Predigt zum Hochfest des hl. Joseph 2020

Liebe Gläubige,

im Sturm dieser Zeit ragt der hl. Joseph wie ein Fels aus der Brandung. Als Haupt der Heiligen Familie, als gesetzlicher Ehemann der jungfräulichen Gottesmutter Maria, als Pflegevater Jesu, als Patron der Kirche, als Schutz der Sterbenden und als Schrecken der Dämonen trotzt er allem Bösen. Sein Leben zeigt uns unerschütterliche Glaubenstreue, festes Gottvertrauen sowie liebende Großzügigkeit. Gerade jetzt brauchen wir sein Beispiel und seine Fürbitte.

Sein Glaube an die Gegenwart Gottes in unserem Leben war unerschütterlich. Schon die Kirchenväter erklären uns, dass er nie an der Reinheit der Gottesmutter gezweifelt hat, denn wie hätte er als gerechter Israelit jemanden beschützen wollen und können, der das Gesetz Gottes auf so eklatante Weise gebrochen hätte? Mit festem Glauben an die Führung Gottes und die Reinheit Mariens war sein erster Gedanke gewesen, den Ruf seiner ihm angetrauten Frau zu schützen. Obwohl diese Absicht gut war, hat sein fester Glaube ihn sofort bewegen, Maria zu sich zu nehmen, als Gott ihm dies befahl. Weil er auch dem schwierigen Ratschluss Gottes geglaubt hat, konnte er den guten Ruf der heiligen Jungfrau, diese selbst und den Gottessohn noch besser schützen. Sein starker Glaube entgegen allen Schwierigkeiten hat ihn zum Haupt der Heiligen Familie gemacht und lässt ihn auch der große Schutzpatron der Kirche sein.

Im Leben des heiligen Joseph hat es immer wieder Situationen gegeben, in denen er unbedingtes Gottvertrauen haben musste, um das Richtige zu tun. Nicht nur die Annahme Mariens zeigt dieses in einem festen Glauben verankerte Gottvertrauen, sondern auch die Herbergssuche, die Flucht nach Ägypten und die Rückkehr nach Nazareth. Jedes Mal ist das Leben der Heiligen Familie entscheidend und in unvorhergesehener Weise verändert worden. Niemals hat Joseph dabei an Gottes Güte gezweifelt. Er hat immer sofort getan, was er als Gottes Wille erkannt hat und sich seiner Vorsehung anvertraut. Dabei waren diese Entscheidungen weder leicht noch ihre Konsequenzen einfach. Trotzdem hat gerade der Umstand, dass Joseph an Gott nicht gezweifelt und nicht mit Ihm gehadert hat, ihn genau das Richtige tun lassen. Wer sich Gottes Gnade ergibt, der geht nicht falsch.

Schließlich war der hl. Joseph trotz seiner herausragenden Persönlichkeit und seinen Führungsqualitäten ein durch und durch bescheidener und selbstloser Mann. Größe zeigt sich oft genug im Kleinen. Auf heroische Weise hat er, obwohl – entgegen manch frommer Abbildung – in der Vollkraft seiner Jahre, auf die Ausübung seiner Rechte als Ehemann verzichtet. Demütig hat er anerkannt, dass die heilige Jungfrau eine größere Bestimmung hatte und ihr seine Liebe geschenkt, ohne auch nur das zu fordern, was ihm dem Gesetz nach zustand. Selbstlos hat er alles getan, um die Seinen auch in Dunkelheit zu behüten und sie am Leben zu halten, wenn Gefahr drohte. Großzügig hat er sich weggeschenkt, ohne an sich selbst zu denken. Er hat alles gegeben in dem Bewusstsein, selbst alles von Gott erhalten zu haben.

Wie ein Fels in der Brandung den Stürmen des Lebens trotzend, aber nicht aus eigener Kraft, sondern aus Gnade, das ist der heilige Joseph.

Der Sturm, der uns umgibt, kann trotz aller sehr notwendigen Vorsichtsmaßnahmen nur besiegt werden, wie es der hl. Joseph getan hat. Deshalb müssen wir jetzt unseren Glauben an die Gnade erneuern und um einen festen Glauben bitten. Gott hat uns alles gegeben, was wir brauchen, um selig zu werden. Der Glaube an den einen wahren Gott in drei Personen wird uns Halt sein, wenn die Zeit noch dunkler werden sollte. Er wird unsere Schritte lenken und uns die Glaubenshoffnung nicht vergessen lassen.

Daraus wir uns dann auch das notwendige Gottvertrauen und die Zuversicht der Hoffnung wachsen. Natürlich müssen wir vorausschauend handeln und uns schützen. Gottes Blick aber reicht noch weiter. Er allein kennt den Tag und die Stunde unseres Todes. Ohne Angst können wir ihr entgegengehen, wann immer sie auch sein mag, denn wir vertrauen Gottes gütiger Führung. Das macht uns auch in der jetzigen Krise ruhig und gelassen, denn wie der heilige Joseph wissen wir uns immer geborgen von Gottes Plänen und Fügungen.

So werden wir auch nicht in eine egoistische „Rette sich, wer kann“ – Panik verfallen. In Not und Leid kann uns der hl. Joseph lehren, nicht zunächst an uns selbst zu denken, sondern anderen zu helfen und für sie weiter da zu sein. Alte und Hilflose, Kranke und Arme, Kinder und Jugendliche, jeder hat sie in seiner Nachbarschaft und darf sich ihnen nicht aus Angst und Feigheit entziehen. Vorsicht ist geboten, das ist wahr. Aber die größte Vor-sicht zeigt ein großzügiges und selbstloses Herz, das in der Not den Nächsten nicht vergisst. Wenn wir selbstlos wie Joseph anderen helfen, teilen und mitgeben, dann wir uns Gott helfen, wenn wir selbst in Not sind.

So ist der große heilige Joseph im wahrsten Sinne des Wortes der „Mann der Situation“! Sein Glaube, sein Vertrauen, seine Selbstlosigkeit können uns gerade heute Richtschnur und Hilfe sein. Beten wir mit großem Vertrauen zu ihm, damit uns die Situation nicht überwältigt, sondern Gott uns hilft, sie zu besiegen. Unter der Führung des heiligen Joseph bleiben wir mit der Kirche eine Heilige Familie! Amen.

Predigt vom Generalvikar des Instituts Christus König, Msgr. Prof. DDr. R. Michael Schmitz, zum 3. Fastensonntag

Liebe Gläubige,

“Meine Augen schauen immer auf zum Herrn: Er ist es, der meine Füße aus der Schlinge befreit. Schau her auf mich und hab mit mir Erbarmen, denn ich bin so einsam und arm!“ (Psalm 24, 15). In diesen Worten des Introitus der Messe vom dritten Fastensonntag ist unsere jetzige Situation passend erfasst: Wir sind arme Menschen, in der Schlinge unserer Sündhaftigkeit gefangen, und nur der Herr kann uns befreien. Daher sollen unsere Augen immer zu Ihm aufschauen!

Die Situation, in der wir stehen, zeigt uns deutlich unsere Armut und Einsamkeit, wenn wir uns von Gott abwenden. Mit seiner Zulassung geschieht gerade in der Welt etwas, das alle lehren kann, wie sehr wir von Gott abhängen.

Zu selbstzufrieden und satt sind die Menschen geworden. Der Herr muss uns aufrütteln und uns zeigen, dass wir ohne ihn in den Schlingen der Sünde gefangen bleiben. Viele Menschen, ja ganze Völker scheinen sich von Gott abgewandt zu haben, weil sie meinen, Ihn nicht mehr zu brauchen, wie schon so oft in der Geschichte. Immer dann zeigt uns Gott, wie klein und arm wir sind. So sagt auch das heutige Graduale der Messe mit Psalm 9: „Erhebe Dich, o Herr, nicht soll der Mensch obsiegen; ereilen soll die Völker das Gericht vor Deinem Angesicht!“

Wir müssen uns in einer solchen Situation zunächst und vor allem Gott zuwenden. Bei aller notwendigen Vorsicht muss unsere erste Sorge nicht das leibliche Wohl sein, sondern der Zustand unserer Seele im Angesicht Gottes. Nur wer den Blick auf Gott verloren hat, verfällt in eine Panik, weil er vielleicht krank werden könnte. Wir alle müssen jede Stunde damit rechnen, dass Gott uns vor seinen Richterstuhl ruft. Wer aufrichtig und als Christ mit der Gnade mitwirken will, wer also mit Gott und nach seinem Willen lebt, der braucht angesichts von Krankheit und Tod nicht in eine Panik zu verfallen.

Der gläubige Christ weiß sich gerade in schweren Zeiten vertrauensvoll von Gott geborgen, weil er auch in Dunkelheiten darauf vertrauen kann, dass alles nach dem geheimnisvollen Plan Gottes verläuft. Kreuz und Leiden haben in diesem Plan ihren bestimmten Platz, der zwar für uns nicht immer durchschaubar ist, der aber am Ende auch das Dunkle und Schwere zu einem Mittel für uns Heil werden lässt. Deswegen hat Gott in Jesus Christus all unser Leiden und Kreuz auf sich genommen und es zur lichtvollen Auferstehung erhöht. Dadurch wissen wir, dass wir gerade in schweren Zeiten niemals alleine sind.

Hören wir also auf den heiligen Paulus, der uns heute im Epheserbrief (5, 8-19) sagt: „Lasst Euch von niemand mit nichtsagenden Worten verführen; denn solcher Dinge wegen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams.“ „Wandelt als Kinder des Lichts!“ In dieser Zeit, in der das Wirken des Bösen so offensichtlich ist, müssen wir als „Kinder des Lichts“ auf die Macht Gottes vertrauen. Er allein kann die Teufel der Zeit austreiben und die Menschen von ihrer Weltverfallenheit und Verblendung heilen. Er treibt den Teufel nicht mit Beelzebub aus, wie es

ihm die Pharisäer im heutigen Evangelium (Lukas 11, 14-28) scheinheilig vorwerfen. Er treibt alle Ungeister und Dämonen mit dem Licht seiner Wahrheit und der Kraft seiner Gottheit aus.

Dieses Licht und diese Kraft hat Christus an seine Kirche weitergegeben, durch deren Lehre und Sakramente er in die Geschichte hereinwirkt. Daher sind wir nicht uns selbst überlassen. Wir brauchen auch jetzt nicht allein auf menschliche Maßnahmen zu bauen. Wenn wir uns an den Gottmenschen wenden, dann wird Er uns und allen Menschen helfen. Jetzt müssen wir nicht weniger beten, sondern mehr! Jetzt müssen wir die heilige Fastenzeit noch ernster nehmen als vorher! Jetzt muss auch in unserem Leben Gott wieder in den Mittelpunkt gestellt werden! Immer, aber besonders in schwerer Zeit ist nämlich beim Herrn unsere Heimat. So sagt es der Kommunionvers der heutigen heiligen Messe mit Psalm 83: „Der Sperling hat ein Heim gefunden, ein Nest die Turteltaube, worin sie ihre Jungen birgt; so finde ich für mich Deinen Altar, o Herr der Himmelsheere, mein König und mein Gott. Glückselig, die in Deinem Hause wohnen; sie preisen Dich in alle Ewigkeit.“

Deswegen geht zusammen mit den von den weltlichen und kirchlichen Behörden angeordneten unumgänglichen Vorsichtsmaßnahmen das geistliche Leben im Institut Christus König weiter:

Täglich gedenken wir Ihnen in der Feier des hl. Meßopfers. Beten Sie mit uns zu unsrem Heiland Jesus Christus, dem Herrn der Welt und König der Menschheitsgeschichte. Nehmen wir den Rosenkranz zur Hand und beten wir gemeinsam zu Unsrer Lieben Frau von Fatima und zum hl. Joseph, dem universellen Schutzpatron der Katholischen Kirche. Die Zukunft gehört den Betern!

Soweit menschliche Klugheit das erlaubt, dürfen und müssen wir uns und die unseren schützen. Vergessen wir aber nicht, dass wir im letzten in der Hand des Herrn bleiben. Von Ihm hängen wir ab, zu ihm sollen wir uns wenden! Wenn er die Menschen jetzt aufrüttelt, so hat das einen tiefen Sinn. Angst und Panik sind aber keine christliche Antwort. Die Vorsehung des guten Gottes, der uns seinen Sohn als Unterpfand seiner Vaterliebe gesandt hat, führt uns jetzt zu innerer Umkehr: Weg von Selbstgewissheit und Hochmut hin zu Gottvertrauen und Gehorsam seinem Willen gegenüber. Die Botschaft dieser Zeit ist die Botschaft des Evangeliums: „Ja, selig, die das Wort Gottes hören und es befolgen!“ (Lukas 11, 28).

Amen.