes zu verkünden. In seiner Berufung wird deutlich, wie auch an vielen Stellen in den Psalmen, daß sich Gottes Heilswillen auf alle Völker erstreckt und daß auch die Heiden zu Umkehr und zur Anbetung des einen und wahren Gottes berufen sind.

Der Prophet Jonas musste zuerst Gehorsam gegenüber seiner eigenen Berufung erlernen und Sühne leisten. Aus Furcht hatte er den Ruf Gottes, nach Ninive zu gehen, zurückgewiesen und wollte vor Gott über das Meer fliehen. Schließlich fügte er sich jedoch inmitten eines gewaltigen Sturmes dem Willen des Herrn. Wir kennen alle die im Buch Jonas enthaltene und von Jesus Christus in den Evangelien zitierte Überlieferung, dass sich Jonas von den Seeleuten ins Meer werfen ließ und von einem Seeungeheuer verschlungen wurde, das ihn nach drei Tagen wieder ausspie, und zwar auf trockenes Land.

Innerlich gereinigt fügte sich Jonas nun seiner prophetischen Aufgabe und ging auf Anordnung Gottes nach Ninive: Wie die Lesung aus dem Buch Jonas berichtet (Jon 3, 1-10), war Ninive eine wahre Metropole, gelegen am Oberlauf des Tigris, gegenüber der heutigen Stadt Mosul im Irak. Von dort aus herrschte der assyrische König über ein Gebiet, zu dem neben Mesopotamien auch Syrien sowie große Teile Kleinasiens und Ägyptens gehörten und das bedeutende Zentren wie Babylon und Memphis miteinschloss. Wie die Geschichtsschreiber berichteten, waren die kriegerischen und grausamen Assyrer damals zum Schrecken der Völker geworden.

Die politische, wirtschaftliche und militärische Bedeutung Ninives im 8. Jh. vor Christus können wir mit heutigen Machtzentren wie Washington, Brüssel, Moskau oder Peking vergleichen. Jonas begann in die Stadt hineinzugehen, eine Tagesreise weit, und rief: Noch vierzig Tage, und Ninive wird zerstört! Und es geschah das Erstaunliche und schier Wunderbare: Die heidnischen Bewohner dieser Metropole, die so sehr im Götzendienst und in den verschiedensten Lastern verhaftet waren, glaubten an Gott, riefen ein Fasten aus und taten Buße in Sacktuch und Asche.

Auch die politische Hierarchie Ninives, der König und seine Fürsten, leisteten öffentlich Sühne für Ihre Missetaten und die ihres Volkes. Sie anerkannten die absolute Gerechtigkeit und Allmacht des einen und wahren Gottes, verabscheuten ihre Sünden in ernster Buße und drückten ihre Hoffnung aus, dass Gott ihnen Barmherzigkeit erzeigen würde. So sprachen sie:“ Wer weiß, ob sich Gott uns nicht zuwendet und vergibt und sich abwendet von seinem glühenden Zorn, sodass wir nicht zugrunde gehen?“ Der Bericht des Propheten Jonas beschließt mit den Worten: „Und Gott sah auf ihr Tun, dass sie sich von ihrem bösen Weg bekehrten, und es erbarmte sich seines Volkes der Herr, unser Gott.“

Geliebte im Herrn: Sind wir Christen – in dieser vom Säkularismus so schwer gezeichneten Welt – heute nicht in einer ähnlichen Situation wie damals Jonas im alten Ninive?

Ruft nicht Jesus Christus durch seine Kirche die Menschen und Völker unablässig zu Umkehr und Buße auf?

Hat nicht die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria bei ihrer Erscheinung in Fatima im Jahr 1917 eine umfassende Umkehr und das tägliche treue Gebet des hl. Rosenkranzes angemahnt?

Nehmen wir die heilige Fastenzeit ernst und leisten wir Wiedergutmachung vor Gottes Gerechtigkeit, die die Menschen nach ihren guten oder bösen Werken richten und ihnen vergelten wird!

Krankheiten, Seuchen, Hungersnot und Kriege haben seit jeher die Menschen geplagt, und diese haben sich gerade in solch schweren Zeiten besonders an Gott um Hilfe gewandt. Gott allein ist allmächtig! Er allein kann uns wirklich helfen, und er will uns auch beständig helfen. Aber wir sündhafte Menschen müssen seine Medizin, die er uns reicht, auch annehmen!

Um wieviel schlimmer als leibliche Übel sind die Krankheiten der Seele: Glaubenslosigkeit und religiöse Gleichgültigkeit, Atheismus, Aberglaube und Götzendienst? Aus diesen Übeln ist in den vergangenen 250 Jahren eine Kultur des Todes erwachsen, die historisch wohl keine Parallelen findet.

Beten und opfern wir im Geist der Sühne, der allmächtige Gott möge die Menschen vor den Folgen ihrer Sünden verschonen, er möge der Kirche und der Welt seine Barmherzigkeit erweisen, die in Sünden Verstockten bekehren und uns im Glaubensleben festigen und eifriger machen!

Das Versprechen Unseres Herrn Jesus Christus im heutigen Evangelium nach Johannes
(Joh. 7, 32-39) möge uns mit Hoffnung erfüllen: „Wenn jemand dürstet, so komme er zu mir und trinke. Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, aus dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.“ Der hl. Johannes fügt erklärend an: „Das aber sagte er von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glauben.“

Christus ist die reinigende und heilende Medizin, auch für unsere schöne, neue und aufgeklärte Welt, die von der Last ihrer Sünden und deren Folgen immer mehr erdrückt wird:

Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben!

Glauben wir an ihn und nicht an die törichte Weisheit unseres Zeitalters!

Machen wir uns auf – und kehren wir um zum Herrn!

Kanonikus Richard von Menshengen

Predigt zum Passionssonntag 2020

Liebe Gläubige!

Viele von uns fühlen sich in diesen Tagen verlassen und allein. Unsere Kontakte zu anderen Menschen sind begrenzt. Unser Zugang zu den normalen Verläufen des Lebens ist oft erschwert. Selbst der Trost der Sakramente und die Teilnahme an der heiligen Messe ist für viele unmöglich gemacht. So fühlen wir uns ziemlich verlassen, manchmal sogar von den Vertretern der Kirche. Unsere Gesellschaft und der Einzelne in ihr scheinen nun auch sichtbar in einen Zustand einzutreten, den man als „gottverlassen“ beschreiben könnte.

Aber sind wir wirklich „gottverlassen“? Gerade als Er in seine Passion eintritt, ruft der Herr allen an ihm Zweifelnden zu: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ehe Abraham ward, bin ich!“ (Johannes 8,58) Angesichts der Glaubenslosigkeit und Zweifel seines Volkes unterstreicht Christus klar und eindeutig die Tatsache seiner Gottheit. „Ehe Abraham war, bin Ich!“ Aus der Ewigkeit tönen diese Worte in die Zeit hinein. Sie sind nicht nur für die Zeit des irdischen Lebens Jesu gesprochen. Sie ertönen heute wieder mitten in unserer Welt: „Ehe Abraham war, bin ich!“

Gott ist immer in unserer Welt gegenwärtig: „In Ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir!“, sagt der heilige Paulus schon den Griechen auf dem Areopag in Athen (Apostelgeschichte 17, 28). Gott ist überall! Er ist der Urgrund dieser Welt, schenkt ihr das Sein und erhält sie. Ohne Ihn ist nichts! Ohne ihn bleibt nichts! Er ist nicht mit der Welt eins, sondern Er ist ihr Herr. Alle Wesen, auch wir Menschen, haben unser Sein von ihm. Er kennt uns durch und durch. Er weiß um einen jeden von uns. Jedes Haar auf unserem Haupt ist gezählt (vgl. Lukas 17 ,7). Anfang und Ende jedes Geschöpfes liegen in Seiner Hand. Er verlässt uns nie!

Was Christus uns im heutigen Evangelium sagt, ist noch viel mehr. „Ehe Abraham war, bin Ich“! Diese Offenbarung Seines göttlichen Wesens ist ein Echo der Stimme aus dem brennenden Dornbusch: „Ich bin der Ich bin!“ (Exodus 3, 14). Der uralte Name Gottes, im griechischen Text ἐγώ εἰμί [ego eimi, Ich bin], erschließt die Mitte der göttlichen Natur in Christus: Er ist die Fülle allen Seins, der allmächtige Gott: Gott gleich dem Vater und dem Heiligen Geist, und er ist da, mit seiner Macht und Größe, überall und mitten unter uns. Das Wunder seiner Gegenwart wird uns offenbart: In der Menschheit Christi ist Gott sogar mitten in unsere Geschichte getreten, damit wir nie mehr alleine sind!

Das hat zunächst niemand verstanden außer Maria, der Jungfrau. In ihr und durch ihr Ja zum Wirken Gottes war dieses wunderbare Heilsgeschehen möglich geworden. Deswegen verehren wir sie vor allen Engeln und Heiligen als die unbefleckte Mutter Gottes. Die anderen haben nichts oder wenig verstanden. Das Volk hob Steine auf, „um sie nach ihm zu werfen.“ (Johannes 8, 59). Jesus hatte ihnen auf den Kopf zugesagt, warum sie nichts verstehen konnten und wollten: „Wer aus Gott ist, der hört Gottes Wort; darum hört ihr nicht darauf, weil ihr nicht aus Gott seid.“ (Johannes 8, 47). Deswegen verbarg er sich vor ihnen und ging hinweg aus dem Tempel (vgl. Johannes 8, 59).

Wer nicht verstehen will, der ist aus eigener Schuld verlassen, denn vor ihm verbirgt sich Gott. Das passiert uns, wenn wir uns von Gott abwenden. Wir wollen nicht hören und Gott verbirgt sich vor uns. Er lässt uns nicht allein, aber der Sünder kann ihn weder hören noch sehen. Das kann dem Einzelnen geschehen, aber auch der ganzen Gesellschaft. Diese Gottferne ist sowohl für den Einzelnen wie für die Gesellschaft eine Folge der Verweltlichung. Wenn der Mensch sich zum Maß aller Dinge macht und das Gesetz Gottes vergisst, dann wird er blind und taub. Er hebt Steine auf, um sie nach Gott zu werfen. Gott lässt ihn selbst dann nicht allein, aber er verbirgt sich. Um uns an diese traurige Folge unserer Sündhaftigkeit zu erinnern, verhüllt die Kirche am heutigen Passionssonntag auch heute noch die Kreuze und Statuen.

Manchmal ist diese Gottabgewandtheit mitten in die Kirche eingedrungen. Jesus hat schon den Aposteln klagend vorgeworfen: „Versteht ihr denn immer noch nicht?“ (Markus 8, 21). Sie haben ihn alle verlassen, als es darauf angekommen wäre, ihm besonders treu zu sein. Sie haben an seiner Gottheit gezweifelt und nicht nur Judas, sondern auch Petrus hat ihn ausdrücklich verraten. Immer, wenn die Kirche die Mahnung des heiligen Paulus missachtet hat: „Nolite conformari huic saeculo – gleicht Euch nicht der Welt an!“ (Römer 12, 2), sind die Apostel blind und taub geworden.

Dann hat Gott sich verborgen, aber er hat Seine Kirche niemals allein gelassen. Er hat Petrus und den Aposteln ihre Hirtenaufgabe nicht entzogen. Er ist mit ihnen und uns, trotz unserer Sündhaftigkeit, in der Kirche geblieben. Die Epistel des Passionssonntags macht das völlig klar. Der Hebräerbrief tröstet uns mit dieser Wahrheit: „Christus erschien als Hohepriester der künftigen Güter. Er ging […] mit seinem eigenen Blut ein für allemal in das Allerheiligste, nachdem er die ewige Erlösung bewirkt hatte.“ (Hebräer 9, 11-12) Der neue Bund, dessen Mittler Christus ist, besteht weiter, auch wenn wir uns von Gott abwenden. Seine göttliche Gegenwart unter uns mag vielen, die Steine werfen, verborgen sein, aber sie hört niemals auf.

Die Kirche geht heute sehr sichtbar mit Christus in die Passionszeit hinein. Er ist verborgen, aber Er verlässt uns nicht. Im Sakrament der heiligen Eucharistie ist der göttliche Mittler gegenwärtig. Auch in diesen Zeiten können wir ihn dort anbeten, wenn nicht durch einen Besuch, dann doch wenigstens in unseren Herzen. Wir sind gerufen, die Gegenwart des Gottmenschen stellvertretend für die, die nicht sehen und hören wollen, in dieser Welt zu verkünden. Wir sind gerufen, wie die Gottesmutter, die Apostel durch Gebet und Beispiel zu ermutigen. Unser Glaube zählt! Jeder Akt der geistigen Anbetung Gottes in der Kirche oder zuhause ist ein wichtiges Bekenntnis, damit Gottverborgenheit nicht Gottverlassenheit wird. Das nahende Osterfest, an dem Gott aus der Verborgenheit heraustritt, schafft niemand ab. Aus der festen Glaubensgewissheit an seine bleibende österliche Gegenwart bekennen wir mit der heiligen Kirche vor dem Gottmenschen Christus, dem Hohepriester des Neuen und Ewigen Bundes: „Bevor Abraham war, bist DU!“

Msgr. Prof. DDr. Rudolf Michael Schmitz

Predigt zum vierten Fastensonntag „Laetare“

Liebe Gläubige,

“Freu Dich, Jerusalem: kommt alle zusammen, die ihr es liebt; froh überlasst Euch der Freude, die Ihr traurig wart…wir ziehen zum Hause des Herrn.“ (Isaias 66, 10-11) Der Introitus der Messe vom vierten Fastensonntag, die in der Vorfreude auf das kommende Osterfest in der liturgischen Farbe Rosa gefeiert wird, scheint mit unserer Situation gar nichts gemeinsam zu haben. Wir sind von einer Epidemie bedroht. Vorsichtsmaßnahmen sind zu ergreifen. Wir dürfen nicht zusammenkommen, wir dürfen gemeinsam nicht zum Haus des Herrn ziehen. Sogar die Möglichkeit der Teilnahme am Opfer Christi im Haus des Herrn ist den meisten von uns unmöglich geworden. Wir haben in diesen Tagen offensichtlich keinen Grund zur Freude, sondern zur besorgten Traurigkeit.

Doch stimmt das eigentlich? Haben wir keinen gar keinen Grund zur Freude? Der heilige Isaias, aus dessen letztem Kapitel der Prophetien dieser Aufruf zur Freude stammt, lebte in dunkler Epoche und hat schwere Zeiten und Strafgerichte angekündigt. So spricht er im selben Kapitel seiner Prophezeiungen kurz vorher vom Zorn des Herrn über diejenigen, die Ihm nicht folgen: „Darum wähle auch ich ihnen Strafen aus und das, wovor ihnen graut, bringe ich über sie; denn ich rief, doch niemand gab Antwort, ich redete, doch sie hörten nicht, sondern taten, was mir missfällt, und was ich missbillige, wählten sie sich.“ (Isaias 66, 4). Isaias Zeiten waren den unseren also zu vergleichen, wenn auch das Böse in immer neuen Formen erscheint, wenn die Menschen sich von Gott abwenden. Der Teufel ist erfinderisch!

Gott aber ist größer als der Feind der Menschheit und seine Machenschaften, die von dem Ungehorsam der Menschen gegenüber dem göttlichen Willen profitieren. Gott lässt uns Menschen selbst dann nicht allein, wenn wir uns von ihm abwenden. Trotz der Herrschaft der Mächte der Finsternis in der Welt, lässt er niemals von seinem Plan der Rettung und Erlösung ab. Prophetisch sagt dazu Isaias von der lärmumtosten Stadt Jerusalem, die hier Urbild für die Gottesmutter und die Kirche ist: „Noch ehe sie in Wehen kam, hat sie schon geboren, bevor ihre Schmerzen einsetzten, hat sie schon ein Knäblein zur Welt gebracht. Wer hat solches schon vernommen, wer je dergleichen gesehen?“ (Isaias 66, 7-8).

Diese geheimnisvolle Prophezeiung ist in Erfüllung gegangen. Gott hat seinen Erlösungsplan erfüllt und uns seinen Sohn gesandt, geboren aus der Jungfrau Maria. Deswegen konnte schon mehr als 700 Jahre vor der Geburt das Herrn der große Prophet zur Freude aufrufen: „Gaudete cum laetitia, qui in tristitias fuistis – froh überlasst Euch der Freude, die ihr traurig wart!“ (Isaias 66, 10) Was auch immer geschieht, der Erlöser ist gekommen! Seine rettende Gnade kann der Kirche niemand nehmen, denn sie ist von unserem Erlöser dazu gestiftet worden, diesen Gnadenschatz zu bewahren und weiterzugeben. Durch die Taufe hat sie viele Kinder, wie uns Paulus in der Epistel des heutigen Tages sagt. Wir sind „Kinder der Verheißung!“ (Galater 4, 28), weil wir Kinder der Kirche sind. Deswegen vertrauen wir auf Gott und seine Ratschlüsse.

Um diese Freude des Glaubens nicht zu verlieren, wollen wir gerade jetzt die Fastenzeit ausnutzen, um das Gesetz Gottes besser zu kennen und nach ihm zu leben. Sicher wird uns unsere Schwäche und Sündhaftigkeit immer wieder in Versuchung bringen, vielleicht auch Angst uns ergreifen. Wenn wir aber das Gesetz Gottes in den zehn Geboten und vor allem in dem vom Herrn besonders offenbarten Gebot der Gottes- und Nächstenliebe ständig vor Augen haben, werden wir nicht in die endgültige Knechtschaft der Sünde fallen. In einer Zeit, in der das Gesetz Gottes oft ignoriert, belächelt oder gar verhöhnt wird, können wir ihm „auf Grund der Freiheit“ folgen, „die uns Christus geschenkt hat“ (Galater 4, 31f). Die Gnade macht uns frei, damit wir die Gebote Gottes halten können. Nur aus dieser Freiheit kommt die wahre Freude!

Zurzeit wird den meisten von uns verunmöglicht, die heilige Messe und vielen auch die Kirche zu besuchen. Wie es scheint, handelt es sich um eine so noch nicht erlebte geschichtliche Situation. Bisher geschahen ähnliche Dinge nur durch die verheerenden Folgen großer Katastrophen oder direkte Zwangsmaßnahmen gegen den katholischen Glauben. Der Herr bleibt trotzdem bei uns. Er ist in den Tabernakeln unserer Kirchen weiter anwesend und wir können uns wenigstens geistig mit ihm vereinigen. Wo es noch möglich ist, können wir seinen heiligen Leib in der Kommunion empfangen. Das heutige Evangelium sagt uns, wie er auf Erden das Brot zum Leben vermehrt hat. So bleibt er im Brot des Lebens, das er selber ist, wirklich und wahrhaftig, mit Leib und Seele, mit Gottheit und Menschheit, weiter mitten unter uns. Seine Verheißung ist uns wahrer Grund zur Freude: „Ich bleibe bei Euch alle Tage, bis zum Ende der Welt!“ (Matthäus 28, 20)

Noch eine weitere Gnade aus der Erfüllung der Verheißung gibt uns trotz allem Grund zur Freude: Im Sakrament Seiner großen Barmherzigkeit, der heiligen Beichte, vergibt Christus uns weiter Schuld und Sünde. Gerade in der Fastenzeit sind wir alle gerufen, das Sakrament der Vergebung zu empfangen, damit wir von aller Schuld gereinigt werden. Die Osterfreude kommt aus der Erlösung, Rettung und Vergebung durch Christus. Er ist und bleibt Sieger über Sünde, Tod und Teufel! Wenn wir gut vorbereitet die heilige Beichte empfangen, haben wir jedes Mal Anteil an diesem Sieg. Dort, wo der Beichtempfang ebenfalls erschwert ist, können wir einen Akt der vollkommenen Reue setzen und uns vornehmen, so bald als möglich das Bußsakrament zu empfangen. Die Vergebung Gottes wird uns so nicht entzogen werden. Lassen wir uns diese Quelle der Freude, die nie versiegt, von niemandem nehmen!

Es ist wahr, wir haben Grund zur Sorge und wir müssen die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Doch noch viel mehr haben wir als Christen Grund zur Freude! Bleiben wir nahe beim Herrn durch die Befolgung seines Gesetzes, die Anbetung seiner Gegenwart und den Empfang seiner Vergebung. Wenn wir das tun, können wir trotz allem freudig und von Herzen mitbeten, was die Kirche heute im Graduale der Messe bekennt: „Wer auf Gott vertraut, steht da, fest wie der Sionsberg!“ (Psalm 124, 1). Amen.

Monsignore Prof. DDr. Rudolf Michael Schmitz

Predigt zum Hochfest des hl. Joseph 2020

Liebe Gläubige,

im Sturm dieser Zeit ragt der hl. Joseph wie ein Fels aus der Brandung. Als Haupt der Heiligen Familie, als gesetzlicher Ehemann der jungfräulichen Gottesmutter Maria, als Pflegevater Jesu, als Patron der Kirche, als Schutz der Sterbenden und als Schrecken der Dämonen trotzt er allem Bösen. Sein Leben zeigt uns unerschütterliche Glaubenstreue, festes Gottvertrauen sowie liebende Großzügigkeit. Gerade jetzt brauchen wir sein Beispiel und seine Fürbitte.

Sein Glaube an die Gegenwart Gottes in unserem Leben war unerschütterlich. Schon die Kirchenväter erklären uns, dass er nie an der Reinheit der Gottesmutter gezweifelt hat, denn wie hätte er als gerechter Israelit jemanden beschützen wollen und können, der das Gesetz Gottes auf so eklatante Weise gebrochen hätte? Mit festem Glauben an die Führung Gottes und die Reinheit Mariens war sein erster Gedanke gewesen, den Ruf seiner ihm angetrauten Frau zu schützen. Obwohl diese Absicht gut war, hat sein fester Glaube ihn sofort bewegen, Maria zu sich zu nehmen, als Gott ihm dies befahl. Weil er auch dem schwierigen Ratschluss Gottes geglaubt hat, konnte er den guten Ruf der heiligen Jungfrau, diese selbst und den Gottessohn noch besser schützen. Sein starker Glaube entgegen allen Schwierigkeiten hat ihn zum Haupt der Heiligen Familie gemacht und lässt ihn auch der große Schutzpatron der Kirche sein.

Im Leben des heiligen Joseph hat es immer wieder Situationen gegeben, in denen er unbedingtes Gottvertrauen haben musste, um das Richtige zu tun. Nicht nur die Annahme Mariens zeigt dieses in einem festen Glauben verankerte Gottvertrauen, sondern auch die Herbergssuche, die Flucht nach Ägypten und die Rückkehr nach Nazareth. Jedes Mal ist das Leben der Heiligen Familie entscheidend und in unvorhergesehener Weise verändert worden. Niemals hat Joseph dabei an Gottes Güte gezweifelt. Er hat immer sofort getan, was er als Gottes Wille erkannt hat und sich seiner Vorsehung anvertraut. Dabei waren diese Entscheidungen weder leicht noch ihre Konsequenzen einfach. Trotzdem hat gerade der Umstand, dass Joseph an Gott nicht gezweifelt und nicht mit Ihm gehadert hat, ihn genau das Richtige tun lassen. Wer sich Gottes Gnade ergibt, der geht nicht falsch.

Schließlich war der hl. Joseph trotz seiner herausragenden Persönlichkeit und seinen Führungsqualitäten ein durch und durch bescheidener und selbstloser Mann. Größe zeigt sich oft genug im Kleinen. Auf heroische Weise hat er, obwohl – entgegen manch frommer Abbildung – in der Vollkraft seiner Jahre, auf die Ausübung seiner Rechte als Ehemann verzichtet. Demütig hat er anerkannt, dass die heilige Jungfrau eine größere Bestimmung hatte und ihr seine Liebe geschenkt, ohne auch nur das zu fordern, was ihm dem Gesetz nach zustand. Selbstlos hat er alles getan, um die Seinen auch in Dunkelheit zu behüten und sie am Leben zu halten, wenn Gefahr drohte. Großzügig hat er sich weggeschenkt, ohne an sich selbst zu denken. Er hat alles gegeben in dem Bewusstsein, selbst alles von Gott erhalten zu haben.

Wie ein Fels in der Brandung den Stürmen des Lebens trotzend, aber nicht aus eigener Kraft, sondern aus Gnade, das ist der heilige Joseph.

Der Sturm, der uns umgibt, kann trotz aller sehr notwendigen Vorsichtsmaßnahmen nur besiegt werden, wie es der hl. Joseph getan hat. Deshalb müssen wir jetzt unseren Glauben an die Gnade erneuern und um einen festen Glauben bitten. Gott hat uns alles gegeben, was wir brauchen, um selig zu werden. Der Glaube an den einen wahren Gott in drei Personen wird uns Halt sein, wenn die Zeit noch dunkler werden sollte. Er wird unsere Schritte lenken und uns die Glaubenshoffnung nicht vergessen lassen.

Daraus wir uns dann auch das notwendige Gottvertrauen und die Zuversicht der Hoffnung wachsen. Natürlich müssen wir vorausschauend handeln und uns schützen. Gottes Blick aber reicht noch weiter. Er allein kennt den Tag und die Stunde unseres Todes. Ohne Angst können wir ihr entgegengehen, wann immer sie auch sein mag, denn wir vertrauen Gottes gütiger Führung. Das macht uns auch in der jetzigen Krise ruhig und gelassen, denn wie der heilige Joseph wissen wir uns immer geborgen von Gottes Plänen und Fügungen.

So werden wir auch nicht in eine egoistische „Rette sich, wer kann“ – Panik verfallen. In Not und Leid kann uns der hl. Joseph lehren, nicht zunächst an uns selbst zu denken, sondern anderen zu helfen und für sie weiter da zu sein. Alte und Hilflose, Kranke und Arme, Kinder und Jugendliche, jeder hat sie in seiner Nachbarschaft und darf sich ihnen nicht aus Angst und Feigheit entziehen. Vorsicht ist geboten, das ist wahr. Aber die größte Vor-sicht zeigt ein großzügiges und selbstloses Herz, das in der Not den Nächsten nicht vergisst. Wenn wir selbstlos wie Joseph anderen helfen, teilen und mitgeben, dann wir uns Gott helfen, wenn wir selbst in Not sind.

So ist der große heilige Joseph im wahrsten Sinne des Wortes der „Mann der Situation“! Sein Glaube, sein Vertrauen, seine Selbstlosigkeit können uns gerade heute Richtschnur und Hilfe sein. Beten wir mit großem Vertrauen zu ihm, damit uns die Situation nicht überwältigt, sondern Gott uns hilft, sie zu besiegen. Unter der Führung des heiligen Joseph bleiben wir mit der Kirche eine Heilige Familie! Amen.

Bußprozession und hl. Messe zur Abwehr ansteckender Krankheiten in unserem Priesterseminar

Einige Fotos von der Bußprozession und einer Stillmesse nach dem Messformular zur Abwehr ansteckender Krankheiten, die vor wenigen Tagen in unserem Internationalen Priesterseminar von dem Generalprior des Instituts, Msgr. Dr. Gilles Wach, gefeiert wurde. Msgr. Wach hat bei dieser Gelegenheit das Institut, die Anbetungsschwestern, die Herz Jesu Gemeinschaft und alle unsere Apostolate und Werke aufs Neue der Unbefleckten Empfängnis geweiht.

Die Hilfe des Himmels ist in diesem schwierigen Moment wichtiger denn je. Unsere geistliche Familie trägt Sie alle im Gebet mit. Bitte beten Sie auch für uns.

O Maria, Unbefleckte Empfängnis, bitte für uns!

Predigt vom Generalvikar des Instituts Christus König, Msgr. Prof. DDr. R. Michael Schmitz, zum 3. Fastensonntag

Liebe Gläubige,

“Meine Augen schauen immer auf zum Herrn: Er ist es, der meine Füße aus der Schlinge befreit. Schau her auf mich und hab mit mir Erbarmen, denn ich bin so einsam und arm!“ (Psalm 24, 15). In diesen Worten des Introitus der Messe vom dritten Fastensonntag ist unsere jetzige Situation passend erfasst: Wir sind arme Menschen, in der Schlinge unserer Sündhaftigkeit gefangen, und nur der Herr kann uns befreien. Daher sollen unsere Augen immer zu Ihm aufschauen!

Die Situation, in der wir stehen, zeigt uns deutlich unsere Armut und Einsamkeit, wenn wir uns von Gott abwenden. Mit seiner Zulassung geschieht gerade in der Welt etwas, das alle lehren kann, wie sehr wir von Gott abhängen.

Zu selbstzufrieden und satt sind die Menschen geworden. Der Herr muss uns aufrütteln und uns zeigen, dass wir ohne ihn in den Schlingen der Sünde gefangen bleiben. Viele Menschen, ja ganze Völker scheinen sich von Gott abgewandt zu haben, weil sie meinen, Ihn nicht mehr zu brauchen, wie schon so oft in der Geschichte. Immer dann zeigt uns Gott, wie klein und arm wir sind. So sagt auch das heutige Graduale der Messe mit Psalm 9: „Erhebe Dich, o Herr, nicht soll der Mensch obsiegen; ereilen soll die Völker das Gericht vor Deinem Angesicht!“

Wir müssen uns in einer solchen Situation zunächst und vor allem Gott zuwenden. Bei aller notwendigen Vorsicht muss unsere erste Sorge nicht das leibliche Wohl sein, sondern der Zustand unserer Seele im Angesicht Gottes. Nur wer den Blick auf Gott verloren hat, verfällt in eine Panik, weil er vielleicht krank werden könnte. Wir alle müssen jede Stunde damit rechnen, dass Gott uns vor seinen Richterstuhl ruft. Wer aufrichtig und als Christ mit der Gnade mitwirken will, wer also mit Gott und nach seinem Willen lebt, der braucht angesichts von Krankheit und Tod nicht in eine Panik zu verfallen.

Der gläubige Christ weiß sich gerade in schweren Zeiten vertrauensvoll von Gott geborgen, weil er auch in Dunkelheiten darauf vertrauen kann, dass alles nach dem geheimnisvollen Plan Gottes verläuft. Kreuz und Leiden haben in diesem Plan ihren bestimmten Platz, der zwar für uns nicht immer durchschaubar ist, der aber am Ende auch das Dunkle und Schwere zu einem Mittel für uns Heil werden lässt. Deswegen hat Gott in Jesus Christus all unser Leiden und Kreuz auf sich genommen und es zur lichtvollen Auferstehung erhöht. Dadurch wissen wir, dass wir gerade in schweren Zeiten niemals alleine sind.

Hören wir also auf den heiligen Paulus, der uns heute im Epheserbrief (5, 8-19) sagt: „Lasst Euch von niemand mit nichtsagenden Worten verführen; denn solcher Dinge wegen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams.“ „Wandelt als Kinder des Lichts!“ In dieser Zeit, in der das Wirken des Bösen so offensichtlich ist, müssen wir als „Kinder des Lichts“ auf die Macht Gottes vertrauen. Er allein kann die Teufel der Zeit austreiben und die Menschen von ihrer Weltverfallenheit und Verblendung heilen. Er treibt den Teufel nicht mit Beelzebub aus, wie es

ihm die Pharisäer im heutigen Evangelium (Lukas 11, 14-28) scheinheilig vorwerfen. Er treibt alle Ungeister und Dämonen mit dem Licht seiner Wahrheit und der Kraft seiner Gottheit aus.

Dieses Licht und diese Kraft hat Christus an seine Kirche weitergegeben, durch deren Lehre und Sakramente er in die Geschichte hereinwirkt. Daher sind wir nicht uns selbst überlassen. Wir brauchen auch jetzt nicht allein auf menschliche Maßnahmen zu bauen. Wenn wir uns an den Gottmenschen wenden, dann wird Er uns und allen Menschen helfen. Jetzt müssen wir nicht weniger beten, sondern mehr! Jetzt müssen wir die heilige Fastenzeit noch ernster nehmen als vorher! Jetzt muss auch in unserem Leben Gott wieder in den Mittelpunkt gestellt werden! Immer, aber besonders in schwerer Zeit ist nämlich beim Herrn unsere Heimat. So sagt es der Kommunionvers der heutigen heiligen Messe mit Psalm 83: „Der Sperling hat ein Heim gefunden, ein Nest die Turteltaube, worin sie ihre Jungen birgt; so finde ich für mich Deinen Altar, o Herr der Himmelsheere, mein König und mein Gott. Glückselig, die in Deinem Hause wohnen; sie preisen Dich in alle Ewigkeit.“

Deswegen geht zusammen mit den von den weltlichen und kirchlichen Behörden angeordneten unumgänglichen Vorsichtsmaßnahmen das geistliche Leben im Institut Christus König weiter:

Täglich gedenken wir Ihnen in der Feier des hl. Meßopfers. Beten Sie mit uns zu unsrem Heiland Jesus Christus, dem Herrn der Welt und König der Menschheitsgeschichte. Nehmen wir den Rosenkranz zur Hand und beten wir gemeinsam zu Unsrer Lieben Frau von Fatima und zum hl. Joseph, dem universellen Schutzpatron der Katholischen Kirche. Die Zukunft gehört den Betern!

Soweit menschliche Klugheit das erlaubt, dürfen und müssen wir uns und die unseren schützen. Vergessen wir aber nicht, dass wir im letzten in der Hand des Herrn bleiben. Von Ihm hängen wir ab, zu ihm sollen wir uns wenden! Wenn er die Menschen jetzt aufrüttelt, so hat das einen tiefen Sinn. Angst und Panik sind aber keine christliche Antwort. Die Vorsehung des guten Gottes, der uns seinen Sohn als Unterpfand seiner Vaterliebe gesandt hat, führt uns jetzt zu innerer Umkehr: Weg von Selbstgewissheit und Hochmut hin zu Gottvertrauen und Gehorsam seinem Willen gegenüber. Die Botschaft dieser Zeit ist die Botschaft des Evangeliums: „Ja, selig, die das Wort Gottes hören und es befolgen!“ (Lukas 11, 28).

Amen.

Jubiläumsfeier verlegt

Liebe Gläubige und Freunde des Institutes,

vor einer Woche haben wir eine Einladung zu einer besonderen Feier anlässlich der 25-jährigen Jubiläumsfeier des Institutes Christus König und Hohepriester in Deutschland hier veröffentlicht und in den Bayerischen Apostolaten angekündigt. 

In diesen schwierigen Zeiten, war es für uns ein großer Trost zu sehen, dass so viele von Ihnen schon auf diese Einladung positiv geantwortet und sich für die Messe und Empfang angemeldet haben.

Wegen des heute ausgerufenen Katastrophenfalls im Bayern, und wegen der unberechenbaren Entwicklung der Pandemie, müssen wir leider diese Feier auf ein zukünftiges Datum verlegen. Dieses wird rechtzeitig angekündigt werden. Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis.

Bleiben wir im Gebet verbunden und vertrauen wir uns an die vereinten Herzen Jesu, Mariä und Josef in dieser traurigen Situation. Möge Gott seiner Kirche und dieser armen Welt zu Hilfe kommen.

Fest der Unbefleckten Empfängnis

Das Hauptfest unseres Institutes fiel dieses Jahr besonders günstig auf einen Sonntag und nahm damit eine dem 2. Adventssonntag vorgesetzte Stelle ein.

Die Gemeinschaft der Kanoniker und Anbetungsschwestern von Kloster Maria Engelport feierte daher und aufgrund der großen Nachfrage seitens der Gläubigen das Sonntagshochamt ausnahmsweise am Abend.

Dem feierliche Hochamt folgte eine Eucharistische Anbetung, während derer auch die Weihe des Institutes erneuert wurde, wie es auch in allen Apostolaten auf der ganzen Welt geschah.

Anschließend gab es eine Kerzenprozession zur Lourdesgrotte und danach einen feierlichen Empfang für alle Gäste des Hauses.

Auch in den Apostolaten in Traunstein, Altötting und Bad Reichenhall wurde die Unbefleckte Empfängnis besonders feierlich begangen.